Als Jurist in die Rechtsabteilung eines Unternehmens

Was die Arbeit als Unternehmensjurist interessant macht...


verfasst von Finn Holzky und veröffentlicht am 27.02.2017


Unternehmen als Arbeitgeber erfreuen sich unter Juristen großer Beliebtheit. Eine im Verhältnis zu den großen Sozietäten humanere Arbeitsbelastung, trotzdem gute Verdienstmöglichkeiten und gute Karrierechancen durch auf Aufstieg ausgelegte Konzernstrukturen. Darüber hinaus bieten Großkonzerne in der Regel ebenfalls die Möglichkeit im Ausland zu arbeiten oder jedenfalls in einem Internationalen Umfeld zu agieren. Was aber tut ein Jurist genau in einer Rechtsabteilung und was muss er können?

 

Unternehmensjuristen zeichnen sich dadurch aus, dass sie – wenn man ihn überhaupt so nennen möchte – nur einen Mandanten haben:

Das Unternehmen bei dem sie angestellt sind.

Die Form der Anstellung kann dabei durchaus variieren, gravierend sind diese Unterschiede zunächst jedoch nicht. De Facto bleibt Juristen, die fest für ein Unternehmen tätig sind, also einiges erspart. So entfällt die Akquise von neuen Mandanten, eine eigene Büroorganisation und auch die lästige honorarabhängige Buchhaltung.

 

Der Unternehmensjurist als Dolmetscher

Dafür müssen Juristen in Unternehmen andere Dinge können, die klassische Anwälte vernachlässigen können. Unabhängig vom speziellen Rechtsgebiet sind Unternehmensjuristen viel enger in die betrieblichen Abläufe integriert als beispielsweise auch externe Berater.

Somit sind ihre Aufgaben automatisch interdisziplinärer Natur, da sie zwischen den verschiedenen Abteilungen im Unternehmen vermitteln, schlichten und natürlich beraten müssen.

Verhandeln klassische Juristen dagegen in der Regel unter sich, wie beispielsweise vor Gericht Richter, Staatsanwälte und Verteidiger, ist der Unternehmensjurist ein Exot in seinem Umfeld.

Je nach Branche treibt er sich zwischen Betriebswirtschaftlern, Technikern und Ingenieuren oder anderen Spezialisten herum und muss diesen das juristisch Nötige vermitteln, ohne sie dabei mit Jura-Floskeln und Paragraphenketten zu überhäufen und zu verwirren.

Kernaufgabe eines jeden Unternehmensjuristen ist also die verständliche und praxistaugliche Übersetzung juristischer Rahmenlinien für die nichtjuristischen Mitarbeiter des Unternehmens.

 

Aufgaben wie Sand am Meer

Welche Rechtsgebiete und Aufgaben kommen in Unternehmen auf Juristen zu?
Die Frage sollte eher heißen: Welche nicht? Wobei auch diese Frage ins Nichts führt, denn die Antwort kann nur heißen: Alle!

Das bedeutet natürlich nicht, dass ein Jurist dort alles können muss, aber für alle Rechtsgebiete muss es einen oder mehrere Juristen in einem Unternehmen geben. Klassische Berufsfelder für Unternehmensjuristen sind das Gesellschafts- und Steuerrecht, Kartellrecht und Arbeitsrecht aber natürlich auch die nicht ganz so offensichtlichen Rechtsgebiete wie Unternehmensstrafrecht, Compliance oder Immobilienrecht müssen abgedeckt sein.

In großen Rechtsabteilungen stellen daher eine Vielzahl von Spezialisten ein Team, das auf allen Rechtsgebieten agieren kann. In kleineren hingegen braucht es mehr Allrounder, die sich zumindest in mehreren Rechtsgebieten heimisch fühlen. Neben der eigenen Fachexpertise ist es zudem Aufgabe der internen Juristen eines Unternehmens zu erkennen, wann externe Beratung notwendig ist und welche hinzuzuziehen ist.

Schließlich kann in einer globalisierten Welt von keinem Anwaltsteam der Welt verlangt werden, dass es jede ausländische Rechtsordnung genauestens kennt und durchschaut.


Unternehmen
Richard Boorberg Verlag GmbH & Co KG

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Beispiel:  Einstieg als Unternehmensjurist bei Daimler

Der typische Einstieg in das Stuttgarter Unternehmen findet für Juristen über das Traineeprogramm „CAReer“ statt. Hier zeigt sich bereits, wie projektorientiert die Arbeit in Großunternehmen in der Regel ist. Der Einsteiger absolviert zunächst in rund 15 Monaten drei oder vier Projekte, von denen das erste in dem Bereich stattfindet, in dem der Trainee später eingesetzt werden soll. Das konzerneigene Traineeprogramm ist also eindeutig auf eine spätere Einstellung ausgerichtet. Darüber hinaus findet eines der Projekte regelmäßig im Ausland statt.

An die fünfzehn-monatige Einarbeitungszeit schließt sich dann die Festanstellung im Zielbereich des ehemaligen Trainee an. Je nach Aufgabengebiet kommen nun neue Projekte auf den jungen Mitarbeiter zu, bei denen die Verantwortung sukzessiv ansteigt. Mit steigender Verantwortung klettert bei optimalem Verlauf auch der Unternehmensjurist die Karriereleiter hinauf und kann so bis zum Managerposten aufrücken. Der größte Teil der Arbeit ist ein interdisziplinärer Austausch mit anderen Projekten und Arbeitsgruppen oder der zentralen Rechtsabteilung, die sich beispielsweise um das interne Arbeitsrecht und die eigene Verwaltung kümmert. Die Arbeit konzentriert sich also sehr auf das Miteinander im Unternehmen, Zuarbeiten aus dem Back-Office gibt es hier kaum bis gar nicht.

Für Unternehmen wie Daimler ist dabei, neben hervorragenden juristischen Fachkenntnissen, besonders auch ein unternehmerisches Denken wichtig sowie die Verknüpfungsfähigkeit von Theorie und Praxis. Daneben sind in der Regel auch ein gewisses Maß an Praxiserfahrung erforderlich, da wie bereits erwähnt die Praxistauglichkeit der Ergebnisse im Vordergrund steht.

 

Was kommt dabei rum?

Das Gehalt von Unternehmensjuristen variiert stark nach Branche und vor allem Unternehmensgröße, ist aber in der Regel als gut bis sehr gut zu bewerten. An die Spitzengehälter von Großkanzleien kommen, wenn überhaupt, nur die größten DAX Konzerne heran. Allerdings sind Gehälter zwischen 50.000 und 80.000 Euro brutto keine Seltenheit. Darüber hinaus haben Unternehmen in der Regel lukrative Zusatzleistungen, wie Weihnachts- und Urlaubsgeld, erfolgsabhängige Bonuszahlungen oder preisgünstige Leasingangebote für Firmenwägen im Angebot. Mit steigender Verantwortung und höherer Position kommen nicht selten noch zusätzliche Aktienpakete oder Vorsorgeleistungen hinzu.

 

Unternehmensjurist zu sein, ist also alles andere als schlecht und sogar aus finanzieller Sicht eine Alternative zur Großkanzlei und Co. Daher sind speziell die Stellen bei Großunternehmen auch sehr gefragt und die Anforderungsprofile ähneln denen der Großkanzleien sehr. Doch im Verhältnis zur rein juristisch geprägten Kanzlei-Arbeitswelt wird hier das Augenmerk neben juristischen Fachkenntnissen vermehrt auch auf wirtschaftliche Zusatzqualifikationen, Fremdsprachenkenntnisse und Praxiserfahrung gerichtet!

 


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Über den Autor

Finn Holzky

Finn Holzky

Schreibt neben seinem Jurastudium seit 2 Jahren für TalentRocket und hat gerade sein 1. Staatsexamen in Göttingen hinter sich gebracht.

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