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LL.M.-Studiengänge im Ausland

2 Erfahrungsberichte über den Master of Laws in London und Chicago...


verfasst von Hüveyda Asenger und veröffentlicht am 29.06.2018

 

Die Zusatzqualifizierung LL.M. gewinnt immer mehr an Wichtigkeit. Längst gehört der Doktortitel nicht mehr zu der einzigen Zusatzqualifizierung eines Juristen. Vorteile bietet der LL.M. vor allem bezogen auf den relativ kurzen Zeitraum (ca. ein Jahr) sowie wichtiger Auslandserfahrung, die mit diesem einhergehen. Ist die Entscheidung für einen Master gefallen, stellt sich im zweiten Schritt die entscheidende Frage, welcher konkret in Betracht kommt. Die Angebote sind vielfältig. Neben Möglichkeiten im In- und Ausland spielt natürlich auch die inhaltliche Ausrichtung eine tragende Rolle. Für diejenigen, die unentschlossen sind, folgen Einblicke in zwei LL.M.-Studiengänge in Chicago und London, die einen realistischen Eindruck über deren Voraussetzungen und Hürden geben.  

 

Der LL.M. an der University of Chicago

5 Fragen an Johannes Persch, der aktuell dabei ist, seinen LL.M. an der University of Chicago zu absolvieren:
 

1. Wie bist du auf den LL.M.-Studiengang gekommen und was hat dich im Vorfeld im Gegensatz zu anderen Universitäten überzeugt?

Ein wichtiges Kriterium war für mich die Programmgröße. In Chicago sind wir um die 90 LL.M.-Studenten, was es ermöglicht, wirklich alle kennenzulernen aber gleichzeitig groß genug ist, um sehr unterschiedliche Menschen zu treffen. Außerdem haben wir dadurch fast alle Kurse gemeinsam mit J.D.s und können diese dadurch auch besser kennenlernen. Die University of Chicago ist fachlich berühmt für die ökonomische Analyse des Rechts (u.a. Richard Posner unterrichtet hier), was für mich ein weiterer Faktor war. Als letzter Grund, warum ich mich letztlich für Chicago entschieden habe ist noch zu nennen, dass der Kontakt hier am unkompliziertesten und vertrauensvollsten war (u.a. musste man keine „Kaution“ hinterlegen, um sich einzuschreiben, sondern eine einfache E-Mail hat gereicht).
 

2. Wie viel Aufwand hat der Bewerbungsprozess erfordert?

Eine Menge Aufwand. Man braucht einen TOEFL-Test, sämtliche Zeugnisse auf Englisch und Deutsch und muss diese von der Uni bzw. vom Landesjustizprüfungsamt an das LSAC (eine Organisation, die die Zeugnisse prüft und an die Unis sendet – und dabei unverschämte Gebühren verlangt) schicken. Ich würde raten, etwa ein Jahr vor Bewerbungsfrist mit der Planung zu beginnen, d.h. zwei Jahre vor Start des Programms.
 

3. Wie fandest du den LL.M. inhaltlich, welche Vor- und Nachteile gab es insgesamt?

Inhaltlich ist der LL.M. hervorragend. Alle meine Vorlesungen und Seminare waren extrem interessant. Ich habe vergleichsweise wenige Kurse in amerikanischem Recht belegt, sondern vor allem methodische Kurse (z.B. ökonomische Analyse des Rechts, Public Choice, Behavioral Law and Economics…). Interessant ist, dass ein sehr viel ausgeprägterer Dialog zwischen Professoren und Studenten stattfindet als in Deutschland. In manchen Kursen, gerade mit den jüngeren JDs kann das allerdings auch ermüden – nicht immer sind alle Ideen der anderen Studenten grandios. Spannend ist vor allem aber auch der Austausch mit den anderen LL.M.s aus verschiedenen Jurisdiktionen – da alle LL.M.s bereits ein abgeschlossenes Jurastudium hinter sich haben und viele bereits als Anwalt oder in anderen Berufen gearbeitet haben kommen hier wirklich gute Gespräche zustande.
 

4. Was würdest du Bewerberinnen und Bewerbern raten und hat sich der LL.M. für dich gelohnt?

Ich rate unbedingt zum LL.M. Ich hatte eine großartige Zeit und habe viele neue Erfahrungen gemacht. Bewerbern rate ich, sich früh um den LL.M. zu kümmern, es ist eine Menge Arbeit. Dafür ist der LL.M. dann jedenfalls im Vergleich zum Staatsexamen wesentlich entspannter und es bleibt genug Zeit zum Reisen und Feiern.

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5. Wie hast du dir den LL.M. finanziert, welche Hürden müssen hierbei beachtet werden?

Ich hatte das Glück, den LL.M. fast komplett mit Stipendien finanzieren zu können. Für einen LL.M. in den USA sollte man mit Kosten von etwa 90.000 USD rechnen. Leider gibt es kaum ein Stipendium in Deutschland, dass die komplette Last übernimmt und viele Stipendien sind nicht miteinander kombinierbar. Einige Universitäten geben jedoch z.B. Nachlässe in den Studiengebühren, was sehr hilfreich ist. In jedem Fall sollte man sich auch hier rechtzeitig informieren, die wenigsten deutschen LL.M.-Studenten schaffen es komplett ohne eigenes Geld oder Kredit. Auch Kredite sind in Deutschland aber vergleichsweise rar. Wer einen LL.M. macht, sollte sich bewusst sein, dass es unglaublich teuer wird.

Wegen dieser finanziellen Hürden sind die meisten Master of Laws Studenten relativ wohlhabend. Bei gemeinsamer Freizeit- und Urlaubsplanung ist es daher sinnvoll, den anderen sein eigenes Budget rechtzeitig mitzuteilen.

 

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Der LL.M. am King‘s-College in London, intellectual Property & Information Law

5 Fragen an Thomas Hohendorf, der den LL.M. bereits absolviert hat
 

1. Warum hast du dich für das King‘s College in London entschieden und was hat dich überzeugt – vor allem im Vergleich zu anderen Universitäten?

Nachdem ich mich für England als Ziel meines Auslandsjahres entschieden habe, war die Auswahl der Universitäten auf das King’s College London begrenzt. Andere Universitäten bot meine Heimat-Universität im Rahmen ihres Austauschprogramms für ein LL.M.-Studium nicht an. Dennoch eilt dem King’s College im Allgemeinen und der juristischen Fakultät im Besonderen ein hervorragender Ruf voraus. Die Vielzahl an speziellen LL.M.-Kursen sowie die international renommierten Dozenten lassen sprichwörtlich keine Wünsche offen. Hinzu kommt die Lage in einer pulsierenden, vom Zusammenkommen vieler Kulturen geprägten Weltstadt. Zwar braucht sich Berlin nicht hinter London zu verstecken. Doch jeder, der schon einmal in der britischen Hauptstadt verweilen durfte, kennt den besonderen Charme dieses Ortes an der Themse.

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2. Wie aufwändig ist der Bewerbungsprozess?

Natürlich bringt ein solcher einjähriger Auslandsaufenthalt einen gewissen Aufwand an Vorbereitung und Bewerbung mit sich. Dies fängt schon mit dem erforderlichen Sprachtest an. Für die Bewerbung zur Teilnahme an dem Austauschprogramm bedurfte es neben all den Zeugnissen bzw. Nachweisen zusätzlich eines Motivationsschreibens. Weitere Dokumente waren zu diesem Zeitpunkt nicht von Nöten, insbesondere mussten nicht etwaige Empfehlungen von Professoren eingereicht werden (diese Hürde könnten möglicherweise „reguläre“ LL.M.-Studenten genommen haben). Mit der Zusage war dann keine zusätzliche Bewerbung beim King’s-College notwendig. Vielmehr wurde man von der Humboldt-Universität vorgeschlagen. Daher hielt sich der Aufwand für die Bewerbung wahrlich in Grenzen. Bewerbungen für Stipendien stellen sich m.E. als schwieriger und aufwändiger dar.
 

3. Wie war der LL.M. inhaltlich ausgestaltet?

Inhaltlich war der von mir gewählte LL.M. in Intellectual Property & Information Law ein wahrer Glücksfall. Meine Leidenschaft für diese Rechtsgebiete habe ich schon während meines Studiums in Deutschland entdeckt und lebe diese auch in meiner Promotion aus. Die internationale Ausrichtung des LL.M. und in den gelehrten Fächer geben dem auf das heimische Recht eher fokussierten deutschen Jurastudenten einen umfangreichen Einblick in andere Rechtskreise. Zusammenhänge und Unterschiede treten hervor und lassen den Einzelnen einen kritischeren Blick auf den Status Quo im eigenen Land entwickeln.

Ebenso kann ein solcher LL.M. Ausgangspunkt für weitere Forschungsvorhaben oder einer beruflichen (Neu-)Orientierung sein.

Zumindest gibt er einem genügend Input – nicht zuletzt durch die vielen Dozenten aus der Praxis. Gerade Letzteres kann sehr belebend sein nach all den Monaten der Examensvorbereitung für das erste Staatsexamen. Nachteilig wirkt sich nur die Größe der Gruppen in den einzelnen Kursen aus. Zwar kann man bei so vielen Programmstudenten genügend neue Leute kennenlernen und Freunde aus anderen Ländern finden. Nehmen dann aber mehr als vierzig Leute an den Kursen teil, leidet naturgemäß die Diskussion. Häufig neigen Dozenten in diesen Fällen dann zu einem Frontalunterricht. Kleinere Gruppen wären erstrebenswert.
 

4. Was würdest du zukünftigen Bewerberinnen und Bewerbern raten - und hat sich der LL.M. für dich gelohnt?

Wenn die Finanzierung geklärt ist, würde ich einem jeden Jurastudenten ein LL.M.-Studium im Ausland empfehlen. Es kann nicht nur fachlich eine enorme Bereicherung sein, sondern es verbessert auch die Sprachkenntnisse ungemein. Hinzu kommen natürlich all die Annehmlichkeiten, die mit einem Auslandsstudium einhergehen – kultureller Austausch, Unabhängigkeit, neue Eindrücke und Freunde, Partys, unvergessliche Momente und Erfahrungen. All dies macht das Auslandsjahr so besonders. Und unvergesslich.
All dies führte nahezu unweigerlich auch dazu, dass der LL.M. sich für mich gelohnt hat. Ich möchte dieses Jahr nicht missen. Insbesondere aus fachlicher Sicht hat der Zugang zu verschiedenen Datenbankenund Bibliotheken sowie die Teilnahme an einigen Kursen maßgeblich den thematischen Fokus meiner zuvor bereits begonnenen Dissertation beeinflusst. Und den positiven Einfluss auf die Sprachkenntnisse brauche ich hier nicht noch einmal erwähnen.

Wer sich bereits grundsätzlich für einen LL.M. entschieden hat, sollte das Augenmerk auf die Lage und das Renommee der in Betracht kommenden Universitäten legen. Wer schon bestimmte Rechtsgebiete im Kopf hat, sollte auch die in den einzelnen LL.M.-Studiengängen angebotenen Kurse vergleichen. Entsprechend einfacher ist auch die Formulierung des Motivationsschreibens.
 

5. Wie hast du dir den LL.M. finanziert, welche finanziellen Hürden muss man im Vorfeld beachten?

Ein solches Studium ist bekanntermaßen sehr kostenintensiv. Wenn man nicht das Glück hat und durch ein Stipendium oder der Teilnahme an einem Austauschprogramm zumindest einen Teil der Kosten einsparen zu können, ist der Rückgriff auf Erarbeitetes, Erspartes und die Verwandtschaft unausweichlich. Neben den Studienkosten von bis zu 19.000 EUR kommen in einer Großstadt wie London durch die teuren Mieten leicht noch 1200–1500 EUR Lebenserhaltungskosten pro Monat hinzu. Bedenkt man jedoch, welche Türen sich nach einem solchen Studium sich in mancher (Groß-)Kanzlei öffnet, können diese Ausgaben regelmäßig in den kommenden Jahren amortisiert werden. Und wie heißt es so schön: Solche Gelegenheiten wie ein Auslandsjahr bekommt man in dieser Form nie wieder. Menschlich bringt es einen einfach weiter.

 

Es gibt inzwischen eine breite Vielfalt an LL.M.-Studiengängen, die fast jeden Rechtsbereich abdecken und sich vor allem in beruflicher Hinsicht lohnen. Vorab sollte geklärt werden, ob die finanziellen Hürden überwunden werden können oder sonstige Finanzierungsmöglichkeiten in Betracht kommen, wie etwa Stipendien, die teilweise sogar von Kanzleien vergeben werden.
 


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Über den Autor

Hüveyda Asenger

hat Jura an der Freien Universität Berlin studiert und arbeitet derzeit als wissenschaftliche Mitarbeiterin in einer Kanzlei.

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