Als Rechtsanwalt bei einer Versicherung: Langeweile oder hipper als gedacht?!

Als Jurist zur Versicherung | Einstieg, Aufgaben & mehr

Entdecke spannende Inhouse-Rollen in der Assekuranz. Von ESG bis Underwriting.

Auf einen Blick

Die Versicherungsbranche bietet Jurist:innen ein dynamisches Umfeld mit flachen Hierarchien und hoher Eigenverantwortung. Neben klassischen Rechtsabteilungen für Volljurist:innen eröffnen sich für Diplom- und Wirtschaftsjurist:innen spezialisierte Tätigkeitsfelder im Underwriting, Schadenmanagement oder in der Compliance. Gefragt sind neben juristischer Exzellenz vor allem wirtschaftliches Verständnis, Kommunikationsstärke und IT-Affinität. Die Rolle wandelt sich zur strategischen Beratungsperson, die aktiv an Produktentwicklungen und digitalen Transformationsprozessen wie Legal Tech mitwirkt. Flexible Arbeitszeitmodelle und eine ausgeprägte Work-Life-Balance machen die Branche zu einer attraktiven Alternative zur Großkanzlei, wobei aktuelle regulatorische Themen wie ESG zunehmend an Bedeutung gewinnen.

Anforderungen an Juristen in der Versicherung

Die Versicherungsbranche sucht heute Profile, die über das rein fachliche Wissen hinausgehen. Während dein juristisches Handwerkszeug das Fundament bildet, entscheiden oft andere Faktoren über deinen Erfolg im Unternehmen.

  • Wirtschaftliches Verständnis: du solltest komplexe Geschäftsmodelle verstehen und Lust darauf haben, rechtliche Lösungen zu finden, die den wirtschaftlichen Erfolg nicht bremsen, sondern ermöglichen.
  • Kommunikationsstärke: Ob in der Verhandlung mit Rückversicherern oder bei der Beratung der Fachabteilungen – du musst komplexe Sachverhalte präzise und für Nicht-Jurist:innen verständlich auf den Punkt bringen können.
  • IT-Affinität: Da die Digitalisierung der Branche (InsurTech) voranschreitet, sind Grundkenntnisse in Legal Tech oder ein generelles Interesse an digitalen Prozessen ein klarer Pluspunkt für dich.
     

Wege in die Versicherung: Volljurist oder Diplomjurist

Ein wesentlicher Pluspunkt der Versicherungsbranche ist die Offenheit für verschiedene juristische Werdegänge: Hier entscheiden deine Kompetenzen oft stärker über deinen Aufstieg als rein formale Abschlüsse.
 

Als Volljurist in die Versicherung

Für klassische Rollen in der Rechtsabteilung (General Counsel), im Bereich Regulatory oder bei der Prozessführung ist das zweite Staatsexamen nach wie vor die beste Eintrittskarte. Gerade, wenn du gerne tief in die Dogmatik einsteigst und die rechtliche Letztverantwortung trägst, ist dieser Weg für dich ideal. Versicherer bieten hier oft eine attraktive Alternative zur Partnerschaft in der Kanzlei, mit Fokus auf strategische Gestaltung statt auf fakturierbare Stunden.
 

Als Diplomjurist und Wirtschaftsjurist in die Versicherung

Die Versicherung ist ebenso einer der größten Arbeitgeber für Jurist:innen ohne zweites Staatsexamen. In Bereichen wie dem gehobenen Schadenmanagement, der Risikoprüfung oder der Compliance sind dein tiefes Verständnis für privatrechtliche Verträge und deine methodische Arbeitsweise gefragt. Oft arbeitest du hier noch näher am eigentlichen Produkt und gestaltest die Bedingungen, unter denen Versicherungen überhaupt erst verkauft werden. Auch mit einem LL.B. oder LL.M. stehen dir hier Führungspositionen offen, da oft die Fachexpertise und Branchenkenntnis höher gewichtet werden als die Befähigung zum Richteramt.

Was macht ein Jurist bei einer Versicherung?

Die Aufgaben von Jurist:innen sind einerseits die, die üblicherweise in einer Rechtsabteilung anfallen. Das bedeutet vor allem Arbeitsrecht und allgemeines Vertragsgestaltungsrecht. Streitigkeiten mit Mitarbeitern und deren Beschwerden müssen bearbeitet werden und im Zweifel auch Verhandlungen um eine Beendigung des Arbeitsverhältnisses geführt werden. Darüber hinaus müssen Verträge und Allgemeine Geschäftsbedingungen vorformuliert werden.

Doch das Versicherungsgeschäft bringt auch noch andere Aufgaben mit sich. Bei großen Versicherern und vor allem auch den Rückversicherern kommt dem Anlage- und dem Kapitalmarktrecht eine gewichtige Rolle zu, da große Geldmengen verwaltet und angelegt werden müssen.

Hierzu gehört dementsprechend auch das Kredit- und Kreditsicherungsrecht sowie - branchenspezifisch - die Schadensregulierung. Hier geht es neben alltäglichen Sachschäden wie Autounfälle oder Ähnlichem auch um durch durchaus hochkomplexe Sachverhalte, bei denen es um mehrere Millionen Euro gehen kann und viele verschiedene Unternehmen beteiligt sind. Dabei kommen auch zunehmend Legal Tech-Lösungen zum Einsatz, um die Abwicklung effizient und datenbasiert zu steuern.

Bei Rückversicherern wird zudem das Underwriting häufig von Jurist:innen übernommen oder zumindest von diesen betreut. Hierbei werden individuelle Versicherungslösungen für Unternehmen gesucht und herausgearbeitet. Der Vorgang erstreckt sich von der Akquise über die Erstellung des Versicherungsprodukts bis hin zum Vertragsschluss. Vor allem die Vertragsgestaltung muss dabei natürlich zumindest von Jurist:innen begleitet werden.

Insgesamt ist das Arbeitsbild von Jurist:innen in der Versicherungsbranche also stark von interdisziplinärer Zusammenarbeit geprägt. Darüber hinaus muss ein Grundverständnis für wirtschaftliche Zusammenhänge bestehen und kommunikative Fähigkeiten für die Arbeit in Teams und die Zusammenarbeit mit Nichtjurist:innen besonders ausgeprägt sein.

Abschließend sollte auch der Quereinstieg von Jurist:innen als Versicherungsberater:in genannt werden. Analytische Fähigkeiten, gepaart mit fachlichem Know-How und Stärken in Verkauf und Beratung, sind die Grundlagen eines/einer guten Versicherungsberater:in.

Potentielle Arbeitgeber in der Versicherungsbranche

Die erste Gruppe potentieller Arbeitgeber stellen die klassischen Versicherungen dar, die sich ihrerseits auf Direktversicherer und Versicherungen mit eigenem Vertrieb aufteilen. Als Direktversicherer bekannt sind zum Beispiel die ERGO Direkt, die Barmenia-Direkt oder die DEVK.

Daneben stehen Großversicherer wie beispielsweise die Allianz, die AXA oder die HUK-Coburg. Diese Versicherungen zeichnen sich alle dadurch aus, dass sie in erster Linie Versicherungsprodukte direkt an Kund:innen verkaufen. Es bestehen also hauptsächlich Vertragsbeziehungen zu Verbraucher:innen und den eigenen Mitarbeiter:innen.

Die zweite Gruppe stellen die sogenannten Rückversicherer dar. Rückversicherer versichern vereinfacht gesprochen, die zuvor genannten Versicherungsgesellschaften gegen extreme Schadensereignisse und sichern somit deren Bilanzen und Solvenz.

Zu den größten Rückversicherern gehören die Munich Re, die Swiss RE oder Hannover Rück. Die Vertragsbeziehungen bestehen für diese Unternehmen also in erster Linie ebenfalls zu ihren Mitarbeiter:innen in Form von Arbeitsverträgen und ansonsten zu den Versicherungen selbst, also zu Unternehmen.

Fachanwalt Versicherungsrecht?

Wer sich in der Versicherungsbranche festsetzen möchte, der kann seine Chancen durch eine Spezialisierung erhöhen. Dies kann zum Beispiel durch die Ausbildung zum/zur Fachanwält:in für Versicherungsrecht geschehen.

Hierfür bedarf es nach mehrjähriger Berufserfahrung auf dem Gebiet des Versicherungsrechts einen rund 120-stündigen Fachanwaltskurs, der seinerseits mit mehreren Klausuren abgeschlossen wird.

Darüber hinaus sind Fachanwält:innen dazu verpflichtet, sich jährlich auf ihrem Fachgebiet fortzubilden und dies auch nachzuweisen. Angeboten wird der Fachanwaltslehrgang zum Beispiel von der Hagen Law School, der Universität Münster oder der DeutscheAnwaltAkademie GmbH.

Die Inhalte der Kurse variieren zwar leicht in ihrer konkreten Ausgestaltung, sind inhaltlich aber größtenteils sehr ähnlich. Vermittelt wird Wissen über die verschiedenen Versicherungsprodukte wie Lebensversicherungen, Haftpflichtversicherungen oder Unfallversicherungen, über die Versicherungsaufsicht und über die verschiedenen Pflichtversicherungen.

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Streitigkeiten mit Mitarbeitern und deren Beschwerden müssen bearbeitet werden und im Zweifel auch Verhandlungen um eine Beendigung des Arbeitsverhältnisses geführt werden.

Wie findet man den besten Einstieg in die Branche?

Um bei einer Versicherung tätig zu werden, braucht man meistens zwei Staatsexamina, wobei die Ansprüche an deren Noten im Verhältnis zu Großkanzleien nicht ganz so strikt sind. „Befriedigend“ reicht hier meistens aus, soweit die anderen Qualifikationen und Fähigkeiten gegeben sind.

Einige Versicherer stellen sogar Bewerber mit nur dem 1. Staatsexamen ein, allerdings spiegelt sich dies häufig im Gehalt wieder und auch die Aufstiegschancen können eingeschränkt sein. Wer als Anwält:in für eine Versicherung arbeiten möchte, sollte so früh wie möglich diesbezügliche Erfahrungen sammeln. Diese Türen stehen dir auch ohne 2. Staatsexamen offen.

So bieten sich beispielsweise Praktika oder eine Referendariatsstation in der Rechtsabteilung einer Versicherung an. Auch während des Studiums selbst, nämlich im Schwerpunkt, kann bereits der Grundstein für eine Karriere bei einer Versicherung gelegt werden.

Beispielsweise die Universitäten Köln und Frankfurt haben exzellente Schwerpunkte im Bereich Kapitalmarkt- und Versicherungsrecht. Einige Großversicherungen, wie zum Beispiel die Munich Re oder die Allianz, haben auch entsprechende Trainee-Programme, um „Quereinsteigern“ den Einstieg in die Branche zu erleichtern.


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