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Juristin & Mutter: Life-Balance?

"Die Frage nach dem 'Entweder-Oder' stellt sich für mich nicht!"


veröffentlicht am 18.05.2018

- Interview mit Frau Veith, Sachgebietsleiterin in der allgemeinen Verwaltung (Rechtsbehelfsstelle) im Finanzamt Rosenheim -

 

"Als Sachgebietsleiterin in der Rechtsbehelfsstelle habe ich die Fachaufsicht über meine Bearbeiter, gleichzeitig unterstütze ich sie bei der Bearbeitung schwieriger Fälle.

Eine meiner Haupttätigkeiten ist die Personalführung.

Hierunter fällt die Bearbeiter zu motivieren, auf eine gleichmäßige Arbeitsbelastung zu schauen sowie durch Controlling darauf zu achten, dass die vorgegebene Arbeitsweise eingehalten wird. In gerichtlichen Verfahren, ist es meine Aufgabe zu den Verhandlungen zu gehen. Bei Verfahren vor dem Bundesfinanzhof obliegt mir die eigene Bearbeitung der Fälle. Zusätzlich stehe ich als eine Art Ansprechpartner im Haus zur Verfügung und nehme auch mal gutachterlich Stellung zu einem Problem oder sorge für eine einheitliche Rechtsanwendung."

 

Hallo Frau Veith, ist Ihre Familie der Ausgleich vom Beruf oder der Beruf Ausgleich von Ihrer Familie?

Ich sage immer: Ich erhole mich auf der Arbeit von zu Hause und zu Hause von der Arbeit.

 

Sie sind Sachgebietsleiterin der Rechtsbehelfsstelle am Finanzamt Rosenheim. Klingt das stressiger als es ist?

Es ist herausfordernd, manchmal auch stressig – sicher, aber vor allem abwechslungsreich und spannend.

 

Wer ruft denn häufiger bei Ihnen an – Antragssteller oder der Kindergarten?

Der Kindergarten glücklicherweise nur selten. Aber auch Antragsteller rufen in der Regel nicht direkt bei mir an, sondern beim jeweiligen Bearbeiter. Ich kann dann bei fachlich oder auch persönlich schwierigen Fällen mit einbezogen werden.

Öffentlicher Sektor
Bayerisches Staatsministerium der Finanzen und für Heimat

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Wie läuft überhaupt so ein Rechtsbehelfsverfahren beim Finanzamt ab?

Ein Einspruch gegen den Steuerbescheid geht zunächst einmal in die Veranlagungsstelle, die den Bescheid erlassen hat. Wenn dort keine Einigung erzielt werden kann, wird der Einspruch an die Rechtsbehelfsstelle abgegeben. Die Rechtsbehelfsstelle fungiert demensprechend wie sonst in einem Widerspruchsverfahren die Dienstvorgesetzte Behörde. Hier wird die Sach- und Rechtslage gegebenenfalls weiter erörtert. Entweder erledigt sich der Einspruch dann durch Rücknahme des Einspruchführers bzw. Stattgabe durch die Rechtsbehelfsstelle (z.B. aufgrund von Klärung der Sach- oder Rechtslage), ansonsten wird eine Einspruchsentscheidung geschrieben. Dann steht dem Einspruchsführer noch der Weg zu den Finanzgerichten offen.

 

Haben Sie in diesem Zusammenhang auch mit Selbstanzeigen und ähnlichen Dingen zu tun?

Die Rechtsbehelfsstelle ist nicht die erste Anlaufstelle für solche Dinge, das wären Veranlagungs- sowie Bußgeld- und Strafsachenstelle. Da hier jedoch Einsprüche aus allen Veranlagungsbereichen und auch sonstigen Stellen bearbeitet werden, bekommt man viele ganz unterschiedliche Sachverhalte zu sehen, darunter auch Streitigkeiten im Zusammenhang mit Selbstanzeigen oder anderem steuerstrafrechtlichen Bezug.

 

Sie üben diese Tätigkeit als Sachgebietsleiterin aus. Beinhaltet Ihre Tätigkeit demnach auch Personalführung?

Ja, es ist sogar der überwiegende Teil meiner Tätigkeit (vgl. die Tätigkeitsbeschreibung oben).

 

Inwiefern denken Sie, dass Sie von Ihren Erfahrungen als Mutter im Job profitieren oder andersherum?

Gerade in dem Bereich Personalführung hilft meiner Meinung nach eine gewisse Lebenserfahrung weiter, dazu gehört auch die Erfahrung mit der eigenen Familie. Zudem lernt man in beiden Situationen mit Konflikten umzugehen. Insofern kann ich in beide Richtungen von den jeweiligen Erfahrungen profitieren.  

 

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Hat man demnach "eine" Berufung Jurist/in oder Mutter zu sein?

Nein, mir ist beides wichtig und ich möchte weder die Arbeit noch den Alltag mit meinen Kindern missen. Die Frage nach dem Entweder-oder stellt sich für mich nicht.

 

Heutzutage erwartet man fast von Arbeitgebern, dass diese Familien explizit fördern – durch Betriebskindergärten und Förderung der Elternzeit. Ist auch der bayerische Staat als Ihr Arbeitgeber derart fortschrittlich?

Die beste Familienförderung erreicht man meiner Meinung nach durch geregelte Arbeitszeiten und flexible Teilzeitmodelle mit trotzdem vorhandenen Karrieremöglichkeiten. Hier nimmt der bayerische Staat klar eine Vorreiterrolle ein. Im Punkt Betriebskindergarten steckt die Bayerische Finanzverwaltung noch etwas in den Kinderschuhen, aber auch hier tut sich etwas. Beim Finanzamt München gibt es bereits einen Kooperationskindergarten in Zusammenarbeit mit der Stadt München. Die Förderung von Elternzeiten ist ohnehin schon fester Bestandteil der Personalpolitik in der bayerischen Finanzverwaltung.

 

Wie sehr lässt sich Beruf und Privatleben bei Ihnen trennen oder ist auch im Familienurlaub das Handy an und das Email-Postfach offen?

Alles berufliche bleibt bei mir im Büro, so kann ich mich in meiner Freizeit voll dem Privaten widmen. Andersherum ist es mir aber z.B. möglich im Notfall mal ein Kind mit zur Arbeit zu nehmen. Dafür steht hier beim Finanzamt Rosenheim sogar ein Familienzimmer zur Verfügung, mit Schreibtisch auf der einen Seite und Spielecke auf der anderen. Auch wenn ich dieses Angebot noch nicht nutzen musste, ist es schön zu wissen, dass flexibel auf familiäre Notsituationen reagiert wird.

 

Können Sie die organisatorischen Herausforderungen des Familienalltags wie plötzliche Krankheit oder (in Zukunft) Schulferien durch Home-Office, Gleitzeit etc. ausgleichen?

Etwas Organisationsaufwand ist natürlich schon gefragt, aber mit einer gewissen Flexibilität von allen Seiten ist es machbar.

 

Bleibt bei all dem noch Zeit für persönlichen Ausgleich, Zweisamkeit mit dem Partner und Sport?

Mit drei kleinen Kindern (1, 3 und 5 Jahre) sollte man an diesen Punkten generell nicht zu hohe Anforderungen stellen, aber man lernt aus kleinen Dingen Kraft zu schöpfen.

 

Sind Sie mit Ihrer Work-Life-Balance zufrieden?

Ich bin mit der Gesamtumsetzung meiner Pläne für Familie und Beruf sehr zufrieden, obwohl ich mich schon manchmal darauf freue, wenn die Kinder etwas selbständiger werden und ich mich auch wieder mehr anderen Dingen widmen kann. Aber das fällt alles in den privaten Bereich. In Bezug auf die Arbeit bin ich voll zufrieden.

 

Denken Sie, dass die Diskussionen rund um dieses Thema zielführend sind und gehört damit der Work-Life-Balance die Zukunft?

Auch wenn sich schon einiges in diesem Punkt getan hat, ist sicher noch viel Luft nach oben frei, insbesondere was die Flexibilität (allerdings oft auch von beiden Seiten aus gesehen) angeht. Da kann sich die Wirtschaft vom Staat als Arbeitgeber sicherlich einiges abschauen.

 

Würden Sie den bayerischen Staat und besonders die Bay. Steuerverwaltung als Arbeitgeber - auch im Hinblick auf die Work-Life-Balance - empfehlen?

Auf jeden Fall, insbesondere da man es hier sehr stark selbst in der Hand hat, wie man seine Work-Life-Balance gestaltet.

 

Ihr Fazit?

Wie schon oben gesagt, bin ich mit meinem Arbeitsmodell und auch mit der Tätigkeit an sich sehr zufrieden. Ich bin zwar sowohl zu Hause, als auch auf der Arbeit oft stark gefordert, aber das macht für mich auch gerade den Reiz aus. Ich kann aus beiden Situationen viel lernen und abwechslungsreicher könnte mein Tagesablauf und somit meine Life-Balance kaum sein.

 

Viele Dank, Frau Veith!

 

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