Berufsbild Wirtschaftsjurist im Check

Verfasst von Laura Hörner. Veröffentlicht am 29.11.2021.

Berufsbild Wirtschaftsjurist: Zwischen zwei Welten?

Diese Berufe können Wirtschaftsjuristen ausüben

Recht studieren, aber ohne das Ziel Anwalt oder Richter zu werden? Klingt erst einmal wenig verlockend, für Wirtschaftsjuristen ist das aber kein Problem – im Gegenteil. Schließlich findet das Recht im (Arbeits)alltag auch abseits von der Justiz regelmäßig Anwendung. Wer Wirtschaftsrecht studiert, der hat zahlreiche Möglichkeiten, sich auch ohne Staatsexamen und Co. zu verwirklichen, muss natürlich auch mit einigen beruflichen Einschränkungen rechnen. Was ein Wirtschaftsjurist kann, was er nicht kann und wie viel er verdient, erfährst du hier.

Freie Wirtschaft und Verwaltung: Hier arbeiten Wirtschaftsjuristen

Ein Wirtschaftsjurist hat nicht dieselben Befugnisse wie ein Volljurist. Deshalb hat er auch nicht die Möglichkeit, alle Berufe zu ergreifen, die ein Jurist mit Staatsexamen ausüben kann. So darf ein Wirtschaftsjurist weder als Richter noch als Anwalt tätig werden und auch keine freiberufliche Rechtsberatung anbieten, also wie ein klassischer Rechtsanwalt arbeiten. Das bedeutet jedoch nicht, dass er keine Auswahlmöglichkeiten hätte. Die freie Wirtschaft, aber auch Privatpersonen benötigen laufen rechtliche Unterstützung, für welche nicht unbedingt ein herkömmliches Jurastudium benötigt wird. Besonders gefragt sind Wirtschaftsjuristen bei folgenden Arbeitgebern:

 

  • In größeren Unternehmen mit eigener Rechtsabteilung oder in der Personalabteilung
  • Bei Unternehmensberatungen
  • Bei Banken, Finanzdienstleistern oder Versicherungen
  • In der öffentlichen Verwaltung
  • In Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaften
  • In Kanzleien
  • Bei Immobilienunternehmen

 

Verwirklichen können sich Wirtschaftsjuristen jedoch auch in der Selbständigkeit und zum Beispiel als Steuerberater oder Mediator tätig werden – mehr dazu später!

Wirtschaftsjuristen sind gefragt!

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Wirtschaftsrecht studieren: Spezialisiert und praxisorientiert

Das Studium in Wirtschaftsrecht ist ein klassischer Bachelor- beziehungsweise Masterstudiengang. Dich erwarten dabei sowohl rechtliche als auch betriebswirtschaftliche und volkswirtschaftliche Inhalte, wobei der Schwerpunkt in der Regel auf ersteren liegt. Der Abschluss ist meist ein LL.B oder ein LL.M, also ein Bachelor of Laws oder ein Master of Laws.

Innerhalb des Studiums ist es möglich, individuelle Schwerpunkte zu setzen und sich zum Beispiel auf Steuerrecht, Mergers & Acquisitions oder Vertragsgestaltung zu spezialisieren. Damit haben Wirtschaftsjuristen einen Vorteil gegenüber Volljuristen: Sie lernen bereits im Studium berufsrelevante, auf betriebswirtschaftliche Zusammenhänge ausgerichtete Inhalte, welche sich Volljuristen meist durch Zusatzqualifikationen aneignen müssen.

Wirtschaftsjuristen haben einen Vorteil gegenüber Volljuristen: Sie lernen bereits im Studium berufsrelevante, auf betriebswirtschaftliche Zusammenhänge ausgerichtete Inhalte, welche sich Volljuristen meist durch Zusatzqualifikationen aneignen müssen.

Als Wirtschaftsjurist Karriere machen: Diese Berufe sind beliebt

Mit einem Studium zum Wirtschaftsjuristen stehen den Absolventen zahlreiche Karrieremöglichkeiten offen. Selbstverständlich können sie sich wie auch klassische Juristen mithilfe von entsprechenden Weiterbildungen und dem Sammeln von Erfahrungen im Berufsleben auf bestimmte Bereiche spezialisieren und so wichtige Stellen innerhalb von Unternehmen oder Organisationen einnehmen. Wirtschaftsjuristen finden sich auch oft in Führungspositionen und können innerhalb eines Unternehmens schnell aufsteigen. Typischerweise arbeiten sie an der Schnittstelle zwischen Recht und Management. Mögliche Berufe können zum Beispiel folgende sein:

Compliance Manager: Als Compliance Manager sorgst du dafür, dass die Richtlinien innerhalb eines Unternehmens von allen Mitarbeitern, aber auch von der Führungsetage eingehalten werden. Ein wichtiges Feld ist hierbei zum Beispiel der Datenschutz. In diesem Beruf wendest du mögliche Schäden für das Unternehmen in Form von Strafen oder Schadensersatzforderungen ab.

Contract Manager: Bei der Zusammenarbeit zwischen Unternehmen bist du für die Vertragsgestaltung und später auch für dessen Einhaltung zuständig, führst Verhandlungen und prüfst auch, ob eine Kooperation mit Risiken verbunden ist.

Mediator: Wenn es zwischen Unternehmen oder anderen Interessensgruppen zu Streitigkeiten kommt, wird ein Mediator benötigt, welcher zwischen den Parteien schlichtet. Der Mediator sorgt dafür, dass es zu einer Einigung kommt, die für beide Seiten akzeptabel ist.

Steuerberater: Wer Steuern sparen möchte, der wendet sich an einen Steuerberater. Mit dem Bestehen einer entsprechenden Prüfung können auch Wirtschaftsjuristen als Steuerberater für Privatpersonen und Unternehmen tätig werden.

Wirtschaftsprüfer: Auch das Examen zum Wirtschaftsprüfer können Wirtschaftsjuristen ablegen und sich anschließend entweder selbständig machen oder als Angestellter für eine Wirtschaftsprüfung arbeiten. Im Mittelpunkt der Tätigkeit steht zum Beispiel die Prüfung der ordentlichen Buchführung, der Geschäftsberichte und der Einhaltung von Vorschriften.

Das Wirtschaftsrecht bietet ein weites Feld an Möglichkeiten

Zwischen Jura und Wirtschaft: Diese Zukunftschancen bietet das Wirtschaftsrecht

Durch das anhaltende Wirtschaftswachstum und die Globalisierung werden Fachkräfte wie Wirtschaftsjuristen, die sich in relevanten Bereichen spezialisiert haben, immer wichtiger. Aus diesem Grund sind die Berufschancen für Personen mit diesem Abschluss besonders gut.

Oftmals wird das Studium des Wirtschaftsrechts, wie viele andere Kombinationsstudiengänge auch, als „nichts Halbes und nichts Ganzes“ bezeichnet – also ein halbes BWL-Studium und ein halbes Jurastudium. Dies kann jedoch gerade heutzutage sogar ein Vorteil sein: Denn Unternehmen legen zunehmend mehr Wert auf das tatsächliche praktische Wissen eines Absolventen anstatt auf dessen Abschluss. So können Wirtschaftsjuristen zu manchen Stellen besser passen als Volljuristen, da sie mehr Erfahrung und Wissen für die spezifische Stelle mitbringen, wie zum Beispiel im Controlling, in der Buchhaltung oder im Steuerrecht. Allerdings können natürlich auch Volljuristen für solche Stellen infrage kommen, welche sich in den betreffenden Bereichen weitergebildet haben. Auf die Frage, ob das klassische Jurastudium dem des Wirtschaftsrechts überlegen ist, gibt es also die klassische Antwort: Es kommt darauf an.

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Weniger Gehalt als klassische Juristen? Das verdient ein Wirtschaftsjurist

Wie viel ein Wirtschaftsjurist verdienen kann, lässt sich pauschal nicht sagen. Dies hängt ganz von der Spezialisierung, von dem Arbeitgeber, von dem eigenen Verhandlungsgeschick und natürlich von der Berufserfahrung ab. An das Gehalt eines Volljuristen in der Großkanzlei reicht das eines Wirtschaftsjuristen meist nicht heran. Dennoch kann mit diesem Abschluss ein gutes Gehalt erzielt werden. Die Gehaltsspanne liegt ganz nach angestrebter Stelle und entsprechenden Weiterbildungen bei ungefähr 3.000 € bis 6.000 € brutto pro Monat, allerdings kannst du in entsprechenden Positionen auch mehr verdienen. Selbständige Steuerberater verdienen zum Beispiel zwischen 6.000 und 12.000 € pro Monat, haben allerdings natürlich auch höhere Ausgaben als Angestellte.

 

Wer eine Karriere als Wirtschaftsjurist anstrebt, der sollte sich bewusst sein, dass das Studium oftmals im Schatten des klassischen Jurastudiums steht. Die Nachfrage nach Wirtschaftsjuristen ist dennoch groß, da diese Kenntnisse und Fähigkeiten mitbringen, welche gut zu bestimmten Berufen passen. So können Wirtschaftsjuristen ihre Nische finden und Karriere machen, indem sie ihre individuelle Ausbildung einbringen und sich laufend weiterbilden.