Björn Frommer im New Lawyers Podcast

Verfasst von Laura Hörner. Veröffentlicht am 23.03.2022.

Legal Tech: Am Anfang steht der kulturelle Wandel

Rechtsanwalt Björn Frommer zu Gast bei den New Lawyers

Björn Frommer ist Rechtsanwalt und Managing Partner der Kanzlei FROMMER LEGAL sowie Gründungsmitglied und Beirat des Legal Tech Verbands Deutschland. Seine Kanzlei gilt als Vorreiter in der digitalen Rechtsberatung und hat schon früh einen für die konservative Branche recht innovativen Weg eingeschlagen. Wie die Digitalisierung seiner Kanzlei gelang, warum es dabei nicht nur um Technik ging und weshalb die Erwartungen an die digitale Transformation oft zu hoch sind, diskutiert Frommer in dieser Folge des New Lawyers Podcasts von TalentRocket mit Alisha Andert.

 

Die Dinge selbst in die Hand nehmen: So entstand die Verfahrensmanagement-Plattform June

FROMMER LEGAL ist eine Wirtschaftskanzlei – die von Björn Frommer selbst gern auch als Unternehmen bezeichnet wird –, welche ursprünglich im Bereich Urheber- und Medienrecht beriet. Inzwischen umfasst ihre Expertise zahlreiche weitere Rechtsgebiete wie Marken- und Bildrecht, E-Commerce, Datenschutzrecht und Wettbewerbsrecht. Die Kanzlei hat viele umfangreiche, vielschichtige und aus den Medien bekannt Industrieprojekte gemeistert, die laut Frommer auch Fähigkeiten bedurften, welche über reines Jura hinausgehen.

Um solch große Projekte erfolgreich zu betreuen, kristallisierte sich schnell das Bedürfnis nach passenden Technologien heraus: Die gängigen Einzelanwendungen auf dem Markt aber boten nicht die Gesamtlösung, welche die Kanzlei benötigte. Nach jahrelanger Suche nahm FROMMER LEGAL die Sache selbst in die Hand und entwickelte ihre eigene, maßgeschneiderte Software. Ein großer Erfolg: Als Reaktion auf das große Interesse in der Branche, die teilweise noch immer mit Excel und Word arbeitet, entstand schließlich auch die Cloud-Plattform June, welche Kanzleien die Bewältigung umfangreicher Verfahren erleichtert. June vereint zahlreiche Tools und ermöglicht es Jurist:innen, datengetrieben und intuitiv zu arbeiten und auch für Großprojekte unkompliziert Reportings zu erstellen, die den Mandant:innen über die Cloud direkt zur Verfügung gestellt werden können. Bei der Entwicklung konnte die Kanzlei von ihrem Insiderwissen über die Anforderungen und Besonderheiten in der juristischen Arbeit profitieren.

„Gemeinsam. Auf Augenhöhe. Agil.“

Legal Tech funktioniert nur mit einem kulturellen Wandel

Die starke Entwicklung hin zu mehr Technologie beobachtet Frommer nicht nur in seiner eigenen Kanzlei, sondern im gesamten Rechtsmarkt – auch wenn die Bedürfnisse sehr unterschiedlich seien. Dabei gebe es oft eine sehr hohe Erwartungshaltung an Anwendungen. „Wir bemerken sehr stark, dass Kanzleien, die Technologie brauchen, [...] sehr oft ein falsches Verständnis davon haben, wie Digitalisierung wirklich funktioniert“, erzählt er. Es seien für diesen Wandel interne Analyseprozesse über die eigenen Bedürfnisse, die Einbindung aller Mitarbeiter:innen und viel Zeit notwendig, stattdessen erwarteten viele Juristinnen und Juristen aber schnelle Lösungen, die von heute auf morgen perfekt funktionierten, ohne den dafür notwendigen kulturellen Wandel in der Kanzlei zu initiieren.

Wir bemerken sehr stark, dass Kanzleien, die Technologie brauchen, [...] sehr oft ein falsches Verständnis davon haben, wie Digitalisierung wirklich funktioniert.
- Björn Frommer

Viele Missverständnisse und Unwissen bezüglich der Digitalisierung und Technologie im juristischen Umfeld sind laut Frommer auf die Ausbildung zurückzuführen, die sich fast gar nicht an aktuelle Gegebenheiten angepasst habe. Diese sei zu einseitig und zu sehr auf das Richteramt ausgerichtet, obwohl das nicht die häufigsten Berufsbilder widerspiegle. Abgesehen von einigen studentischen Initiativen spielten Digitalisierung und praktische Gesichtspunkte zudem kaum eine Rolle im Studium. Dennoch ist Frommer überzeugt davon, dass die Digitalisierung nur durch die jungen Juristen vorangetrieben werden kann – er selbst blickt zuversichtlich in die Zukunft.

Nicht jeder ist bereit für einen kulturellen Wandel

Auch in der Kanzlei FROMMER LEGAL gab es einen kulturellen Wandel – zum Beispiel hin zu einer transparenten Du-Kultur mit weniger Hierarchien, die einen Austausch auf Augenhöhe förderte. Nicht bei allen Kolleg:innen kam das laut Frommer damals gut an: ein paar Mitarbeiter:innen verließen das Unternehmen, es gab männliche Kollegen, die sich schwer damit taten, von Frauen geführt zu werden. Auch sei es schwer gewesen, erfahrenere Kolleg:innen zu sozialisieren, da diese bereits ein sehr gefestigtes Bild von der Arbeit in der Kanzlei hatten. Frommer jedoch hat diesen Kurs nie angezweifelt – eine Entscheidung, die er nicht bereut.

 

Wenn dich interessiert, wie Frommer die Zukunft der Rechtsberatung einschätzt und welche Regel er einführen würde, wenn sich alle Menschen daran halten müssten, dann hör rein in diese Folge des New Lawyers Podcasts!

Die Themen dieser Folge im Überblick:

 

  • Icebreaker: Wenn du eine allgemeingültige Regel aufstellen könntest, welche wäre das?
  • Was bietet deine Kanzlei an und wer sind die Mandanten?
  • Was ist die June GmbH?
  • Wie schätzt du die digitale Transformation im deutschen Rechtsbereich ein?
  • Woher kommen die Missverständnisse bezüglich Digitalisierung und Technologie?
  • Was waren die Opfer des kulturellen Wandels in deiner Kanzlei?
  • Worauf wird es bei Rechtsberatung in der Zukunft ankommen?

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