Dolde Mayen & Partner Berufseinstieg während Corona

 Veröffentlicht am 23.06.2021.

"Nach dem zweiten Staatsexamen ist die Ausbildungszeit keinesfalls vorbei"

2 Anwälte über ihren Berufseinstieg bei Dolde Mayen & Partner

Dr. Oliver Moench (o. r.) und Dr. Raphael Pompl (o. l.) sind kurz vor dem Lockdown bei Dolde Mayen & Partner gestartet. Der eine als Jobwechsler, der andere als Berufseinsteiger. Wie beide ihren Joballtag in Pandemiezeiten erlebten, was sie gefordert und positiv überrascht hat, beschreiben sie in diesem Interview.

Herr Dr. Moench, Sie sind seit Dezember 2020 als Rechtsanwalt für Dolde Mayen & Partner tätig. Wie haben Sie den Wechsel während der Pandemie empfunden und wie hat sich für Sie der Bewerbungsprozess gestaltet?

Dr. Oliver Moench: Zunächst hatte ich Bedenken, ob ein Wechsel zu Pandemie-Zeiten überhaupt sinnvoll ist. Bei meinem früheren Arbeitgeber war Home Office obligatorisch. Für neue Kollegen war es schwierig, sich auf Distanz zu integrieren. Bei Dolde Mayen & Partner ist mir das Onboarding im Home Office glücklicherweise erspart geblieben.

Die meisten von uns waren während des Lockdowns gerne und überwiegend in der Kanzlei. Das hat den Start enorm erleichtert. Coronagerechte Hygiene war leicht machbar. Zum Bewerbungsprozess: Mein Eindruck ist, dass sich die Einstellungssituation im Lockdown insgesamt verändert hatte. Es herrschte eine gewisse Panik und viele Kanzleien verhängten Einstellungsstopps.

Für viele Berufseinsteiger war es sehr frustrierend, sich in dieser Zeit zu bewerben. Ich stand glücklicherweise nicht unter Zugzwang und konnte in Ruhe die Lage sondieren. Die Vorstellungsgespräche verliefen sehr unterschiedlich: vom Spaziergang durch den Park, über virtuelle Jobinterviews bis hin zu persönlichen Treffen mit Masken.

Bei Dolde Mayen & Partner war das entspannt: im Büro, ohne Maske, auf Abstand. Das Ziel war, dass ich das ganze Team kennenlerne. In verschiedenen Gesprächen und beim Mittagessen hatte ich Gelegenheit, alle Kolleginnen und Kollegen erst in Stuttgart und zwei Wochen später in Bonn persönlich zu treffen. 
 

Sie waren vor Ihrer Tätigkeit bei Dolde Mayen & Partner bereits für eine andere Kanzlei tätig. Inwiefern hat Corona Ihre Entscheidung für einen Jobwechsel – gerade in Hinblick auf ein eventuelles Onboarding aus dem Home Office – beeinflusst?

Dr. Oliver Moench: Für mich stand fest: Ich möchte in einer Boutique-Kanzlei mit einem klaren fachlichen Schwerpunkt arbeiten. In einer Großkanzlei ist die Arbeit stark durch Großprojekte aus anderen Fachbereichen wie Due-Diligences mitgeprägt. Auf Dauer ist das nichts für mich.

Der Wechsel hat mir gutgetan, hatte an sich jedoch nichts mit Corona zu tun. Doch gerade in der Pandemie haben sich mir die Vorteile einer kleineren Kanzlei noch deutlicher gezeigt: Home Office ist nicht verpflichtend und ich genieße eine sehr intensive Ausbildung.

Seien wir ehrlich: Nach dem zweiten Staatsexamen ist die Ausbildungszeit keinesfalls vorbei. Das 1:1-Mentoring bei Dolde Mayen & Partner erlebe ich persönlich und fachlich als prägend und bereichernd.

Was können sowohl Berufseinsteiger und Berufseinsteigerinnen als auch die Kanzlei tun, um das Onboarding und Remote Arbeiten in Lockdown-Zeiten gut zu gestalten?

Dr. Oliver Moench: Das Beste ist natürlich, wenn junge Menschen so wenig wie möglich remote arbeiten müssen. In Berlin hatte ich Kollegen, die im April 2020 in den Beruf starteten und erst Monate später ihr Team persönlich kennenlernten. Das ist nicht optimal. Man darf nicht vergessen: Neue Anwälte im Team tun sich oft schwer, auf Partner oder Kollegen zuzugehen und warten auf einen beruflichen Anlass, um Kontakt aufzunehmen. Die Sicherheit und das Selbstverständnis im persönlichen Umgang fehlen ganz einfach. Und wenn die alten Hasen im Web-Meeting munter drauflosreden, sind unerfahrene oft schüchtern oder übervorsichtig.

Wichtig gerade für die Chefs: Mit dem Montagmorgen-Teamcall ist es nicht getan. Das direkte Gespräch ist unersetzlich. Es verbindet, wenn Vorgesetzte auch ohne bestimmten Grund die neuen Kollegen im Home Office anrufen und fragen: Wie geht es Ihnen? Es geht nicht um Kontrolle, sondern um den persönlichen Kontakt. Wer in den Beruf einsteigt, öffnet sich unter vier Augen oder Ohren leichter, als wenn zehn Anwälte im virtuellen Meeting zusammensitzen.
 

Herr Dr. Pompl, Sie waren bereits 2019 Referendar bei Dolde Mayen & Partner und sind dort seit Januar 2020 als Rechtsanwalt tätig. Wie haben Sie den Berufsstart in der Pandemiezeit erlebt?

Dr. Raphael Pompl: Als Referendar bei Dolde Mayen & Partner und in den ersten Wochen im Anwaltsberuf waren persönliche Treffen noch an der Tagesordnung. Wir setzten uns häufig mit Mandanten an einen Tisch und mein Mentor, Dr. Winfried Porsch, nahm mich zu Gerichts- und Behördenterminen mit.

Dann verschärfte sich die pandemische Lage und Präsenz war passé. Gerichtstermine wurden verschoben. Schnell haben Videocalls die etablierten Telefonkonferenzen abgelöst. Erörterungstermine zu bedeutenden Infrastrukturbauvorhaben fanden auf einmal virtuell statt. Es war neu und ungewohnt, dass Vorhabenträger, Behörde und Betroffene Einwendungen online von Monitor zu Monitor diskutierten. Das wäre vor der Pandemie undenkbar gewesen.

Was war Ihre Kernerkenntnis im Referendariat bei Dolde Mayen & Partner und welche Herausforderungen sind Ihnen während Ihrer Referendarstation begegnet?

Dr. Raphael Pompl: Ich habe verinnerlicht, wie bedeutend gute Schriftsätze in der anwaltlichen Praxis sind. Mein Gegenüber muss eindeutig verstehen, was ich mitzuteilen habe – und zwar ohne irgendwelche Verschleierungstaktiken, die sich später möglicherweise rächen. Es geht darum, die Rechtsprobleme des Streitfalls klar herauszuarbeiten, qualifiziert zu diskutieren und eine überzeugende Lösung zu finden.

Gelingt keine gütliche Einigung, muss man das Gericht überzeugen. Also: sich im Vorfeld Zeit nehmen, einen Schriftsatz strukturieren, in sich logisch ausarbeiten und in eine klare Sprache gießen. Darum geht es. Auch eine Gliederung kann hilfreich sein. Wer sich nur auf Gespräche oder die mündliche Verhandlung verlässt, verspielt Überzeugungskraft.

Das Besondere bei Dolde Mayen & Partner: Hier liegen viele Rechtsprobleme auf dem Tisch, mit denen sich vorher noch niemand befasst hat: brisante oder neue Rechtsfragen, zu denen es in der Literatur noch keine herrschende Auffassung gibt. Mich einzuarbeiten, die Zusammenhänge zu verstehen und dann zu einer überzeugenden Lösung zu kommen – und zwar ohne Hilfestellung aus der Literatur und Rechtsprechung: Das war nicht nur spannend, sondern auch eine Herausforderung für mich. Kein Fall verläuft nach Schema F.
 

Inwieweit hat der Lockdown ihre Einarbeitung und Probezeit geprägt – und wie haben Sie Ihre ersten hundert Tage bei Dolde Mayen & Partner erlebt?

Dr. Raphael Pompl: In der Pandemie hat sich intern nicht viel geändert – von den Abstands- und Hygieneregeln einmal abgesehen. Wir waren fast alle in unseren Einzelbüros vor Ort. Anders waren die Treffen mit Mandanten oder Behörden, die häufig virtuell stattfanden.

Meine ersten hundert Tage habe ich als intensive Ausbildung erlebt. Im Anwaltsberuf tauchte ich von Anfang an noch viel tiefer in die Materie ein als im Referendariat. Inhaltlich setzte ich mich mit einem bunten Potpourri an Rechtsfragen auseinander: von exotischeren Rechtsgebieten wie dem Feuerwehrrecht und dem Strahlenschutzrecht bis hin zum Planungs- und Baurecht.

Ja, mit dem Berufsstart war meine Lernkurve steil. Von Anfang an war ich gefordert, wissenschaftlich und tiefgründig zu arbeiten – und das wollte ich genauso. Dieser Anspruch war einer der Gründe, warum ich mich für Dolde Mayen & Partner entschieden habe. Außerdem wollte ich in enger 1:1-Zusammenarbeit mit meinem Mentor eine wirklich gute Ausbildung als Rechtsanwalt bekommen.

Ja, mit dem Berufsstart war meine Lernkurve steil. Von Anfang an war ich gefordert, wissenschaftlich und tiefgründig zu arbeiten.
Dr. Raphael Pompl

Wie funktioniert Ihrer Meinung nach die interne Kommunikation und inwiefern hat sich der Kontakt zu Ihren Mandanten und Mandantinnen in Corona-Zeiten verändert?

Dr. Oliver Moench: Ich bin sehr froh, dass es hier auch zu Corona-Zeiten möglich war und ist, morgens mit der Kaffeetasse in der Hand an einer Tür vorbeizugehen, kurz zu klopfen und zu sagen: ‚Wie geht´s? Lassen Sie uns später kurz sprechen.‘

Wenn man im gleichen Büro ist, entsteht ganz natürlich viel mehr zwischenmenschlicher Kontakt. Für Kanzleien mit strengen Home Office-Regeln ist es schwierig, eine positive, kollegiale Arbeitsatmosphäre und ein Wir-Gefühl zu erhalten und zu entwickeln. Es funktioniert zwar technisch, nur noch remote zu arbeiten, aber für mich wäre das nichts. Der Kontakt zu den Mandanten hat sich für mich nicht einschneidend verändert.

Präsenztermine mit Mandanten sind durch meinen Wechsel zu Dolde Mayen & Partner während der Corona-Zeit sogar etwas häufiger geworden. Ich finde es gut, dass Videokonferenzen häufig die herkömmlichen „Telkos“ abgelöst haben, da ich es schätze, das Gesicht und die Mimik zu der Stimme meiner Gesprächspartner zu sehen. Es ist erstaunlich, wie schnell wir in den letzten Monaten dabei eine neue Lockerheit und Souveränität entwickelt haben. Jeder versteht, wenn das Kind schreit oder der Hintergrund eher nach „home“ als nach „office“ aussieht. Das wäre vor zwei Jahren unvorstellbar gewesen.

Dr. Raphael Pompl: Interessant finde ich, wie sich der Dresscode verändert hat. In einem Online-Meeting saß zum Beispiel ein Gesprächspartner, der sich bislang eher klassisch mit Hemd und Sakko präsentierte, mit Kapuzenpulli im Home Office. Ich fand das menschlich und sympathisch.

 

Herr Dr. Pompl, die Pandemie ist ein Thema, das direkt das öffentliche Recht tangiert. Liegen Akten mit Coronabezug auf Ihrem Schreibtisch?

Dr. Raphael Pompl: Ja, tatsächlich. Ich berate einen Spitzensportverband in verwaltungsrechtlichen Fragen. Konkret geht es um Corona-Hilfszahlungen des Bundes für den Profisport. Dieses Mandat ist für mich besonders bemerkenswert: Plötzlich fand ich mich im Videocall wieder und auf der anderen Seite saß ein früherer Spitzensportler, der heute als Rechtsanwalt und Justitiar für den Sportverband tätig ist. Das war für mich eine schöne Abwechslung. 

Der erste Eindruck zählt

Wie beschreiben Sie heute den Reiz, den das öffentliche Recht auf Sie ausübt?

Dr. Raphael Pompl: Das öffentliche Recht weist klare, logische Strukturen auf. Es ist außerdem mit hoch aktuellen, häufig brisanten politischen Richtungsentscheidungen verzahnt. Markante Beispiele sind die Energiewende oder der Ausbau wichtiger Infrastrukturvorhaben in Deutschland. Politik und Recht gehen hier besonders stark ineinander über.

Verteilungs- und Grundrechtsfragen sind längst in der Tagespresse angekommen. Wenn die Kanzlerin im Kontext der Pandemiebekämpfung sagt: Die Maßnahmen müssen geeignet, erforderlich und angemessen sein, dann gibt sie den Verhältnismäßigkeitsgrundsatz – als Leitprinzip des öffentlichen Rechts – wieder.

Besonders fasziniert mich das Europarecht, mit dem ich mich während meiner Promotion intensiv auseinandergesetzt habe. Es ist spannend, wie das Unionsrecht das deutsche Recht durchdringt und überformt. 
 

Was tut Ihnen gut in dieser Ausnahmezeit – beruflich und persönlich?

Dr. Raphael Pompl: Dass ich ins Büro kommen kann, empfinde ich von Anfang an als wertvoll. Und Sport tut mir gut – ich gehe regelmäßig mit einigen Kollegen laufen. Vor der Corona-Pandemie war ich häufiger zum Tauchen am Bodensee und hoffe sehr, dass ich mein Hobby bald wieder ausüben kann.
 

Ihre Promotion und Studienzeit liegen gar nicht lange zurück. Was raten Sie Online-Studierenden jetzt, um gut über die Runden zu kommen?

Dr. Raphael Pompl: Ich habe großes Verständnis für die Nöte der Studierenden, auch wenn ich selbst nie Online-Vorlesungen besuchen musste. Als Student war es für mich wichtig, mein WG-Zimmer und meinen Arbeitsplatz räumlich voneinander zu trennen. Deshalb habe ich in der Bibliothek gelernt.

Mein Rat: Erstellt Euch einen klaren Zeitplan, dem Ihr konsequent folgt und achtet auf eine ordentliche Sitzhaltung. Falls möglich: Haltet persönlichen Kontakt in einer Lerngruppe. Traut Euch, Euren Professoren und Dozenten konstruktives Feedback zu geben; auch für sie ist das Online-Format häufig ungewohnt. 

Präsenztermine mit Mandanten sind durch meinen Wechsel zu Dolde Mayen & Partner während der Corona-Zeit sogar etwas häufiger geworden.
Dr. Oliver Moench

Herr Dr. Moench, wie lässt sich Ihrer Meinung nach Berufliches und Privates, vor allem zu Lockdown-Zeiten trennen, und wodurch finden Sie den Ausgleich?

Dr. Oliver Moench: Es ist empfehlenswert, private Aktivitäten fest im Kalender zu verankern. So fällt es leichter, den Abstand zu wahren und die Grenze zu ziehen. Ich habe in der Pandemie mit dem Joggen angefangen und wir haben bei Dolde Mayen & Partner eine Laufgruppe, die mittwochs den Feierabend einläutet. Das ist schon ein sehr guter Ausgleich. Während der Pandemie habe ich zwar vieles vermisst, gleichzeitig tut es gut, dass Corona entschleunigt hat. Die freie Zeit habe ich gerade an Wochenenden sehr geschätzt.
 

Welche Tipps können Sie jungen Anwälten und Anwältinnen mit auf den Weg geben und worauf sollten sie beim Berufseinstieg besonders achten?

Dr. Oliver Moench: Entscheidend ist es, dass man sich ein Rechtsgebiet sucht, das Spaß macht. Wichtig ist es aber auch, dass das Persönliche stimmt. Hand aufs Herz – das merkt man häufig schon im Bewerbungsgespräch. Wer mit dem Chef oder den Kollegen nicht klarkommt, vergeudet zu viel Kraft. Das lohnt sich nicht.

Mein Rat: Achtet auf den menschlichen Aspekt, nutzt die Referendarstation, um in Kanzleien reinzuschnuppern. Und hört auf Euer Bauchgefühl.
 

Ihr Fazit?

Dr. Oliver Moench: Corona hat gesellschaftliche Prozesse beschleunigt, neue Formen der Zusammenarbeit unterstützt und das Home Office salonfähig gemacht. Wenn ich bedenke, dass wir noch das ganze Berufsleben vor uns haben, sehe ich unsere Generation der Anwältinnen und Anwälte als große Profiteure in der Zukunft. 

Dr. Raphael Pompl: Bei allen technischen Möglichkeiten und Errungenschaften bleiben persönliche Kontakte in Präsenz unverzichtbar. Im Idealfall ohne Masken. Wir brauchen die Mimik, um abschätzen zu können, ob man zu einer Einigung kommt oder nicht. Auch diese Fähigkeit, Menschen zu ‚lesen‘, sie zu verstehen, zeichnet gute Anwältinnen und Anwälte aus.
 

Vielen Dank, Herr Dr. Moench und vielen Dank, Herr Dr. Pompl!

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