Internationales Recht: Studieren für die Globalisierung

So sehen Studium und Jobchancen aus


verfasst von Finn Holzky und veröffentlicht am 07.08.2019

 

Wir leben in einer globalisierten Welt, mit multinationalen Organisationen und immer mehr vertraglichen und anderweitigen Verknüpfungen. Kein Wunder also, dass auch das internationale Recht immer wichtiger wird. Im klassischen Jurastudium, also dem 1. Staatsexamen an einer Universität und dem 2. Staatsexamen nach dem Referendariat, wird dieser Abschnitt des Rechts aber eher rudimentär behandelt. Abgesehen vom Europarecht spielt internationales Recht kaum eine Rolle. Der Studiengang „Internationales Recht“ soll hier Abhilfe schaffen, doch was hat es damit genau auf sich?

 

Bachelor- und Masterstudiengänge an Fachhochschulen und Universitäten

Das traditionelle Jurastudium mit den zwei Examina und der Befähigung zum Richteramt und somit auch zum Arbeiten als Anwalt, sieht nach wie vor kaum internationales Recht vor. Es geht wenn überhaupt um Europarecht und auch wenn dieses immer stärker gewichtet wird, ist es im Gegensatz zu den klassischen Disziplinen nach wie vor unterrepräsentiert. Doch abseits der Studiengänge mit Abschluss Staatsexamen haben sich immer mehr Bachelor- und Masterstudiengänge etablieren können und sowohl die Universitäten als auch viele Fachhochschulen bieten mittlerweile alternative Studiengänge an.

 

Neben Disziplinen wie Wirtschaftsrecht, Steuerrecht und interdisziplinären Studiengängen wie Psychologie & Recht haben sich zunehmend auch international ausgerichtete Studiengänge entwickelt.

 

So zum Beispiel der Bachelor- und Masterstudiengang „Internationales Recht“. Es bleibt aber trotz dem Erfolg dieser Modelle dabei, dass nach wie vor nur Juristen mit zwei Staatsexamen Richter, Staatsanwalt und Anwalt werden können.

 


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Die Ausrichtung solcher Studiengänge

Grundsätzlich sind diese Studiengänge in der Regel deutlich schneller zu absolvieren als die beiden Staatsexamina und es wird für einen größeren Bezug zur Praxis gesorgt. Vor allem die supranationalen Organisationen wie die Europäische Union, die Nato, die Welthandelsorganisation oder verschiedene Zentralbanken suchen händeringend nach Experten, die nicht nur auf ihr nationales Recht spezialisiert sind, sondern vor allem auch internationale Verträge und Institutionen kennen und verstehen.

 

In der Tat ist es häufig sogar problematisch, wenn Juristen verschiedener Nationen aufeinander treffen, die keinerlei Kenntnisse über andere Rechtsformen haben und daher das eigene System grundsätzlich für richtig oder zumindest besser halten.

 

Vergleicht man aber alleine das Verwaltungsrecht der verschiedenen Mitgliedstaaten der Europäischen Union, einer vergleichsweise homogenen Gruppe von Ländern, wird klar wie unterschiedlich unsere Rechtssysteme sind.

Rechtsvergleichung und die Abwägung bzw. Beurteilung dieser Rechtssysteme unter verschiedenen Aspekten sind also ein großer Teil des Studiums vom Internationalen Recht. Doch auch die Praxisarbeit in den Organisationen und der Umgang mit internationalen Verträgen soll gelernt sein, denn auf dem internationalen Parkett läuft es grundsätzlich anders, als in den jeweiligen Nationalstaaten. Eine frühe Einbindung durch Praktika und Nebenjobs wird also ebenfalls durch diese Studiengänge forciert.

 

Die internationalen Organisationen danken es dem Studiengang, der endlich auch das gesuchte Personal herausbringt und den Bedarf zu decken hilft.

 

Ein sinnvolles Studium im Ausland

Ein weiterer Aspekt, der für das Studium des Internationalen Rechts spricht, ist der, dass ein Auslandsstudium endlich mit mehr Sinn gefüllt wird. Natürlich bringt ein Erasmus Semester oder auch ein Jahr im nicht europäischen Ausland einen Studenten immer weiter, vor allem auch auf persönlicher Ebene, der Nutzen für das Studium war bisher aber eher überschaubar und nicht umsonst gelten vor allem die Erasmus-Semester häufig auch als kleine Auszeit oder unter Studenten auch als „Partysemester“. Das soll aber weniger Kritik am klassischen Jurastudium sein, welches nun einmal auf nationales Recht ausgelegt ist, sondern eher ein Hervorheben der Sinnhaftigkeit des Studiums des Internationalen Recht.

Bei internationalen Verhandlungen und in den supranationalen Organisationen geht es neben dem Verständnis für eben deren Funktions- und Arbeitsweisen gerade auch um internationale Kontakte. Diese werden am besten früh geschlossen und im Laufe eines Auslandsstudiums weiter vertieft. Zudem bekommt man so genauere Einblicke in die juristische Lehre und das Rechtssystem in anderen Ländern. Dieser Effekt verstärkt sich zudem, wenn nicht nur in einem anderen Land, sondern möglichst in verschiedenen Ländern studiert bzw. gearbeitet wird. Vor allem dann, wenn es extreme Unterschiede wie zum Beispiel zwischen Deutschland, Großbritannien und der Arbeit innerhalb der Europäischen Union gibt.

 


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Die Aussichten auf dem Arbeitsmarkt

Die traditionellen Berufe fallen also weg und so stellt sich folglich die Frage: Welche Jobs gibt es denn für die Absolventen dieser Studiengänge? Da sind zum einen die bereits erwähnten supranationalen und internationalen Organisationen und Institutionen zu nennen. Im Rahmen der Europäischen Union also vor allem deren Verwaltung, die Europäische Zentralbank, die verschiedenen Gremien und Parlamente, die Kommission sowie deren ständige Vertretungen in den verschiedenen Nationalstaaten.

 

Natürlich gibt es neben den großen bekannten Institutionen wie WHO, EU, Nato oder der WTO noch viele weitere Organisationen, die händeringend nach Spezialisten für das internationale Recht suchen.

 


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Doch auch in der Privatwirtschaft ist der Bedarf hoch, denn aufgrund des globalisierten Handels, der Beziehungen über ganze Kontinente und dem Zwang, sich anderen Rechtsformen und Gesetzen vor Ort anzupassen, braucht es mehr als nur den klassischen Juristen mit zwei deutschen Staatsexamen. Sowohl Unternehmen als auch Kanzleien suchen also nach Experten für internationales Recht, sei es für die Beratung, für die eigene Expansion oder als Sachbearbeiter für internationale Aufgaben.

 

Umweltrecht und Datenschutz: Zwei Rechtsgebiete, die auf nationaler Ebene nicht mehr ausreichend behandelt werden können

Dass es im Bereich internationaler Finanzwirtschaft und des Handels fast ausschließlich um internationale Beziehungen geht, liegt auf der Hand. Es gibt jedoch auch etwas weniger zentrale Rechtsgebiete, deren Probleme sogar nur noch auf internationaler Ebene gelöst werden können. Das gilt zum einen für den Datenschutz, der vor allem aufgrund des Internets längst nicht mehr die Sache von Nationalstaaten sein kann und zum anderen für den Umweltschutz.

 

Denn ob ein Land jegliches Plastik verbietet, alle Atommeiler abstellt oder den Diesel verbannt, ist herzlich egal, wenn dessen Nachbar dies nicht tut oder sogar die alten Dieselfahrzeuge und Atomkraftwerke des Nachbarn übernimmt.

 


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Diesen Themen ist nur noch international beizukommen und vor allem im Bereich der Diplomatie und der internationalen Zusammenarbeit ist neben viel Fingerspitzengefühl und der Bereitschaft für Kompromisse vor allem eins gefragt: Wissen und Fähigkeiten rund um internationale Verträge und deren rechtliche Erstellung und Behandlung.

 

Wenn man so möchte, ist das internationale Recht langfristig betrachtet keine Nische mehr, sondern wird immer mehr an Bedeutung gewinnen und somit ein zentraler Teil der juristischen Arbeit werden. Das würde übrigens auch oder sogar gerade dann gelten, wenn protektionistische Bewegungen und Abschottung tatsächlich weiter zunehmen würden, denn dann käme es umso mehr auf die rechtlichen Beziehungen zwischen verschiedenen Staaten an, als es das schon heute tut.

 


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Über den Autor

Finn Holzky

Finn Holzky

Schreibt neben seinem Jurastudium seit 2 Jahren für TalentRocket und hat gerade sein 1. Staatsexamen in Göttingen hinter sich gebracht.

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