Gehalt & Überblick im Jura-Praktikum

Tipps und Möglichkeiten für dein juristisches Praktikum


verfasst von Julian Wagner und veröffentlicht am 18.02.2019

 

"Praktikum" - ein Wort, das unter Studenten zumeist keinen großen Freudensturm auslöst. Verständlicherweise, denn der Gedanke, wochenlang in den wohlverdienten Semesterferien Kaffee zu kochen und Kopien anzufertigen, ist gewiss wenig reizvoll. Außer, wenn diese Vorstellung gar nicht die Wirklichkeit widerspiegeln und sich gerade für Jura-Studenten viele attraktive Chancen bieten würden. Glücklicherweise entspricht dieser Gedanke in weiten Teilen tatsächlich der Realität. Hier kannst du erfahren, warum sich dein Einsatz durchaus lohnt und wie genau du zu deinem Traumpraktikum gelangst - ganz ohne Kaffeekochen und Kopieren.

 

Wieso Praktika sinnvoll und notwendig sind

Bevor wir uns den nützlichen Tipps zur Praktikumssuche zuwenden, werfen wir zunächst einen Blick darauf, wieso sich ein Praktikum für einen Jura-Studenten durchaus lohnt. Natürlich lässt sich diese Frage nicht pauschal beantworten, da jeder im Hinblick auf seine Karriereziele und eigenen Präferenzen unterschiedliche Erwartungen hat. Wer sich jedoch ein grundsätzlich sinnvolles Praktikum organisiert hat, das ungefähr den eigenen Interessen entspricht, wird keinesfalls mit „leeren Händen“ zurück in die Uni kommen. Ganz im Gegenteil:

 

Jeder kann von den positiven Effekten eines Praktikums profitieren.

 

  • Networking

Berufliche Kontakte lassen sich grundsätzlich während jedem Praktikum knüpfen. Schließlich wird man für gewöhnlich in die Mandatsarbeit eingebunden und steht regelmäßig im intensiven Austausch mit Persönlichkeiten, die schon einige der eigenen Karriereziele erreicht haben. Gerade mittelständische und große Sozietäten ist häufig daran gelegen, adäquaten Nachwuchs, der vielleicht eines Tages als Referendar oder sogar Rechtsanwalt in die Kanzlei einsteigt, für sich zu gewinnen. Wer sich also ein entsprechendes Praktikum ergattert hat und einen guten Eindruck hinterlässt, kann sein berufliches Netzwerk nicht nur um einige attraktive Kontakte erweitern, sondern im Optimalfall sogar seinen ersten wichtigen Karriereschritt einleiten.

 

  • Den Lebenslauf optimieren

Praxiserfahrung in den eigenen Lebenslauf integrieren zu können, ist immer nützlich und erleichtert häufig auch die Suche nach dem zweiten oder dritten Praktikum. Schließlich ist es für einen Arbeitgeber immer attraktiver, Bewerber auszuwählen, die bereits Praxiserfahrung gesammelt haben und daher auch schneller konstruktiv mitarbeiten können. Ein positives Zeugnis des Vorgesetzten (frühzeitig danach fragen!) belegt zudem, dass man das Praktikum nicht nur tatsächlich absolviert, sondern auch eine gute Leistung erbracht hat. Wird ein Pflichtpraktikum sogar im Ausland absolviert, unterstreicht es die persönliche Einsatzbereitschaft natürlich noch.

Tipps für einen gelungen Lebenslauf findest du hier!

 

  • Einen Motivationsschub erhalten

Stellt man im Laufe des Praktikums fest, dass die dort ausgeübte praktische Tätigkeit gefällt und sogar Spaß macht, kann das einen riesigen Motivationsschub für die nachfolgende Studienzeit auslösen. Schließlich weiß man nun, sobald man wieder in den Studienalltag zurückkehrt, dass nach den Examina tatsächlich spannende Tätigkeiten oder sogar der Traumberuf warten.

 

Deswegen ist es auch durchaus sinnvoll, die Praktika bei völlig unterschiedlichen Arbeitgebern zu absolvieren, um Eindrücke diverser Berufsbilder und damit einen realistischen Überblick über den juristischen Arbeitsmarkt zu erhalten.

 

  • Die Perspektive wechseln

Entflieht man nun endlich mal dem Studienalltag, um Praxisluft zu schnuppern, kann man auch durchaus vom damit einhergehenden Perspektivenwechsel profitieren. Wer nämlich im Rahmen seines Praktikums mehrere Wochen 9, 10 oder 11 Stunden pro Tag arbeiten muss, wird die hohe zeitliche Flexibilität des Studiums anschließend wieder mehr zu schätzen wissen. Außerdem ist es dann auch leichter nachzuvollziehen, was eine Arbeitsbelastung von 55 Stunden pro Woche  - wie sie bei einigen Großkanzleien üblich ist - tatsächlich für das eigene (Privat-)Leben bedeutet.


Geld, Vergütung & Sachleistungen

Nicht zuletzt sei natürlich auch erwähnt, dass Praktika bei Unternehmen sowie mittelständischen und Großkanzleien in der Regel attraktive Sach- und/oder Geldleistungen mit sich bringen. So erleichtert etwa eine (kostenlose) Unterkunft die Organisation des Praktikums in einer fremden Stadt beachtlich. Finanzielle Vergütungen variieren allerdings erheblich und bewegen sich bei größeren Kanzleien und Unternehmen zumeist zwischen 250 und 1350 Euro pro Monat. Abhängig ist die Gehaltshöhe natürlich auch vom Studienstand des Bewerbers bzw. seiner Qualifikation. Sie wird daher teilweise auch individuell durch den Arbeitgeber festgelegt. Bei staatlichen Einrichtungen und kleineren Kanzleien muss jedoch damit gerechnet werden, dass Praktika unvergütet bleiben.

 

Unten stehend findest du Gehaltsangaben und aktuelle Jobangebote von Kanzleien und Unternehmen bei TalentRocket  [Stand: 14.02.2019]:

 

Kanzleiname

Vergütung

Jetzt bewerben

Andersen Tax & Legal

500 € pro Monat

Praktikum bei Andersen Tax & Legal

Audi

1.345,89 € pro Monat

Praktikum bei Audi

Bird & Bird

450 € pro Monat

Praktikum bei Bird & Bird

Clifford Chance

250 Euro pro Woche

Praktikum bei Clifford Chance
Flick Glocke Schaumburg bis zu 1.000 € pro Monat  Praktikum bei Flick Glocke Schaumburg

Gibson Dunn & Crutcher

750 € pro Monat Praktikum bei Gibson Dunn & Crutcher LLP

Gleiss Lutz

800 € pro Monat

Praktikum bei Gleiss Lutz

Graf von Westphalen

250 € pro Monat Praktikum bei Graf von Westphalen

GSK Stockmann

450 € pro Monat

Praktikum bei GSK Stockmann

Hoyng Rokh Monegier

150-1.250 € pro, je nach Qualifikation

Praktikum bei Hoyng Rokh Monegier

Linklaters

500 Euro pro Monat

Praktikum bei Linklaters

Lupp + Partners

11 € pro Arbeitsstunde Praktikum bei Lupp + Partners

Noerr

120 € pro Wochenarbeitstag; max. 600 Euro pro Monat

Praktikum bei Noerr

Norton Rose Fulbright

450 € pro Monat

Praktikum bei Norton Rose Fullbright

Oppenhoff & Partner Rechtsanwälte

500 € für 6 Wochen

Praktikum bei Oppenhoff & Partner Rechtsanwälte

Pöllath + Partners

100 € pro Woche; kostenfreie Verpflegung; kostenlose Wohnmöglichkeit am Standort München

Praktikum bei Pöllath + Partners

Sidley Austin

250 € pro Woche

Praktikum bei Sidley Austin

Simmons & Simmons

450 € pro Monat

Praktikum bei Simmons & Simmons

Weil

1.000 € pro Monat

Praktikum bei Weil

White & Case

500 € pro Monat

Praktikum bei White & Case

DLA Piper

400 € pro Monat  

 

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  • Horizonterweiterung

Ein Praktikum in einer fremden Stadt (oder sogar einem fremden Land) dürfte zudem dabei helfen, selbstständiger und offener für Neues zu werden.

 

Die Chance, über den Tellerrand des heimischen Studienortes hinauszublicken, bedeutet dabei nicht zuletzt - auch außerhalb der eigentlichen juristischen Tätigkeit - eine wohltuende Abwechslung zum Studienalltag.

 

Dabei wird jedes anspruchsvolle Praktikum mit Herausforderungen einhergehen, an denen man wächst: Professionellen Volljuristen zu assistieren und im Optimalfall an echten Mandaten mitzuarbeiten, ist nämlich eine durchaus fordernde und mit dem Studienalltag nicht zu vergleichende Aufgabe. Schließlich geht es nun um echte Menschen, deren Probleme und vor allem um reale wirtschaftliche Interessen des Vorgesetzten bzw. Arbeitgebers. Eigene Aufgaben erzeugen in diesem Umfeld, auch wenn sie noch so klein und nebensächlich sind, ein deutlich stärkeres Verantwortungsgefühl und damit einhergehend eine gesteigerte Aufmerksamkeit. Der Praktikant wird von diesen aus der Praxis heraus generierten Aspekten wesentlich mehr – und auf andere Weise - gefordert als sonst im theoretischen Studienalltag.

 

Der Weg zu Deinem Wunschpraktikum

  • Wissen, was man will

Bevor du damit beginnst, dich zu bewerben, solltest du dir genau überlegen, was du dir von Deinem Praktikum erwartest und welche Institutionen am besten zu Deinen Vorstellungen passen. Bei diesem Schritt musst du dich dann auch darüber informieren, ob du die wesentlichen Voraussetzungen für die jeweilige Stelle weitgehend erfüllst. Bei Unklarheiten ist es von Vorteil, zuerst die jeweilig verantwortliche Person zu kontaktieren, bevor du Deine Bewerbung  „ins Blaue hinein“ einreichst.

 

  • Herausfinden, wer wirklich Praktikanten möchte

Sobald du dich auf die Suche nach einem Praktikumsplatz begibst, solltest du dir sicher sein, dass der jeweilige Arbeitgeber auch tatsächlich daran interessiert ist, Praktikanten zu betreuen. Ohne dass eine konkrete Stelle für ein juristisches Praktikum ausgeschrieben ist, lohnt sich eine Bewerbung nämlich meistens nicht. Gerade kleinere Kanzleien halten – sofern sie überhaupt zusätzliche Arbeitskräfte benötigen – lediglich nach Rechtsreferendaren oder Rechtsanwälten Ausschau, die für den unmittelbaren Berufseinstieg bereit sind. Sich nicht bei den „falschen“ Arbeitgebern zu bewerben, spart daher Zeit und vermeidet Enttäuschungen. Absagen haben in solchen Fällen oftmals gar nichts mit der eigenen Bewerbung zu tun, sondern liegen eher an der internen Organisation der Einrichtung. Mittlere und Großkanzleien sowie (international tätige) Firmen rekrutieren stattdessen ihren Nachwuchs am liebsten aus den eigenen Reihen. Sie beschäftigen deshalb gerne bereits im Vorfeld Studenten bzw. Praktikanten mit dem Potenzial, irgendwann auch den Einstieg als Referendar oder Volljurist bei ihnen zu schaffen.

 

  • Persönlich werden

Viele Praktika werden ohne ein persönliches Gespräch vergeben, da es dem Arbeitgeber genügt, mithilfe einer „Bewerbungsmappe“ die grundsätzliche Eignung des Bewerbers für ein Pflichtpraktikum zu ermitteln. Besonders häufig ist dies der Fall, wenn der potenzielle Praktikant in einer vom späteren Arbeitsplatz weit entfernten Stadt wohnt. Deswegen kann es auch durchaus sinnvoll sein, vor der Bewerbung (zu Informationszwecken) oder beim Warten auf eine Rückmeldung, den zuständigen Personalverantwortlichen anzurufen. Ein kurzes persönliches Gespräch bietet unter anderem die Chance, sich von anderen, weniger engagierten Bewerbern abzusetzen und direkt mit der eigenen sozialen Kompetenz und Persönlichkeit zu punkten. So kann man sich als reale Person vorstellen und bleibt nicht nur eines von vielen „leblosen“ pdf-Dokumenten im E-Mail-Postfach. Diese persönliche und direkte Note kann, besonders in der Masse gleichermaßen gut qualifizierter Bewerber, durchaus auch einmal den Ausschlag geben.
 

  • Stay patient!

Die meisten Unternehmen, bei denen du dich bewerben wirst, bekommen jeden Tag unzählige Anschreiben. Dementsprechend haben die Personalverantwortlichen zumeist eine riesige Auswahl an potenziellen Arbeitnehmern und suchen sich natürlich nur diejenigen aus, die ihrer Ansicht nach fachliche und soziale Kompetenz am besten vereinen. Daher muss man, auch bei grundsätzlich passender persönlicher Eignung, mit einer Vielzahl von Absagen rechnen. Hierbei gilt: Zahlreiche Bewerbungen versenden und nicht entmutigen lassen! Um sich selbst weiterentwickeln zu können und um die eigene Bewerbung weiter zu optimieren, kann man den jeweiligen Ansprechpartner übrigens auch im Fall einer Absage per E-Mail um ein kurzes telefonisches Feedback-Gespräch bitten und so trotzdem von der gescheiterten Bewerbung profitieren.

 

  • Der frühe Vogel fängt den Wurm

Personalverantwortliche haben zunächst ein Interesse daran, für ihre offenen Stellen geeignete Arbeitnehmer zu finden. Zudem wollen sie aber auch die entsprechenden Arbeitsplätze möglichst zeitnah besetzen, um Planungssicherheit zu erlangen und unnötigen Stress zu vermeiden.

 

Daher macht es Sinn, sich frühzeitig zu bewerben, also mindesten sechs, besser aber noch neun bis zwölf Monate im Voraus!

 

Denn: Wer zuerst kommt, mahlt bekanntermaßen auch zuerst …

 

Von der Jura-Theorie in die Praxis

Festhalten können wir, dass sich ein zu Deinen Vorstellungen passendes Praktikum garantiert lohnt! du wirst neue berufliche Kontakte knüpfen, relevante Praxiserfahrung sammeln und letztlich damit deinen Lebenslauf maßgeblich erweitern. Wenn dir das Praktikum zusagt, startest du außerdem zusätzlich mit einem riesigen Motivationsschub ins nachfolgende Semester. du profitierst nicht nur von einer (möglichen) Vergütung, sondern auch von der Abwechslung zum Studienalltag und Deiner persönlichen Horizonterweiterung. Es gibt also durchaus zahlreiche Gründe, motiviert und engagiert nach einem adäquaten Platz für die praktische Studienzeit zu suchen.

Im Rahmen des dann anstehenden Bewerbungsprozesses solltest du zuerst nach solchen Arbeitgebern Ausschau halten, die am ehesten zu dir passen, und erörtern, welche Kanzleien und Unternehmen wirklich an Praktikanten interessiert sind. Anschließend kannst du dir im Rahmen des Auswahlverfahrens Vorteile verschaffen, wenn du (dezent) den persönlichen Kontakt zu den jeweiligen Ansprechpartnern suchst, geduldig bist und dich wirklich früh bewirbst.

 

Dann steht deinem Traumpraktikum wirklich nichts mehr im Wege!

 Jetzt, wo du Vieles über Praktika erfahren hast, lohnt es sich, einen Blick auf aktuelle Praktika Stellenangebote unserer exzellenten Partner-Kanzleien zu werfen und dich rechtzeitig zu bewerben.

 


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Über den Autor

Julian Wagner - Autor TalentRocket

Julian Wagner

studiert im 7. Semester Jura in Würzburg und ist seit Dezember 2017 als Autor für TalentRocket tätig. Nebenbei schreibt er auch für seinen Blog „Studi-Tipps: Jura“

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