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Das US Bar Exam – Ein weiterer Karriereschritt?

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Das US Bar Exam – Ein weiterer Karriereschritt?

Auf der Jagd nach Titeln und Einträgen im Lebenslauf zum Zwecke des Traum-Jura-Jobs gibt es nahezu keine Grenzen mehr. Wem LL.M und Promotion nicht ausreichen oder wer durch eine andere Qualifikation hervorstechen möchte, der stößt bei seinen Recherchen wahrscheinlich auch auf das US Bar Exam. Was ist dieses US Bar Exam genau und wie karrierefördernd ist es am Ende wirklich? 

Das US Bar Exam ist eine Möglichkeit für ausländische Juristen die Zulassung in eine Anwaltskammer eines amerikanischen Bundesstaats zu bekommen. Das Ziel des Ganzen ist also das Erreichen des Status „Attorney at Law“. 

 

Wie gestaltet sich das US Bar Exam? 

Wer das US Bar Exam ergattern möchte, der muss zunächst mit hohen Kosten rechnen. Unter 5000 Euro ist es kaum zu bekommen. Ein kommerzieller Repetitor kommt mit ca. 3000 Euro Kosten noch obendrauf. Aufgebaut ist das US Bar Exam in eine zweitägige Prüfung, bei der 250 Multiple Choice Fragen und mehrere Klausuren zu ungefähr 20 Rechtsgebieten anstehen. Dies stellt sich für die meisten Teilnehmer deutlich schwieriger heraus als gedacht, weshalb ein Repetitor von den meisten so wärmstens empfohlen wird. 

Die Prüfung gestaltet sich dabei anders als das bei uns bekannte Staatsexamen. Zunächst überrascht es sicherlich, dass ein Multiple Choice Test bereits 50 % der Prüfung ausmacht. Hier wird mehr auf gutes Zeitmanagement, eine schnelle Auffassungsgabe und auch etwas Mut zum Risiko abgezielt, als auf tiefgründiges Wissen und das Verstehen komplexer Sachverhalte wie im deutschen Staatsexamen. 

Dennoch bestehen ca. 70 % der Deutschen die Prüfung, was deutlich über dem Durchschnitt liegt. Wohl auch aufgrund unserer sehr breiten und fordernden Juristenausbildung in Deutschland. 

 

Was bringt einem das US Bar Exam? 

Diese Frage stellt sich natürlich durchaus aufgrund des hohen Arbeitsaufwands und der anstehenden Kosten. Nun muss grundsätzlich unterschieden werden: 

Möchte man tatsächlich in den USA als Anwalt tätig werden? 
Dann muss die Antwort ganz klar sein. Das US Bar Exam ist nicht darauf ausgerichtet, sich dem amerikanischen Markt zu stellen. Zu groß sind die Nachteile gegenüber den dort ausgebildeten Juristen, die den Titel „juris doctor“ tragen und auf dem Markt immer die Nase vorn haben werden vor Nicht-amerikanischen Bar Exam Absolventen. 

Wozu nützt der Titel aber dann?
In Frage kommt ein solcher Titel im Normalfall nur für Absolventen, die eine Anstellung in einer Großkanzlei anstreben. Der Titel selbst ist aber für angloamerikanische Großkanzleien in Deutschland nicht von großem Wert. Vielmehr bedeuten dem Arbeitgeber der damit verbundene Auslandsaufenthalt und die erworbenen Sprachkenntnisse. Gleichzeitig beweist das Bestehen dieser Prüfung die genaue Arbeitsweise, die Anpassungsfähigkeit und das Durchhaltevermögen eines Bewerbers. Im Prinzip ist also weniger der Titel selbst, als das was dessen Erwerb benötigt, eine gefragte Qualifikation bei den Großkanzleien. 

 

Promotion, LL.M oder US Bar Exam? 

Diese Frage lässt sich nicht pauschal beantworten. Fakt ist aber das US Bar Exam ist in seiner Anwendbarkeit sehr begrenzt und dafür sehr teuer. Die Qualifikationen, die man zum Bestehen braucht, kann man eigentlich genauso gut mit einer Promotion oder einem LL.M nachweisen bzw. erwerben. Dazu kommt noch, dass bei den beiden zuletzt genannten Varianten eine Vertiefung in ein bestimmtes Rechtsgebiet nachgewiesen wird. Beim US Bar Exam bekommt man nur einen besseren aber doch recht groben Einblick in das jeweilige Recht eines Bundesstaats. In einigen Fällen, bei besonderer Zusammenarbeit mit amerikanischen Firmen, Mandanten oder Kanzleien, mag das US Bar Exam einen wirklichen Vorteil mit sich bringen. Für den durchschnittlichen Bewerber auf dem deutschen Markt sind LL.M bzw. Promotion wohl dennoch vorzuziehen, zumindest aber gleichwertig! 

 

Fazit:
Wer das Bar Exam dringend will und die finanziellen Mittel hat, kann es absolvieren, wirklich notwendig oder in besonderem Maße karrierefördernd ist es jedoch nicht. Wer tatsächlich eine Tätigkeit auf dem amerikanischen Anwaltsmarkt anstrebt, der sollte sich allerdings auch nach anderen Wegen umschauen. 

 

28. September 2015

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