Steuerberaterin rechnet mit Taschenrechner

Verfasst von Laura Hörner. Veröffentlicht am 28.03.2022.

Fortbildung zum Steuerberater für Jurist:innen

Weiterbildung, Kosten, Voraussetzungen & Co.

Zahlen, Zahlen, Zahlen: Was für die einen ein Horror ist, von dem können die anderen nicht genug bekommen. Jurist:innen gehören in der Regel zu Ersteren - ihnen wird gerne nachgesagt, dass sie gerade deshalb Jura studiert haben, weil sie bloß nichts mit Zahlen zu tun haben möchten. Dass dieses Vorurteil aber bei Weitem nicht auf jeden zutrifft, zeigen alle, deren Berufswunsch es ist, Steuerberater:in zu werden. Wenn auch du diesen Beruf ergreifen möchtest, dann erfährst du hier unter anderem, welche Ausbildung dafür notwendig ist, welche Voraussetzungen zu erfüllen musst und wie teuer und schwierig die Prüfung ist.

Als Jurist:in Steuerberater:in werden: Diese Voraussetzungen musst du erfüllen

Die Grundvoraussetzung für die Zulassung zur Steuerberaterprüfung ist eine abgeschlossene Ausbildung plus ausreichend steuerbezogene Praxiserfahrung. Mit einem Jurastudium hast du also schon einmal die erste Voraussetzung für die Prüfung erfüllt. Wie viel Praxiserfahrung du vorweisen musst, hängt von der Dauer deiner Ausbildung aus. Bei einer Regelstudienzeit von weniger als acht Semestern (zum Beispiel ein LL.B) werden drei Jahre Berufserfahrung benötigt. Bei mehr als acht Jahren Regelstudienzeit (zum Beispiel ein klassisches Jurastudium oder Bachelor plus Master) reichen zwei Jahre Berufserfahrung aus. Diese muss mindestens 16 Wochenstunden betragen und entweder die Beschäftigung mit deutschen Steuern oder die Einrichtung und Kontrolle der Buchhaltung beinhalten. Es ist nicht notwendig, dass du die Berufserfahrung am Stück absolviert hast!

Die formellen Bedingungen sind eine Sache – natürlich solltest du aber auch andere Voraussetzungen mitbringen, um in diesem Job arbeiten zu können. Wenn du bereits den Wunsch hast, Steuerberater:in zu werden, dann ist das wahrscheinlich schon der Fall. So solltest du einerseits gut mit Zahlen umgehen können und auch Spaß daran haben, jeden Tag mit einer Menge an Daten umzugehen. Andererseits solltest du ein gutes wirtschaftliches Verständnis haben, um deine Mandanten angemessen beraten zu können. Auch das Steuerrecht sollte dir als Jurist:in sicher nicht im Weg stehen. In deinem Studium hast du gelernt oder wirst du noch lernen, dass es bei Jura auf die kleinsten Details ankommen kann. Genauso verhält es sich bei den Steuern: Du solltest also gründlich und konzentriert arbeiten können und keine Fehler machen. Zu guter Letzt muss dein Auftritt nach außen stimmen. Eine gute Kommunikationsfähigkeit, keine Vorstrafen sowie geordnete Vermögensverhältnisse (also keine Insolvenz) gehören zu den Grundvoraussetzungen für Steuerberater:innen.

Anspruchsvoll & hohe Durchfallquote: So sieht die Steuerberaterprüfung aus

Zwar ist die Prüfung zum Steuerberater vielleicht nicht ganz so schwierig und umfangreich wie das Staatsexamen, dennoch gilt sie als sehr anspruchsvoll – 2020 sind rund 47 % der Prüflinge an der schriftlichen Prüfung gescheitert. Konkret besteht die Prüfung aus drei Klausuren, für welche du jeweils sechs Stunden Bearbeitungszeit bekommst. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf Verfahrensrecht, Bilanzsteuerrecht sowie Ertragssteuerrecht. Die schriftliche Prüfung ist jedoch nur die erste Hürde auf dem Weg zu deinem Traumjob: Ist diese erst einmal geschafft, musst du noch die mündliche Prüfung bestehen. Diese dauert rund 90 Minuten und umfasst sechs Prüfungsgebiete. Zudem gehört ein kurzer Vortrag zu einem betriebs- und volkswirtschaftlichen Thema dazu, das du vor dem Beginn der Prüfung erhältst.

Beaufsichtigt und bewertet werden deine Leistungen von einer sechsköpfigen Prüfungskommission, welche für die beiden Prüfungsteile Noten vergibt. Bestanden hast du, wenn du auf einer Skala von 1 bis 6, welche du schon aus der Schule kennst, mindestens eine 4,15 erreichst, wobei die mündliche und schriftliche Prüfung zu gleichen Teilen in die Bewertung einfließen.

Bestehst du die Prüfung nicht, dann ist der Traum jedoch noch nicht ausgeträumt: Selbstverständlich bekommst du eine zweite Chance. Sogar ein drittes Mal kannst du die Prüfung wiederholen. Wenn es dann nicht klappt, ist aber wirklich Schluss.

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Mit der richtigen Vorbereitung zur Steuerberaterprüfung

Zu der Prüfung zum Steuerberater kannst du nicht einfach mal so aufkreuzen, sondern du musst dich intensiv vorbereiten. Neben deiner praktischen Erfahrung kannst du das benötigte Wissen am besten mithilfe einer Weiterbildung beziehungsweise im Rahmen eines Lehrgangs erlangen. Dies ist nicht vorgeschrieben, du kannst dir den Stoff theoretisch also auch selbst aneignen. So wie auch schon die Repetitorien im Jurastudium sind entsprechende Lehrgänge allerdings sehr zu empfehlen. Dabei gibt es ein breites Angebot, das sich auch neben deinem Job wahrnehmen lässt. Du kannst zum Beispiel am Wochenende oder am Abend einen Kurs besuchen, auch Fernlehrgänge werden angeboten.

Abhängig davon, wie viel Zeit du pro Woche investieren kannst, unterscheidet sich die Dauer der Weiterbildungen stark. Absolvierst du einen Lehrgang in Vollzeit, kannst du mit rund zwei bis vier Monaten rechnen, Fernlehrgänge können bis zu 12 oder gar 24 Monate dauern. Auch Intensivkurse werden angeboten, diese eignen sich aber nur für dich, wenn du schon sehr viel Vorwissen mitbringst.

Die Weiterbildungsangebote umfassen ein breites Themengebiet, um dich optimal auf die Prüfung vorzubereiten. Nicht jeder Kurs ist gleich, aber in der Regel wirst du alles über das steuerliche Verfahrensrecht und das Steuerstrafrecht lernen, Umsatz-, Körperschaft-, Gewerbe- und Einkommenssteuer stehen auf dem Plan, du bekommst Einblick in das internationale Steuerrecht, aber auch in die Themen Bilanzwesen und Jahresabschluss.

Zu der Prüfung zum Steuerberater kannst du nicht einfach mal so aufkreuzen, sondern du musst dich intensiv vorbereiten.

Kosten & Verdienst: Lohnt sich die Weiterbildung für Juristen?

Da es sehr viele unterschiedliche Kursangebote für angehende Steuerberater:innen gibt, variieren die Kosten auch dementsprechend. So kannst du Fernlehrgänge bereits ab 800 Euro finden, möchtest du einen Vollzeitkurs besuchen, kannst du mit bis zu 5.000 € rechnen. Deine tatsächlichen Kosten werden sich also irgendwo dazwischen befinden. Dazu kommen Prüfungsgebühren von rund 1.000 € sowie Zulassungsgebühren von etwa 200 €. Miteinbeziehen in deine Kalkulation solltest du auch Fachliteratur, die dich bis zu 500 € kosten kann. Ein möglicher unbezahlter Arbeitsausfall in Verbindung mit deiner Vorbereitung kann dich ebenfalls extra kosten.

Ob sich der Beruf des Steuerberaters letztendlich finanziell für dich lohnt, hängt von vielen Faktoren ab. Du kannst damit nach einigen Jahren Berufserfahrung ein gutes Gehalt erzielen, das sich zwischen 80.000 € und 110.000 € bewegt. Das Einstiegsgehalt ist in der Regel niedriger und liegt bei rund 55.000 € pro Jahr. Je nach Arbeitgeber oder ob du dich selbständig machst, kann es natürlich deutliche Unterschiede geben.

 

Die Prüfung zum Steuerberater ist nicht zu unterschätzen und zukünftige Steuerberater:innen sollten entsprechend in eine gute Vorbereitung investieren. Wer gut mit Zahlen umgehen kann, gerne gründlich arbeitet und ein gutes betriebswissenschaftliches Verständnis mitbringt, auf den wartet in diesem Berufsfeld auch aus finanzieller Sicht eine interessante Karriere. Ob du als Steuerberater:in mehr oder weniger verdienst als Jurist:in, lässt sich pauschal nicht beantworten. Mit beiden Berufen hast du aber gute Zukunftsaussichten. Letztendlich solltest du dich für den Job entscheiden, für den du am meisten Leidenschaft mitbringst.