Gehalt öffentlicher Dienst Besoldung Jurist Juristin

Verfasst von Laura Hörner. Veröffentlicht am 19.10.2020.

Die Gehaltsfrage: Jurist*in im öffentlichen Dienst 

Von Besoldungsgruppen und Steuern 

Als Jurist*in im öffentlichen Dienst stehen Interessent*innen viele Türen offen. Angefangen bei den offensichtlichen Karrierewegen als Staatsanwalt oder Staatsanwältin oder Richter*in werden sogenannte Verwaltungsjurist*innen an den unterschiedlichsten Stellen eingesetzt – zum Beispiel in den Ministerien von Bund und Ländern oder im internationalen Umfeld bei der EU, der NATO oder im Europarat. Auch bei der Bundeswehr und der Polizei tun sich vielfältige Möglichkeiten auf. Im Folgenden wollen wir die Frage klären, wie lukrativ solch eine Karriere beim Staat ist – und wie man überhaupt herausfindet, wie viel man verdienen kann.

 

Was bedeuten die Besoldungsgruppen?

Als Jurist*in im öffentlichen Dienst bezieht man ein festes Gehalt, welches durch Besoldungsordnungen geregelt wird. Die Besoldung ist ein komplexes System, das sich auf den ersten Blick nicht sofort durchschauen lässt. Dabei ist es eigentlich gar nicht so schwierig:
 

Es gibt fünf verschiedene Besoldungsordnungen: A (für „reguläre“ Beamte), B (für Spitzenbeamte und Soldaten), C und W (Professoren, Dozenten und leitende Mitarbeiter an Universitäten) und R (Richter und Staatsanwälte). Diese teilen sich wiederum in Besoldungsgruppen auf. So reicht die Besoldung in der Ordnung A beispielsweise von A2 bis zu A16. 


Bei der bloßen Einordnung in eine Besoldungsgruppe bleibt es natürlich nicht, denn auch innerhalb der Gruppe gibt es Abstufungen. Wird man zum Beispiel in Besoldungsgruppe A13 eingestuft, kann man hier von Stufe 1 bis zu Stufe 8 vorrücken und mit jeder Stufe ein höheres Gehalt beziehen. Dazu kommt, dass die konkrete Besoldung in jedem Bundesland unterschiedlich ist. Ein Beamter in Gruppe A13 und Stufe 4 verdient in Bayern also nicht dasselbe wie in Hessen.
 


Ob Bundes- oder Landesbehörde, Polizei oder Bundeswehr

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Wie wird man in eine Besoldungsgruppe und -stufe eingeordnet?

Die Besoldungsgruppe ist für Jurist*innen recht leicht zu bestimmen. So werden Richter*innen und Staatsanwält*innen der Besoldungsgruppe R zugerechnet, während Verwaltungsjurist*innen meist in der Gruppe A12 – A16 und damit im gehobenen oder im höheren Dienst zu finden sind. Welche Besoldungsgruppe ein*e Beamte*r erreicht, hängt davon ab, welche Ausbildung er genossen hat, wie alt er ist, welche berufliche Laufbahn er hinter sich hat und natürlich auch, welche Leistung er bringt. Da Jurist*innen in der Verwaltung zahlreiche Postionen einnehmen können, kann die Besoldungsgruppe nicht pauschal genannt werden, in der Regel steigen diese aber im höheren Dienst (A13 – A16) ein. In wenigen Bundesländern finden sich sogar konkrete juristische Berufe in der Besoldungsgruppe A wieder:

A12: Amtsanwalt
A13: Oberamtsanwalt
A14: Landesanwalt
A15 und A16: Oberlandesanwalt
 

Die Einordnung in die Besoldungsstufe hingegen richtet sich nach der Berufserfahrung. Grundsätzlich steigt man beim Berufsbeginn in der niedrigsten Stufe ein, z.B. in A13, Stufe 1. Nach zwei Jahren Berufserfahrung erfolgt dann der Aufstieg in Stufe 2, nach 5 Jahren in Stufe 3, nach 8 Jahren in Stufe 4, etc. bis hin zur Stufe 8 nach insgesamt 23 Jahren. Die Anzahl der Jahre ist nicht starr festgelegt, so kann ein Aufstieg zum Beispiel durch den Erwerb von Zusatzqualifikationen beschleunigt werden.
 


Hallo Work-Life-Balance!

Dein Job im öffentlichen Dienst:



Wie viel verdient man als Jurist im Staatsdienst?

Wie du wahrscheinlich gemerkt hast, ist diese Frage unmöglich pauschal zu beantworten. Denn dies hängt natürlich davon ab, ob man als Richter, Staatsanwalt oder Verwaltungsjurist tätig ist, in welchem Bundesland man arbeitet und vor allem, in welcher Besoldungsgruppe und -stufe man sich befindet. So können sich auch beim selben Beruf die Vergütungen deutlich unterscheiden. Wenn du es also genau wissen möchtest, dann schau einmal hier in die Besoldungstabelle des öffentlichen Dienstes. Dort werden alle Besoldungsgruppen nach Bundesland aufgeführt. Trotzdem möchten wir dir hier einen kleinen Überblick über die Maximal- und Minimalgehälter von Verwaltungsjuristen, Richtern und Staatsanwälten geben. Die folgenden Zahlen beziehen sich auf die Bundesverwaltung, nicht auf ein konkretes Bundesland:

Besoldungsordnung A in Euro (Verwaltungsjuristen):

Besoldungsgruppe Stufe 1  Stufe 8 
A13 4.458 5.731
A14 4.584 6.234
A15 5.603 7.039
A16 6.181 7.841

 

Besoldungsordnung R in Euro (Richter und Staatsanwälte):

Besoldungsgruppe Beispiel Stufe 0 Stufe 1  Stufe 8 
R2 Richter am Bundespatentgericht, Staatsanwalt am Bundesgerichtshof   5416,70  7872,60
R3 Vorsitzender Richter am Bundespatentgericht, Oberstaatsanwalt am Bundesgerichtshof 8658,13     
R5 Vizepräsident des Bundespatentgerichts 9739,93     
R6 Richter am Bundesfinanzhof, -gerichtshof, -sozialgericht, etc. 10289,32     
R7 Bundesanwalt beim Bundesgerichtshof 10819,10     
R8 Vorsitzender Richter am Bundesarbeitsgericht, Präsident des Bundespatentgerichts, Vizepräsident des Bundesarbeitsgerichts und vergleichbare Positionen 11373,67    
R9 Generalbundesanwalt beim Bundesgerichtshof 12061,37     
R10 Präsident des Bundesarbeitsgerichts, -finanzhofs, -gerichtshofs etc. 14808,25     

Beachte: eine Abstufung erfolgt nur in Besoldungsgruppe 2. Gruppe 1 und 4 sind seit 2020 nicht mehr belegt.

 

Wie viel Netto bleibt vom Brutto?

Das Gehalt an sich sagt noch nicht ganz so viel aus – wichtig ist, wie viel am Ende wirklich herausspringt. Beamte und Richter (welche offiziell nicht als Beamte gelten) haben hier einen klaren Vorteil gegenüber Juristen in der freien Wirtschaft, denn sie zahlen nicht in die Rentenkasse ein. Richter und Beamte erhalten stattdessen vom Staat eine Pension. Ein guter Teil der monatlichen Abgaben fällt damit also schon einmal weg. Auch Kinderzuschläge, Urlaubsgeld und Weihnachtsgeld sind keine Seltenheit und können noch auf das Gehalt aufgeschlagen werden. Damit du eine Ahnung von der Höhe der Abgaben bekommst, geben wir dir hier ein Rechenbeispiel eines 2020 in Berlin angestellten Beamten in Besoldungsgruppe A14, Stufe 1, Steuerklasse 1: 

 

Bruttogehalt: 4.306,44 €
Lohnsteuer: - 971,08 €
Solidaritätszuschlag: - 53,40 €
Nettogehalt: 3.281,96 €

Von diesem Nettogehalt muss dann noch der Krankenkassenbeitrag bezahlt werden. Hier können die Beiträge je nach Alter und Gesundheitszustand stark schwanken, für junge Menschen sind die Kosten aber meist überschaubar.


Die Zahlen sind wenig überraschend, für den ein oder anderen vielleicht sogar ernüchternd. Denn das Gehalt für Verwaltungsjuristen kann mit dem von Anwälten in etablierten Kanzleien bei Weitem nicht mithalten. Wer Kanzleien mit teilweise 100.000 € Einstiegsgehalt Konkurrenz machen möchte, der muss sich mindestens bis zum Richter am Bundesfinanzhof vorarbeiten. Dennoch verfügen diese Positionen über eine besondere Anziehungskraft: Eine sichere Stelle auf Lebenszeit, angenehme Arbeitszeiten, eine vergleichsweise sehr gute Work-Life-Balance sowie die Aussicht auf eine hohe Pension machen eine Karriere als Beamter außerordentlich attraktiv. Wofür würdest du dich entscheiden?

 

Bundeszentralamt für Steuern (BZSt)
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