Notariat: Aufgabenfelder und Themengebiete
Ein:e Notar:in ist täglich mit vielfältigen Aufgabengebieten betraut. Er muss unabhängig sein und einen sensiblen Umgang mit anderen Menschen pflegen können. Wenn verschiedene Personen untereinander Verträge abschließen (wollen), ist der/die Notar:in der/die richtige Ansprechpartner:in dafür.
Dabei ist es wichtig, dass für alle Parteien des Vertrages akzeptable Lösungen angeboten werden. Ein: Notar:in muss dort teilweise schlichtend agieren und auch die Bedürfnisse für die Zukunft seiner/ihrer Mandant:innen schnell erkennen.
Für alle Parteien muss eine zufriedenstellende Umsetzung ihrer Interessen und Bedürfnisse erfolgen. Neben dem Beurkunden von Unterschriften und Rechtsgeschäften übernimmt der/die Notar:in somit auch eine beratende und teilweise schlichtende Tätigkeit.
Er hat die Möglichkeit, in vier großen Bereichen zu praktizieren:
1. Immobilien
Im Bereich des Immobilienrechts fungiert der/die Notar:in als unparteiische:r Berater:in, der/die weit über die reine Beurkundung von Kaufverträgen hinausgeht. Er/Sie begleitet den gesamten Prozess vom ersten Entwurf bis zur finalen Eigentumsumschreibung im Grundbuch und stellt sicher, dass sowohl Käufer als auch Verkäufer rechtlich abgesichert sind. Neben der Gestaltung von Verträgen für den Haus- oder Wohnungskauf umfasst dieses Feld auch die rechtssichere Festlegung von Dienstbarkeiten, wie etwa Nutzungsrechten an fremden Grundstücken (beispielsweise für Stromleitungen oder Wegerechte). Ein wesentlicher Teil der notariellen Praxis entfällt zudem auf die Bestellung von Kreditsicherheiten, insbesondere Grundschulden, sowie auf die präzise Regelung von Kaufpreisfälligkeiten, um den reibungslosen Eigentumsübergang zu gewährleisten.
2. Familie und Vorsorge
Das Tätigkeitsfeld „Familie und Vorsorge“ befasst sich mit den sensibelsten privaten Angelegenheiten und erfordert von dir als Notar:in ein hohes Maß an Fingerspitzengefühl. Hier geht es unter anderem um die Schließung von Eheverträgen und Vereinbarungen für Lebenspartnerschaften, um bereits im Vorfeld klare Verhältnisse für den Falle einer Scheidung oder Trennung zu schaffen.
Auch bei der Adoption von Kindern bietet die notarielle Begleitung die notwendige Rechtssicherheit für alle Beteiligten. Ein weiterer Baustein der modernen Notarsarbeit ist zudem die vorausschauende Vorsorge: Durch die Erstellung von rechtssicheren Patientenverfügungen und Vorsorgevollmachten wird gewährleistet, dass der Wille des Einzelnen auch in Notsituationen – etwa bei Kreditangelegenheiten oder medizinischen Entscheidungen – innerhalb der Familie gewahrt bleibt und langwierige gerichtliche Betreuungsverfahren vermieden werden.
3. Erbschaft und Schenkung
Alles was mit dem Thema „Erbschaft und Nachlass“ (Testament, Erbvertrag, gesetzliche Erbfolge, Testamentsregister) und „Schenkung“ (Schenkungssteuer, Erbschaftssteuer) zu tun hat, nimmt sich der/die Notar:in an:
- Verfügungen von Todes wegen: Der/Die Notar:in berät umfassend bei der Erstellung von Einzeltestamenten sowie Erbverträgen. Dabei wird die gesetzliche Erbfolge stets im Kontext der individuellen familiären Situation geprüft, um spätere Unklarheiten im Nachlass zu vermeiden.
- Vorweggenommene Erbfolge: Ein wesentlicher Teil der Praxis sind Schenkungen, insbesondere bei der Übertragung von Immobilien unter Vorbehalt von Nutzungsrechten wie Nießbrauch.
- Steuerliche Optimierung: Im Rahmen der Vertragsgestaltung werden die Auswirkungen der Erbschaftssteuer und Schenkungssteuer berücksichtigt, um Freibeträge effizient zu nutzen.
- Registerwesen: Zur rechtssicheren Dokumentation veranlasst der/die Notar:in die Eintragung in das Zentrale Testamentsregister (ZTR), wodurch sichergestellt wird, dass der letzte Wille im Erbfall aufgefunden wird.
4. Unternehmen
Auch Notar:innen sind oft fest in oder für Unternehmen tätig. Neben der Beratung kümmern sie sich um Rechtsformen, Neugründung, Handelsregistereintragungen, um die Nachfolge(r) eines führenden Unternehmensmitglieds oder eine Umorganisation/Umstrukturierung dessen.
Die Themen, mit denen Notar:innen in Berührung kommen können, sind demnach breit gefächert und vielfältig. Ein zusätzlicher Aspekt, der das Berufsbild seit 2022 transformiert hat, ist die fortschreitende Digitalisierung. Mit der Einführung des elektronischen Urkundenarchivs und der Möglichkeit von Online-Beurkundungen (insbesondere bei GmbH-Gründungen und Handelsregisteranmeldungen) hat sich der Arbeitsalltag deutlich gewandelt. Für dich als angehende Notar:in bedeutet dies, dass neben der juristischen Expertise auch eine hohe Affinität zu digitalen Prozessen und Datensicherheit vorausgesetzt wird.
Mit Inkrafttreten des MoPeG zum 1. Januar 2024 ist die Bedeutung des Notariats zudem bei der Registrierung von Gesellschaften bürgerlichen Rechts (GbR) im neuen Gesellschaftsregister gestiegen. Dies ist ein wachsendes Beratungsfeld, das bei der Praxisübernahme oder Neugründung eine wichtige Rolle spielt.