Work-Life-Balance in Großkanzleien

Ein Wunsch in weiter Ferne oder ein realistisches Ziel?


veröffentlicht am 30.12.2015


Das Thema Work-Life-Balance bekommt seit einigen Jahren dank der Generation Y immer größere Bedeutung. Während früher die Aussicht in einer Kanzlei Partner werden zu können häufig als Motivation ausgereicht hat den harten Karriereweg in einer Großkanzlei zu beschreiten, sind heutige Bewerber anspruchsvoller geworden. Sie wollen neben finanziellen Anreizen und Karriereperspektiven auch besondere Angebote hinsichtlich Flexibilität und Freizeitausgleich von ihren Arbeitgebern. Wer sich genauer mit dem Thema beschäftigt, der liest regelmäßig Phrasen wie „Familiengerechte Mitarbeit auch in unserer Großkanzlei möglich“, gleichzeitig aber räumen die Mitarbeiter dieser Firmen ein, dass ein Arbeitstag normalerweise eben nicht um 17 Uhr enden wird und auch nicht nach 8 Uhr morgens beginnt. So stellt sich also die Frage, wie weit ist es wirklich her mit der Work-Life-Balance?
 

Geteilte Zeit ist halbe Zeit

Doch was genau ist mit Work-Life-Balance überhaupt gemeint? Ist die Möglichkeit einen Beruf in Teilzeit zu machen bereits ein besonderes Angebot für Bewerber, die großen Wert auf einen guten Ausgleich zwischen Arbeit und Freizeit legen? Wenn man dies bejaht, ist zunächst positiv festzustellen, dass fast alle Großkanzleien mittlerweile Angebote für ihre Mitarbeiter haben, zumindest eine gewisse Zeit auf weniger als 100 % zu arbeiten. Durch die hohen gezahlten Gehälter ist das auch alles andere als eine Katastrophe, allerdings sollte beachtet werden, dass der Arbeitgeber eine gewisse Flexibilität von seinen Mitarbeitern verlangt und so Verschiebungen in der Arbeitszeit durchaus üblich sein können. Inwiefern dann die Vorteile dieser Arbeitsform gerade hinsichtlich einer familienfreundlichen Zeiteinteilung vorliegen, muss jeder für sich selbst abwägen. Dennoch ist durchaus eine positive Entwicklung zu beobachten - Teilzeitarbeit ist in den Großkanzleien angekommen und sogar der Weg zum Partner als Teilzeitkraft scheint nicht unmöglich. Häufig dauert eine Beförderung länger als bei Vollzeitkräften, angesichts der weniger geleisteten Arbeitszeit ist das jedoch verständlich.
 

Kinder, Eltern und Familie

Nehmen wir aber mal einen Bewerber an, der eine Vollzeitstelle bei einer Großkanzlei anstrebt. Welche Wünsche könnte dieser an eine Großkanzlei bezüglich eines Freizeitausgleichs für seine vielen geleisteten Arbeitsstunden haben? Sicherlich spielt heute die Elternzeit eine nicht unwichtige Rolle. Wer Kinder haben möchte, der will gerade zu Anfang möglichst viel Zeit mit dem Nachwuchs verbringen und diesen aufwachsen sehen. Vor einigen Jahren wäre es laut Partnern in Großkanzleien noch nahezu unmöglich gewesen, als Mann Elternzeit zu beantragen. Selbst wenn es funktioniert hätte, wäre hinter dessen Rücken schlecht über ihn gesprochen oder seine Bemühungen Partner zu werden in Frage gestellt worden. Das ist heute nicht mehr der Fall! Dass auch männliche Mitarbeiter ein bis zwei Monate in Elternzeit gehen, ist mittlerweile üblich und wird sich nicht negativ auf die Karriere auswirken. Hier ist also wirklich ein effektiver Fortschritt zu erkennen!

 

Großkanzlei
Greenberg Traurig Germany, LLP

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Wenn du eine Auszeit brauchst

Es gibt aber noch weitere Möglichkeiten, seine geleistete Arbeit auszugleichen. In Mode gekommen ist zum Beispiel ein Sabbatical, eine Auszeit vom Beruf, die entweder bezahlt wird oder zumindest als unbezahlter Urlaub dazu führt, dass man nach Ablauf der Zeit wieder in seinen alten Job zurückgeht. Viele Großkanzleien bieten mittlerweile nach ca. dreijähriger Firmenzugehörigkeit ein vierwöchiges Sabbatical zu reduzierten Bezügen an teilweise sogar zu vollen Bezügen wie beispielsweise bei der Großkanzlei Geiss Lutz. Andere Kanzleien wie Mayer Brown bieten alternative Verträge an, bei denen zu etwas geringeren Bezügen dem Mitarbeiter 50 Urlaubstage eingeräumt werden. Auch hier gibt es also durchaus Spielraum bei den Vertrags- und Gehaltsverhandlungen.


Ja, es hat sich etwas bewegt. Es gibt Möglichkeiten zu einer besseren Work-Life-Balance und einer familienfreundlichen Arbeitszeit zu kommen. ABER: Gerade zu Anfang wird sehr viel von den Associates verlangt. 60 Wochenstunden und Wochenendarbeit sind nicht unüblich. Wer in eine Großkanzlei geht, der sollte wissen, worauf er sich einlässt. Die Arbeit kann sehr erfüllend sein, das Gehalt hoch und es muss auch nicht gänzlich auf Familie und Freizeit verzichtet werden. Dennoch gilt: Wer so viel verdienen möchte, wie es die Großkanzleien zahlen, der muss auch sehr viel leisten!

 

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