LL.B. – Die bessere Alternative?!

Wird ein LL.B. & LL.M. das klassische Jurastudium in Zukunft ersetzen?


verfasst von Finn Holzky und veröffentlicht am 28.05.2018

Der klassische Weg in die Juristerei führt nach wie vor über das langwierige Studium und die zwei Staatsexamina bis hin zum Volljuristen. Doch mittlerweile haben sich immer mehr Alternativen gebildet, die sich nach und nach auch immer weiter auf dem Arbeitsmarkt etablieren. Wie aber sind diese Alternativen aufgebaut und in welche Jobs sollen sie ihre Studenten bringen?

 

Auch wenn die Bologna Reformen bereits mehrere Jahre alt sind, haben sich die Rechtswissenschaften lange gegen sie verteidigen können und ihr angestaubtes Staatsexamen als Instanz für deutsche Juristen (zu Recht) aufrecht erhalten können. Dennoch haben es, wie bereits erläutert, neue Studiengänge auf den Markt geschafft, die Studenten einen schnelleren und direkteren Weg in den Arbeitsmarkt für Juristen gewähren. Die Rede ist vom Bachelor und später darauf aufbauend, vom Master of Law.

 

Es gibt nicht „den“ Bachelor oder Master of Law

Dabei darf man nicht dem Trugschluss erliegen, es gäbe als Alternative zum Staatsexamen nun den Bachelor und den darauf aufbauenden Master of Law, den man so einheitlich an Universitäten oder Fachhochschulen erwerben kann. Die Bachelor- und Masterstudiengänge sind vielmehr eine grobe Überordnung, unter der sich eine Vielzahl verschiedener Studiengänge versteckt, die juristische Aspekte mit anderen Aspekten kombinieren und den Studenten vermitteln. So gibt es gängige Kombinationen wie Wirtschaftsrecht und Steuerrecht zwar häufiger, allerdings gibt es auch Studiengänge die Recht, Psychologie und Personalmanagement kombinieren oder Studiengänge für das öffentliche Verwaltungsrecht.

Wie kombiniere ich am besten Jura mit Wirtschaft?

Noch unterschiedlicher fallen die verschiedenen Masterstudiengänge aus, bei denen wiederum noch Spezialisierungen dieser Gebiete angeboten werden. So kann es zum Beispiel durchaus einen Master of Law für Wasserrecht geben.


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/> Argumente gegen das Staatsexamen        

Befürworter des Staatsexamens bringen immer das Argument vor, dass nur das Staatsexamen den Volljuristen hervorbringt, der wirklich alle Facetten des Rechts beherrscht, der Richter, Anwalt oder Staatsanwalt werden kann und von daher der Prototyp des guten Juristen sei. Doch genau hier liegt natürlich auch die Schwäche des Staatsexamens, denn diese zweifelsohne umfassende Ausbildung kostet Geld und vor allem Zeit. Zeit und Geld sind jedoch knappe Güter und die dynamische Arbeitswelt hat zudem einen Bedarf an praxisorientierten Bewerbern. Diese Praxiserfahrung sammeln Juristen in dem zweijährigen Referendariat im Anschluss an ihr langwieriges Studium.

Hier haben die neuen Studiengänge zweifelsohne ihre Vorteile.

Zwischen sechs und acht Semester dauert ein Bachelor, ein Master zwischen zwei und vier Semester.

Somit sind diese Abschlüsse u.U. schneller zu erreichen und in der Tat ist zum Beispiel im Bereich des Wirtschaftsrechts ein Wissen über die Abgrenzung zwischen Raub und räuberischer Erpressung überaus entbehrlich.

Zudem punkten die neuen Studiengänge mit modernen Arbeits- und Lernmethoden. Gerade die Digitalisierung verändert die Arbeitswelt enorm und auf diesen Trend haben gerade die praxisnahen Hochschulen schnell reagiert. Neueste Informationstechniken gehören daher ebenfalls in den Studienplan der Bachelor- und Masterstudenten.

Schließlich ist auch die Kostenfrage nicht zu vernachlässigen. Das Jurastudium kostet alleine schon wegen der Dauer aber auch wegen der Examensvorbereitung und dem damit häufig verbundenen Repetitorium eine Menge Geld. Bei mittelmäßigen Abschlüssen, die für Juristen keineswegs eine Seltenheit darstellen, kann es durchaus sein, dass diese Kosten in keinem guten Verhältnis zu dem Einstiegsgehalt stehen. Wer hier früher im Arbeitsleben ankommt, der erwirtschaftet sich womöglich einen kaum mehr einholbaren Vorteil.

 

Die Probleme der neuen Abschlüsse

Dennoch sind die neuen Studiengänge nicht durchweg positiv aufgenommen worden und immer wieder gibt es Stimmen die sagen, dass Personaler im Zweifel lieber auf examinierte Juristen zurückgreifen. Zudem sind die durchschnittlichen Einstiegsgehälter von Juristen mit zwei Staatsexamen höher, als die der Kollegen mit Bachelor oder Master in der Tasche.

Abschließende Studien hierzu gibt es nicht, zumindest in Kanzleien sind jedoch die Juristen mit Examen allein schon wegen der Zulassung als Anwalt die gefragteren Bewerber.

Dies stellt natürlich auch einen eigenständigen Nachteil dar. Nur mit zwei Staatsexamen können die klassischen Juristenberufe wie Richter, Staatsanwalt, Rechtsverteidiger oder Notar ergriffen werden. Ausnahmen gibt es leider keine. Wer dies jedoch gar nicht anstrebt, der kann diesen „Nachteil“ dann sicher gut verschmerzen.

Auch die Zeitersparnis kann sich schnell in Luft auflösen. Ist der Bachelor auf 8 Semester angelegt und benötigt man dann noch ein sechsmonatiges Praktikum, um dann durchschnittlich drei Semester für einen Master zu studieren, sammeln sich inklusive eventueller Wartezeiten auch 6 bis 7 Jahre Studiendauer an. Zum Vergleich beträgt die Regelstudienzeit des Staatsexamensstudiengangs 9 Semester und im Bundesdurchschnitt braucht man etwa 11 Semester. Zudem können besonders gute Studenten auch nach 8 Semestern den Freiversuch wagen und somit im besten Falle nach etwas mehr als 6 Jahren beide Staatsexamina in der Tasche haben. 

Schließlich kann der vermeintlich einfachere Abschluss auf der Karriereleiter zum Stolperstein werden. In der Verwaltung beispielsweise, in der gerne auch Juristen mit Bachelor und Master genommen werden, gibt es jedoch bestimmte Positionen, in die man nur mit der Befähigung zum Richteramt aufsteigen kann. Auch in Unternehmen sind die Leiter der Rechtsabteilung zumindest heute in aller Regel noch Volljuristen, wobei eine Veränderung auch auf dieser Ebene natürlich nie ausgeschlossen werden kann.
 

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Welche Jobs gibt es für Bachelor- und Masterabsolventen?

Obwohl die klassischen Jobs für Juristen ihnen nicht zur Verfügung stehen, haben auch Absolventen der neuen Studiengänge die für Jura typische breite Auswahl an Jobs, wie ihre Kollegen mit Staatsexamen.

An den Schnittstellen zwischen Wirtschaft und Recht suchen Banken und Kreditinstitute, Wirtschaftsprüfungen und Unternehmensberatungen aber auch Industrie und Handelsgewerbe Mitarbeiter, die aus beiden Studienrichtungen Fähigkeiten mitbringen.

Zudem bieten auch die Verwaltung, so wie das Kammer- und Schiedswesen eine Vielzahl an Jobs für Absolventen mit Master- bzw. Bachelorabschluss.

Eine weitere und gerade erst entstandene aber kontinuierlich wachsende Branche sucht ebenfalls nach Juristen mit Fähigkeiten in neuen Technologien: Die sogenannten Legal Techs. Moderne und neue Wege um juristische Aufgaben zu bewältigen sind damit gemeint. So sind es längst nicht mehr nur Kanzleien, die Mandanten im Blick haben, auch Techgrößen wie IBM mit ihrem Computer Watson, arbeiten schon längst an den Lösungen von morgen und suchen dafür modernen juristischen Sachverstand.

Die Jobaussichten sind also auch für die Absolventen der neueren Studiengänge keineswegs schlecht. Eine Spezialisierung auf bestimmte Bereiche kann sogar ein echter Vorteil sein.

 

Studieren, arbeiten und Geld verdienen in Einem: Das Dualstudium

Eine weitere, ebenfalls neuere Alternative ist das Dualstudium. Es handelt sich dabei um eine Kombination aus Ausbildung und Studium, bei der entweder in Blöcken oder aufgeteilt auf Tage die Arbeit im Betrieb bzw. in der Behörde und das Studium an einer Hochschule parallel verlaufen. Die Vorteile liegen auf der Hand. Bereits früh hat der Studierende Arbeitserfahrung und verdient bereits eigenes Geld. Der Auszubildende hingegen hat anstatt der Berufsschule noch ein Studium und steht am Ende mit zwei Abschlüssen dar.

Es gibt auch hier verschiedene Studienrichtungen, die sich in erster Linie jedoch auf dem Gebiet des Wirtschaftsrechts und der Verwaltung wiederfinden. Anders als beim reinen Studium muss man sich jedoch auf den Platz direkt bewerben und sich im Auswahlverfahren gegen andere Bewerber durchsetzen. Typische Anbieter von Dualstudiengängen sind Städte, die deutsche Rentenversicherung oder Landkreise.

Die zwei Abschlüsse fordern jedoch auch ihren Tribut, denn in der Regel ist das Dualstudium zwar nicht so schwer wie ein Staatsexamen, aber deutlich fordernder als nur ein Bachelorstudium oder nur eine Ausbildung. Dafür ist der Absolvent nach Bestehen des Dualstudiums auf dem Arbeitsmarkt sehr gut positioniert. Es muss jedoch auch hier erwähnt werden, dass aufgrund des fehlenden Staatsexamens natürlich die klassischen Juristenberufe wieder nicht eröffnet sind.

 

Es bewegt sich etwas auf dem juristischen Arbeitsmarkt. Neue Wege in die Juristerei haben sich etabliert und stellen echte Alternativen dar. Wer sich für diese Alternativen interessiert, sollte sich jedoch genau informieren und am besten einfach einmal bei potentiellen Arbeitgebern nachfragen, ob für sie auch Absolventen dieser Studiengänge gefragt sind, denn gerade die Werbung der Universitäten und Fachhochschulen für ihre eigenen Studiengänge sind naturgemäß zu positiv.

 


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Über den Autor

Finn Holzky

Schreibt neben seinem Jurastudium seit 2 Jahren für TalentRocket und hat gerade sein 1. Staatsexamen in Göttingen hinter sich gebracht.

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