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Interview: Wie sieht die Arbeit in einer Rechtsabteilung wirklich aus?

Juristen von der Unicredit Bank erzählen, wie die Arbeit in einer Rechtsabteilung wirklich ist


veröffentlicht am 14.08.2015

„Warum tue ich mir das eigentlich an?“ Diese Frage hat sich wohl jeder angehende Jurist schon einmal gestellt, als er spätabends noch über Büchern brütend in der Bibliothek saß, während in der Stadt die Lichter ausgingen. Für viele ist die Antwort wohl ähnlich: eine interessante Karriere in Jura soll auf das anspruchsvolle Studium folgen. Doch wie genau diese Karriere dann tatsächlich aussehen soll und welche Möglichkeiten für eine Karriere im Bereich Jura überhaupt existieren, ist oft unklar. Heute möchten wir dir zeigen, wie die Arbeit in einer Rechtsabteilung aussehen kann. 

 

Als Berufseinsteiger in der Rechtsabteilung: Kaffee kochen und Däumchen drehen?

Wir haben Dr. Jörg Schilder von der HVB Rechtsabteilung befragt, wie er den Berufseinstieg erlebt hat. Er erzählt: „Ich war beeindruckt, wie schnell auch Berufseinsteiger mit der selbständigen Bearbeitung der Aufgaben der Rechtsabteilung befasst werden.“ Auch Unterstützung konnte er von erfahrenen Kollegen anfragen, daher fühlte er sich nie alleine gelassen.

Auf die Frage, welche Aufgaben ihm zunächst zugeteilt wurden, bekommen wir eine vielseitige Antwort: „Generell beinhaltet die tägliche Arbeit die rechtliche Betreuung aller Aspekte über die gesamte Lebenszeit einer Beziehung der Bank mit dem Kunden, ob nun Privatkunde oder international agierender Konzern.“ Konkret hieß das für Dr. Schilder, dass er sich mit der konstruktiven Gestaltung und rechtlichen Prüfung aller Arten von Verträgen mit den Kunden befasst hat. Von Kreditverträgen, Kreditsicherheiten und Verträgen über Kapitalmarktprodukte war alles dabei. Auch in die Begleitung von rechtlichen Streitigkeiten und die Beratung interner Kunden wurde er schon früh involviert.

 

Das klingt ja richtig interessant. Was muss ich mitbringen, um einen solchen Job nach dem Jurastudium zu bekommen?

Das brauchst du, um einen Job in einer Rechtsabteilung zu bekommen:

  • zweites juristisches Staatsexamen
  • gute Englischkenntnisse (aufgrund der internationalen Ausrichtung)
  • Interesse, sich in neue Themengebiete einzuarbeiten

Irmgard Bauriedl, Legal Counsel bei der HVB, fügt noch hinzu: „Eigenverantwortliches Arbeiten, Engagement und Teamfähigkeit sind ebenfalls wichtig.“

 

Ausschlusskriterium? Was ist, wenn ich noch keine Arbeitserfahrung habe?

Das ist bei den meisten Jobs für Juristen kein Problem: „Ein paar Jahre Berufserfahrung können bei konkreten Stellen hilfreich sein, ist aber keine generelle Voraussetzung.“

 

Was kann man als Nachwuchsjurist tun, um sich von anderen Bewerbern hervorzuheben?

Frau Bauriedl empfiehlt, ein oder zwei Semester im Ausland zu studieren. „Das erweitert den Horizont und verbessert die Sprachkenntnisse. Außerdem ist es ratsam, sich schon während der Ausbildung viele verschiedene Kanzleien und Unternehmen im Rahmen von Praktika anzuschauen, um herauszufinden, welche Art von Tätigkeit einem liegt und wo die eigenen Interessenschwerpunkte liegen.“

 

Es muss doch auch einen Haken geben - Was sind die Nachteile der Tätigkeit in einer Rechtsabteilung?

Frau Bauriedel fällt dazu ein: „In Sonderfällen ist es erforderlich auch mal außerhalb der üblichen Bürozeiten zur Verfügung zu stehen.“ Dr. Schilder fügt hinzu: „Transaktionen und Anfragen haben oft eine Deadline, die eingehalten werden muss.“ Daher sei am Ende dieser Zeitschienen oft eine zeitlich Flexibilität notwendig. Die Ausmaße einer Kanzlei werden dabei aber nicht erreicht. Auch das Privatleben werde davon nicht beeinträchtigt, so Dr. Schilder. 

 

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