Vom Jurastudium zum Wirtschaftsprüfer?

so abwegig oder doch möglich?


verfasst von Hüveyda Asenger und veröffentlicht am 30.07.2018

 

Der Weg vom Jurastudium zum Wirtschaftsprüfer ist eher ungewöhnlich, aber nicht unmöglich!

Vor allem wer eine hohe Affinität zu wirtschaftlichen Themen hat und nicht zwangsläufig juristisch arbeiten will, kann eine Karriere als Wirtschaftsprüfer in Erwägung ziehen. Der Weg zum Wirtschaftsprüferberuf ist dagegen mit einigen Hürden verbunden und birgt daneben aber auch etliche Vorteile in sich, die ihn im Gegensatz zu anderen Berufen im klassisch-juristischen Bereich oder beispielsweise der Unternehmensberatung attraktiv machen.

 

So wird man Wirtschaftsprüfer/in...

Als Wirtschaftsprüfer tätig werden darf, wer die entsprechende Berufsprüfung (einschließlich erfolgreich abgelegtem Examen) sowie den Berufseid bei dem zuständigen Landesministerium für Wirtschaft abgelegt hat. Dabei besteht auch eine Zwangsmitgliedschaft in der Wirtschaftskammer, sodass der Beruf zu den klassischen Kammerberufen gehört und in Deutschland sehr angesehen ist.

 

Berufsbild

Wirtschaftsprüfer führen hauptsächlich – aber entgegen der gängigen Vorstellung nicht ausschließlich - sämtliche betriebswirtschaftliche Prüfungen eines Unternehmens durch. Hierzu gehören die umfangreichen Jahresabschlüsse von Unternehmen. Ab einer bestimmten Größe von Unternehmen sind diese nämlich in bestimmten Wirtschaftszweigen verpflichtet, jährlich ihre Abschlüsse prüfen zu lassen.

Im Kern geht es also insbesondere um Buchführung.

Darüber hinaus ist ein Wirtschaftsprüfer aber auch befugt, seinen Auftraggeber in Steuerangelegenheiten zu beraten und sogar zu vertreten. Weiterhin gehören auch Due-Diligence-Prüfungen und Rechtsberatung zum Tätigkeitsfeld. Es handelt sich somit um einen abwechslungsreichen Beruf, der verantwortungsvolles Arbeiten abverlangt und auch eine große Beratungsleistung mit sich bringt.

Ebenso ist auch Steuerberatung ein wichtiges Tätigkeitsfeld.

Der Wirtschaftsprüfer berät und vertritt seine Mandanten in steuerlichen Angelegenheiten und unter anderem auch vor Finanzbehörden und Gerichten. Zusätzlich prüft er auch die Kreditwürdigkeit sowie Kontroll- und IT-Systeme von Unternehmen. Entgegen der verbreiteten Auffassung geht der Beruf des Wirtschaftsprüfers also weit über die reine Prüfung von Jahresabschlüssen hinaus.

 

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Voraussetzungen für Jurastudenten

Ein Einstieg sofort nach dem ersten juristischen Staatsexamen ist nicht möglich. Dies gilt auch, wenn im Studium ein wirtschaftlicher Schwerpunkt belegt wurde. Auf dem Weg zum Wirtschaftsprüfer muss zwingend ein Wirtschaftsprüferexamen erfolgreich absolviert werden. Anschließend gibt es eine Praxisphase, die im Rahmen eines dreijährigen Traineeship-Programms durchgeführt wird. Diese kann etwa bei einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft oder bei einem Buchprüfer durchgeführt werden.

Welches Studium vorher abgeschlossen wurde, ist in erster Linie nicht relevant.

Es bietet sich natürlich an, ein wirtschaftlich-orientiertes Studium abgeschlossen zu haben, wenn man Wirtschaftsprüfer werden möchte bspw. Betriebswirtschaftslehre. Die meisten Wirtschaftsprüfer haben tatsächlich einen wirtschaftlichen Studienhintergrund,

Exoten sind hier vor allem Juristen mit nur ca. 10 Prozent insgesamt. Bei angehenden Juristen reicht grundsätzlich das erste Staatsexamen aus. Die Dauer des Studiums ist unter anderem ausschlaggebend für die anschließende Praxisphase für den Wirtschaftsprüfer – umso kürzer die Studienzeit, umso länger die anschließende Praxisphase. Bei dieser müssen mindestens drei Jahre (unter Umständen auch länger) praktische Erfahrungen in einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft nachgewiesen werden. Das Wirtschaftsprüferexamen an sich zählt zu einer der härtesten Prüfungen im deutschen Bildungswesen, weil es unter anderem sehr umfangreich ist und viele Disziplinen kombiniert, etwa Wirtschaftswissenschaften und auch rechtliche Grundlagen.

Erst nach der Praxisphase und Berufserfahrung erfolgt eine Zulassung zum Wirtschaftsprüferexamen.

Das Examen umfasst ca. sieben Klausuren sowie eine mündliche Prüfung. Die Examen werden bundeseinheitlich von der Wirtschaftsprüferkammer durchgeführt. Die Vorbereitung auf das Examen ist recht umfangreich und sollte – je nach Vorkenntnissen – unterschiedlich früh vorbereitet werden. Der Zeitraum der Prüfungsvorbereitung hängt maßgeblich davon ab, wie stark und gut die Vorbildung in dem Bereich ist. Die meisten Prüflinge haben einen Vorlauf von maximal 12 bis 18 Monaten, einige aber auch bis zu 24 Monaten. Zur Vorbereitung gibt es auch viele Online-Vorbereitungsprogramme, die jedoch kostenpflichtig sind. Daneben kann man zusätzlich auch Präsenzkurse besuchen. Die Vorbereitung ähnelt somit teilweise einer kommerziellen Vorbereitung zum juristischen Staatsexamen bei Repetitorien.

 

Kosten Ausbildung

Die Ausbildung zum Wirtschaftsprüfer ist mit vielen Kosten verbunden. Beispielsweise ist mit einer Zulassungsgebühr in Höhe von 500 Euro und einer Prüfungsgebühr in Höhe von 3000 Euro zu rechnen. Die oben erwähnten Vorbereitungskurse für das Examen kosten auch einiges. Zusätzlich gibt es, ähnlich wie in der juristischen Examensvorbereitung auch, Klausurenkurse. Im Zuge der Examensvorbereitung werden mindestens fünfzig Klausuren geschrieben. Da nur ca. die Hälfte der Prüflinge das Examen beim ersten Anlauf bestehen, müssten noch Nachprüfungskosten miteinbezogen werden.

 

Gehalt

Bezogen auf die Verdienstmöglichkeiten gibt es keine pauschalen Werte - so hängt es insbesondere von der jeweiligen Branche ab, wie viel Gehalt gezahlt wird. Das Einstiegsgehalt ist jedoch im Vergleich zu Einstiegsgehältern im juristischen Bereich als geringer zu bewerten - im Durchschnitt knapp von 36.000 bis 45.000 Euro pro Jahr.

Ein wichtiger Faktor beim Gehalt ist auch die Größe des Unternehmens selbst. In mittelständischen Unternehmen ist mit einem Durchschnittsgehalt von etwa 60.000 Euro zu rechnen, in großen Unternehmen oder für die „Big Four“ sogar ab 80.000 Euro oder höher. Wie in vielen anderen Berufen auch, hängt das Gehalt auch vom persönlichen Verhandlungsgeschick ab. Fakt ist, dass sich die investierten Ausbildungskosten schnell auszahlen werden.

 

Eignung und Alternative zum Wirtschaftsprüfer

Wer Interesse an Zahlen und Wirtschaft hat allerdings nicht unbedingt juristisch arbeiten möchte, ist als Wirtschaftsprüfer grundsätzlich gut geeignet. Komplett auf das Juristische muss man als Wirtschaftsprüfer auch nicht verzichten, da in der Ausbildung und im Beruf auch juristische Fragestellungen relevant sind. Der Beruf Wirtschaftsprüfer unterscheidet sich jedoch bezogen auf die Arbeitszeiten und Work-Life-Balance nicht stark von anderen typisch-juristischen Berufen. Wirtschaftsprüfer müssen sich regelmäßig fortbilden lassen und entsprechende Lehrgänge besuchen. Die Bereitschaft zu flexiblem Arbeiten wird vorausgesetzt. Vorteilhaft ist aber, dass es sich um einen relativ krisensicheren Beruf handelt und sehr eigenverantwortlich gearbeitet werden kann.

Wichtig ist, im Vorfeld abzuklären, ob auch ein weiteres Examen und eine langjährige Ausbildung in Frage kommen. Viele sind nach dem juristischen Examen nicht bereit, sich durch ein weiteres Examen mit hoher Durchfallquote zu quälen.

Eine gute Alternative für diejenigen, die eher wirtschaftlich arbeiten wollen und nicht allzu juristisch, ist die Unternehmensberatung. Der Einstieg in die Unternehmensberatung ist im Gegensatz zum Wirtschaftsprüferberuf ohne weitere Qualifizierungen durch einen Quereinstieg möglich. Das bedeutet aber nicht unbedingt, dass ein Einstieg leichter ist.

Beide Berufe haben viele Gemeinsamkeiten, unterscheiden sich jedoch stark im Berufsalltag und in der Arbeitsweise. In der Unternehmensberatung wird viel im Team und auch international gearbeitet und abgrenzbare Problemstellungen betrachtet, während das Unternehmen im Ganzen Gegenstand der Arbeit eines Wirtschaftsprüfers ist. Einige Unternehmen bieten es sogar an, Unternehmensberatung und Wirtschaftsprüfung zu kombinieren. Dabei wird zwar auch eine intensive Einarbeitung vorausgesetzt und ist für Fachfremde notwendig. Jedoch ist mit dem Einstieg nicht mit denselben finanziellen sowie fachlichen Hürden im Sinne einer umfangreich-vorbereiteten Examensprüfung zu rechnen.

 

Ein guter Einstieg sowie Entscheidungshilfe ist wie so oft auch die Praxis. Die meisten Unternehmen bieten etwa Traineeprogramme hierfür an. Ein Einblick lohnt sich!

 


Weitere interessante Karrierewege:

 

Über den Autor

Hüveyda Asenger

Hüveyda Asenger

hat Jura an der Freien Universität Berlin studiert und arbeitet derzeit als wissenschaftliche Mitarbeiterin in einer Kanzlei.

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