Arbeitsrecht und das Gewissen...

Interview mit Jochen Saal, Partner bei der Boutique Kanzlei KLIEMT.Arbeitsrecht

 

Herr Saal arbeitet seit November 2007 als Rechtsanwalt bei der Boutique Kanzlei KLIEMT. Arbeitsrecht in Düsseldorf, die sich auf den Spezialbereich Arbeitsrecht fokussiert hat. Sowohl Führungskräfte als auch Unternehmen gehören zu den Mandanten von Herrn Saal. Im Interview gibt er Einblicke über die Schwerpunkte seiner Arbeit sowie Tipps für interessierte Juristen.

 

Hallo Herr Saal, können Sie gut schlafen?

Solange mich meine kleine Tochter nicht weckt, weil sie mal wieder von Krokodilen geträumt hat, schlafe ich ganz hervorragend, danke der Nachfrage.

 

Was macht man typischer Weise als Rechtsanwalt, wenn man im Arbeitsrecht hauptsächlich Unternehmen vertritt?

Schlicht und ergreifend alles, was das Arbeitsrecht zu bieten hat. Das macht die Sache sowohl für Berufsanfänger als auch für alte Hasen so abwechslungsreich und spannend. Zum einen sind wir natürlich stark im Restrukturierungsgeschäft unterwegs. Das bedeutet strategische Planung, Konzeptionierung und Umsetzung von Betriebsänderungen jeder Art, Betriebsübergänge, Ausgliederungen, Verschmelzungen, das volle Programm. Eine zweite wesentliche Säule unserer Tätigkeit bildet die arbeitsrechtliche Dauerberatung. Hier sind wir Ansprechpartner der Arbeitsrechts- oder Personalabteilungen unserer Klienten, die uns immer dann ins Boot holen, wenn eine Angelegenheit rechtlich besonders komplex oder unternehmenspolitisch besonders sensibel ist. Das kann die wasserdichte Formulierung des Geschäftsführeranstellungsvertrags ebenso sein wie die Erstellung eines Gutachtens zu Fragen der betrieblichen Altersversorgung oder die Begleitung eines hoch brisanten Einigungsstellenverfahrens.

 

Die universitäre Ausbildung bereitet Nachwuchsjuristen hauptsächlich auf das Individualarbeitsrecht vor - ein Problem für Sie?

Natürlich würden wir als arbeitsrechtliche Spezialkanzlei es begrüßen, wenn das Arbeitsrecht in der Juristenausbildung eine größere Rolle spielte. Gesellschafts-, Insolvenz- oder Versicherungsrechtler sähen das aber sicher anders. In allen Rechtsgebieten in die Tiefe zu gehen, kann eine auf den Einheitsjuristen ausgerichtete universitäre Ausbildung nunmal nicht leisten. Für viel wichtiger halte ich es, den angehenden Juristen die juristische Arbeitsmethode, sozusagen das "Handwerkszeug", zu vermitteln. Dann sollte es gelingen, sich auch in neue Themengebiete schnell einzuarbeiten. Abgesehen davon haben sich die Berufsanfänger, die zu uns kommen, in der Regel schon während Studium und Referendariat vertiefter als der Durchschnittsjurist mit dem Arbeitsrecht, auch dem kollektiven, beschäftigt. Häufig waren sie sogar bei uns als Referendar oder wissenschaftlicher Mitarbeiter tätig. Unsere Übernahmequote ist nämlich durchaus hoch.

 

Und dann heißt es plötzlich, dass man 500 oder mehr Arbeitnehmer entlassen muss. Wie geht man damit um?

Das ist sicher nicht immer einfach. Aber zu unserem Beruf gehört nun einmal auch die Umsetzung von Kündigungsentscheidungen; und hinter jeder dieser Entscheidungen steht ein individuelles Schicksal. Davon kann man sich nicht immer frei machen. Nach meiner Erfahrung treffen Unternehmen die Entscheidung, in einem größeren Umfang Personal abzubauen, jedoch keinesfalls leichtfertig. Oft sind Personalreduzierungen sogar der einzige Weg, das Überleben des Unternehmens zu sichern und so die Arbeitsplätze der verbleibenden Mitarbeiter langfristig zu erhalten. Bei Massenentlassungen existiert zudem in der Regel ein Sozialplan, durch den die wirtschaftlichen Nachteile der gekündigten Arbeitnehmer - beispielsweise durch die Festlegung von Abfindungen - zumindest gemildert werden. Dennoch gilt: Wer sich schwer damit tut, im Kündigungsschutzprozess die Interessen eines Arbeitgebers zu vertreten, ist bei uns falsch.    

 

Plagen Sie keine Gewissensbisse?

Nein. Gewissensbisse hätte ich, wenn ich mich unlauterer Methoden bedienen oder nicht mehr auf der Grundlage geltenden Rechts agieren würde. Das ist jedoch nicht der Fall; und es würde für meine Klienten langfristig ohnehin nicht zu dem gewünschten Erfolg führen. Wir bei KLIEMT.Arbeitsrecht stehen für hochklassige, geradlinige anwaltliche Vertretung der Interessen unsere Klienten, die uns dafür seit der Kanzleigründung vor mehr als 15 Jahren die Treue halten.

Wenn man sich die Auftritte bestimmter Kollegen in den einschlägigen Talkshows anschaut, könnte man zwar den Eindruck gewinnen, die arbeitsrechtliche Beratung von Unternehmen müsse an der Grenze zum Illegalen oder darüber hinaus betrieben werden, um erfolgreich zu sein. Aber seien Sie versichert: Das ist nicht so!

 

Prozessieren Sie auch regelmäßig oder versuchen Sie es zu vermeiden?

Die Vertretung von Klienten vor Gericht ist einer der Schwerpunkte meiner Tätigkeit. Selbstverständlich ist es immer ratsam, einen Konflikt zu lösen, bevor er eskaliert und es zu einem Gerichtsverfahren kommt. Das gelingt auch häufig, aber keinesfalls immer, und dann braucht der Klient einen erfahrenen und versierten Prozessanwalt. Ich persönlich nehme in der Regel mehrfach pro Woche Gerichstermine wahr und halte das nach wie vor für einen der spannendsten Aspekte des Anwaltsberufs. Im Gegensatz zu vielen Großkanzleien, die im Arbeitsrecht kaum forensisch tätig sind, legen wir bei KLIEMT.Arbeitsrecht großen Wert darauf, dass unsere Anwälte schon früh "Gerichtsluft schnuppern". Für mich war das bei meinem Berufseinstieg vor zehn Jahren einer der Hauptgründe, mich gegen die Großkanzlei und für eine Boutique Kanzlei zu entscheiden. Bereut habe ich das bis heute nicht.

 

Arbeiten Sie vor allem kurz vor Prozessen bzw. in einzelnen Projekten sehr viel oder ist Ihre zeitliche Belastung immer besonders hoch?

Meine Arbeitsbelastung schwankt, wenn auch auf einem durchaus hohen Niveau. Gerade, wenn es in die heiße Phase eines großen Restrukturierungsprojektes geht und die Unterrichtungsschreiben nach § 613a BGB entworfen oder hunderte von Betriebsratsanhörungen vorbereitet werden müssen, kann es schon mal etwas turbulenter zugehen. Danach kommen aber in der Regel wieder Phasen zum Durchatmen. Als Partner ist man zudem in diverse administrative Themen eingebunden, die häufig mehr Zeit beanspruchen als geplant und vom Spannungsfaktor her nicht unbedingt mit der Mandantsarbeit mithalten können. Für unsere Associates gilt in puncto Arbeitsbelastung: Wir bei KLIEMT.Arbeitsrecht verlangen von unseren Anwälten sicherlich eine hohe Einsatzbereitschaft; für wochenlange Nachtschichten und durchgearbeitete Wochenenden stehen wir aber definitiv nicht.

 

Die meisten Fachanwälte in Deutschland sind solche für Arbeitsrecht. Eine Grundvoraussetzung oder mehr oder weniger Beifang?

Die große Zahl von Fachanwälten für Arbeitsrecht hängt sicherlich mit dem hohen Konfliktpotential zusammen, das ein Arbeitsverhältnis bietet. Das generiert viel Beratungsbedarf. Hinzu kommt, dass das Arbeitsrecht auch für kleinere Kanzleien und Einzelanwälte recht lukrativ ist. Die arbeitsrechtlichen Tätigkeitsfelder vieler Kollegen bleiben aber in der Regel eher auf das klassische Kündigungsschutzverfahren begrenzt. Will man als Berufsanfänger das Arbeitsrecht von A bis Z kennenlernen, führt der Weg an einer arbeitsrechtlichen Spezialkanzlei kaum vorbei.   

 

Es gibt auch unheimliche viele Arbeitsrechtskanzleien in Deutschland. Ein harter Konkurrenzkampf oder ist der Kuchen groß genug?

Natürlich gibt es einen harten Konkurrenzkampf, sowohl um die spannendsten Mandate als auch um die fähigsten Bewerber. Man muss in vielerlei Hinsicht Außergewöhnliches bieten, um hier die Nase vorn zu haben. Dass uns bei KLIEMT.Arbeitsrecht das seit Jahren erfolgreich gelingt, hat mehrere Gründe: Was wir den meisten anderen reinen Arbeitsrechtskanzleien voraus haben, ist unsere personelle Stärke und die ausgeprägte internationale Ausrichtung. Mit fast 60 Berufsträgern an vier Standorten sind wir in der Lage, auch größte Restrukturierungsprojekte zu stemmen, gemeinsam mit unseren Partnern aus dem internationalen Ius-Laboris-Netzwerk sogar grenzüberschreitend. Auf der anderen Seite sind wir keine Großkanzlei und wollen auch ganz bewusst keine sein. Unser Geschäftsmodell ist nicht ausschließlich auf das reine Projektgeschäft angelegt. Vielmehr verfolgen wir einen ganzheitlichen Beratungsansatz und bieten das gesamte Spektrum arbeitsrechtlicher Beratung aus einer Hand.

 

Woran erkennt man, dass ein Nachwuchsjurist für das Arbeitsrecht geeignet sein könnte?

Die Bewerber, die sich für eine arbeitsrechtliche Spezialkanzlei wie KLIEMT.Arbeitsrecht interessieren, haben ihre Leidenschaft für das Arbeitsrecht meist schon im Studium entdeckt und in der Regel während des Referendariats vertieft. Häufig liegt sogar bereits eine arbeitsrechtliche Promotion vor. Diese arbeitsrechtliche Vorprägung ist für uns besonders wichtig, wir sprechen hier intern vom "arbeitsrechtlichen Stallgeruch" eines Bewerbers. Ganz generell sollte ein Bewerber über hervorragendes juristisches Grundverständnis verfügen und den Blick über den Tellerrand nicht scheuen. Ein fundiertes Verständnis wirtschaftlicher Zusammenhänge ist ebenfalls ein Muss. Ich persönlich freue mich zudem immer über Bewerber, deren Lebenslauf nicht ganz so "streamlined" daherkommt. Da kann dann gerne auch mal der einjährige Backpacking-Trip durch Südostasien dabei sein, der zwar nicht unbedingt juristische Kenntnisse, aber sicher Lebenserfahrung gebracht hat.  

 

Welchen Stellenwert hat ein LL.M. und das damit nachgewiesene Legal English im Tätigkeitsfeld Arbeitsrecht?

Die Bedeutung von Legal English in unserer alltäglichen Beratungspraxis ist immens. Wir vertreten eine Vielzahl internationaler Unternehmen, beispielsweise aus dem IT-Bereich. Unsere Ansprechpartner sitzen häufig selbst im Ausland und sprechen kein Deutsch oder sie müssen an Entscheidungsträger im Ausland berichten. Daher läuft die schriftliche und mündliche Kommunikation oft in Englisch ab. Zudem ist KLIEMT.Arbeitsrecht deutsches Mitglied einer der führenden internationalen Arbeitsrechtsallianzen, Ius Laboris, mit Partnerkanzleien in der ganzen Welt. Es versteht sich von selbst, dass die Zusammenarbeit in Englisch stattfindet. Daher sind fundierte Legal-English-Kenntnisse, zumal wenn sie im englischsprachigen Ausland erworden wurden, für uns eminent wichtig.

 

Vielleicht sucht der ein oder andere Leser gerade nach einem Promotionsthema im Arbeitsrecht. Haben Sie einen heißen Tipp?

Da das Arbeitsrecht nur unvollständig gesetzlich kodifiziert und zum Großteil aus Richterrecht besteht, befindet es sich in ständigem Wandel. Hinzu kommen die immer stärker werdenden europarechtlichen Einflüsse, die eine besondere Dynamik entfalten. Dementprechend bietet das Arbeitsrecht eine Fülle bislang ungelöster Problemstellungen, die sich bestens für ein Promotionvorhaben eignen. Ich persönlich würde von einer brandaktuellen Thematik die Finger lassen. Darauf stürzen sich im Zweifel viele und die Gefahr, dass die tatsächliche Entwicklung das Promotionsvorhaben überholt, ist groß. Und zum Abschluss vielleicht noch ein kleiner Tipp für die Themenwahl:

Das Arbeitsrecht besteht nicht nur aus Kündigungsschutz und Betriebsübergang. Auch in den eher abseitigen Bereichen, wie der betrieblichen Altersversorgung oder dem Arbeitnehmerdatenschutz, kann man sich vortrefflich wissenschaftlich austoben.

 

Wenn Sie sich heute noch einmal ein Rechtsgebiet aussuchen könnten, würden Sie sich noch mal für das Arbeitsrecht entscheiden?

Definitiv! Das Arbeitsrecht ist eine wahnsinnig spannende, ausgesprochen lebensnahe und abwechslungsreiche Materie, die niemals langweilig wird. Selbst nach Jahren intensiver Beschäftigung mit dem Arbeitsrecht tauchen immer wieder neue interessante Rechtsfragen auf. Ich könnte mir kein anderes Rechtsgebiet vorstellen, das mich derart fesselt und täglich neu herausfordert.

 

Viele Dank für diese spannenden Einblicke in In Ihren Arbeitsalltag, Herr Saal!

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