Junger Anwalt beim Berufseinstieg in seinem Büro

Veröffentlicht am 28.11.2025

Berufseinstieg als Anwalt | Jung, motiviert, überfordert?

9 Tipps, wie du als Anwalt besser in deinen ersten Job startest

Der Einstieg in den Juristenberuf kann sich anfühlen wie ein Sprung ins kalte Wasser. Klar, im Referendariat und in dem ein oder anderen Praktikum hast du bereits Berufserfahrung gesammelt. Doch mit dem Erhalt der Anwaltszulassung sind nun jedoch höher: Du sollst eine steile Lernkurve hinlegen, hast deine ersten Mandanten, sollst alle von deinen Fähigkeiten überzeugen und musst nebenbei noch zahlreiche neue Menschen kennenlernen. Viele Berufseinsteiger:innen fühlen sich gerade in den ersten Wochen und Monaten überfordert und zweifeln an sich selbst. Die richtige Einstellung und einige Tipps können dabei helfen, die anfänglichen Schwierigkeiten zu überwinden.

1. Fordere dein Onboarding ein

Gerade in der modernen Arbeitswelt, in der du vielleicht die ersten Wochen remote arbeitest, fehlt der spontane Austausch am Kopierer. Ein schlecht strukturiertes Onboarding ist eine Hauptursache für Überforderung. Wenn du dich aufgeschmissen fühlst, liegt das aber oft nicht an dir, sondern daran, dass die Kanzlei die Einarbeitung nicht auf das hybride Umfeld angepasst hat.
 

So sorgst du proaktiv für eine erfolgreiche Einarbeitung:
 

  • Kenntnis des Ökosystems: Fordere eine klare Einführung in die digitale Infrastruktur der Kanzlei. Dazu gehören das VPN, die Kommunikations-Tools (Teams, Slack, interne Chat-Systeme), die Zeiterfassungs-Software und die Dokumentenablage. Ein Mangel an technischer Sicherheit kann massiv überfordern.
  • Feste Ansprechpartner benennen lassen: Im Büro sieht man leichter, wer gerade Zeit hat. Remote nicht. Bitte darum, dass dir explizit definierte Ansprechpartner für verschiedene Themen (Fachbereich, IT, Verwaltung) genannt werden, die du ohne schlechtes Gewissen kontaktieren kannst.
  • Proaktiver Beziehungsaufbau: Du musst die fehlenden spontanen Kontakte aktiv ersetzen. Schlage selbst kurze, informelle virtuelle Kaffeepausen (z. B. 15 Minuten per Video-Call) mit Kollegen vor, um dich auch persönlich zu vernetzen und die Unternehmenskultur kennenzulernen.
  • Konkret Feedback geben: Wenn wichtige Informationen fehlen, bitte um ein klärendes Gespräch, um Feedback zu geben - sei aber lösungsorientiert. Statt dich nur über fehlende Infos zu beschweren, sage konkret, was du brauchst: "Ich würde mich besser vorbereitet fühlen, wenn ich eine Übersicht über die Muster-Schriftsätze der letzten 12 Monate hätte."

Merke: Ein gutes Onboarding liegt nicht nur in der Verantwortung der Kanzlei. Zeige Initiative, fordere, was du brauchst, und gestalte deine Einarbeitung aktiv mit.

 

2. Etabliere Austausch und strukturiertes Feedback

Der Berufseinstieg ist kein Test, bei dem du allein alle Antworten kennen musst. Es wird von dir Engagement und eine steile Lernkurve erwartet – aber nicht, dass du bereits ein:e perfekte:r Anwält:in bist. Fragen zu stellen, ist daher gerade am Anfang dein wichtigstes Werkzeug.
 

Nutze die Anfangszeit strategisch, um schneller ins Thema zu kommen:
 

  • Such dir einen Buddy oder Mentor: Viele Kanzleien bieten formelle Mentorenprogramme an. Falls nicht, identifiziere proaktiv einen Kollegen (einen erfahrenen Associate oder Partner), den du regelmäßig und unkompliziert ansprechen kannst. Dieser informelle Mentor kann dir oft unbürokratisch bei organisatorischen oder fachlichen Unsicherheiten helfen.
  • Bündele deine Fragen: Vermeide ständige Unterbrechungen, die deine Kollegen aus dem Flow reißen. Schreibe dir alle Fragen, die während des Tages auftauchen, in einer Liste auf. Frage dann gezielt und strukturiert in einem vereinbarten Zeitfenster (z. B. 15 Minuten am Vormittag) nach. Das demonstriert Respekt vor der Zeit der anderen.
  • Fordere aktiv Feedback ein: Warte nicht auf das Jahresgespräch. Nach Abschluss einer Aufgabe – sei es ein Mandantengespräch oder ein Schriftsatz – frage aktiv nach, was gut lief und wo du dich verbessern kannst. Konstruktives Feedback ist die beste Medizin gegen Selbstzweifel und Überforderung, da es dir klare Leitlinien für die Weiterentwicklung gibt.
  • Frage "Warum" und nicht nur "Wie": Beim Berufseinstieg geht es darum, Prozesse zu verstehen. Wenn du eine Anweisung erhältst, frage nach der zugrundeliegenden Strategie. Verstehst du das *Warum* einer bestimmten Vorgehensweise, fällt dir das selbstständige Arbeiten beim nächsten Mal leichter.

Merke: Fragen zeigen nicht deine Unwissenheit, sondern dein Engagement und deine Fähigkeit zur effizienten Einarbeitung.

 

3. Nutze digitale und analoge Ressourcen

Als frischgebackene:r Jurist:in weißt du, dass dein Wissen deine wichtigste Ressource ist. Doch im modernen Anwaltsberuf geht es nicht mehr nur um das dicke Handbuch im Regal. Effizienz und Schnelligkeit sind gefragt, was eine strategische Nutzung aller verfügbarer Wissensquellen erfordert.
 

So behältst du den Überblick und vermeidest Überforderung
 

  • Beherrsche die Datenbanken: Die Basis deiner Arbeit sind die großen juristischen Online-Datenbanken wie Beck-Online oder Juris. Sie sind die aktuellen „Bücherregale“ der Kanzlei. Nimm dir die Zeit, dich von Kollegen oder im Rahmen deines Onboardings intensiv in die Suchfunktionen und Fachmodule einweisen zu lassen.
  • Nutze Legal Tech Tools: Viele Kanzleien setzen heute Legal Tech Tools zur automatisierten Recherche, zur Dokumentenanalyse oder zur Fallprognose ein. Lerne frühzeitig, wie du diese Systeme bedienst, denn sie können dir enorme Zeit sparen.
  • Finde das interne Wissen: Oft wurde die Frage, die dich beschäftigt, bereits von einem Kollegen bearbeitet. Finde heraus, wie das Knowledge-Management-System (Wissensdatenbank) deiner Kanzlei funktioniert. Das spart nicht nur Zeit, sondern reduziert auch die Gefahr von Doppelarbeit.
  • Vergiss die Klassiker nicht: Trotz aller Digitalisierung bleiben spezialisierte Fachliteratur und Handbücher (gedruckt oder digital als E-Book) weiterhin relevant, insbesondere für einen tiefen Einstieg in deinen Fachbereich. Informiere dich, welche aktuellen Kommentare in deinem Team als Standard gelten, um auf der gleichen Wissensbasis wie deine Vorgesetzten zu arbeiten.

Merke: Wissen zu finden ist nicht das Problem, sondern es schnell und zuverlässig zu filtern. Investiere Zeit in die Tools – das zahlt sich sofort aus.

Du suchst nach einem Job, der deinen Vorstellungen gerecht wird?

4. Meistere das digitale Zeit- und Aufgabenmanagement

Als Anwalt ist Organisation das A und O, um Fristen zu halten und Mandanten effizient zu betreuen. Die Herausforderung im Berufseinstieg liegt darin, dass du die Prioritäten und den Zeitaufwand noch schwer einschätzen kannst. Daher musst du deine Organisationsfähigkeit bewusst trainieren – insbesondere im Umgang mit der digitalen Flut.
 

Konkrete Strategien für deine digitale Selbstorganisation:
 

  • Das 4-Quadranten-Prinzip anwenden: Nutze die Eisenhower-Matrix (wichtig/dringend), um deine täglichen To-Dos zu priorisieren. Im Juristenberuf hat die "wichtig und dringend"-Kategorie, also Fristen und Eilaufträge, immer Vorrang. Plane aber auch Zeit für wichtige, aber nicht dringende Aufgaben ein (z. B. Weiterbildung, Einarbeitung in Legal Tech).
  • Digitales Tool-Triage: Du hast wahrscheinlich mehrere Kanäle (E-Mail, Teams/Slack, Telefon, Kanzlei-Software). Definiere, welches Tool du wofür nutzt. Übertrage Aufgaben, die in E-Mails oder Chats gestellt werden, sofort in dein zentrales Task-Management-System, um sie nicht aus den Augen zu verlieren.
  • Zeitblöcke für Konzentration: Plane feste Blöcke für Aufgaben ein, die höchste Konzentration erfordern (Deep Work, siehe Punkt 4). Wichtiger noch: Plane Pufferzeiten ein. Da im Anwaltsberuf ständig Unvorhergesehenes passiert, verhindert der Puffer, dass du dich sofort überfordert fühlst, wenn ein Mandant anruft oder eine Eilfrist dazwischenkommt.
  • E-Mail- und Chat-Management: E-Mails und Chats sind die größten Produktivitätskiller. Lege feste Zeiten (z. B. morgens, mittags, nachmittags) fest, in denen du dein Postfach bearbeitest. Schalte Benachrichtigungen außerhalb dieser Zeiten aus, um kontinuierliche Unterbrechungen und damit Überforderung zu vermeiden.

Merke: Gute Organisation bedeutet nicht Perfektion, sondern die Fähigkeit, selbst unter Hochdruck noch die richtigen Prioritäten zu setzen und den Überblick zu behalten.

 

5. Sorge für eine ganzheitliche Vorbereitung

Die Vorbereitung auf Mandantengespräche oder Fallarbeit geht heute über das reine Fachwissen hinaus. Neben einer effizienten Arbeitsweise im Kanzleialltag sind strategisches Denken, Tech-Kompetenz und ein tiefes Verständnis für das Geschäft des Mandanten essenziell, um sicher und souverän aufzutreten.
 

So bereitest du dich ganzheitlich vor:
 

  • Verstehe das Geschäft des Mandanten: Im Wirtschaftsrecht ist die juristische Lösung nur die halbe Miete. Informiere dich über die Branche, das Geschäftsmodell und die aktuellen Herausforderungen deines Mandanten. Eine Lösung, die technisch einwandfrei ist, aber betriebswirtschaftlich keinen Sinn ergibt, ist keine gute Anwaltsleistung.
  • Beherrsche die internen Prozesse: Gute Vorbereitung umfasst auch die Organisation. Dazu gehört das Wissen, wie Fälle im CRM (Customer Relationship Management) oder Dokumentenmanagement-System (DMS) der Kanzlei angelegt werden. Nur wenn alle Fristen, Notizen und Dokumente korrekt hinterlegt sind, schützt du Mandanten und dich selbst vor Fehlern.
  • Informiere dich strategisch: Nutze interne Quellen wie Kollegen, Rechtsanwaltsfachangestellte (ReFas) oder die oben genannten Knowledge-Management-Systeme, um Hintergrundinformationen über die bisherige Mandatsbeziehung zu sammeln.
  • Sicherheit in der digitalen Kommunikation: Ob Videokonferenz oder verschlüsselte E-Mail – die Vorbereitung beinhaltet heute oft auch die technische Gewährleistung einer reibungslosen und sicheren Kommunikation. Stelle sicher, dass du mit den genutzten Tools (z. B. Teams, Zoom, Secure Mail Gateways) vertraut bist.
  • Die Notiz als Anker: Bleib beim Klassiker: Mache dir vor wichtigen Terminen eine klare Agenda, notiere Fragen, die du klären musst, und halte während des Gesprächs die wesentlichen Punkte fest. Das gibt dir Struktur und reduziert die Nervosität, da du dich auf deinen Fahrplan verlassen kannst.

Merke: Professionelle Vorbereitung kombiniert juristische Expertise mit betriebswirtschaftlichem Verständnis und fehlerfreiem Fallmanagement.

6. Kenne und setze deine Grenzen

Vor allem in großen Kanzleien sind juristische Arbeitszeiten mental oft sehr vereinnahmend. Während es normal ist, am Anfang auch außerhalb der Arbeitszeiten über Fälle nachzudenken, musst du aktiv für einen mentalen Ausgleich sorgen. Im Zeitalter von Homeoffice und ständiger Erreichbarkeit verschwimmen die Grenzen zwischen Job und Freizeit schneller als je zuvor – ein massiver Überforderungsfaktor.
 

So schützt du deine mentale Gesundheit im digitalen Zeitalter:
 

  • Verankere das Recht auf Unerreichbarkeit: Informiere dich, wie die Erreichbarkeitsregeln in deiner Kanzlei sind. Auch wenn du dich beweisen willst: Es ist ein Zeichen von Professionalität, deine Energie zu managen. Lege fest, ab welcher Uhrzeit du nicht mehr auf E-Mails oder Chat-Nachrichten reagierst.
  • Schaffe klare, physische Trennung: Nutzt du im Homeoffice den gleichen Laptop für Arbeit und Privatleben, ist die Trennung schwer. Beende deinen Arbeitstag bewusst, indem du den Job-Laptop zuklappst und ihn aus dem Sichtfeld räumst. Ein "Feierabend-Ritual" kann helfen, den gedanklichen Schalter umzulegen.
  • Digital Detox am Abend: Das Smartphone ist der größte Grenzgänger. Deaktiviere die Benachrichtigungen der Job-Apps (Outlook, Teams, Slack) nach Feierabend, oder lösche sie temporär vom privaten Gerät. Konstante "Pings" halten dein Gehirn im Arbeitsmodus und verhindern echte Erholung.
  • Erholung als Priorität: Erlaube dir, dich nach Feierabend mit Dingen abzulenken, die dir Freude bereiten. Das ist keine Faulheit, sondern eine notwendige Investition in deine Produktivität am nächsten Tag. Nur wer psychisch gesund ist, kann langfristig Höchstleistung erbringen.

Merke: Grenzen zu setzen ist keine Schwäche, sondern ein Akt der Selbstfürsorge, der dir langfristig hilft, Überforderung zu vermeiden und deine Karriere zu sichern.

 

7. Lerne, strategisch Nein zu sagen

Als junge:r Anwält:in möchtest du beweisen, dass du belastbar bist und keine Aufgabe scheust. Dieser Drang kann jedoch schnell zu chronischer Überforderung führen. Die Fähigkeit, Nein zu sagen, ist keine soziale Blockade, sondern ein Zeichen von strategischer Reife und der Fähigkeit, Aufgaben effizient zu priorisieren – eine Schlüsselkompetenz für Juristen.
 

So sagst du professionell Nein (oder "Ja, aber...")
 

  • Nein durch Prioritätensetzung: Formuliere dein Nein nicht als persönliche Ablehnung, sondern als strategischen Konflikt. Erkläre deinem Vorgesetzten oder Kollegen, dass du die neue Aufgabe gerne übernimmst, aber dafür eine andere, bereits zugewiesene Aufgabe zurückstellen oder mit späterer Frist versehen müsstest.
  • Das "Ja, und..."-Prinzip anwenden: Wenn du neue Arbeit annimmst, verhandle aktiv. Statt eines einfachen "Ja" zu sagen, schlage vor: "Ja, ich mache das, und kann dafür die Frist für Aufgabe X um zwei Tage nach hinten verschieben. Ist das in Ordnung?" Das verlagert die Priorisierungsentscheidung zur verantwortlichen Person zurück.
  • Kenne deine Kapazitäten: Bevor du zusagst, wirf einen Blick in dein Zeitmanagement-System. Lerne, den Zeitaufwand von Aufgaben realistisch einzuschätzen. Deine Ablehnung wirkt umso überzeugender, je konkreter du deine Begründung mit deiner aktuellen Auslastung verknüpfst.
  • Bleib bestimmt und lösungsorientiert: Beschwere dich nicht über zu viel Arbeit, sondern begründe deine Entscheidung sachlich. Deine Haltung sollte vermitteln: Du bist motiviert, die Arbeit zu erledigen, aber nur unter Bedingungen, die eine hohe Qualität gewährleisten.

Merke: Wer zu allem Ja sagt, läuft Gefahr, am Ende gar nichts richtig zu erledigen. Strategisches Nein-Sagen zeigt, dass du deine eigenen Ressourcen und die Qualitätsansprüche der Kanzlei ernst nimmst.

 

8. Nimm dir Zeit zur Reflexion

Die Reflexion deiner Leistung ist entscheidend, um dich fachlich weiterzuentwickeln. Im Kontext der Überforderung ist sie aber ebenso wichtig für deine mentale Gesundheit. Sie hilft dir zu verstehen, wann und warum du dich überlastet fühlst.
 

So machst du Reflexion zu einem Tool gegen Überforderung:
 

  • Unterscheide zwischen Deep Work und Busy Work: Betrachte am Ende des Tages nicht nur was du geschafft hast, sondern wie du gearbeitet hast. Hattest du Zeit für Deep Work (konzentrierte, wertschöpfende juristische Arbeit) oder warst du nur mit Busy Work (E-Mails, Verwaltung, Unterbrechungen) beschäftigt? Optimiere deinen nächsten Tag, indem du Zeitblöcke für Deep Work reservierst.
  • Führe, wenn möglich, ein kurzes "Stress-Protokoll": Über die fachliche Leistung hinaus, nimm dir kurz Zeit für eine mentale Bestandsaufnahme. Wie war mein Energielevel heute? Was hat mich am meisten gestresst? Was hat mir Energie gegeben? Das Erkennen von Mustern ist der erste Schritt zur Burnout-Prävention und einer vorhandenen Work-Life-Balance.
  • Fokus auf das Gelernte: Jurist:innen neigen zu Perfektionismus. Reflektiere Fehler nicht als persönliches Versagen, sondern als Lernchancen. Halte schriftlich fest, welche neue juristische Regel oder welchen neuen Kanzleiprozess du heute verstanden hast. Das stärkt das Selbstvertrauen.
  • Feiere kleine Erfolge: Gerade Berufseinsteiger fokussieren sich oft zu sehr auf das, was nicht funktioniert hat. Nimm dir bewusst Zeit, die positiven Momente des Tages anzuerkennen. Das Gefühl, etwas geschafft zu haben, wirkt dem Hochstapler-Syndrom entgegen.

Merke: Die tägliche Reflexion ist dein wichtigstes Instrument, um aus dem reaktiven Modus auszubrechen und proaktiv deine Lernkurve und deine Belastung zu steuern.

Im Büro sieht man leichter, wer gerade Zeit hat. Remote nicht.

9. Entwickle ein Growth Mindset: Potenzial vor Perfektion

Viele Berufseinsteiger:innen leiden unter dem sogenannten Hochstapler-Syndrom (Imposter-Syndrom): Sie führen ihre Erfolge auf Zufall zurück und machen sich für Misserfolge über Gebühr verantwortlich. Dieses Gefühl der ständigen Selbstzweifel ist ein massiver Überforderungsfaktor. Um dem entgegenzuwirken, ist die Entwicklung eines Growth Mindset entscheidend.
 

So transformierst du Selbstzweifel in Entwicklungsenergie:
 

  • Verstehe den Unterschied: Ein Fixed Mindset (starres Denken) glaubt, Intelligenz und Talent seien unveränderlich. Es führt zu Perfektionismus und Angst vor Fehlern. Ein Growth Mindset (Wachstumsdenken) glaubt, Fähigkeiten können durch harte Arbeit, Strategie und Lernen entwickelt werden. Fehler sind hierbei nur Feedback.
  • Fokus auf den Prozess, nicht das Ergebnis: Erinnere dich daran: Du wurdest eingestellt, weil die Kanzlei dein Potenzial gesehen hat – nicht deine bereits abgeschlossene Perfektion. Konzentriere dich darauf, jeden Tag etwas Neues zu lernen. Das stärkt das Selbstvertrauen mehr als der Versuch, alles sofort fehlerfrei zu machen.
  • Akzeptiere die Lernkurve: Im Anwaltsberuf gibt es immer Unbekanntes. Sieh Fehler oder komplexe Situationen nicht als Beweis deines Unvermögens, sondern als Herausforderung, an der du wachsen kannst. Juristen müssen resilient sein und aus schwierigen Situationen gestärkt hervorgehen.
  • Erweitere deinen Kompetenzbegriff: Dein Wert als Anwalt beschränkt sich nicht nur auf juristisches Fachwissen. Auch Soft Skills (Kommunikation, Verhandlung) und Legal Tech-Verständnis sind Zukunftsfähigkeiten. Sieh diese Bereiche als dein Entwicklungspotenzial an und arbeite aktiv daran.

Merke: Du bist auf einem Lernweg. Das Ziel ist nicht, keine Fehler zu machen, sondern mit jedem Fehler ein besserer Anwalt zu werden.

 

Wenn du dich als Berufsanfänger überfordert fühlst, dann vergesse nie, dass du damit nicht allein bist: Jeder hat einmal angefangen und bei den wenigsten gelingt der Einstieg perfekt und ohne den ein oder anderen Fehltritt. Sehe solche Vorkommnisse nicht als eigenes Versagen, sondern als Möglichkeit an, dazuzulernen. Als Anwältin oder Anwalt solltest du auch mit schwierigen Situationen umgehen und an diesen wachsen können. Dabei hilft dir neben deinem selbstbewussten Auftreten auch deine positive Einstellung – an beidem kannst du aktiv arbeiten.

Wie erging es anderen Berufseinsteigern in Kanzleien?

Hier findest du Interviews von Berufsanfängern und ihren Erfahrungen: