Fazit & Markttrends: Wohin geht die Reise?
Die Wahl zwischen Lockstep und Merit-Based ist letztlich eine Entscheidung über die Kanzleikultur. Sie definiert, ob Teamgeist und langfristige Loyalität (Lockstep) oder individuelle Höchstleistung und aggressives Business Development (Merit-Based) im Vordergrund stehen.
Die große Verschiebung: Weniger Lockstep, mehr Merit
Der dominante Trend der letzten zwei Jahrzehnte ist die schleichende Abkehr vom reinen Lockstep zugunsten leistungsabhängiger Hybridsysteme.
Der Wettbewerbsdruck ist durch die Globalisierung und den Eintritt amerikanischer Kanzleien (oft mit reinen Merit-Based-Systemen) in den deutschen und europäischen Markt massiv gestiegen.
- Der Wandel in Zahlen: Laut Studien von Citi Private Bank Law Firm Group (2022) und Hildebrandt Consulting setzen die meisten global agierenden Kanzleien auf Modified Lockstep oder Modified Merit-Modelle.
- Die Konsequenz: Kanzleien müssen Top-Performer schneller und besser bezahlen, um zu verhindern, dass diese zu Wettbewerbern wechseln. Dies hat zu einer größeren Gehaltsspreizung (Spread) zwischen dem höchst- und niedrigstbezahlten Equity Partner geführt.
Steigende Gewinnspreizung („The Spread“)
Die stärkere Kopplung der Partnervergütung an individuelle Leistung (Merit-Based Compensation) hat in vielen Kanzleien zu einer deutlichen Ausweitung der Gewinnspanne zwischen Partnern geführt:
In traditionellen Lockstep-Kanzleien lag der Spread zwischen dem höchst- und dem niedrigstvergüteten Partner häufig bei etwa 3:1 bis 4:1.
In Kanzleien mit einem hohen Merit-Anteil oder hybriden Vergütungsmodellen werden heute hingegen vielfach Spreads von 6:1, 8:1 oder – insbesondere in international geprägten Strukturen – sogar bis zu 10:1 beobachtet.*
Diese Entwicklung verdeutlicht, dass individuelles Akquisitions- und Leistungsvermögen inzwischen einen deutlich stärkeren Einfluss auf den Profit Share hat als reine Seniorität.
Fazit für deine Karriere
Suchst du ein Teamumfeld mit hohem Schutz und langfristiger Planungssicherheit, ist ein Kanzlei mit starkem Lockstep-Anteil (z. B. traditionelle deutsche Kanzleien) die richtige Wahl.
Bist du ein motivierter Business Developer und Entrepreneur, der bereit ist, volles Risiko zu gehen, um maximale Vergütung zu erzielen, solltest du dich auf Kanzleien mit hohem Merit-Anteil (oft internationale Kanzleien) konzentrieren.
Letztlich geht der Trend zu Systemen, die dich belohnen, wenn du sowohl dein eigenes Geschäft ausbaust als auch zum langfristigen Erfolg der gesamten Kanzlei beiträgst.
* Quelle: Branchenberichte von The American Lawyer und Juve