Jura Praktikum: Diese Rechte hast du!

Ansprüche auf Vergütung und Urlaub – wir klären auf

Praktika machen sich gut im Jura Lebenslauf! Sie bieten dir nicht nur die Möglichkeit, dich von den anderen Bewerbern abzuheben, sondern geben dir auch einen wertvollen Einblick in den Kanzleialltag. Oft hört man jedoch von Praktikanten, die ohne Bezahlung jede Menge Überstunden machen und sich ausgebeutet fühlen. Doch welche Rechte und Pflichten hat man eigentlich als Praktikant? Im Folgenden hat TalentRocket diese für das Jura Praktikum zusammengestellt.

 

Zwei Arten von Praktika

Was ist eigentlich ein Praktikum? Das kann vom Schnuppertag bis zum Vollzeitjob alles sein! Spezielle gesetzliche Regelungen bezüglich der Praktika gibt es nämlich nicht. In formaler Hinsicht lassen sich Praktika in zwei Arten unterteilen:

 

1. Pflichtpraktikum:

  • von der Studienordnung vorgeschrieben
  • absolviert im Laufe oder als Vorbereitung deines Studiums 
  • verknüpft mit formalen Vorgaben

Meist ist laut Prüfungsordnung auch ein Praktikumsbericht erforderlich, der die Grundlage für den Leistungsnachweis bildet. Bei einem Pflichtpraktikum liegt kein Anspruch auf Praktikumsentgelt und Mindestlohn vor. Dennoch gibt es Unternehmen, die dein Jura Praktikum vergüten. Ob und wie viel dir für ein solches gezahlt wird, hängt dabei in der Regel davon ab, in welchem Betrieb und in welchem Bereich das Praktikum durchgeführt wird.

 

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2. Freiwilliges Praktikum:

  • Zeitpunkt, Dauer, Inhalte und Ziele können zusammen mit dem Praktikumsgeber selbst festgelegt werden
  • mehr Rechte als beim Pflichtpraktikum
  • Anspruch auf Bezahlung

„Freiwillige“ Praktikanten haben weitaus mehr Rechte, da hier das Praktikum als normales Arbeitsverhältnis angesehen wird. Die Praktikantenrechte fallen hier also unter das Berufsbildungsgesetz. Anspruch auf Bezahlung besteht hier ab einer Praktikumsdauer von einem Monat und wenn du aktiv am Unternehmensalltag teilnimmst.

Abhängig von der Art des Praktikums gibt es erhebliche Unterschiede bezüglich der Praktikantenrechte wie beispielsweise in Hinblick auf Bezahlung, Urlaubsanspruch etc.

 

 

Pflichtpraktikum vor oder nach dem Studium

Dies sind sogenannte Vor- bzw. Nachpraktika. Sie sind Voraussetzung, um ein bestimmtes Studium überhaupt antreten zu können, müssen allerdings explizit in der Studienordnung festgelegt sein. Diese Praktika werden als ganz normale Arbeitsverhältnisse angesehen. Was das für dich bedeutet:

  • Gehalt: Wird ein Praktikumsentgelt gezahlt (egal in welcher Höhe), so müssen daraus keine Beiträge zur Sozialversicherung gezahlt werden. Außerdem steht dir bei einem Pflichtpraktikum kein Mindestlohn zu.Verdienst du mehr als 450€ im Monat oder kommst auf ein Jahresgehalt von über 8.472€, so kann die kostenlose Mitversicherung in der Familienversicherung entfallen und du musst Steuern abführen.

  • Arbeitsrecht: Wie bereits erwähnt, bezeichnet man Pflichtpraktika vor bzw. nach dem Studium als normale Beschäftigungsverhältnisse. Praktikanten dieser Art haben also Anspruch auf Urlaub, sowie auf alle anderen allgemeinen Arbeitnehmerrechte. Wird ein Gehalt gezahlt, so besteht zudem ein Anspruch auf Lohnfortzahlung bei Krankheit etc.
  • Weitere Grenzen: Wird ein Entgelt gezahlt, so zählt es u.a. bei der Einkommensteuer oder der Waisenrente als Einkommen. Beachte deswegen die dort geltenden Einkommensgrenzen. Wenn dir bereits für das Vorpraktikum BAföG-Leistungen bewilligt werden, so wird das eventuelle Praktikumsentgelt 1:1 auf das BAföG-Geld angerechnet. Freibeträge gelten hier nicht.

 

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Pflichtpraktikum während des Studiums

Pflichtpraktika werden nicht als normale Arbeitnehmerverhältnisse behandelt, sondern als Teil der Ausbildung bzw. des Studiums. Praktika dieser Art werden komplett anders behandelt als oben genannte Praktika. Das bedeutet im Speziellen für dich folgendes:

  • Gehalt: Wird ein Praktikumsentgelt gezahlt (egal in welcher Höhe), so müssen daraus keine Beiträge zur Sozialversicherung gezahlt werden. Außerdem steht dir bei einem Pflichtpraktikum während des Studiums kein Mindestlohn zu. Verdienst du mehr als 450€ im Monat oder kommst auf ein Jahresgehalt von über 8.472€ im Jahr, so kann die kostenlose Mitversicherung in der Familienversicherung entfallen und du musst Steuern abführen.

  • Arbeitsrecht: Da diese Pflichtpraktika als Teil der Ausbildung bzw. des Studiums gelten, hat der Praktikant keine regulären Arbeitnehmerrechte und somit keinen Anspruch auf Urlaub. Es können allerdings individuell Urlaubsregelungen bzw. Lohnfortzahlungen im Krankheitsfall mit dem Arbeitgeber besprochen und festgelegt werden.
  • Weitere Grenzen: Wird ein Entgelt gezahlt, so zählt es u.a. bei der Einkommensteuer oder der Waisenrente als Einkommen. Beachte deswegen die dort geltenden Einkommensgrenzen. Beziehst du BAföG, beachte folgendes: das Praktikumsentgelt wird 1:1 auf die BAföG-Zahlungen angerechnet, Freibeträge gelten hier nicht.

 

Freiwilliges Praktikum

Freiwillige Praktika werden im Gegensatz zu Pflichtpraktika wie normale Arbeitnehmerverhältnisse behandelt. Das bedeutet im Speziellen für dich folgendes:

  • Gehalt: Ein freiwilliges Praktikum wird von den Hochschulen nicht gefordert, somit ist die Vergütung der Tätigkeit sozialversicherungspflichtig, sofern es nicht unter die Geringfügigkeitsgrenze (450€) fällt. Verdienst du mehr als 450€ im Monat oder kommst auf ein Jahresgehalt von über 8.472€ im Jahr, so kann auch die kostenlose Mitversicherung in der Familienversicherung entfallen. Für freiwillige Praktika während des Studiums oder der Ausbildung gilt für die Dauer von drei Monaten kein Mindestlohnanspruch. Ist das Praktikum von vornherein für länger als drei Monate geplant, muss es ab dem ersten Tag mit dem Mindestlohn vergütet werden. Das gilt auch, wenn das Praktikum im Nachhinein verlängert wird.

  • Arbeitsrecht: Bei einem freiwilligen Praktikum hat der Praktikant Anspruch auf Urlaub. Die Praktikantenrechte fallen hier also unter das Berufsbildungsgesetz da das Praktikum wie ein normales Arbeitnehmerverhältnis behandelt wird. Außerdem besteht zudem ein Anspruch auf Lohnfortzahlung bei Krankheit etc.
  • Weitere Grenzen: Sollte man während des Studiums Anspruch auf BAföG haben, so fällt dieser für den Zeitraum des freiwilligen Praktikums weg, da BAföG nur für ein Praktikum gewährt wird, welches von der Hochschule bzw. vom Studienfach vorgeschrieben wird.

 

Es ist immer gut dich bei deinem Jura Praktikum aussreichend über die wichtigen Konditionen wie Gehalt, Urlaubstage und Lohnfortzahlung im Krankheitsfall zu informieren. So vermeidest du spätere negative Überraschungen und kannst die Zeit in der ausgewählten Kanzlei bzw. dem Unternehmen bestens nutzen!

 


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