Notar - facettenreicher juristischer Beruf!?

Ist dieser Berufszweig für Juristen zukunftssicher und erstrebenswert?

Wer hierzulande an einen Notar denkt, dem fällt garantiert erst einmal nur eine Bezeichnung dafür ein, was das Aufgabenfeld eines Notars beschreiben könnte: Urkunden und Verträge beglaubigen sowie Unterschriften setzen. Das Berufsbild des Notars ist allerdings sehr komplex und umfasst viele Aufgabenbereiche. Aber ist dieser Berufszweig für einen Juristen zukunftssicher und erstrebenswert? Welche Aufgaben erwarten (angehende) Notare in Ausbildung und Beruf und wird eine gewisse geforderte Unabhängigkeit erlangt, die für die Ausübung als Notar essentiell und unabdingbar ist?

 

Einordnung des Berufsbildes

Bei einem Notar handelt es sich um einen Juristen im öffentlich-rechtlichen Amt. Bei dem Notar findet jedoch keine Verbeamtung statt. Die Mischung aus beidem, öffentlichem Amt und freiberuflicher Struktur, wird jedoch zu großen Teilen geschätzt und befürwortet. Notare können entweder eine eigene Kanzlei führen oder als angestellter Jurist in einer Kanzlei beruflich tätig sein.

Deutschlandweit gibt es eine limitierte Anzahl an Notaren. Aktuell beläuft sich die Gesamtanzahl landesweit auf rund 7.000 Notare. Die Limitierung ergibt sich durch die Praxis, dass immer nur so viele Stellen ausgeschrieben werden, wie in den kommenden Jahren benötigt werden.

Sich als Jurist für die Stelle eines Notars zu entscheiden, machen trotz guter und lukrativer Verdienstmöglichkeiten, daher eher Wenige – die Anzahl der Bewerber ist im Vergleich zu den ausgeschriebenen Stellen verhältnismäßig hoch.

Chancen für ihre Zukunft sehen heutige Juristen hier eher bei einer Beschäftigung in Kanzleien. Dennoch ist die Entscheidung, sich zum Notar ausbilden zu lassen, keine schlechte. Die Chancen auf eine erfolgreiche Ausübung des Berufs sind gegeben und Anwärter sollten sich nicht von der Begrenzung der Stellen abschrecken lassen.

 

 

Ausbildung und Studium

Viele Menschen wissen wenig bis nichts über die aufwendige Ausbildung und deren Ablauf, die ein Notar erfolgreich hinter sich bringen muss. Ein weitläufiges Gebiet komplexer Aufgabenfelder und die abzuhandelnden Themengebiete, mit denen ein Notar tagtäglich in seinem Beruf konfrontiert wird, lassen die Ausbildung zu einer der umfangreichsten und schwersten in ganz Deutschland werden.

 

Ausgaben für die Ausbildung

Die gesamte Ausbildung, bis als Notar gearbeitet werden kann, kostet nicht wenig Geld. Im Studium, wie auch in einer beruflichen Lehre können dabei verschiedene steuerliche Vergünstigungen in Anspruch genommen werden, um die Ausgaben zu minimieren. Kosten für die Ausbildung können im Rahmen der Sonderausgaben oder des Werbungskostenabzugs steuerlich geltend gemacht werden.   

Beiträge für die Universität oder Kosten für Unterrichtsmaterialien wie Fachbücher oder ein geeigneter Computer oder spezielle Software fallen unter diesen Bereich. Auch in der Zeit, wenn der Notar noch Anwärter auf einen Posten ist, können bestimmte Kosten steuerlich geltend gemacht werden.

Verschiedene Ausgaben wie für Fachbücher können steuerlich geltend gemacht werden.

Notarausbildung - steuerliche Vergünstigungen als Jurist

 

Fahrtkosten bei einem Termin außerhalb des Gemeindesitzes der Kanzlei, der mit dem eigenen PKW zurückgelegt wird, können auf zwei verschiedene Arten in der Steuererklärung eingetragen werden.

Ob die Abrechnung als Werbungskosten oder im Rahmen der sogenannten Kilometerpauschale sinnvoller ist, hängt von verschiedenen Kriterien ab. Bei letzterem empfiehlt es sich, ein Fahrtenbuch zu führen, um die Fahrten im Einzelnen nachweisen zu können.

 

Der „normale“ Bildungsweg als Jurist, dem Jura-Studium, staffelt sich wie folgt:


Grundstudium

Dauer: Vier Semester – Die Rechtswissenschaften werden in einem Grundstudium, mit den drei Schwerpunkten „Bürgerliches Recht“, „Öffentliches Recht“ und „Strafrecht“, gelehrt. Hier wird die Basis dieser drei Schwerpunkte vermittelt. Den Abschluss findet das Grundstudium durch eine schriftliche Zwischenprüfung.


Hauptstudium

Dauer: Fünf Semester – Vertiefung des Grundstudiums. Erlernen weiterer „Schwerpunkte“, wie beispielsweise Arbeits- und Sozialrecht, Sachenrecht, Erbrecht und Familienrecht. Neben den festgelegten Pflichtfächern wird eine Spezialisierung eines Schwerpunktstudiums angestrebt.

Zusätzlich ist ein Besuch von Seminaren zum Erwerb von Schlüsselqualifikationen oder Sprachen vorgesehen. Unterschiede gibt es hier je nach Hochschule.


1. Staatsexamen

Dies gilt als Abschluss der Ausbildung an der Universität. Es setzt sich zu 30 Prozent aus einem universitären Prüfungsteil und zu 70 Prozent aus einem staatlichen Prüfungsteil zusammen.


Referendariat

Dauer: Zwei Jahre – Das Rechtsreferendariat, auch „Vorbereitungsdienst“ stellt die praktische Ausbildung eines Juristen dar. Im Referendariat bekommt der Referendar vom Staat monatlich „Unterhaltsbeihilfe“. In der Praxis sind mehrere berufliche Stationen vorgesehen:

  • Verwaltungsgericht oder Behörde
  • Landgericht oder Amtsgericht
  • Staatsanwaltschaft oder Strafgericht


2. Staatsexamen

Bundeseinheitlich geregelt wird das letzte Examen von den jeweiligen Bundesländern abgenommen. Dieses umfasst sieben bis elf Klausuren und eine mündliche Prüfung. Aktuelle Rechtsprechung wird schwerpunktmäßig behandelt. Nach erfolgreicher Absolvierung ist es dem „Volljuristen“ nun möglich, als Richter, Anwalt oder eben Notar zu arbeiten.

Wer nun Volljurist ist, kann sich nun um den Posten eines Notars im Notariat bewerben. Hier spielt die fachliche Qualifikation eine wichtige Rolle und dafür ist es nötig, zunächst mindestens fünf Jahre als Anwalt tätig zu sein.

Drei Jahre davon müssen im gleichen Kammerbezirk geleistet werden. Diese drei Jahre befindet sich der Jurist als „Notar-Anwärter“ in einem beamtenähnlichen Dienstverhältnis. Während dieses Zeitraums werden spezielle Fortbildungsveranstaltungen besucht und eine Überweisung an Ausbildungsnotare und Notarvertretungen durchgeführt.

Anschließend, bei fachlicher Qualifikation, persönlicher Eignung und herausragenden Ergebnissen der Staatsexamina, kann die Befähigung erteilt werden. Dazu ernannt werden die Anwärter von der Landesjustizverwaltung in Kooperation mit der jeweiligen Notarkammer des entsprechenden Bundeslandes.

Wie es gelingen kann, die schwierigen Prüfungen erfolgreich zu absolvieren erklärt Studentin Maria in diesem Interview.


Mehr als nur Unterschriften setzten - Aufgaben Notar


Aufgabenfelder und Themengebiete

Ein Notar ist täglich mit vielfältigen Aufgabengebieten betraut. Er muss unabhängig sein und einen sensiblen Umgang mit anderen Menschen pflegen können. Wenn verschiedene Personen untereinander Verträge abschließen (wollen), ist der Notar der richtige Ansprechpartner dafür.

Dabei ist es wichtig, dass für alle Parteien des Vertrages akzeptable Lösungen angeboten werden. Ein Notar muss dort teilweise schlichtend agieren und auch die Bedürfnisse für die Zukunft seiner Mandanten schnell erkennen.

Für alle Parteien muss eine zufriedenstellende Umsetzung ihrer Interessen und Bedürfnisse erfolgen. Neben dem Beurkunden von Unterschriften und Rechtsgeschäften, übernimmt der Notar somit auch eine beratende und teilweise schlichtende Tätigkeit.

Er hat die Möglichkeit in vier großen Bereichen zu praktizieren:
 

  • Immobilien

Hierbei geht um Bereiche, wie den Wohnungs- und den Hauskauf. Aber auch Dienstbarkeiten, wie eine vorübergehende und eingeschränkte Nutzung von fremdem Eigentum oder Besitz wird hier abgehandelt. Es kann sich beispielsweise um eine Stromleitung handeln, die ausgetauscht werden muss, aber sich auf einem fremden Grundstück befindet. Der Eigentumsübergang, Kreditsicherheiten und Kaufpreisfälligkeiten werden in diesem Bereich dann rechtskräftig festgelegt.

  • Familie und Vorsorge

In diesem Bereich dreht sich alles um familiäre Angelegenheiten. Scheidungen, Eheverträge, Adoption von Kindern, Patientenverfügungen, Vollmachten innerhalb einer Familie, beispielsweise in Kreditangelegenheiten, Bereiche der Lebenspartner- und Lebensgemeinschaft und die Vorsorge kommen in diesem großen Bereich zum Tragen.
 

  • Erbschaft und Schenkung

Alles was mit dem Thema „Erbschaft und Nachlass“ (Testament, Erbvertrag, gesetzliche Erbfolge, Testamentsregister) und „Schenkung“ (Schenkungssteuer, Erbschaftssteuer) zu tun hat, nimmt sich der Notar an.
 

  • Unternehmen

Auch Notare sind oft fest in oder für Unternehmen tätig. Neben der Beratung kümmern sie sich um Rechtsformen, Neugründung, Handelsregistereintragungen, um die Nachfolge(r) eines führenden Unternehmensmitglieds oder eine Umorganisation/Umstrukturierung dessen.

Die Themen, mit denen Notare in Berührung kommen können, sind demnach breit gefächert und vielfältig.

 

Formen des Notariats - Ursprung liegt in der Historie

Wer als Notar arbeiten möchte, hat die Möglichkeit zwischen zwei Formen des Notariats zu wählen:

  • Tätigkeit als sogenannter „Nurnotar“ („Rheinisches Notariat“)
  • Tätigkeit in einem Anwalts-Notariat

Bei der Form des Nur-Notariats arbeitet der Jurist, wie es der Name schon vermuten lässt, „nur“ als Notar. Er führt also nur diese Aufgaben aus und handelt die Themen ab, die er als „reiner“ Notar abhandeln darf.

Das Anwalts-Notariat, wird so bezeichnet, da der Jurist zusätzlich zur Ausübung des Berufs „Notar“ auch als Rechtsanwalt tätig sein darf.

Das hauptberufliche Notariat beläuft sich auf eine Verordnung aus Zeiten der französischen Revolution. 1798 wurde es nach französischem Vorbild eingeführt und ist für heut vor allem in den Bundesländern Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Bayern, sowie im Saarland verbreitet.

 

„Skills“ sind Voraussetzung

Ein Notar ist in seinem Tätigkeitsfeld täglich mit Menschen mit verschiedenen Hintergründen, Geschichten und Anliegen konfrontiert. Daher sollte ein Notar bestimmte Fertigkeiten, sogenannte „Soft-Skills“ aufweisen können.

Die wichtigsten dieser Eigenschaften sind eine gute Menschenkenntnis und Geduld. Ein Notar muss seine Unabhängigkeit auch nach außen repräsentieren – das funktioniert vor allem mit einem ausgeglichenen und ruhigen Wesen. Bestimmte Fertigkeiten sind von Vorteil bei der Kommunikation und Verständigung mit den Rechtssuchenden. Einfühlungsvermögen, geduldiges Zuhören und bestimmte Kommunikationsfähigkeiten sind also absolut hilfreich. Schließlich geht es um brisante und wichtige Verträge oder Themen, wie Scheidungen, Eheverträge, Adoptionen oder Nachlässe. Da ist oft ein „geschicktes Händchen“ gefragt. 

 

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