Personen im Büro

Verfasst von Luisa Woth|Veröffentlicht am 15.09.2026

Berühmte Juristen unserer Zeit

8 bekannte Juristen – und was du von ihren Karrierewegen lernen kannst

Von der klassischen Kanzleikarriere über Politik und Journalismus bis hin zu TikTok: Diese Jurist:innen zeigen, wie unterschiedlich eine Karriere mit Jura aussehen kann.

Wer Jura studiert, denkt bei der eigenen Zukunft oft zuerst an Kanzlei, Justiz oder Verwaltung. Doch ein juristischer Abschluss legt dich nicht auf einen bestimmten Beruf fest. Er kann genauso der Ausgangspunkt für eine Karriere in den Medien, der Politik, der Wirtschaft oder sogar in der Content-Branche sein.

Die folgenden acht Persönlichkeiten sind nicht nur bekannt, weil sie große Fälle übernommen, politische Entscheidungen geprägt oder ein Millionenpublikum erreicht haben. Ihre Laufbahnen zeigen auch, wie Spezialisierung, zusätzliche Interessen und mutige Richtungswechsel eine juristische Karriere verändern können.

Sarah Tacke: Nach dem Ersten Examen in den Journalismus

Sarah Tacke hat Jura in Freiburg, Lausanne und Hamburg studiert, das Erste Staatsexamen abgelegt und anschließend im Presserecht promoviert. Statt das Referendariat zu absolvieren und einen klassischen juristischen Beruf zu ergreifen, entschied sie sich jedoch für ein Volontariat beim NDR. Heute leitet sie die ZDF-Redaktion Recht und Justiz und moderiert unter anderem das Wirtschaftsmagazin „WISO“. Sie verbindet ihre juristische Ausbildung mit ihrem journalistischen Talent und hat sich damit ein eigenständiges berufliches Profil an der Schnittstelle von Recht und Medien geschaffen.

Gerade ihre Promotion im Medienrecht war dabei kein Umweg. Das juristische Wissen wurde zur Grundlage ihrer journalistischen Spezialisierung: Tacke kann Urteile, Gerichtsverfahren und rechtspolitische Debatten fachlich einordnen und gleichzeitig so erklären, dass sie auch ohne juristische Vorkenntnisse verständlich werden.

Was du daraus mitnehmen kannst: Du musst nicht Volljurist werden, damit sich dein Jurastudium beruflich auszahlt. Überlege nicht nur, in welchem Rechtsgebiet du arbeiten möchtest, sondern auch, wie du deine juristischen Fähigkeiten einsetzen willst. Wer gerne schreibt, erklärt oder komplexe Zusammenhänge vermittelt, kann beispielsweise im Journalismus, in der politischen Kommunikation oder in einer Redaktion arbeiten.

 

Thomas Galli: Erst Teil des Systems, dann einer seiner Kritiker

Thomas Galli studierte nicht nur Rechtswissenschaften, sondern auch Kriminologie und Psychologie. Mehr als 15 Jahre arbeitete er im Strafvollzug und leitete unter anderem Justizvollzugsanstalten. Mit der Zeit entwickelte er jedoch grundsätzliche Zweifel am bestehenden Gefängnissystem. 2016 verließ er den Strafvollzug und wechselte in die anwaltliche Tätigkeit. Heute vertritt er unter anderem Menschen, deren Lebensrealität er zuvor aus der Perspektive der Institution kennengelernt hatte. Seine Laufbahn und seine Kritik am Strafvollzug verbindet Galli außerdem mit seiner Arbeit als Autor und öffentlicher Diskussionspartner.

Das Spannende an seinem Karriereweg ist deshalb nicht allein der Wechsel vom JVA-Leiter zum Rechtsanwalt. Galli nutzt die Erfahrungen aus seinem früheren Beruf, um seine heutige Arbeit anders auszufüllen und öffentlich über Reformen zu sprechen.

Was du daraus mitnehmen kannst: Eine berufliche Entscheidung muss nicht für immer gelten. Auch nach vielen Jahren darfst du feststellen, dass du dich mit einem System, einem Arbeitgeber oder einer Aufgabe nicht mehr identifizieren kannst. Deine bisherige Erfahrung wird durch einen Wechsel nicht wertlos – sie kann gerade das sein, was dir in deiner neuen Rolle eine besondere Perspektive verschafft.

Bereit für die eigene juristische Karriere?

Anahita Thoms: Mit einer zukunftsrelevanten Spezialisierung an die Kanzleispitze

Anahita Thoms zeigt, wie eine Karriere in einer internationalen Wirtschaftskanzlei aussehen kann, wenn fachliche Spezialisierung mit gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklungen zusammenkommt. Sie berät insbesondere zu Außenwirtschaftsrecht, Sanktionen, Exportkontrollen, Compliance und nachhaltigen Lieferketten. Seit Juli 2026 ist sie Country Managing Partner von Baker McKenzie Deutschland.

Damit bewegt sich ihre Arbeit an einer Schnittstelle, an der juristische Fragen kaum isoliert betrachtet werden können. Internationale Konflikte, Menschenrechte, globale Lieferketten und wirtschaftliche Interessen greifen unmittelbar ineinander. Thoms beschäftigt sich deshalb nicht nur mit geltendem Recht, sondern auch mit geopolitischen und unternehmerischen Risiken. 

Was du daraus mitnehmen kannst: Eine Spezialisierung kann besonders wertvoll sein, wenn sie zu Themen passt, die wirtschaftlich und gesellschaftlich an Bedeutung gewinnen. Du musst dich deshalb nicht allein fragen, welches Rechtsgebiet dir im Studium am meisten liegt. Ebenso wichtig ist die Frage: Mit welchen Entwicklungen möchte ich mich langfristig beschäftigen?

 

Brigitte Zypries: Von der Verwaltung über die Politik in die Start-up-Welt

Brigitte Zypries begann ihre juristische Karriere nach dem Zweiten Staatsexamen zunächst in der Rechtsabteilung der Hessischen Staatskanzlei. Später wechselte sie in verschiedene politische und administrative Funktionen. Von 2002 bis 2009 war sie Bundesministerin der Justiz, danach, 2017 Bundesministerin für Wirtschaft und Energie.

Nach ihrer politischen Karriere orientierte sie sich erneut um und engagiert sich unter anderem als Business Angel für Start-ups. Damit verbindet ihr Berufsweg Recht, Verwaltung, Gesetzgebung, Wirtschaft und Unternehmertum. Die einzelnen Stationen wirken auf den ersten Blick sehr unterschiedlich, bauen aber auf ähnlichen Fähigkeiten auf: komplexe Interessen abwägen, regulatorische Folgen verstehen, Entscheidungen treffen und zwischen verschiedenen Beteiligten vermitteln. Ihre eigene Vita zeigt, wie breit juristische Kompetenzen außerhalb klassischer Rechtsberufe eingesetzt werden können.

Was du daraus mitnehmen kannst: Ein Jurastudium qualifiziert dich nicht nur für die Anwendung von Gesetzen. Es trainiert dich darin, unterschiedliche Interessen zu erfassen, Risiken einzuschätzen und Entscheidungen nachvollziehbar zu begründen. Diese Fähigkeiten sind auch in der Politik, in Ministerien, Verbänden, Unternehmen und Start-ups gefragt.

Christian Schertz: Wie Spezialisierung zur beruflichen Marke wird

Christian Schertz gehört zu den bekanntesten deutschen Anwälten für Presse- und Persönlichkeitsrecht. Seine Kanzlei vertritt regelmäßig Personen des öffentlichen Lebens, Unternehmen und Institutionen bei unzulässiger Berichterstattung und in medialen Krisen. Dabei geht es häufig nicht nur um einzelne rechtliche Ansprüche, sondern auch um strategische Kommunikation und den Schutz der öffentlichen Reputation.

Seine Bekanntheit ist eng mit einer klaren fachlichen Positionierung verbunden. Schertz versucht nicht, sämtliche Rechtsgebiete abzudecken, sondern steht wie kaum ein anderer für ein bestimmtes Feld. Die von ihm mitgegründete Kanzlei Schertz Bergmann konzentriert sich vor allem auf Presse-, Urheber- und Medienrecht.

Was du daraus mitnehmen kannst: Eine erfolgreiche Karriere muss nicht möglichst breit angelegt sein. Gerade in der Anwaltschaft kann ein klar erkennbares Profil dafür sorgen, dass du mit bestimmten Fragestellungen verbunden wirst. Eine Spezialisierung entsteht allerdings nicht allein durch einen Fachanwaltstitel. Entscheidend ist, dass du über längere Zeit Expertise, praktische Erfahrung und Sichtbarkeit in einem Themenfeld aufbaust.

Bildnachweis Christian Schertz: Till Brönner

 

Christian Solmecke: Wenn Jura auf Journalismus und Unternehmertum trifft

Christian Solmecke spezialisierte sich früh auf IT- und Medienrecht. Vor und während seiner juristischen Laufbahn sammelte er außerdem Erfahrung als Journalist und Radiomoderator. Später verband er beide Bereiche: Als Rechtsanwalt und Partner von WBS.LEGAL baute er mit seiner Kanzlei einen reichweitenstarken YouTube-Kanal auf, auf dem juristische Fragen verständlich erklärt werden.

Der Kanal ist dabei nicht nur ein zusätzliches Kommunikationsprojekt. Er wurde Teil der Positionierung und Mandantengewinnung der Kanzlei. Solmeckes Karriere zeigt deshalb, wie juristische Beratung, Medienkompetenz, Kanzleimarketing und unternehmerisches Denken ineinandergreifen können. Sein beruflicher Werdegang umfasst neben dem Jurastudium auch einen LL.M. im IT-Recht sowie Tätigkeiten im Journalismus.

Was du daraus mitnehmen kannst: Häufig entsteht ein besonderes Karriereprofil nicht durch eine einzelne Qualifikation, sondern durch die Kombination mehrerer Fähigkeiten. Frag dich deshalb nicht nur, was du juristisch gut kannst. Welche weitere Stärke könntest du damit verbinden – etwa Schreiben, Technologie, Management, Design, Sprachen oder Kommunikation?

Alexander Stevens: Wie aus verschiedenen Erfahrungen ein klares Profil entsteht

Bevor Alexander Stevens seine juristische Karriere begann, ließ er sich zum Rettungssanitäter ausbilden. Auch während seines Jurastudiums an der Universität Regensburg blieb er im Rettungsdienst tätig und sammelte daneben journalistische Erfahrung beim Donaukurier und der Süddeutschen Zeitung. Seit 2010 arbeitet er als Rechtsanwalt und später als Fachanwalt für Strafrecht in München.

Diese Erfahrungen stehen in seinem Lebenslauf jedoch nicht unverbunden nebeneinander. In seiner Dissertation beschäftigte sich Stevens mit strafrechtlichen Problemen bei Einsatzfahrten von Polizei, Feuerwehr und Rettungsdiensten. Als Strafverteidiger spezialisierte er sich unter anderem auf Kapital- und Sexualdelikte sowie medienwirksame Verfahren. Seine journalistische Erfahrung nutzt er wiederum, um juristische Fälle in Büchern, Podcasts und Fernsehformaten für ein breites Publikum aufzubereiten.

Sein Karriereweg zeigt damit, wie aus mehreren zunächst unterschiedlichen Tätigkeiten ein klares berufliches Profil entstehen kann: bei Stevens an der Schnittstelle von Strafrecht, praktischer Erfahrung und Rechtskommunikation.

Was du daraus mitnehmen kannst: Dein Lebenslauf muss nicht ausschließlich aus juristischen Stationen bestehen, um für eine juristische Karriere wertvoll zu sein. Erfahrungen aus anderen Berufen, Ehrenämtern oder persönlichen Interessengebieten können dir besonderes Fachwissen und einen anderen Blick auf Mandate geben. Überlege deshalb, welche bisherigen Erfahrungen du in deine juristische Positionierung einbringen kannst.

Tim Hendrik Walter: Vollzeitjurist und „Herr Anwalt“

Tim Hendrik Walter, online besser bekannt als „Herr Anwalt“, verbindet einen vergleichsweise klassischen juristischen Berufsweg mit einer modernen Form der Rechtsvermittlung. Nach Studium, Referendariat und Zweitem Staatsexamen wurde er 2014 als Rechtsanwalt zugelassen. Später folgten die Qualifikation zum Fachanwalt für Familienrecht und die Bestellung zum Notar. Seine Kannzlei ist damit weiterhin ein zentraler Bestandteil seiner beruflichen Tätigkeit.

Parallel begann Walter 2019, auf TikTok kurze Videos zu veröffentlichen. Darin erklärt er vor allem jungen Menschen Rechtsfragen aus ihrem Alltag. Unter dem Namen „Herr Anwalt“ wurde er innerhalb kurzer Zeit zu einem der bekanntesten deutschen Jura-Creator. Auch "Herr Anwalt" ergänzt seine klassische juristische Tätigkeit durch seine Content-Arbeit, ohne den Anwaltsberuf vollständig aufzugeben. 

Was du daraus mitnehmen kannst: Du musst dich nicht zwingend zwischen einer juristischen Karriere und einem kreativen oder medialen Interesse entscheiden. Auch ein klassischer Beruf lässt sich durch weitere Projekte ergänzen. Entscheidend ist, ein Format zu finden, das zu deinen Fähigkeiten und zu deiner Zielgruppe passt – und komplexes Fachwissen so zu vermitteln, dass es tatsächlich verstanden wird.

Was passt zu deinem eigenen Karriereweg?

Diese acht Laufbahnen könnten kaum unterschiedlicher sein. Trotzdem haben sie einige Gemeinsamkeiten: Die Jurist:innen haben zusätzliche Interessen nicht als Ablenkung betrachtet, sich erkennbar positioniert und ihren bisherigen Weg nicht als unveränderlich angesehen.

Für deine eigene Karriereplanung können deshalb andere Fragen hilfreicher sein als die Suche nach dem einen „richtigen“ juristischen Beruf:

  • Welche juristischen Themen interessieren mich auch außerhalb von Klausuren?
  • Arbeite ich lieber beratend, entscheidend, gestaltend oder vermittelnd?
  • Möchte ich tief in ein Rechtsgebiet eintauchen oder Recht mit einem anderen Bereich verbinden?
  • Welche Erfahrungen und Fähigkeiten bringe ich mit, die nicht unmittelbar im juristischen Lebenslauf stehen?
  • Was ist mir wichtiger: Sicherheit, Einfluss, Selbstständigkeit, Sichtbarkeit oder gesellschaftliche Wirkung?

Du musst darauf nicht sofort eine endgültige Antwort finden. Ein Karriereweg entsteht selten nach einem perfekten Plan. Häufig entwickelt er sich aus den Entscheidungen, Interessen und Möglichkeiten, die du Schritt für Schritt miteinander verbindest.

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Luisa Woth
Content Managerin

Als Content Managerin bei Talent Rocket verbindet Luisa ihr juristisches Fachwissen aus dem Bachelor of Laws an der Universität Potsdam mit ihrer Leidenschaft für die Rechtsbranche, um fundierte und praxisnahe Einblicke in die juristische Arbeitswelt zu liefern.