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Sabbatical -  Karrierekiller für Juristen?

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Sabbatical - Karrierekiller für Juristen?

Eine echte Möglichkeit für die Work-Life-Balance als Jurist oder Vorsicht geboten?


Es ist kein Geheimnis mehr, die Generation Y ist im Kommen und mit ihr kommt der Schrecken aller Personalabteilungen: Die Work-Life-Balance und der Wunsch nach bezahlter Freizeit.

Zugegeben das war ein wenig polemisch, denn auch in den Personalabteilungen sitzen mittlerweile Vertreter dieser Generation, um die es hier geht. Diese Thematik ist längst salonfähig geworden. Doch trotzdem stellt sich mir die Frage, was es mit dieser „Work-Life-Balance“, die von so ziemlich jeder Großkanzlei und jedem Konzern beworben wird, denn wirklich auf sich hat.
 

Im Folgenden soll es in erster Linie um das Sabbatical gehen. Ursprünglich stammt die Idee des Sabbatjahres aus der Bibel und besagte, dass nach sechs Jahren getaner Arbeit ein siebtes ohne eben diese folgen sollte. Ein Urlaubsjahr sozusagen. Um es vorwegzunehmen und um möglichen Enttäuschungen vorzubeugen:

Alle sechs Jahre ein Jahr Urlaub gibt es nicht mehr oder noch nicht!

Nach dieser für einige sicherlich enttäuschenden Einleitung geht es jedoch wieder bergauf, denn der Ruf nach einem effektiven Ausgleich von Arbeit und Freizeit, eben dieser viel beschrienen Work-Life-Balance, wurde erhört und Sabbaticals werden nunmehr häufiger auch in Kanzleien angeboten.

Dabei verliefen die ersten zaghaften Versuche, in der Welt der Juristen ein Sabbatical einzuführen, eher mäßig. Das lag vor allem daran, dass sie zunächst fast nur auf Partnerebene angeboten wurden. Das befriedigte in erster Linie die Generation Y gar nicht, da diese auf dieser Eben noch gar nicht angekommen sein konnte und in zweiter Linie das Angebot von der älteren Generation kaum genutzt wurde, da es unter der „alten Garde“ sich nicht schickte. Das Sabbatical wurde gar als etwas für Träumer und Weicheier verschrien und galt als der Karrierekiller schlechthin. "Wer ein Sabbatical nahm, der konnte es gleich zur Jobsuche nutzen" – So hieß es zumindest.

Doch es ist Bewegung in den Arbeitsmarkt gekommen. Gute Absolventen müssen angelockt werden und die schmale Aussicht auf eine etwaige Partnerschaft in vielen Jahren bei heute häufiger wechselnden Arbeitgebern reicht der jungen Generation nicht mehr und pures Geld sowieso nicht.

 

Sabbaticals auch für Associates

Diesen wichtigen Schritt sind mittlerweile auch die meisten Großkanzleien gegangen. 2009 machte Clifford Chance in Deutschland den ersten Schritt und führte das Sabbatical für Associates ein und brachte damit den Stein ins Rollen. Andere Großkanzleien wie Freshfields, Hengeler Müller oder Gleiss Lutz zogen nach.

Allerdings hat man die Dauer von Sabbaticals an die moderne Arbeitswelt angepasst. Ein ganzes Jahr aussteigen, ist in der Regel nicht vorgesehen. Kanzleiabhängig werden Auszeiten von einigen Wochen bis hin zu drei Monaten angeboten und in der Regel sind diese noch kombinierbar mit offenen Urlaubstagen. Auch bei der Finanzierung des Sabbaticals gibt es Unterschiede. Einige Kanzleien zahlen das Sabbatical über das volle Gehalt weiter, andere reduzieren es oder behalten es ganz ein. Darüber hinaus bieten fast alle zumindest individuelle Absprachen an, um dann aber unbezahlte Auszeiten bei wichtigen Gründen zu ermöglichen. Sabbaticals hingegen müssen in der Regel nicht offiziell begründet werden.

Positiv hervorzuheben ist vor allem die Tatsache, dass dieses Angebot wirklich genutzt wird und somit auch eine Verunglimpfung einer solchen Nutzung nicht mehr zu erwarten ist. Laut übereinstimmender Angaben beläuft sich der Anteil der Sabbatical-Berechtigten, die ein solches auch in Anspruch nehmen, auf ungefähr 20 %.

 

Das Sabbatical ist auch in der Welt der Großkanzleien angekommen!

Die verschiedenen Angebote von Großkanzleien und Unternehmen unterscheiden sich allerdings dabei auch heute noch immens untereinander, bieten den Angestellten aber stetig mehr Möglichkeiten ihren Wunsch nach Freizeit und Ausgleich zu befriedigen.

 

 

Für wen lohnt es sich?

Stellt sich nur noch die Frage, wer ein Sabbatical einlegen sollte und für wen es sich möglicherweise nicht empfiehlt?

Grundsätzlich bieten die meisten Arbeitgeber Sabbaticals nur „bewährten“ Mitarbeitern, sprich solchen mit einer bestimmten Zeit im Unternehmen oder in der Kanzlei an. Gerade Berufseinsteiger sollten in den ersten Jahren daher wahrscheinlich auf ein Sabbatical verzichten, um sowohl guten Willen zu präsentieren, als auch in die alltäglichen Abläufe eindringen zu können. Dies vereinfacht insbesondere auch den Wiedereinstieg enorm. Für alle, die bereits länger im Unternehmen sind und sich eine Auszeit wünschen, mal etwas ganz anderes machen wollen, mehr Zeit mit der Familie verbringen oder einfach einmal gar nichts tun wollen, kann ein Sabbatical genau das Richtige sein, um die Akkus wieder voll aufzuladen und den Spaß an der Arbeit beizubehalten oder zurückzuholen.

Angst vor dem Sabbatical als Karrierekiller braucht also auch ein Jurist in seiner Karrierelaufbahn nicht haben. Die Arbeitgeber würden sich selbst ins eigene Fleisch schneiden, wenn sie ihre so stark beworbenen Angebote zur Work-Life-Balance nachträglich wieder herabwerten würden. Sie dürfen und sollen vielmehr genutzt werden, denn am Ende profitieren alle von ausgeruhten und motivierten Arbeitskräften!

 

21. November 2016


Finn Holzky

Autor:

Finn Holzky

Schreibt neben seinem Jurastudium seit 2 Jahren für TalentRocket und hat gerade sein 1. Staatsexamen in Göttingen hinter sich gebracht.

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