Kilian Günther

 Veröffentlicht am 13.06.2022.

Examensvorbereitung in der Großkanzlei — geht das?

Kilian Günthner von GÖRG über seine Vorbereitung auf das 1. Staatsexamen

Kilian Günthner hat in Köln das Studium der Rechtswissenschaften begonnen, nachdem er nach seinem Abitur zunächst zwei Jahre lang verschiedene Projekte mit sozial-politischem Bezug vorantrieb. Zu Beginn des dritten Fachsemesters begann er bei GÖRG als Werkstudent im Bereich Mergers & Acquisitions (M&A) zu arbeiten. An M&A reizte ihn neben dem gesellschaftsrechtlichen Bezug vor allem, dass M&A Berührungspunkte mit fast allen anderen Rechtsgebieten hat. Herr Günthner hat 2022 den staatlichen Teil des Ersten Staatsexamens absolviert. Aktuell legt er seinen Schwerpunkt im Unternehmensrecht ab.
 

Herr Günthner, Sie sind seit 2019 als studentische Hilfskraft im Bereich M&A bei GÖRG tätig und haben dieses Jahr erfolgreich Ihr Erstes Staatsexamen abgeschlossen. Was war für Sie der „optimale“ Zeitpunkt, um mit der Examensvorbereitung zu beginnen?

Für mich war die Zwischenprüfung ein wichtiger Schnitt: Nach ihr wollte ich den staatlichen Teil des Examens nicht mehr allzu lange vor mir herschieben. Deshalb begann ich direkt nach den Übungen an der Universität mit der Examensvorbereitung; ich habe mich also dazu entschieden, den Schwerpunkt erst nach den Examensklausuren zu absolvieren.

Das hat für mich insbesondere zwei Vorteile: Zum einen muss man für das Examen juristischer Generalist sein, und als juristischer Generalist kommt man aus dem Grundstudium. Der Schwerpunkt hingegen ist eine Spezialisierung. Nach dem Speziellen nochmal zurück zum Generellen zu müssen, stelle ich mir sehr schwierig vor.

Zweitens: Nach der langen und doch ziemlich einsamen Lernphase und den Examensklausuren habe ich mich sehr darauf gefreut, nochmal mit den Freundinnen und Freunden in der Uni sitzen zu können – ohne ständig eine leise Stimme „Das ist alles examensrelevant“ im Hinterkopf flüstern zu hören. Der Schwerpunkt ist für mich ein schönerer Studienabschluss.
 

Bevor Studierende so richtig in die Examensvorbereitung starten ist zunächst immer die Frage: Uni-Rep, kommerzielles Repetitorium oder doch auf eigene Faust? Wie haben Sie sich entschieden und aus welchen Gründen?

Jedes Repetitorium macht gute Werbung, und zwar nicht nur die kommerziellen, sondern auch die der Universität. Das macht eine Entscheidung naturgemäß schwierig. Viele bieten aber zum Beispiel die Möglichkeit des Probehörens an. Dafür war ich jedoch zu ungeduldig.

Bei GÖRG sind viele sehr gute Leute, die super Examina geschrieben haben und mir ähnliche Lerntypen sind. Ich habe mir also Vorbilder gesucht und gefragt, wo diese ihr Rep absolviert haben. Viele haben das Repetitorium von hemmer besucht, weshalb ich mich auch für dieses entschieden habe. 

Wegen Corona lief mein Rep bei hemmer jedoch vollständig über Zoom ab, weshalb sich die gewünschte „Klassenraumatmosphäre“ als ersehntes Kontrastprogramm zu vollen und anonymen Hörsälen nie einstellte. Bei einem Freund habe ich dann auch mal das Uni-Rep auf seinem Laptop mitverfolgen können und in dem Moment etwas bereut, so viel Geld für ein kommerzielles Rep ausgegeben zu haben, auch wenn GÖRG das Repetitorium mit 500 € bezuschusst. Das Uni-Rep in Köln ist qualitativ mindestens genauso gut wie die kommerziellen. Die kommerziellen Repetitorien haben jedoch zwei Vorteile: schnellere Korrektur im Klausurenkurs und ordnerweise systematisierte Übungsfälle.

Wenn man ein gutes Arbeitsumfeld hat, ist eine Tätigkeit neben der Examensvorbereitung zu empfehlen und eine dankbare Abwechslung.
Kilian Günther

Gibt es Ihrer Ansicht nach ein Mindest-Lernpensum für ein erfolgreiches Staatsexamen und wie sinnvoll ist Struktur (z.B. durch einen Lern- oder Wochenplan) in der Vorbereitungszeit?

An produktiven Tagen hatte ich eine konzentrierte Arbeitszeit von 6-8 Stunden und pro Woche habe ich 5 produktive Lerntage eingeplant. Zu Beginn der Examensvorbereitung habe ich mir voller Motivation einen Lernplan für die gesamte Vorbereitungszeit erstellt. Die mangelnde Flexibilität des Plans erwies sich auf Dauer allerdings nicht als die für mich richtige Methode: Nach einer gewissen Zeit wusste ich recht gut, wo meine Stärken und Schwächen liegen und habe mir daher, gerade am Ende der Examensvorbereitung, nur noch wöchentliche Pläne erstellt – ganz ohne Struktur geht es schließlich nicht.

Was ich jedoch schade finde, ist, dass ich während der Examensvorbereitung meine Hobbies komplett ausblenden musste. Eigentlich würde man ja denken, bei 8 Stunden Schlaf und 6-8 Stunden Lernzeit blieben noch ca. 8-10 Stunden Freizeit am Tag.

Die traurige Wahrheit war für mich aber: Wenn ich an manchen Tagen versucht habe, die nach dem Lernen verbleibende Freizeit für andere Themen aufzuwenden, war schnell klar, dass ich dazu mental viel zu erschöpft war. Wenn ich vor dem Lernen Zeit für meine Hobbies verwenden wollte, konnte ich entweder nicht in den Lernmodus umschalten oder war zu unkonzentriert. Deshalb musste ich es im letzten halben Jahr vor meinem Examen zum Beispiel komplett aufgeben, Veranstaltungen für die politische Stiftung, die mich fördert, zu organisieren, zusammen mit anderen zu musizieren, oder an sonstigen Projekten mit Freunden zu arbeiten. Vor dem Examen muss man wirklich zum Vollblutjuristen werden.
 

In der Examensvorbereitung müssen Studierende ein hohes Stoffpensum bewältigen, dadurch müssen die verschiedenen Rechtsgebiete priorisiert und gewichtet werden. Ist gezieltes Auf-Lücke-Lernen hierbei empfehlenswert und welche Wiederholungsmethoden haben Sie angewandt? 

Am Ende des Tages ist „Auf-Lücke-Lernen“ immer eine Risikobewertung, die jeder für sich selbst abschätzen muss. Viele Unis veröffentlichen auf ihren Websites statistische Auswertungen der Examensklausuren, die eine hilfreiche Orientierung bieten.

Das Problem mit dem Auf-Lücke-Lernen ist aber, dass es zu Nervosität und Unsicherheit in der Klausur führt – unabhängig davon, ab diese Nervosität überhaupt angebracht ist.

Ich zum Beispiel bin nicht so stark im Baurecht. Meine erste Examensklausur im ÖffRecht begann aber wie eine Bauplanungsrechts-Klausur. Nach zwei Seiten Sachverhalt war jedoch klar, dass es eigentlich eine Klausur im Versammlungsrecht und damit im Ordnungsrecht war, was mir deutlich eher liegt. Wegen der anfänglichen Nervosität habe ich jedoch eine Sachverhaltsangabe überlesen. 
Kurz: Man sollte sich in jedem Gebiet zumindest sicher fühlen. Sonst verliert man die Ruhe — selbst, wenn man den Sachverhalt gut lösen könnte.

In der Examensvorbereitung habe ich im Wesentlichen auf zwei Methoden gesetzt:

  1. Fälle wiederholen! Hier braucht es eine Fallsammlung, der man vertraut, dass sie alle Probleme abdeckt. Wenn man diese Fallsammlung komplett durch gelöst hat, Inhaltsverzeichnis aufschlagen (in dem die Probleme benannt sind) und für jedes Problem kurz die aus dem Fall mitgenommenen Lösungen laut aussprechen.
  2. Eigene Visualisierungen: Zum besseren Verständnis von Inhalten baue ich PowerPoints, bei denen ich mich vorstelle, dass ich sie zum Beispiel in einer Arbeitsgemeinschaft präsentieren muss. Ich stelle mir also einen Adressatenkreis vor, der meinen Kenntnisstand hat und versuche dann, alles auf eine oder zwei Folien zu packen.


Probeklausuren: Das Schreckensgespenst vieler Examenskandidat:innen? Wie viele Probeklausuren sollten geschrieben werden, wann haben Sie damit begonnen und inwiefern konnte GÖRG Sie hierbei unterstützen?

Es gibt meines Erachtens zwei Gründe, Probeklausuren zu schreiben: 

  1. um die Form zu üben, also unter Zeitdruck in 5h einen fertigen und klar strukturierten Text gut zu Papier zu bringen und 
  2. um Inhalte zu üben. 

Für letzteres eignen sich Probeklausuren wegen des zeitlichen Aufwandes nicht wirklich – da ist es deutlich effizienter, möglichst viele Fälle in einer Skizze zu lösen, am besten auch mit Timer. Und für ersteres braucht es, entgegen der häufigen Darstellung, keine 80 Klausuren, da reichen auch 30 aus. Natürlich sollte man gewisse Standardprobleme einmal ausformuliert haben.

Es ist einfach, in einer Lösungsskizze „(P) Erlaubnistatbestandsirrtum“ oder „(P) Gestörte Gesamtschuld“ zu notieren und sich dann auf die Schulter zu klopfen, weil man das Problem erkannt hat. In der Umsetzung im Gutachten würde es aber in der Examensklausur unnötig Zeit kosten, wenn man sich erstmal über die Strukturierung des Textes für dieses Problem Gedanken machen muss. Außerdem helfen die Korrekturen von Probeklausuren bei der Selbsteinschätzung. 

GÖRG bezuschusst übrigens auch reine Klausurenkurse, wenn man sich z.B. für das Uni-Rep entscheidet, aber trotzdem ein höheres Klausurenpensum erreichen möchte. Die 500 € Budget sind frei verwendbar, solange sie für die Examensvorbereitung aufgewendet werden.

„Sie gehören zu den Besten? Willkommen im Team!“

Haben Sie zusammen mit Kommiliton:innen eine Lerngruppe gebildet? Falls ja: Wie haben Sie diese Zusammenarbeit gestaltet und wie hat diese Ihrer Meinung nach funktioniert?

Da ich mich während Corona auf das Examen vorbereitet habe, habe ich letztendlich nur mit einem Freund von mir eine Lerngruppe gebildet (anfangs noch mit mehreren). Wir haben uns immer abwechselnd bei ihm und bei mir getroffen, denn ich brauche ab und zu einen Tapetenwechsel, um mich gut konzentrieren zu können. Wir haben uns abwechselnd Fälle vorgelesen und dann entweder gemeinsam oder einzeln gelöst, dann die Lösungsskizze gemeinsam durchgearbeitet. Pro Tag sind wir circa drei bis vier Fälle durchgegangen. Wenn Themen unbekannt waren, haben wir nochmal tiefer recherchiert.

Mit Fällen lernen funktioniert allerdings nur wirklich gut, wenn man ein solides Systemverständnis hat. Fehlen einem in einem Rechtsgebiet also noch Grundlagen, empfehle ich als Crashkurs zum Beispiel einen Vorlesungspodcast nochmal durchzuhören, zum Beispiel von der LMU.
 

Sie haben während Ihrer Vorbereitungszeit bereits bei GÖRG gearbeitet. Wie blicken Sie auf diese Entscheidung zurück und ist die Tätigkeit in einer Kanzlei besonders hilfreich?

Wenn man ein gutes Arbeitsumfeld hat, ist eine Tätigkeit neben der Examensvorbereitung zu empfehlen und eine dankbare Abwechslung. 

Durch die Vorbereitung sind viele in ihrem Jura-Tunnel und entwickeln schnell Schuldgefühle, wenn sie sich von ihrem Schreibtisch wegbewegen, um sich zum Beispiel mit Freund:innen zu treffen.

Die Arbeit ist eine gute Ausrede, mal Pause zu machen und sich dem Luxus fremdbestimmten Arbeitens hingeben zu dürfen. Es ist anstrengender als erwartet, ständig sein eigener Chef sein zu müssen, gerade wenn die Früchte der eigenen Arbeit ein unsicheres und abstraktes Ziel in weiter Ferne sind.

Insbesondere wenn man in einer Kanzlei oder an einem Lehrstuhl arbeitet, nimmt man häufig sogar Erkenntnisse mit, die einem im Examen helfen können. Ich habe aber auch nur an einem Tag in der Woche gearbeitet und drei Wochen vor den Examensklausuren Urlaub genommen.
 

Das Examen ist kein Sprint, sondern ein Marathon. Welchen Ausgleich hatten Sie nach einem langen Lerntag, wie haben Sie sich immer wieder motiviert und gibt es Rezept, um dem ständigen Druck standzuhalten?

Ausgleich ja, aber meine Hobbies musste ich während der Examensvorbreitung weitestgehend pausieren. Für mich war es wichtig, mich nach einem langen Lerntag mit etwas zu belohnen, was mental nicht mehr zu fordernd ist. Am besten waren für mich Kochen und Netflix. Ich habe mich am Ende jedes Lerntages auf meine Serien gefreut.
Übrigens mochte ich vor dem Examen immer sehr prätentiöse Art-House-Filme und habe – wenn überhaupt Fernsehen – nur Arte geguckt. Während der Examensvorbereitung bin ich zum Reality-TV- und Kochshow-Junkie geworden: Hauptsache seicht. 

Hinsichtlich des Umgangs mit dem Stress und Druck in dieser Zeit habe ich kein Geheimrezept ausmachen können. Stattdessen kommt es meines Erachtens sehr auf die allgemeine psychische Verfassung und das soziale Umfeld an. Ebenso schadet eine gesunde Portion Egoismus (vor allem in Hinblick auf die zur Verfügung stehende Zeit) nicht – und auch wenn es einigen schwerfällt: Es ist ok, um Hilfe bei Alltagsaufgaben zu bitten und auf die Hilfsbereitschaft und das Verständnis seines Umfelds zu vertrauen. Zum Beispiel, wenn man in einer WG seine Beteiligung an Haushaltsaufgaben zurückfährt, oder in der gemeinsamen Wohnung der Partner oder die Partnerin das Finanzmanagement und Briefe-Öffnen übernimmt.
 

Kann man sich in der Examensvorbereitung überhaupt mal länger freinehmen und existieren Wochenenden noch?

Circa ein halbes Jahr vor meinem Examen habe ich ein Countdown-Widget auf dem Homescreen meines Smartphones platziert, das die Tage bis zur ersten Examensklausur runtergezählt hat. Als ich einen Screenshot meines Homescreens an einen Freund von mir geschickt habe, der ebenfalls in der Examensvorbereitung war, hat er mir gesagt, dass ihn sowas viel zu sehr stressen würde.

Mich hat der Countdown eher entspannt als gestresst — mit dem Widget weiß man genau, woran man ist, wie viel Zeit man noch hat. So kann man am Ende jeder Woche gut evaluieren, ob man mit dem Stoff durchkommt, welche Prioritäten beim Lernen gesetzt werden müssen. Wenn man ein gutes Gefühl hat, kann man auch ohne größere Schuldgefühle mal ein paar Tage Urlaub machen. Insgesamt habe ich im letzten halben Jahr vor meinem Examen zweimal eine knappe Woche Urlaub gemacht.

Haltet euch an euren Plan! Es ist besser und einfacher, sich bei zuvor bereits gut durchdachten Sätzen kurzzufassen, als lange aber undurchdachte Paragraphen niederzuschreiben.
Kilian Günther

Hat sich Ihre typische Woche bzw. habe sich Ihre Lernphasen in der „heißen Phase”, also circa sechs Monate vor der Examensvorbereitung verändert und haben Sie hier nochmal bewusste Lernpausen eingelegt?

Nach dem Repetitorium habe ich mich noch ca. 8 Monate auf das Examen vorbereitet. Da das Rep einer klaren Standardstruktur folgt und keine individuellen Stärken und Schwächen berücksichtigt, halte ich eine eigene Lernphase nach dem Rep für sehr wichtig, um gut vorbereitet zu sein.

Dabei ist wie immer gute Mischung aus Fällen und Inhalten empfehlenswert, statt nur auf reine Wiederholung zu setzen. Gleichzeitig sollte einem aber in den letzten zwei Monaten vor dem Examen am besten nichts mehr so neu vorkommen, dass man es gedanklich nicht sofort systematisch verorten kann.
 

Sie haben Ihr Erstes Staatsexamen in Nordrhein-Westfalen absolviert und hatten somit die Möglichkeit, Ihr Examen „abzuschichten”. Können Sie dieses System kurz erläutern und welche Vor- und Nachteile hat es Ihrer Ansicht nach, Herr Günthner?

Üblicherweise schreibt man ja alle Examensklausuren direkt hintereinander in ca. anderthalb Wochen, in einem Rutsch also. In NRW ist es jedoch möglich, nicht alle Klausuren auf einmal schreiben zu müssen, sondern jedes Rechtsgebiet separat zu absolvieren. Man kann sich also zum Beispiel erst für Zivilrecht anmelden, einige Monate später für das öffentliche Recht und danach für Strafrecht. Voraussetzung hierfür ist, dass man sich bis Ende des siebten Fachsemesters für das Examen anmeldet.

Ich persönlich habe Zivilrecht und öffentliches Recht zusammengeschrieben und Strafrecht dann zwei Monate später. Das Abschichten wird häufig kritisch gesehen, weil die drei Rechtsgebiete natürlich miteinander vernetzt sind: Im Strafrecht kann es zum Beispiel beim Diebstahl zu einer ausführlichen sachenrechtlichen Prüfung kommen, umgekehrt im Zivilrecht beim § 823 Abs. 2 BGB zu einer strafrechtlichen Prüfung.

Dagegen ist aber einzuwenden, dass eine solche Klausurstellung im Examen eher unwahrscheinlich ist – zumindest fände ich es unfair, wenn beispielsweise Kandidatinnen und Kandidaten, die im Strafrecht stark sind, durch eine Sachenrechtsklausur im Strafrechtsmantel die Chance genommen würde, diese Stärke auch zu zeigen. 

Gerade das Strafrecht eignet sich meines Erachtens gut für das Abschichten. Im Strafrecht sind Definitionen von ungleich höherer Bedeutung als im Zivilrecht oder im öffentlichen Recht. Allerdings ist Wissen um Definitionen erfahrungsgemäß auch ziemlich flüchtig. Schichtet man Strafrecht ab, muss man die letzten drei Wochen vor den Klausuren nicht schwerpunktmäßig Definitionen wiederholen, sondern kann sich hierfür einen separaten Zeitraum freihalten.
 

Der schriftliche Examensteil ist geschafft, die mündliche Examensprüfung erscheint zunächst noch weit entfernt. Haben Sie nach dem schriftlichen Staatsexamen eine Pause eingelegt und wie sah Ihre Vorbereitung auf das mündliche Examen aus?

Nach dem schriftlichen Teil ist es erst einmal schwierig gewesen, aus dem 24/7-Jura-Modus herauszukommen. Ich habe meinen Freunden und meiner Familie bestimmt noch zwei Wochen nach den Klausuren in jeder Unterhaltung meine Examenssachverhalte geschildert, was nicht unbedingt zu meiner Beliebtheit beigetragen hat.

Um den Kopf freizubekommen und die Examensklausuren hinter mir zu lassen, hat es gut einen Monat gedauert. Problematisch daran ist allerdings, dass man einerseits anfängt, Dinge zu vergessen. Andererseits ändert sich das Recht in dieser Zeit weiterhin. Um also für die mündliche Prüfung nicht gänzlich von vorn zu beginnen, habe ich mich weiterhin über Blogs, wie zum Beispiel den Verfassungsblog, und Jura-Podcasts auf dem aktuellen Stand gehalten. Ebenso war es mir wichtig, ganz normal Inhalte mit einem Fokus auf das aktuelle Zeitgeschehen zu wiederholen.

Außerdem sollte man Vorträge üben, wo es nur geht. GÖRG bietet zum Beispiel ein super Vortragstraining für Examenskandidat:innen vor anderen wissenschaftlichen Mitarbeiter:innen, Rechtsanwält:innen und Partner:innen an.

Welche weiteren Angebote bietet GÖRG sowohl als Unterstützung für das Erste Staatsexamen als auch Referendar:innen, die sich auf das Zweite Staatsexamen vorbereiten?

Das Schöne an der Arbeit in einer Kanzlei ist, dass man von ehemaligen oder aktuellen Leidensgenossen umgeben ist. Fast jeder kann sich an seine oder ihre Examenszeit erinnern und weiß, welche Zwänge damit verbunden sind. Neben mitleidsvollen Blicken erhält man also vor allem viel Unterstützung!

Das beginnt bei ganz trivialen Dingen, wie zum Beispiel Flexibilität bei der Wahl der wöchentlichen Arbeitstage. Bei GÖRG hat die Unterstützung aber richtig Struktur! Wie oben schon angesprochen gibt es ein Weiterbildungsbudget in Höhe von 500 €, das ziemlich frei ausgegeben werden kann – zum Beispiel auch für Zeitschriften wie die JuS. Dazu kommen Vortragstrainings, die insbesondere von Mitarbeitenden gerne genutzt werden, die sich auf das Assessorexamen vorbereiten. Außerdem organisiert GÖRG weitere In-House-Seminare, unter anderem in Kooperation mit Kaiser und hemmer. Neben diesen inhaltlichen Seminaren gibt es auch Seminare, die fast genauso wichtige Soft Skills fördern, zum Beispiel zum well-being-Thema „Resilienz“. 

Unabhängig von der Examensvorbereitung kann man auch jederzeit an Englischkursen mit Fokus auf Rechtsterminologie teilnehmen, ebenso wie an anderen inhaltlichen Seminaren, die allen offenstehen. Ich habe zuletzt zum Beispiel an den Seminaren „Bilanzen“ in Kooperation mit der Bucerius Law School und „Coding for Lawyers“ teilgenommen. Das sind nur ein paar der tollen Angebote, die man wahrnehmen kann!
 

Die Corona-Pandemie hat viele Einschränkungen und (erzwungene) Umstellungen mit sich gebracht. Wie haben Sie die Examensvorbereitung während der Pandemie erlebt und welche Vorteile haben sich daraus evtl. sogar für Sie, aber auch für die Abläufe der Repetitorien ergeben?

Corona hatte für meine Examensvorbereitung sowohl Vor- als auch Nachteile. Dadurch, dass das Repetitorium online stattfand, ist man stärker auf sich allein gestellt – insbesondere, was die Tagesstruktur betrifft. Es macht einen großen Unterschied, ob man in Jogginghose vor dem Zoom-Rep sitzt, 5 Minuten, nachdem man aufgestanden ist, oder ob man frisch geduscht und gut angezogen in den Räumlichkeiten des Repetitors in seinen Tag startet.

Gleichzeitig war aber aufgrund des Lockdowns keine Ablenkung durch Restaurants, Kino oder Clubs möglich. Deshalb hatte ich nicht das Gefühl, etwas vom Leben zu verpassen, während ich mich am Schreibtisch auf die Klausuren vorbereite. Insofern waren die Opportunitätskosten in der Examensvorbereitung relativ gering und es stellte sich keine „FOMO“ (fear of missing out) ein. Bezüglich Corona habe ich also gemischte Gefühle.
 

Welche (motivierenden) Tipps möchten Sie Examenskandiat*innen und Studierenden, die kurz vor der Examensvorbereitung stehen, geben?

Ich fühlte mich vor dem Start in meine eigene Lernphase wegen der schieren Menge des Stoffs etwas gelähmt. Wie geht man an so einen Berg heran? Deshalb habe ich nach dem Repetitorium den Beginn meines Selbstlernens etwas herausgezögert.

Hier also ganz konkret mein erster Tipp: Sucht euch für jedes Rechtsgebiet eine (oder mehrere, sich nicht überlappende) richtig gute Fallsammlung und fangt einfach vorne an, das Buch durchzuarbeiten! Investiert also ruhig Zeit, um eine Fallsammlung ausfindig zu machen, auf deren Vollständigkeit ihr blind vertrauen könnt.

Der Rest ergibt sich dann ganz von selbst: Im Laufe der Zeit erkennt man gut, wo seine (manchmal ungeahnten) Schwächen und Stärken sind und kann in der Folge mit seiner Lernzeit etwas gezielter haushalten. Um in die Lernphase zu starten, braucht ihr also keinen genauen Plan, der jede Woche bis zum Examen schon im Detail durchplant. 

Mein zweiter Tipp: Ich war während meiner ersten Examensklausur (erwartungsgemäß) ziemlich nervös und habe mir hierdurch weniger Zeit für die Lösungsskizze genommen, als ich mir eigentlich vorgenommen hatte. Am zweiten Klausurentag war diese Nervosität aber schon ziemlich abgeklungen, weshalb ich mich dann an die Zeitaufteilung gehalten habe, die für mich in den Probeklausuren auch immer am besten funktioniert hat. Rückblickend kann ich sagen: Haltet euch an euren Plan! Es ist besser und einfacher, sich bei zuvor bereits gut durchdachten Sätzen kurzzufassen, als lange, aber undurchdachte Paragrafen niederzuschreiben.

Und meine dritte Anmerkung: Das Jurastudium ist ein ziemliches Unikat. Die Studienleistungen zählen beinahe nichts, aber knapp anderthalb Wochen Klausuren entscheiden über unsere gesamte Zukunft. Ich glaube, wir Menschen sind eigentlich nicht gut darin, für knapp zwei Jahre Examensvorbereitung täglich Impulsunterdrückung zu üben und uns an den Schreibtisch zu zwingen, um dann in anderthalb Wochen konstant Bestleistungen erbringen zu müssen.

Deshalb ist es vollkommen okay, sich auch mal unmotiviert zu fühlen. Ihr seid keine schlechteren Jurist:innen, nur weil ihr nicht jeden Tag freudestrahlend in die Bibliothek lauft. Also lasst es nicht an eurem Selbstwertgefühl kratzen, wenn ihr mal eine schlechte Phase habt!
 

Ihr Fazit?

Die Examensvorbereitung war eine ziemlich seltsame, aber auch lehrreiche Phase. Eigentlich ist man geneigt, solche Lernphasen vom Ergebnis her zu denken, also als Mittel zum Zweck der Erreichung einer möglichst guten Examensnote.

Ich habe für mich gelernt, dass man mit dieser Denkweise schnell die Lern-Kondition verliert. Wenn aber nette Menschen in der Bibliothek auf einen warten, wenn man sich in der Pause mit guten Freundinnen und Freunden einen Kaffee teilen kann, dann geht man gerne in die Uni. Man muss sich also den Weg zum Ziel machen, sonst geht einem vor dem Ziel der Atem aus.

 

Vielen Dank, Herr Günthner!

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