Jurist Juristin Verwaltung

Verfasst von Laura Hörner. Veröffentlicht am 04.11.2020.

Verwaltungsjurist*in: Ein Job, viele Gesichter

Das machen Jurist*innen im öffentlichen Dienst 

Der Staat ist ein komplexes System – und damit er funktioniert, braucht er Menschen, die ihn zusammenhalten. Zu diesen Menschen gehören unter anderem auch viele Jurist*innen. Das ist nicht verwunderlich, denn überall, wo es komplexe Systeme gibt, fühlen sich Jurist*innen richtig wohl. Neben den üblichen Verdächtigen wie Richter*innen und Staatsanwält*innen gibt es noch eine wichtige Berufsgruppe, die im Staatsdienst nach dem Rechten sieht: Die Verwaltungsjurist*innen. Was diese Tag für Tag zu tun haben und welche Karrierewege jungen Jurist*innen hier offenstehen, schauen wir uns einmal an.
 

Wo arbeiten Jurist*innen in der Verwaltung?

Wenn von Verwaltungsjurist*innen die Rede ist, folgt darauf oft erst einmal ein großes Fragezeichen. Denn während jeder weiß, dass Jurist*innen zum Beispiel als Anwalt oder Anwältin in Kanzleien oder als Staatsanwalt oder Staatsanwältin tätig sind, als Richter*in arbeiten oder in Unternehmen angestellt sind, so bleibt das Berufsbild der Verwaltungsjurist*innen oft nur eine vage Option.

Ein Grund dafür ist unter anderem, dass die Arbeit als Verwaltungsjurist*in so vielfältig ist, dass sich kein klares Berufsbild zeichnen lässt. Dies beginnt schon bei Arbeitsplatz. Denn so groß wie die öffentliche Verwaltung ist, so groß ist auch die Auswahl der Fachbereiche. 

Verwaltungsjurist*innen finden sich zu einem großen Teil in der Kommunalverwaltung, aber auch in der Finanzverwaltung, in der Sozialverwaltung, der Gesundheitsverwaltung oder der Polizei und der Bundeswehr wieder. Sowohl beim Bund als auch bei den Ländern werden Verwaltungsjurist*innen gebraucht.

Dabei unterscheiden sich die Stellen ganz maßgeblich. Das Interessante daran: (Fast) alles, was man tut, hat Auswirkung auf die Gesellschaft und deren Mitglieder. Wie der Alltag von Verwaltungsbeamt*innen genau aussieht, erfährst du jetzt.

Arbeit in der Verwaltung: So kann es aussehen

Wer sich jetzt einen öden Schreibtischjob vorstellt, in dem ab und an ein wenig in Akten geblättert und hier und da ein Stempel unter ein Dokument gesetzt wird, der sollte sich den Beruf noch einmal genauer ansehen. Je nach Position besteht der Arbeitsalltag nämlich weniger aus Bürokratie, sondern mehr aus Organisation.

So sind leitende Jurist*innen beim Staat manchmal fast nicht mehr als solche zu erkennen, sondern übernehmen zum Beispiel Aufgaben, die denen eines Managers ähneln. Trotzdem kommen Jurist*innen beim Staat natürlich jeden Tag mit spannenden Rechtsthemen in Berührung.

Hauptaufgaben der Verwaltungsjurist*innen sind zum Beispiel die juristische Beratung sowie die Erstellung von Gutachten und die Ausstellung von Genehmigungen. Konkret kann das so aussehen:
 

1. Arbeit im Sozialreferat

Wer im Sozialreferat arbeitet, der beschäftigt sich – wie der Name schon vermuten lässt – vor allem mit sozialen Fragen. Ein konkretes Beispiel dafür ist die Ausarbeitung des Mieterspiegels. Dabei nimmt man direkt Einfluss auf die Entwicklung der Mietpreise einer Stadt und beeinflusst deren Entwicklung.

Ein weiteres Beispiel stellt der Umgang mit der Zweckentfremdung von Wohnraum dar – zum Beispiel durch Airbnb und Co., aber auch durch Leerstand oder die Umwandlung zum Gewerberaum.

→ Julian Pfeuffer berichtet über seinen Job als Jurist im Sozialreferat 
 

2. Arbeit im Referat für Stadtplanung und Bauordnung

Auch im Referat für Stadtplanung und Bauordnung geht es oft um Wohnraum. Hier wird entschieden, was gebaut wird, wo gebaut wird und wer bauen darf. Als Verwaltungsjurist bedeutet das eine Erarbeitung von Bebauungsplänen in Zusammenarbeit mit Stadtplanern, Architekten und vielen anderen.

Dabei beschäftigt man sich mit allen gesetzlichen Hürden, die die Stadtplanung so mit sich bringt: Regelungen zu Luftschadstoffen, Abstandsflächen, die Grundsätze der sozialgerechten Bodennutzung... Interdisziplinarität ist hier an der Tagesordnung.

→ Dr. Franziska Kastner über ihren Job als Juristin im Referat für Stadtplanung und Bauordnung 

Wer als Jurist*in beim Staat Personalverantwortung übernehmen möchte, für den könnte die Stelle als Referatsleiter*in interessant sein.

3. Arbeit im Referat für Bildung und Sport

Ein besonders weites Feld umfasst die Arbeit in diesem Referat: Für Juristen geht es hier zum Beispiel um Fragen wie die Förderung von Kindertageseinrichtungen oder dem Rechtsanspruch auf Krippen- oder Kindergartenplätze, aber auch die Überlassung von Bildungsimmobilien. Eine soziale Ader und Lust auf Themen, die die Allgemeinheit betreffen, sind in diesem Referat also auf jeden Fall gefragt. 

→ Anne-Kristin Stöwer über ihren Job als Juristin im Referat für Bildung und Sport 
 

Referatsleiter*in und Referent*in 

Wer als Jurist*in beim Staat Personalverantwortung übernehmen möchte, für den könnte die Stelle als Referatsleiter*in interessant sein. Diese*r ist verantwortlich für Sachbearbeiter*innen und Referent*innen und ist damit vergleichbar mit einem oder einer Teamleiter*in – er oder sie untersteht dem oder der Abteilungsleiter*in und kann entweder für ein oder gleich mehrere Teams zuständig sein.

Voraussetzung für diese Stelle ist oft, aber nicht immer, ein abgeschlossenes Jurastudium, denn wer ein Team aus Jurist*innen leiten möchte, sollte diesbezüglich natürlich eine gute Grundlage haben – sowohl im Recht als auch in den Themen, mit denen sich das entsprechende Referat befasst. Referatsleiter*innen gestalten neben der Leitung ihres Teams beispielsweise Gesetzesvorhaben aus, begleiten Zulassungsverfahren und steuern die Umsetzung von gesetzlichen Regelungen. 

Als Referent*in wiederum ist man dem oder der Referatsleiter*in unterstellt, befindet sich aber noch eine Stufe über dem oder der Sachbearbeiter*in. Das bedeutet, dass diese den oder die Referatsleiter*in vertreten und damit ebenfalls Führungsverantwortung haben. In der Bundesverwaltung sind Referent*innen zum Beispiel als Regierungsrat oder als Regierungsdirektoren tätig. Von Referent*innen wird oft kein Jurastudium verlangt, stattdessen sollten sie meist ein Masterstudium vorweisen können.

Datenschutz, Kommunalreferat oder Personal- und Organisationsreferat: 

Entwicklungsmöglichkeiten als Verwaltungsjurist 

Genauso wie in der freien Wirtschaft ist man als Jurist*in in der Verwaltung natürlich nicht in seiner Position „gefangen“. Wer sich beruflich verändern oder in eine höhere Position wechseln möchte, dem stehen viele Türen offen. So ist die Möglichkeit gegeben, bei ausreichend Engagement und Erfahrung in eine Führungsposition aufzusteigen.

Dies zieht selbstverständlich auch einen Aufstieg in der Besoldungsgruppe nach sich, was bedeutet, dass das Gehalt steigt. Fortbildungen sind auch beim Staat keine Seltenheit und so bieten sich regelmäßig Gelegenheiten zur beruflichen Weiterentwicklung an.

Aber auch ein Wechsel in ein anderes Referat kann möglich sein. Hast du Lust auf Veränderung und möchtest einmal in ein anderes Rechtsgebiet eintauchen, stehen deine Chancen – wenn du für deine neue Stelle die richtige Qualifikation mitbringst – ziemlich gut. Dennoch kann der Staat in dieser Hinsicht nicht mit der Vielfalt der Möglichkeiten in der freien Wirtschaft mithalten. Für Beamt*innen gelten strengere Hierarchien und auch beim Gehalt haben sie einen vergleichsweise geringen Spielraum.

 

Verwaltungsjurist*in ist nicht gleich Verwaltungsjurist*in – und das ist auch gut so. Denn so zeichnet sich ein außerordentlich vielseitiges Berufsbild ab, in dem viele verschiedene Interessen abgebildet werden. Neben einer großen Zahl an Einsatzbereichen bietet der Staat auch viele Möglichkeiten zur beruflichen Weiterentwicklung. Dazu kommen die angenehmen Arbeitszeiten und eine praktisch garantierte Work-Life-Balance, die eine Karriere beim Staat für viele Jurist*innen so attraktiv macht. 

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