Von der Uni zum Staat: der Verwaltungsjurist

Das sind die Gehälter und Aufgaben der juristischen Beamten


verfasst von Finn Holzky und veröffentlicht am 15.01.2020

 

Die Berufswahl ist bei Juristen besonders interessant und das liegt vor allem an den vielen Möglichkeiten für angehende Volljuristen. Eine davon ist der Karriereweg als Verwaltungsjurist. Dieser Weg lockt mit maximaler Jobsicherheit, einem soliden Gehalt und vergleichsweise wenig Arbeitsaufwand. Gerade Letzteres punktet aktuell bei vielen Bewerbern, denn die Work-Life-Balance bekommt eine immer wichtigere Rolle für angehende Juristen. Doch der Begriff „Verwaltungsjurist“ ist sehr allgemein gehalten und wird dem Berufsbild des Verwaltungsjuristen längst nicht gerecht. Denn genauso viele Verwaltungsjuristen wie es gibt, genauso viele verschiedene und interessante Aufgaben gibt es auch.

 

Der Weg in den Verwaltungsdienst

Wer in den Verwaltungsdienst möchte und Jurist ist, hat hierzu verschiedene Möglichkeiten in verschiedenen Stadien der Ausbildung. Der übliche Weg geht über das erste und zweite Staatsexamen und anschließend als Volljurist in den öffentlichen Dienst. In der Verwaltung gibt es die verschiedensten Jobs und Karrierewege für Volljuristen. Üblicherweise finden sich diese Jobs auf der Ebene des „Höheren Dienstes“ wieder, was einen Einstieg in die Besoldungsgruppe A13 bis A 16 bzw. B 1 bis B 11 bedeutet.

 

Doch bereits bevor ein Jurist zum Volljuristen wird gibt es die Möglichkeit in den Öffentlichen Dienst zu gehen.

 

Nach dem 1. Staatsexamen und dem Erreichen des Status als Diplom-Juristen gibt es vereinzelt die Möglichkeit in den gehobenen Dienst, was die Stufen A 9 bis A 13 bedeutet, einzutreten. Solche Quereinstiegsmöglichkeiten sind jedoch in aller Regel mit einer Weiterbildung oder Nachschulung verbunden.

Der dritte Weg durch ein rechtliches Studium in den Öffentlichen Dienst ist der über eine Verwaltungshochschule. Dort gibt es verschiedene Studiengänge wie zum Beispiel zum Verwaltungsfachwirt oder zum Verwaltungsfachangestellten. Auch das duale Studium zum Rechtspfleger ist eine solche Möglichkeit, um juristisch in der Verwaltung tätig zu werden.

 


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Die Aufgaben für Juristen in der Verwaltung

Dass Verwaltungsjurist nicht gleich Verwaltungsjurist ist, sollte eigentlich jedem klar sein. Wie unterschiedlich die Aufgaben von Juristen in der Verwaltung tatsächlich sind, überrascht dennoch den ein oder anderen. Das liegt vor allem daran, dass viele junge Juristen unterschätzen, was alles zur Verwaltung gezählt wird.

 

So fallen zum Beispiel auch Botschafter und hohe Bundesbeamte unter den Begriff des Verwaltungsjuristen.

 


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Zunächst einmal ergibt sich aus dem föderalen System der Bundesrepublik Deutschland eine grundsätzliche Aufteilung in Beamte der Länder und Beamte des Bundes. Juristen können also auf Landesebene Verwaltungsaufgaben übernehmen und zum Beispiel auf kommunaler Ebene tätig sein oder aber auf Bundesebene arbeiten und beispielsweise in einem Bundesministerium tätig sein, oder aber für das Auswärtige Amt arbeiten.

Auch das Gehalt von Verwaltungsjuristen variiert in Abhängigkeit davon, ob sie für den Bund oder ein Land ihren Dienst leisten. So werden Bundesbeamte einer bestimmten Stufe überall gleich bezahlt, während Verwaltungsjuristen auf Landesebene für die gleiche Tätigkeit und Besoldungsstufe in verschiedenen Bundesländern auch verschiedene Gehälter erzielen.

In zweiter Linie unterscheidet sich das Aufgabenfeld eines Verwaltungsjuristen danach, ob er in leitender Funktion ist oder ob er ein überwiegend ausführendes Organ der Verwaltung ist. So ist der Leiter einer Behörde üblicherweise auch ein Jurist, der aber hauptsächlich organisatorische Aufgaben übernimmt und in seinem Alltag einem Manager mehr ähnelt als dem üblichen Berufsbild eines Juristen. Die Juristen, die eine Ebene darunter tätig sind, sind hingegen täglich mit verwaltungsrechtlichen Entscheidungen betraut und sorgen für einen möglichst reibungslosen Ablauf der verwaltungsrechtlichen Angelegenheiten in einer Behörde.

Schließlich entscheidet noch die Behörde selbst darüber, welche Aufgaben ein Verwaltungsjurist übernehmen muss. Während Verwaltungsjuristen in einer Baubehörde täglich über Baugenehmigungen, Veränderungen von Bauwerken oder städteplanerischen Angelegenheiten entscheiden müssen, sind in den Polizeibehörden Juristen damit betraut, das Einhalten von Gesetzen zu gewährleisten und interne Abläufe zu prüfen oder juristisch zu begleiten.

 


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Die verschiedenen Zweige der Verwaltung

Zwar teilt sich die Verwaltung in unendlich viele verschiedene Untergruppen auf, es lässt sich jedoch klar feststellen, dass einige Bereiche der Verwaltung die mit Abstand meisten Verwaltungsjuristen beschäftigen. Die einzelnen Untergruppen der Verwaltung teilen sich wiederum auf Bundesländer und Bundesebene auf.

Der wohl größte Bedarf an Verwaltungsjuristen besteht bundesweit in den kommunalen Verwaltungen und Behörden. Diese wiederum teilen sich auf verschiedene weitere Behörden mit jeweils eigenen Aufgabenfeldern auf. Darüber hinaus gibt es einen hohen Bedarf an Juristen in der Finanzverwaltung, der Sozialverwaltung und der Polizeiverwaltung. Doch auch weniger bekannte Zweige der Verwaltung wie die Forstverwaltung oder die Gesundheitsverwaltung haben viele Verwaltungsjuristen, die bei ihnen ihren Dienst verrichten.

Eine Karriere bei der Verwaltung kann wie bereits erwähnt auf verschiedene Weise beginnen. Es ist über die bisher genannten Wege hinaus auch möglich, erst später und mit Berufserfahrung in die Verwaltung zu wechseln. Insbesondere Richter nutzen diese Möglichkeit häufig. So kann es zum Beispiel ein Aufstieg sein, aus einem kleineren Gericht in ein Ministerium als Wissenschaftlicher Mitarbeiter zu wechseln.

 

Das Verwaltungssystem der Bundesrepublik Deutschland ist für interne Wechsel und Quereinsteiger von außen äußerst zugänglich.

 


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Die Kriterien für die Aufnahme in den Verwaltungsdienst

Um als Jurist im Öffentlichen Dienst eine Stelle zu finden, muss man für die Beamtenlaufbahn als tauglich befunden werden. In aller Regel bedeutet dies, dass man EU Bürger sein und sich mit der demokratischen Grundordnung im Einklang befinden muss. Darüber hinaus muss man sich körperlich und geistig in einem Zustand befinden, der es wahrscheinlich erscheinen lässt, dass man nicht in absehbarer Zeit dienstunfähig werden wird. Aufgrund der hohen Absicherung von Beamten ist dies auch ein vergleichsweise streng gehandhabtes Kriterium.

Schließlich muss ein Bewerber natürlich noch die Qualifikation besitzen, um für die entsprechende Stufe eingestellt zu werden. Für den höheren Dienst bedeutet das entweder ein abgeschlossenes Studium mit einem Master oder eben einem 2. Staatsexamen. Je nach Aufgabengebiet und ausgeschriebener Stelle variieren zudem auch die fachlichen Anforderungen mit Blick auf die Noten der Abschlusszeugnisse.

 

Die Zugangshürden für den Verwaltungsdienst sind jedoch in aller Regel deutlich niedriger als für den Zugang ins Richteramt oder in die Staatsanwaltschaft. Die meisten Ausschreibungen für examinierte Juristen setzen ein „befriedigend“ in beiden Examina voraus.

 

Wieviel Geld kann man als Verwaltungsjurist verdienen?

Last but not least ist natürlich auch immer das Gehalt von entscheidender Bedeutung. Die Gehälter von Verwaltungsjuristen unterscheiden sich deutlich von denen, die in Großkanzleien oder der freien Wirtschaft gezahlt werden. Insbesondere die Einstiegsgehälter liegen deutlich unter den dort gezahlten Jahresgehältern für Berufseinsteiger.

So verdient zum Beispiel ein Verwaltungsjurist, der in die Besoldungsgruppe A 13 einsteigt, zu Beginn rund 4.200 Euro Brutto monatlich. Im Vergleich dazu verdienen Associates in top Kanzleien bis zu 10.000 Euro Brutto ab dem ersten Monat.

Auch wenn die Gehälter von Verwaltungsjuristen automatisch durch steigendes Dienstalter steigen, kommen Verwaltungsjuristen in Sachen Einkommen nicht an die juristische Konkurrenz in der freien Wirtschaft heran. Lediglich absolute Spitzenbeamte können Gehälter, ähnlich derer in Großkanzleien, erzielen. Allerdings sind auch die Gehälter von Spitzenbeamten nur so hoch, wie die besten Einstiegsgehälter in Großkanzleien.

 

Deutlich mehr als 100.000 Euro Brutto Jahresgehalt sind als Verwaltungsjurist kaum möglich.

 

Wer es zum Beispiel auf der Karriereleiter für Verwaltungsjuristen in die Besoldungsstufe A 15 schafft, das ist zum Beispiel die Stufe eines Polizeidirektoren, der verdient bei maximalem Dienstalter immerhin bereits rund 6.800 Euro brutto monatlich zuzüglich möglicher Familienzuschläge und ähnlichem.

Es lässt sich also feststellen, dass die Gehälter in der Verwaltung gemessen anhand derer in den absoluten Spitzenkanzleien vergleichsweise gering ausfallen, im Vergleich zu durchschnittlichen Einkommen von Akademikern jedoch durchaus mithalten können.

 

Das sind die wahren Gehälter der Großkanzleien

 

Jobsicherheit, geregelte Arbeitszeiten & familienfreundliche Atmosphäre

Das Gehalt alleine kann gerade hochqualifizierte Juristen also nicht unbedingt anlocken. Doch Jobs in der Verwaltung bringen durch die Verbeamtung auch ein Maximum an Jobsicherheit mit sich. Wer einmal zum Beamten auf Lebenszeit ernannt wird, der muss sich einiges leisten, um diesen Status wieder zu verlieren. Auch die guten Pensionen und die Möglichkeit sich günstig privat zu versichern werden von vielen Staatsbediensteten sehr geschätzt.

Doch auch darüber hinaus kann die Verwaltung mit vergleichsweise humanen Arbeitszeiten punkten und gerade die Familienplanung wird berücksichtigt und sogar durch Zuschläge für Familien gefördert. Durch die Arbeitszeiten und häufig auch die Möglichkeit teilweise von zu Hause zu arbeiten wird so eine sehr familienfreundliche Atmosphäre geschaffen. Dies in Verbindung mit der gewährten Planungssicherheit durch die fast schon ausgesprochene Jobgarantie ist eine sehr gute Grundlage, um neben dem Beruf eine Familie gründen zu können.

 

In Sachen Geld muss ein Verwaltungsjurist also im Vergleich zu seinen Kollegen in Großkanzleien zurückstecken. Doch bereits im Vergleich mit dem durchschnittlichen Akademiker können sich die Gehälter von Verwaltungsjuristen bereits sehen lassen. Darüber hinaus sind die Jobs in der Verwaltung durch den Beamtenstatus maximal sicher und die Arbeitszeiten sind familienfreundlich. Flexible Arbeitszeiten und Zuschüsse für Kinder und Familie sorgen so für die perfekten Voraussetzungen zum Gründen einer Familie. Nicht umsonst ist also der Job als Verwaltungsjurist heute eine beliebte Alternative zur freien Wirtschaft geworden.

 


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Über den Autor

Finn Holzky

Finn Holzky

Schreibt neben seinem Jurastudium seit 2 Jahren für TalentRocket und hat gerade sein 1. Staatsexamen in Göttingen hinter sich gebracht.

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