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Work-Life-Balance in Kanzleien?

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Work-Life-Balance in Kanzleien?

Realität oder unrealistische Wunschvorstellung?

 

Die Generation Y ist in den Personalabteilungen vor allem in Form von Bewerbern angekommen und ist bereits bei Unternehmen und Kanzleien berühmt berüchtigt. Weniger arbeitssüchtig, allein mit Geld und Aufstiegschancen kaum zu beeindrucken, Statussymbole sind nicht mehr so wichtig und es reden alle nur noch von der Work-Life-Balance. Zumindest von Außen betrachtet passt sich die Arbeitswelt dieser neuen Generation von Bewerbern mittlerweile etwas an, doch wie sieht es in der Realität aus und worauf kommt es eigentlich wirklich an, wenn wir von Flexibilität und der Work-Life-Balance sprechen?

 

Flexibilität: Ein Wort das Gefahren in sich birgt

Vielleicht ist das Modewort in der Arbeitswelt Flexibilität. Arbeitnehmer wollen flexible Arbeitsmodelle, flexible Arbeitszeiten und am Besten auch in der Karriere stets flexibel bleiben. Auch Arbeitgeber sehen das so. Sie wollen flexible Mitarbeiter, die möglichst flexibel einsetzbar sind und die sich den verschiedensten Situationen flexibel anpassen.

Doch was ist der Preis all dieser Flexibilität?

Schließlich hat ein flexibel einsetzbarer Mitarbeiter sehr wenig von seinen flexiblen Arbeitszeiten, wenn er diese fernab von seiner Familie aufgrund seiner flexiblen Einsetzbarkeit in Fernost genießt.

 

 

Selbiges gilt für das häufig so verherrlichte Home-Office. Spätestens wenn die private Telefonnummer auch die ist, unter der einen der Chef zu Hause erreichen kann, ist die Utopie des freien Arbeitens zu Hause gestorben.

Flexibilität ist also prinzipiell wünschenswert. Insbesondere Geschichten von unnötiger Anwesenheitspflicht oder starren Hierarchien in Kanzleien sollten im Jahr 2017 der Vergangenheit angehören.

Doch genauso muss man sich bewusst werden, dass diese Flexibilität von Leuten verlangt wird, die sie so selber nicht genießen konnten und die weiterhin höchste Leistung verlangen und das in Bezug auf die hohen Gehälter der Branche auch zurecht.

Als Fazit bleibt nur Festzuhalten, dass wer Flexibilität fordert, heute auch selbst flexibel sein muss  oder anders gesagt, wer von zu Hause aus arbeiten möchte, der holt sich auch den Chef ins Haus.

Doch was zunächst so negativ klingt ist nur das aber bei einer grundsätzlich positiven Entwicklung. Die Arbeitswelt verändert sich und zwar zugunsten derer, die in sie eintreten möchten und werden.

 

Was bieten Kanzleien schon heute an?

Clifford Chance beispielsweise bietet seinen Mitarbeitern die Möglichkeit an, ein einmonatiges Sabbatical zu nehmen. Auch Elternzeit wird sowohl Vätern als auch Müttern gewährt und im Zuge des internen Programms „Kids' Chance“ werden Eltern bei der Betreuung ihrer Kinder während der Arbeitszeit von ihrem Arbeitgeber unterstützt.

Ähnliche Angebote bietet auch Beiten Burkhardt seinen Mitarbeitern, wobei das Sabbatical hierbei individuell verhandelbar ist. Auch angeboten werden Teilzeitmodelle, insbesondere auf die Möglichkeit nebenberuflich eine Promotion voranzutreiben wird hingewiesen.

Ein Vorreiter auf dem Gebiet der modernen Arbeitsmodelle im Kanzleienvergleich ist Linklaters. Hier wird vorangeschrittenen Associates die Möglichkeit eines bis zu drei Monaten andauernden Sabbaticals gewährt und es gibt eine sogenannte Teilzeit-Policy, die einen verbindlichen Rahmen für die Möglichkeit der Teilzeitarbeit für alle Mitarbeiter garantiert.

Darüber hinaus gibt es die Möglichkeit des Home-Office, ein Kinderbüro und Flexible-Working-Opportunites.

Auch die Kollegen von Noerr haben den steigenden Bedarf an flexiblen Arbeitsmodellen erkannt und bieten unter „noerr family“ verschiedene Teilzeitmodelle, Lösungen zur Kinderbetreuung und die vorübergehende Möglichkeit eines Home-Offices an.

Diese und ähnliche Angebote setzen sich immer mehr durch und werden mittlerweile von fast allen größeren Kanzleien angeboten. Gleichzeitig geben diese Kanzleien allerdings auch an, überdurchschnittliche Anforderungen an die Belastbarkeit ihrer Associates zu stellen.

Das Prinzip Flexibilität bei weiterhin hoher Leistung gilt also richtigerweise nach wie vor. Auch müssen insbesondere die Teilzeitmodelle immer an die aktuelle Mandatslage angepasst werden. Vor Allem im Bereich der Transaktionen ist hier der Spielraum für die Kanzleien häufig sehr begrenzt.

 

Was bringt die Zukunft und was bedeutet all das für uns Arbeitnehmer?

Insbesondere die modernen und flexiblen Arbeitsmodelle verlangen neben den positiven Aspekten also auch einiges von den Arbeitnehmern ab. Früher galt die Trennung von privatem und beruflichem als ein erklärtes Ziel vieler.

Davon muss wohl oder übel Abstand genommen werden. Das Home-Office und seine Nachteile wurden bereits beleuchtet, doch auch der Bedarf an Teilzeitmodellen und die Natur des Anwaltsberufs bringen Einschnitte in die Privatsphäre mit sich.

Eine ständige Erreichbarkeit wird spätestens dann, wenn eine Teilzeitkraft an größeren Mandaten beteiligt ist, wohl unumgänglich werden. Ob das für unsere Generation, die mit dem Smartphone aufgewachsen ist, überhaupt ein Problem ist, wird sich zeigen.

 

 

Ein Trend in der Wirtschaft, unter anderem aus dem Silicon-Valley stammend,  sind sogenannte Feelgood-Manager, die die Arbeitsatmosphäre und die Mitarbeitergesundheit und somit Leistungsfähigkeit in Unternehmen verbessern sollen. Diese sind dabei nicht als Witz zu verstehen, sondern werden mit unternehmerischen Kalkül eingesetzt, um die Produktivität der Belegschaft zu erhöhen. Dabei soll der Mensch im Mittelpunkt stehen.

Bei Google zum Beispiel wurde kostenlose Verpflegung eingeführt, andere Unternehmen bieten eine freie Wahl für die Anzahl der Urlaubstage an. Es gibt auch Ansätze Gehälter verschiedener Stufen anzugleichen, um so eine kollegialere Atmosphäre zu schaffen.

All diese Ansätze sind in der konservativen Arbeitswelt der Juristen noch nicht oder nur sehr wenig angekommen. Doch die Entwicklung zu einer angenehmen Arbeitsatmosphäre hat schon längst auch Einzug in die Büros der Kanzleien genommen.

 

Der Fortschritt ist also bereits zu beobachten und er wird auch nicht aufzuhalten sein. Doch was sich auch in Zukunft nicht ändern wird, ist dass diese Privilegien ihren Preis haben und die Arbeitsbedingungen nicht dahingehend geändert werden können, dass es keine Arbeitsbelastung mehr gibt. Wer sich für den Beruf des Anwalts entscheidet, der entscheidet sich auch für das Dasein als Dienstleister für seine Mandanten und diese haben ein Recht auf eine auch zeitlich umfassende Betreuung.

 

 

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29. Mai 2017


Finn Holzky

Autor:

Finn Holzky

Schreibt neben seinem Jurastudium seit 2 Jahren für TalentRocket und hat gerade sein 1. Staatsexamen in Göttingen hinter sich gebracht.

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