Christian Schertz, Brigitte Zypries und Anahita Thoms

Veröffentlicht am 11.05.2026

Berühmte Juristen unserer Zeit

Diese zehn Jurist:innen prägen den gegenwärtigen rechtlichen Diskurs

Auch für erfahrene Jurist:innen kann das Recht ist eine durchaus abstrakte Materie sein. Dennoch wird es von Menschen geprägt. Wer sich in der deutschen Rechtslandschaft bewegt, stößt dabei unweigerlich auf Namen, die weit über den Gerichtssaal oder die Kanzleiräume Bekanntheit erlangt haben. Ob durch wegweisende Urteile, politische Gestaltung oder moderne Rechtskommunikation.

Bräutigam, Frank

Wenn in den Hauptnachrichten über wegweisende Entscheidungen aus Karlsruhe berichtet wird, ist Frank Bräutigam meist die erste Instanz der Einordnung. Der promovierte Jurist leitet die ARD-Rechtsredaktion und ist das Gesicht der Berichterstattung vom Bundesverfassungsgericht sowie vom Bundesgerichtshof. Er versteht es, die oft abstrakte Materie der Karlsruher Urteile in ihren gesellschaftlichen und rechtlichen Kontext zu setzen.

In seinem Wirken zeigt sich die Bedeutung einer fundierten juristischen Berichterstattung für die demokratische Meinungsbildung. Für deine tägliche Praxis bietet seine Analyse oft einen schnellen, aber fachlich tiefen Überblick über die Kernargumente neuer Leitentscheidungen. Bräutigam fungiert als verlässliches Bindeglied zwischen der spezialisierten Welt der Justiz und der informierten Öffentlichkeit, wobei er stets den Blick für die rechtsstaatliche Relevanz behält.

 

Danwitz, Thomas von

Thomas von Danwitz bleibt ein Fixpunkt in der europäischen Jurisprudenz. Seit 2006 wirkt er als Richter am Europäischen Gerichtshof (EuGH). Seine Expertise im Öffentlichen Recht und Europarecht ist besonders dann relevant, wenn es um die Verzahnung von nationalem und unionsrechtlichem Handeln geht. Er steht für die Beständigkeit und die intellektuelle Tiefe der europäischen Rechtsprechung.

Der heute 56-jährige von Danwitz ist damit in der Justiz Europas eine der wichtigsten Personen überhaupt und lenkt die Geschicke der Europäischen Union mit. Sein Weg führte ihn von den Universitäten Bonn und Genf über eine Promotion nach Frankreich, wo er ein weiteres Studium im französischen Verwaltungsrecht absolvierte. Von dort aus verschlug es ihn als Professor an verschiedene Universitäten in der ganzen Welt, bis er schließlich als Richter nach Luxemburg berufen wurde.

Galli, Thomas

Thomas Galli nimmt in der deutschen Rechtslandschaft eine Sonderrolle ein. Als ehemaliger Leiter mehrerer Justizvollzugsanstalten und heutiger Rechtsanwalt blickt er auf das Strafrecht aus einer Perspektive, die akademische Theorie und harte Vollzugspraxis verbindet. Er ist bekannt für seine fundierte Kritik am gegenwärtigen Gefängnissystem und fordert eine grundlegende Reform des Strafvollzugs, weg von der reinen Verwahrung hin zu wirksameren Resozialisierungskonzepten.

Sein Ansatz bietet wertvolle Impulse, um über den Tellerrand der rein prozessualen Vertretung hinauszublicken. Galli regt dazu an, den Sinn und Zweck staatlicher Strafe im 21. Jahrhundert neu zu bewerten. Seine Publikationen und Diskussionsbeiträge fordern dazu auf, die gesellschaftlichen Auswirkungen der Justiz kritisch zu hinterfragen und die Rolle der Verteidigung im Kontext von Prävention und Opferschutz differenziert zu betrachten.

 

Mellinghoff, Rudolf

Der 1954 geborene Mellinghoff war von 2001 bis 2011 Richter am Bundesverfassungsgericht und wechselte dann an den Bundesfinanzhof, wo er ab Oktober 2011 als Präsident fungierte. Seit seinem Studium in Münster war er an verschiedenen Verfassungs-, Verwaltungs- und Finanzgerichten tätig.

Nach seiner Zeit als Präsident des Bundesfinanzhofs widmet sich Rudolf Mellinghoff verstärkt der Wissenschaft und der Digitalisierung des Steuerrechts. Als Direktor des Zentrums für Digitalisierung des Steuerrechts bleibt er ein Vordenker für die Transformation der Finanzgerichtsbarkeit. Für Steuerrechtler- oder Finanzexpert:innen ist sein Wirken an der Schnittstelle von Fiskus und Technik nach wie vor essenziell.

Schertz, Christian

Wenn es im deutschsprachigen Raum um Presse- und Medienrecht geht, ist der Name Christian Schertz omnipräsent. Als einer der profiliertesten Experten für den Schutz des Persönlichkeitsrechts vertritt er regelmäßig prominente Persönlichkeiten, Unternehmen und Institutionen in Grundsatzverfahren gegen Medienhäuser. Seine Kanzlei Schertz Bergmann hat zahlreiche wegweisende Urteile erstritten, die die Grenzen der Berichterstattung in Deutschland definieren.

Seine Arbeit ist ein Beispiel für die strategische Prozessführung an der Schnittstelle von Recht und öffentlicher Meinung. Schertz hat das Äußerungsrecht maßgeblich geprägt und zeigt auf, wie juristische Expertise den Schutz der Privatsphäre in einer zunehmend digitalisierten und krisenanfälligen Medienwelt sicherstellen kann. Sein Wirken verdeutlicht, dass Rechtsdurchsetzung im Medienbereich oft auch aktives Reputationsmanagement bedeutet.
 

Solmecke, Christian

Christian Solmecke hat die Art und Weise, wie juristische Inhalte vermittelt werden, grundlegend verändert. Als Partner der Kanzlei WBS.LEGAL spezialisierte er sich früh auf IT-, Medien- und Internetrecht. Bekanntheit erlangte er vor allem durch seinen YouTube-Kanal, auf dem er komplexe juristische Sachverhalte für ein Millionenpublikum verständlich aufbereitet. Damit hat er eine der reichweitenstärksten Plattformen für Rechtskommunikation in Europa geschaffen.

Sein Ansatz ist insbesondere unter dem Aspekt des Kanzleimarketings und der Mandantengewinnung interessant. Solmecke nutzt konsequent die Möglichkeiten der Digitalisierung und von Legal Tech, um juristische Dienstleistungen effizienter und zugänglicher zu machen. Er demonstriert, wie moderne Jurist:innen durch den Einsatz neuer Medien nicht nur ihre Sichtbarkeit erhöhen, sondern auch aktiv zur Rechtsaufklärung in der Gesellschaft beitragen können.

Tacke, Sarah

Sarah Tacke ist eine der profiliertesten journalistischen Stimmen an der Schnittstelle von Recht und Öffentlichkeit. Nach ihrer Promotion im Presserecht an der Universität Hamburg schlug sie die journalistische Laufbahn ein und leitet heute die Redaktion Recht und Justiz beim ZDF. Sie moderiert zudem Sendungen wie das Wirtschaftsmagazin „WISO“ und ist als Rechtsexpertin in Nachrichtensendungen präsent.

Ihr Wirken ist vor allem deshalb relevant, weil sie die Funktion einer Übersetzerin einnimmt. Sie bereitet komplexe höchstrichterliche Urteile und rechtspolitische Debatten für ein breites Publikum auf, ohne dabei an fachlicher Präzision einzubüßen. Ihre Arbeit trägt wesentlich dazu bei, das Verständnis für rechtsstaatliche Prozesse in der Gesellschaft zu festigen und juristische Themen in den öffentlichen Diskurs zu rücken.
 

Thoms, Anahita

Anahita Thoms repräsentiert die Generation international agierender Wirtschaftsanwält:innen, die globale Krisen als regulatorische Herausforderung begreifen. Als Partnerin bei Baker McKenzie leitet sie die deutsche Praxisgruppe für Außenwirtschaftsrecht. Ihr Fokus liegt auf hochkomplexen Themen wie internationalen Sanktionen, Exportkontrolle und Compliance – Felder, die durch geopolitische Verschiebungen massiv an Bedeutung gewonnen haben. Sie wurde unter anderem vom Weltwirtschaftsforum als „Young Global Leader“ ausgezeichnet.

Thoms setzt sich intensiv für Nachhaltigkeit in Lieferketten ein und berät Unternehmen dabei, sich in einem volatilen regulatorischen Umfeld rechtssicher zu bewegen. Sie verdeutlicht, dass moderne Rechtsberatung im Bereich ESG und Global Trade weit über das reine Auslegen von Paragrafen hinausgeht und ein tiefes Verständnis für weltpolitische Zusammenhänge erfordert.

Voßkuhle, Andreas

Auch wenn seine Amtszeit als Präsident des Bundesverfassungsgerichts im Jahr 2020 endete, bleibt Andreas Voßkuhle einer der einflussreichsten Staatsrechtler Deutschlands. Als Professor an der Universität Freiburg und häufiger Kommentator verfassungsrechtlicher Grundsatzfragen ist seine Stimme nach wie vor gewichtig. Er hat das Gericht in Karlsruhe wie kaum ein anderer modernisiert und die Kommunikation zum Bürger geöffnet.

Seine Forschungsschwerpunkte waren das Verwaltungs- und Verfassungsrecht, Staatstheorie und öffentliches Wirtschaftsrecht. Doch auch das Umweltrecht hat es Andreas Voßkuhle angetan, weshalb er neben den Zeitschriften “Der Staat” und “Juristische Schulung” auch bei der “Zeitschrift für Umweltrecht” als Mitherausgeber fungiert.

 

Zypries, Brigitte

Brigitte Zypries gehört zu den profiliertesten Jurist:innen der jüngeren deutschen Zeitgeschichte. Nach ihrem Studium in Gießen und beruflichen Stationen in der hessischen Staatskanzlei sowie im Bundesinnenministerium leitete sie von 2002 bis 2009 das Bundesministerium der Justiz. In einer späteren Legislaturperiode übernahm sie zudem die Leitung des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie.

In ihrer Zeit als Justizministerin verantwortete sie wesentliche Gesetzgebungsverfahren, unter anderem im Urheberrecht, Familienrecht und beim Patiententestament. Heute hat sie sich als feste Größe in der Digitalwirtschaft etabliert. Sie berät Start-ups, engagiert sich als Business Angel und ist in zahlreichen Beiräten tätig. Zudem verknüpft sie die klassische juristische Ausbildung mit einem tiefen Verständnis für die regulatorischen Herausforderungen der digitalen Transformation. Sie agiert als Vermittlerin zwischen staatlichen Institutionen und agilen Wirtschaftsmodellen.

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