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Promotion in Jura auch ohne Prädikat möglich?

Wie man ohne Prädikatsexamen den Jura-Doktor macht


verfasst von Julian Wagner und veröffentlicht am 19.11.2018

Die Promotion ist auch unter Juristen nach wie vor ein beliebtes Statussymbol und bei einigen Arbeitgebern eine gern gesehene Zusatzqualifikation. Der Weg zum „Dr. jur.“ ist jedoch alles andere als einfach: schließlich wird neben einer Betreuerin oder einem Betreuer sowie dem passenden Thema normalerweise auch ein Prädikatsexamen benötigt – also mindestens 9,0 Punkte im staatlichen Teil der ersten oder zweiten juristischen Prüfung. Da diese Spitzennote bundesweit nur ca. 16-17% der Teilnehmer erzielen, drängt sich schnell die Frage auf, ob die Möglichkeit zu promovieren ausschließlich dieser Personengruppe vorbehalten ist. Welche Vorgehensweisen und Möglichkeiten gibt es aber dennoch für alle anderen Nachwuchsjuristen, die trotz des fehlendem „Vollbefriedigend“ zum „Dr. jur.“ gelangen wollen?

 

Die Prüfungsordnung: Dreh- und Angelpunkt

Dass nicht jeder Absolvent, der sich theoretisch für eine Promotion eignet, ein Prädikatsexamen vorweisen kann, ist den Universitäten natürlich bekannt. Solide juristische Kompetenz und innovative wissenschaftliche Denkansätze sollten daher auch dann berücksichtigt werden, wenn keine 9 Punkte im Examenszeugnis stehen. Aus diesem Grund weisen die Promotionsordnungen der juristischen Fakultäten regelmäßig Ausnahmen auf. Dementsprechend gibt es häufig Bestimmungen, die verschiedene Voraussetzungen für die Zulassung zur Promotion ohne „Vollbefriedigend“ aufzeigen. Diese können von Universität zu Universität unterschiedlich sein und bilden gleichzeitig den elementaren rechtlichen Rahmen für das jeweilige Promotionsvorhaben. Zu beachten gilt es in diesem Zusammenhang, dass hierbei in der Regel nicht nur die Note für den staatlichen Anteil des Examens entscheidend ist.

 

Vielmehr zählt die häufig bessere Gesamtnote,

 

die sich aus der Bewertung der staatlichen Prüfung und der Note für den gewählten Schwerpunktbereich zusammensetzt. Wie so eine Promotionsordnung und ihre zugehörigen Ausnahmeregelungen aussehen können, sollen die nachfolgenden Auszüge aus der „PromO“ der juristischen Fakultät in Trier beispielhaft veranschaulichen:

„[...] eine Promotion in Trier ohne Prädikatsexamen [ist] nur möglich, wenn ein Hochschullehrer des Fachbereichs einen entsprechenden Dispens [Ausnahmebewilligung] des Fachbereichsrats erwirkt. Dies setzt voraus, dass der Bewerber bzw. die Bewerberin nach dem gesamten Werdegang ein besonderes Interesse am rechtswissenschaftlichen Studium sowie eine besondere Befähigung zu rechtswissenschaftlicher Arbeit belegen kann. Als Befähigungsnachweis kommt der Qualität schriftlicher Seminararbeiten unbestreitbar eine besondere Aussagekraft zu; zentral ist deshalb das Erfordernis einer mit der Note "gut" bewerteten Seminarleistung. Die Ergebnisse der beiden juristischen Examina fließen ebenfalls in die Beurteilung ein; ein Dispens kommt deshalb jedenfalls nicht in Betracht, wenn lediglich ausreichende Examensergebnisse vorliegen.“

Tipp:
Kann man also kein Prädikatsexamen vorweisen, sollte man sich zunächst mit der entsprechenden Promotionsordnung beschäftigen und herausfinden, welche eventuell passenden Ausnahmenregelungen greifen könnten. Des Weiteren besteht auch die Möglichkeit, dass der jeweilige Fakultätsrat über das Promotionsvorhaben individuell berät. Dazu geben die Professoren ihr Votum ab und entscheiden somit gemeinsam darüber, ob dem jeweiligen Antragsteller der Weg zum „Dr. jur.“ eröffnet wird. Das ist jedoch eher die Ausnahme und sicherlich nur eine Notlösung für den Fall, dass die üblichen Spezialregelungen der Promotionsordnung keine adäquaten Chancen bieten.
 


Wenn der Rubel auch neben der Promotion rollen muss:

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Wo ein „Doktorvater“ ist, da gibt es auch einen Weg

Wer kein Prädikatsexamen in der Tasche hat, jedoch unbedingt promovieren will, sollte eine engagierte Promotionsbetreuung an seiner Seite haben. Ist diese nämlich von der persönlichen und fachlichen Eignung des Anwärters überzeugt, kann sich auch jenseits der Notenhürde die Tür zum „Dr. jur.“ öffnen.

 

Schließlich dürfte es hilfreich sein, wenn der potenzielle „Doktorvater“ ein gutes Wort beim Fakultätsrat einlegt.

 

Man sollte also darüber nachdenken, frühzeitig – vor Abschluss des ersten Examens – in Verbindung mit Lehrenden zu treten. Wer sich allmählich dem Abschluss seines Studiums nähert und gleichzeitig mit einer Promotion liebäugelt, sollte vorher bereits erste Gespräche mit Dozierenden geführt haben. Besonders als studentische oder wissenschaftliche Hilfskraft kann man sich schon vor der ersten oder zweiten juristischen Staatsprüfung engagieren. Günstig kann es außerdem sein, bereits bei der Wahl des Schwerpunktbereiches vorausschauend zu agieren, indem man diesen nicht nur nach strategischen Gesichtspunkten auswählt, sondern durchaus auch die eigenen Interessen berücksichtigt. So kann man sich im Optimalfall durch eine gelungene Seminararbeit bereits erstmalig empfehlen und mit Professoren in Kontakt treten. Steht erst einmal der guten Draht zu einem potenziellen Betreuer, wird es später leichter fallen, einen Weg zur Promotion auch ohne „VB“ zu finden. Geht man erst nach der juristischen Prüfung und ohne Prädikatsnote auf einen Professor zu, besteht die Gefahr, dass dessen Engagement für die angestrebte Dissertation eher bedeckt ausfällt.

Tipp:
Da das grundlegende Interesse an einer Promotion meistens nicht plötzlich entsteht, sondern langfristig vorhanden ist, bietet es sich an, so früh wie möglich innerhalb der Fakultät zu „netzwerken“ und an Lehrstühlen oder sogar im Rahmen wissenschaftlicher Projekte mitzuarbeiten. Wer aufgrund eines fehlenden Prädikatsexamens nicht ohne weiteres zum Promotionsverfahren zugelassen wird und noch keinen Doktorvater finden konnte, sollte auch bei seiner Themenwahl flexibel sein. Manche Professoren haben nämlich bereits einige geeignete Dissertationsthemen in der Hinterhand, die sie dann einem passenden Bewerber vorschlagen. Insofern empfiehlt es sich zu versuchen, möglichst viele in Frage kommende Betreuer zu kontaktieren und sich bei der Suche einige Zeit zu nehmen bzw. nicht zu schnell aufzugeben.

 

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Als Jurist promovieren zu dürfen, ist zweifellos auch ohne vollbefriedigendes Examensergebnis möglich, gewiss aber schwieriger. Bedeutsam dabei ist, frühzeitig aktiv zu werden, die jeweilige Promotionsordnung zu studieren und über relevante Ausnahmeregelungen informiert zu sein. Dann können strategisch wichtige Entscheidungen - wie etwa die Wahl des passenden Schwerpunktbereiches – überlegt vorgenommen werden und somit langfristig Vorteile verschaffen. Genauso wichtig ist es, gleichzeitig zu „netzwerken“ und mit potenziellen Betreuern in Kontakt zu treten. Wer sein Promotionsvorhaben rechtzeitig kennt und geschickt vorbereitet, hat trotz fehlendem „VB“ eine realistische Chance, einmal die eigene Promotionsurkunde in der Hand halten zu dürfen. Eine sichere, von Ausnahmeregelungen sowie guten Kontakten zu Professoren unabhängige Zulassung zum Promotionsverfahren ist jedoch nur mit einem Prädikatsexamen gewährleistet. 

 

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Über den Autor

Julian Wagner

studiert im 7. Semester Jura in Würzburg und ist seit Dezember 2017 als Autor für TalentRocket tätig. Nebenbei schreibt er auch für seinen Blog „Studi-Tipps: Jura“

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