LL.M. ohne Studiengebühren oder kostengünstiger?

Verfasst von Finn Holzky

LL.M. Kosten & Finanzierungsmöglichkeiten

Ist der Master of Laws Titel auch für den kleinen Geldbeutel machbar?

Studienstationen im Ausland gehören heute für die meisten Studenten zum guten Ton. So ist es wenig verwunderlich, dass sich auch der LL.M. als konsekutiver Auslandsstudiengang unter Juristen immer mehr etabliert. Zudem sind sowohl die im Vergleich zum Doktortitel niedrigeren Zugangshürden, als auch der geringere zeitliche Aufwand, gute Argumente für den LL.M. als Titel der Wahl. Nur ein Problem stellt sich gerade beim LL.M. so gut wie immer – denn gerade billig ist er nicht. Abhängig vom Studienstandort, dem eigenen Lebensstandard und dem Renommée der Universität, kann ein LL.M. Titel ganz schnell 50.000 Euro und mehr kosten. Eine Summe, die für viele gar nicht bzw. nur mit erheblichen Problemen oder durch die Aufnahme von vielen Schulden aufzubringen ist. Doch die gute Nachricht lautet: Es gibt Alternativen!

Wer einen LL.M. machen möchte, der hat in erster Linie 3 Fragen zu klären:

  • In welchem Land bzw. in welcher Sprache soll der LL.M. absolviert werden?
  • An welche Universität soll es gehen?,
  • Wie soll der LL.M. finanziert werden.

Alle drei Fragen bieten dabei ein breites Spektrum an Antworten, die sich jeweils auf die Gesamtkosten des LL.M. auswirken. Wir decken die Sparpotentiale auf!

1. Wo kann ich günstig einen LL.M. machen?

Bereits bei der Wahl des Landes stellen sich die ersten Weichen bezüglich des Endpreises. Die schlechte Nachricht für viele Interessierte ist, dass ein LL.M. in den USA ziemlich sicher die teuerste Variante ist. Das liegt in erster Linie daran, dass die Studiengebühren in den USA sehr hoch sind und anders als in vielen anderen Ländern gibt es nur selten spezielle Gebühren für ausländische Studenten.

Andererseits empfiehlt es sich in den USA, obwohl es für uns Deutsche sehr ungewohnt ist, die Studiengebühren persönlich nachzuverhandeln. Die Universitäten in den USA stehen in einem viel größeren Konkurrenzverhältnis zueinander, als es bei uns zu Lande der Fall ist. So ergibt es sich, dass Discounts häufig direkt dem Studenten gegenüber gewährt werden, um ihn für die Universität zu gewinnen. Dennoch sind die Kosten für einen LL.M. in den USA am Höchsten und liegen Durchschnittlich bei 35.000 bis 70.000 Dollar.

Deutlich günstiger ist der LL.M. Titel in Europa zu haben. Zwar gibt es auch hier gravierende Unterschiede, doch sind insbesondere die Studiengebühren deutlich günstiger als in den USA. Selbst Elite-Universitäten wie Cambridge und Oxford verlangen „nur“ rund 10.000 Euro Studiengebühren für die einjährigen LL.M. Studiengänge. Die amerikanischen Elite-Universitäten wie Yale, Harvard und Co. in den USA fallen hingegen mit Studiengebühren in Höhe von rund 40.000 Dollar ins Gewicht. Verzichtet man auf das Prestige der Avantgarde, sinken die Kosten in Großbritannien noch einmal deutlich. Durchschnittlich betragen die Studiengebühren rund 4.000 Pfund.

Wirklich günstige LL.M. Programme lassen sich jedoch auch in Großbritannien nicht finden. Wohl aber in Osteuropa! Sind die Universitäten in Russland oder Lettland noch relativ teuer, lassen sich in Ungarn und Polen die echten Schnäppchen schlagen. An der durchaus bekannten Andrássy Universität in Budapest zum Beispiel betragen die Studiengebühren nur rund 925 Euro im Semester. Auch die Universität Krakau bietet erschwingliche Programme mit Kosten von rund 4500 Euro an, von denen jedoch ein Drittel durch das universitätseigene Stipendienprogramm übernommen werden kann.

Auch Skandinavien ist ein wirklicher Hotspot für Sparfüchse bei den Studiengebühren, denn eben diese gibt es hier nicht. Wer in Dänemark, Schweden oder Norwegen studiert, der hat auch als ausländischer Student in der Regel keine Studiengebühren zu zahlen. Allerdings knüpfen hieran unter Umständen weitere Bedingungen und es gibt noch einen anderen Wermutstropfen, denn in den skandinavischen Ländern ist das Leben deutlich teurer als bei uns, weshalb die Ersparnis bei den Studiengebühren schnell aufgebraucht ist.

Weitere Alternativen, die in den letzten Jahren zunehmend an Beliebtheit gewonnen haben, sind Universitäten in Südafrika, Australien, Neuseeland und Asien, insbesondere China. Neben moderater Notenanforderungen sind auch die Studiengebühren und Lebenshaltungskosten oftmals deutlich geringer als beispielsweise in den USA. Gleichzeitig hat man dennoch den Vorteil, Einblicke in ein anderes Rechtssystem zu erhalten!

Schließlich gibt es noch eine weitere, recht überraschende Alternative um möglicherweise Geld zu sparen: Ein LL.M. Programm an einer deutschen Universität. In der Tat erscheint diese Option vielen LL.M. Interessenten als sehr abwegig, kommt es ihnen schließlich auch auf die Auslandserfahrung und die Fremdsprache an. Dem ist auch wenig entgegenzusetzen. Doch mit durchschnittlich knapp 4000 Euro Studiengebühren für einen LL.M. und den wegfallenden Sonderkosten für einen längeren Aufenthalt im Ausland, kann ein LL.M. in Deutschland zumindest eine sehr günstige Variante darstellen.

💡 Wichtig: Ein Blick auf Wechselkurse kann sich lohnen!

Neben den Studiengebühren kann auch ein weiterer Faktor für oder gegen ein bestimmtes Land sprechen. Die Rede ist von den Wechselkursen. Der Euro ist, anders als viele denken, in den letzten Jahren häufig gestiegen und gefallen. Noch volatiler waren allerdings ausländische Währungen, wie beispielsweise das britische Pfund, das sich seit dem Brexit auf Talfahrt befindet.

Auch der Schweizer Franken ist nicht mehr die Bank, die er einmal war und selbst die Norwegische Krone hat Wertschwankungen. Es lohnt sich daher allemal auch ein Blick auf die Währung eines Landes und deren Verhältnis zum Euro.

2. LL.M.: An welche Universität soll es gehen?

Ist die Frage des Studienlandes geklärt, stellt sich die Frage, in welcher Stadt und an welcher Universität der LL.M. absolviert werden soll. Nachdem wir den Blick bisher hauptsächlich auf die Studiengebühren geworfen haben, richten wir diesen nun auf die Lebensunterhaltskosten. Denn auch diese variieren stark.

Ganz oben stehen hier die bereits erwähnten skandinavischen Länder. Wer sie bereits einmal bereist hat, der weiß, dass halbe Gurken für fünf Euro oder normale Pizzen vom Lieferdienst für 25 Euro in Norwegen keine Seltenheit sind. Auch die Mieten sind in der Regel erheblich höher als wir es in Deutschland gewohnt sind.

Großbritannien gehört ebenfalls zu den teureren Regionen Europas und vor allem die Großstädte weisen echte Preisexplosionen bei den Mieten aus. Selbst verhältnismäßig günstige Studiengebühren an Londoner Universitäten fallen somit kaum ins Gewicht, sind die alltäglichen Kosten dort schließlich um ein vielfaches höher als in anderen Städten.

In den USA sind die Lebensunterhaltskosten ebenfalls relativ hoch, variieren jedoch sehr zwischen den verschiedenen Universitäten. Insbesondere die Großstädte, aber auch die nähere Umgebung der häufig ländlicheren Elite-Universitäten sind exorbitant teuer. Kleinere und ländlichere Universitäten hingegen bieten deutlich günstigere Bedingungen.

Wirklich günstig leben kann man hingegen in großen Teilen Osteuropas. Hier sind vernünftige Unterkünfte für 200 bis 300 Euro zu haben und auch die übrigen Kosten sind deutlich erschwinglicher als irgendwo anders. Entscheidet man sich für ein Studium in Osteuropa, darf es auch gerne eine Universität in einer größeren Stadt sein, wobei die Hauptstädte wie Prag, Krakau oder Moskau dennoch im Verhältnis zum Rest des Landes teurer sind.

Tendenziell gilt auch im Ausland, dass die meisten Studienstädte günstiger sind, als große Metropolen. Ausnahmen bestätigen jedoch auch hier die Regel!

3. Kostenüberblick: Lebenshaltungskosten und Studiengebühren

Law School

Cost of living Tuition fees

USA

 

 

Northwestern Pritzker School of Law  

12.600 $

67.066 $

Washington University School of Law

21.500 $

56.810 $

Boston University School of Law

17.500 $

52.000 $ 

University of San Diego School of Law

26.500 $

1.820 $ per credit

University of Connecticut School of Law

22.216 $

28.560 - 31.824 $

Deutschland

   

Ruhr-Universität Bochum

k.A. 3.500 €

Frankfurt School of Finance & Management

k.A. 20.000 - 24.800 €

Dresden International University (DIU)

k.A.

12.000 - 20.000 €         

Westfälische Wilhelms Universität Münster / JurGrad gGmbH

k.A.

9.900 - 14.700 €

Peter A. Allard School of Law - University of British Columbia (UBC)

26.000 $ 31.986 - 36.358 $ 

Frankfurt School of Finance & Management

k.A. 20.000 - 24.800 €

Institute for Law and Finance, Goethe University Frankfurt am Main

800 - 1.000 € /Monat

18.000 - 20.000 €

Brandenburgische Technische Universität Cottbus-Senftenberg

600 - 880 € / Monat 500 € pro Semester

IUBH Fernstudium

k.A. 11.983 €
Europa    
IE Law School (Spanien) 1.200 - 2.000 € / Monat 31.700 - 39.700 €

Erasmus School of Law (Niederlande)

300 - 970 € / Monat

2.078 - 5.500 € 

LL.M. in International Business Law Université libre de Bruxelles (Belgien)

k.A. 4.900 €

 

k.A. 4.900 €

Einblicke ins LL.M.-Studium

4. Wie kann ich einen LL.M. finanzieren?

Egal, wo man den LL.M. macht, er kostet Geld. Geld, das Studierende oft nicht haben. Dennoch gibt es auch verschiedene Möglichkeiten seinen LL.M. zu finanzieren.

  1. Finanzierung aus eigenen Mitteln. Wer die Kosten für einen LL.M. selber stemmen kann, ist natürlich in der besten Position. Oft macht auch eine gemischte Finanzierung aus eigenen und aus Fremdmitteln Sinn!
  2. Stipendien. Vollstipendien sind im Rahmen eines LL.M. allerdings sehr schwer bis gar nicht zu bekommen, da hier außergewöhnlich hohe Anforderungen gestellt werden. Selbst ein sehr gutes Prädikatsexamen reicht da noch lange nicht aus. Relevanter sind Teilstipendien, die sich an den Studiengebühren beteiligen oder ein monatliches Taschengeld auszahlen. Wer sich ein Stipendium erhofft der sollte bereits mindestens ein Jahr im Vorfeld beginnen, sich zu informieren und zu bewerben. Zu erwähnen sind hier insbesondere die Stipendien des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) und der Studienstiftung des Deutschen Volkes. Weitere private und öffentliche Stipendien lassen sich mit einer kurzen Recherche im Internet ausfindig machen. 

    Oftmals unterstützen auch Arbeitgeber, insbesondere Großkanzleien, das LL.M.-Vorhaben ihrer Associates mit Stipendien von bis zu 10.000 Euro. Die Unterstützung ist an individuelle Bedingungen geknüpft, es lohnt sich sehr, sich hier zu informieren.
  3. Finanzierung auf Kredit. Wer kein oder zu wenig eigenes Geld hat und auch kein Glück bei der Bewerbung für ein Stipendium hatte, der kann auf Bildungskredite der Banken und Sparkassen zurückgreifen. Hier werden individuelle und günstige Lösungen für Studierende gesucht und gefunden. Eine persönliche Beratung sollte daher immer aufgesucht werden.

Es gibt natürlich noch weitere Finanzierungsmöglichkeiten, die sich jedem individuell eröffnen können, wie beispielsweise Bezuschussungen durch die Kirchen oder bei späteren LL.M.-Vorhaben auch die Finanzierung durch den Arbeitgeber. Jeder sollte daher seine persönlichen Möglichkeiten noch einmal genau ausloten.

Die Kosten für einen LL.M. sind also zurecht ein wichtiges Thema für Studenten. Sie sollten jedoch kein Hindernis sein. Wer wirklich ein LL.M. hinter seinen Namen platzieren möchte, der wird auch einen Weg mit verhältnismäßig wenig Geld finden. Ein genauer Blick auf die Studiengebühren und die Kosten vor Ort, sowie eine frühzeitige Planung von etwaigen externen Finanzspritzen werden die Kosten auf jeden Fall reduzieren. Im Zweifel sollten vor allem die Fixkosten wie Miete oder Studiengebühren klein gehalten werden!