JavaScript ist nicht aktiviert!
Büroluft schnuppern statt Bibliotheksmief ertragen – Praktikum in einer Großkanzlei

Praktikum & Berufseinstieg & Referendariat

Büroluft schnuppern statt Bibliotheksmief ertragen – Praktikum in einer Großkanzlei

#Großkanzlei  #Praktikum

Du fragst dich was für ein Praktikum du machen möchtest? Wie das überhaupt so ist in einer Großkanzlei? Was man da können muss und ob man nicht viel zu wenig dafür weiß? Und vielleicht auch was man dafür braucht und wie man sich am Besten vorbereiten könnte? Ich habe 4 Wochen Praktikum in einer Großkanzlei gemacht und kann nur sagen: „Keine Angst!“ und „Es lohnt sich!“. Aber fangen wir von vorne an...

Alles fängt natürlich mit der Bewerbung an. Ein nettes Anschreiben, ein Lebenslauf und Zeugnisse. Mehr war das eigentlich nicht, viel hast du während des Studiums ja auch noch nicht vorzuweisen. Wer sich das Ziel Großkanzlei gesetzt hat, dem sei empfohlen sich breit zu bewerben. Die Praktikumsplätze sind begehrt und nicht unendlich vorhanden. Am besten bewirbst du dich 6 – 12 Monate im Voraus bei mehreren Kanzleien, die du als für dich passend befunden hast. Informationen zu Praktikumsplätzen in Großkanzleien findest du HIER. Je nach Kanzlei gibt es entweder eine allgemeine Bereitschaft Praktikanten je nach Absprache anzunehmen, andere Kanzleien bieten extra organisierte Praktikantenprogramme an. Ob es zu einem Bewerbungsgespräch kommt ist unterschiedlich. Sollte eins anstehen, brauchst du keine Panik zu haben! Es geht eher um das Kennenlernen, ein wenig Smalltalk und darum zu gucken, ob man zueinander passt. Du wirst hier weder juristische Fragen gestellt bekommen, noch in irgendeine andere unangenehme Situation gebracht werden. Werde dir bewusst: Praktikanten sind auch für die Kanzleien eine Chance bereits früh an guten Nachwuchs zu kommen. Man will dir dort nichts Böses!

Wenn du das Bewerberverfahren „überstanden“ hast, kommt er immer näher: Dein erster Praktikumstag.

Da stellen sich dir zunächst einige Fragen:

Klassisch oder locker - was soll ich anziehen?

Grundsätzlich gilt: als Mann kannst du mit Anzug, Hemd und Krawatte nichts falsch machen. Gleiches gilt bei Frauen für Kostüme. Schlichte Farben, wie schwarz, grau oder dunkelblau in Verbindung mit weißem oder hellblauem Hemd bzw. Bluse sind immer eine gute Wahl. Wie der Dresscode in einer Kanzlei genau ist, kannst du dann ja sehen. Am ersten Tag ist konservativ und schlicht einfach die sicherste und damit auch die beste Wahl!

Mein Hut, mein Stock, mein Regenschirm - was brauch ich?

Eigentlich nicht besonders viel. Das meiste wird dir gestellt werden. Block, Stifte und ein Gesetz können natürlich nicht schaden und dir gerade am ersten Tag ein wenig Sicherheit geben. Ein bisschen Geld fürs Mittagessen sollte man auch dabei haben, schließlich gibt es in der Kanzlei meistens keine Mensa wie in der Uni. Auf Dauer wirst du aber wahrscheinlich alles, was du brauchst, in der Kanzlei finden.

Kein Plan von nichts - wie kann ich mich vorbereiten?

Am besten informiert man sich im voraus sehr genau über die Kanzlei, ihre Mandate und über eventuelle Ansprechs- und Gesprächspartner. Das erleichtert einem den Einstieg in Gespräche und man ist weniger nervös. Inhaltlich halten sich die Möglichkeiten sich vorzubereiten leider sehr in Grenzen. Je nachdem in welchem Dezernat bzw. welchem Rechtsgebiet du eingesetzt wirst, solltest du dich natürlich informiert haben worum es dabei überhaupt geht und welche Mandate die Kanzlei in der Vergangenheit betreut hat. Auch ein Blick in entsprechende Gesetze schadet nicht. Vielmehr darüber hinaus kannst und brauchst du nicht zu tun. Du wirst während deines Praktikums quasi „an die Hand genommen“ und bekommst vor allem Einblicke in die praktische Arbeit eines Anwalts. Die Aufgaben, die du bekommen wirst, werden entweder sehr genau mit dir besprochen werden oder aber sie erklären sich von selbst bzw. du kennst sie aus der Universität. So zum Beispiel sind Rechercheaufgaben zwar häufig anspruchsvoller als gewohnt aber im Prinzip dieselben wie die, die du für Hausarbeiten während des Studiums gemacht hast. Das, was du in der Kanzlei machen und lernen kannst, wird dir vor Ort beigebracht. Gerade hier liegt auch ein Vorteil in größeren Kanzleien, da häufiger Praktikanten und Referendare ausgebildet und wissenschaftliche Mitarbeiter in die Arbeitsabläufe eingebunden werden. Die Anwälte haben also viel Erfahrung mit angehenden Juristen und deren Problemen oder Ängsten.

Ein persönlicher Einblick – wie läuft so das Praktikum ab? 

Das kommt natürlich immer auf die jeweilige Kanzlei an. Bei mir fing es mit einem Kennlern – Tag an, bei dem es Essen gab, Partner der Kanzlei sich vorgestellt haben und die Praktikanten die ihnen zugewiesenen Mentoren kennenlernten. Danach war mein Praktikum in zwei Abschnitte aufgeteilt. Die ersten eineinhalb Wochen gab es verschiedene Schulungen, einzelne Fallstudien und Einweisungen in die Arbeitsweisen der Kanzlei zusammen mit den anderen Praktikanten. Das hat sehr viel Spaß gemacht und hatte tatsächlich einen richtigen Lerneffekt. Wir hatten beispielsweise Office -, Recherche- und Softskill – Schulungen, die ich gerne schon vor der ersten Hausarbeit auf diesem Niveau gekannt hätte!

Die nächsten zweieinhalb Wochen war dann jeder Praktikant in einem zuvor ausgewählten Dezernat und dort meistens einer kleinen Gruppe von Anwälten zugeordnet. Hier lernte ich dann die „echte“ Arbeit von Anwälten kennen, wurde mit zu Gericht genommen, nahm an Mandantengesprächen teil, recherchierte für die Anwälte, schrieb Terminberichte oder bereitete Schriftsätze vor. Diese Zeit ist wirklich spannend und sehr lehrreich. Vieles, was man hier lernt, lässt das theoretische Wissen aus der Universität erst schlüssig werden. Ich war im Dezernat für Banken- und Kapitalmarktrecht. Klingt kompliziert? Das dachte ich auch aber nein. Trotz fehlendem Vorwissen fand ich mich schnell in die Arbeitsweisen ein und erkannte die Parallelen zum Studium. Am Ende geht es wieder um Pflichtverletzungen, Kausalität und Co. Diesmal hat jedoch nicht der V den K beim Handeln über den Tisch gezogen. In der Realität ist es dann doch ein wenig komplexer, aber auch spannender.

 

Mein Fazit nach 4 Wochen? Ich kann ein Praktikum in einer Großkanzlei nur empfehlen! Es ist wirklich spannend, lehrreich und bringt dich weiter und das nicht nur im Lebenslauf. Die Chancen, Angebote und Möglichkeiten, die sich dir hier bieten, solltest du nicht verpassen!  Denjenigen unter euch, die sich so ein Praktikum also vorstellen können, kann ich nahe legen sich zu bewerben und einmal in die Welt der Großkanzleien zu schauen, dort zu lernen und für sich selbst zu gucken, ob es einem dort gefallen könnte!

 

15. März 2016

Ähnliche Themen


Mandantenaquise leicht gemacht - Jura Knigge Teil 3

Mandanten-Knigge Jura - Teil 3

Leitfaden, wie die Akquise funktioniert...

weiterlesen
Welches Gehalt kann man wirklich als Jurist fordern in der Gehaltsverhandlung?

Welches Einstiegsgehalt kann man wirklich fordern?

Was man als Jurist im Gehaltsgespräch verlangen kann und was realistisch ist...

weiterlesen
Meine Verwaltungsstation - Koblenz Rechtsamt - Karriere Magazin TalentRocket

Verwaltungsstation Rechtsamt - Erfahrungsbericht

Stefanie Förster über Stadtrechtsausschusssitzungen und Arbeitsalltag...

weiterlesen
Prag - Auslandssemster im Jurastudium

"Meine praktische Studienzeit in Prag"

Die Arbeit als Jurastudent in einer tschechischen Kanzlei...

weiterlesen
als Anwalt Arbeit und Leben in Einklang bringen? Möglich? - TalentRocket Karriere-Magazin

Work-Life-Balance in Kanzleien?

Realität oder unrealistische Wunschvorstellung?

weiterlesen
Gehalt richtig verhandeln - Karriere-Magazin Talentrocket

Wie verhandle ich mein Gehalt?

Tipps und Tricks für erste und spätere Gehaltsverhandlungen...

weiterlesen