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Wann darf man sich als

Karrierewege & Fachbereiche

Wann darf man sich als "Rechtsanwalt" bezeichnen?

In 5 Schritten zum Anwalts-Titel


Ein weit verbreiteter Irrtum unter juristischen Laien ist, dass mit dem erfolgreichen Abschluss des zweiten Staatsexamens (sog. Zweite Juristische Prüfung) automatisch die Berufsbezeichnung "Rechtsanwalt" verliehen wird. Tatsächlich müssen hierzu einige Hürden überwunden werden. Welche das sind, erfahrt ihr hier:
 

1. Schritt: Erfolgreicher Abschluss der juristischen Ausbildung

Anwalt kann nur werden, wer die juristische Ausbildung als Ganzes erfolgreich abgeschlossen hat. Dies bedeutet, dass zunächst nach dem Studium an einer Universität die Erste Juristische Prüfung erfolgreich abgelegt werden muss, bevor sich die praktische Ausbildung in Form des Referendariats und die Zweite Juristische Prüfung anschließen. Mit dem Ersten und Zweiten Staatsexamen wird man zum sog. Volljuristen.

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2. Schritt: Der Abschluss einer Berufshaftpflichtversicherung

Nach § 51 BRAO besteht die Verpflichtung, eine Berufshaftpflichtversicherung zur Deckung der sich aus der Berufstätigkeit ergebenden Haftpflichtgefahren für Vermögensschäden mit einer Mindestversicherungssumme von 250.000 Euro abzuschließen.

 

3. Schritt: Die Zulassung als Rechtsanwalt

Die Anwälte eines OLG-Bezirks bilden eine Rechtsanwaltskammer. Die örtliche Rechtsanwaltskammer ist in ihrem Bezirk für das Zulassungsverfahren zuständig. Dorthin muss der jeweilige – grundsätzlich auch online zu erhaltende – Zulassungsantrag ausgefüllt, unterschrieben und nebst den notwendigen Anlagen per Post gesandt werden.

Üblicherweise sind folgende Unterlagen mit dem Antrag einzureichen:

  • ein Lebenslauf mit einem aktuellen Lichtbild

  • eine amtlich beglaubigte Kopie des zweiten Staatsexamens

  • ein Nachweis über das Vorliegen einer Berufshaftpflichtversicherung

  • ein Nachweis über die Berechtigung zum Führen eines akademischen Grades

  • ein Führungszeugnis der Belegart ‚N‘

Zu beachten ist, dass der Abschluss des Zulassungsverfahrens in aller Regel bis zu sechs Wochen dauern kann.

 

 

4. Schritt: Die Kosten der Zulassung

Es fallen zwei unterschiedliche Kosten für die Zulassung als Anwalt an: einmal für die Erstzulassung und im weiteren Verlauf ein Jahresbeitrag. Die Höhe der jeweiligen Kosten wird von den örtlichen Rechtsanwaltskammern bestimmt.

Deshalb liegen die Kosten der Erstzulassung aktuell zwischen 100 und 400 Euro, der Jahresbeitrag zwischen 160 und 335 Euro. Einige Rechtsanwaltskammern bieten jedoch auch einen Sonderbeitrag für Berufsanfänger an. Der Jahresbeitrag liegt in diesen Fällen in aller Regel bei um die 100 Euro.

Daneben fallen Zulassungskosten immer dann an, wenn der OLG-Bezirk gewechselt wird. Die Kosten hierfür liegen zwischen 50 und 225 Euro.

 

5. Schritt: Vereidigung bei der Rechtsanwaltskammer

Nach § 12a BRAO hat der Bewerber grundsätzlich auch folgenden Eid vor der Rechtsanwaltskammer zu leisten:

„Ich schwöre bei Gott dem Allmächtigen und Allwissenden, die verfassungsmäßige Ordnung zu wahren und die Pflichten eines Rechtsanwalts gewissenhaft zu erfüllen, so wahr mir Gott helfe.“

Selbstverständlich ist das Leisten des Eides auch ohne religiöse Beteuerung möglich, sofern es der Bewerber aus Glaubens- oder Gewissensgründen nicht möchte. Alternativ kann dann folgendes Gelöbnis geleistet werden:

„Ich gelobe, die verfassungsmäßige Ordnung zu wahren und die Pflichten eines Rechtsanwalts gewissenhaft zu erfüllen.“

 

Beachte: Der Titel "Rechtsanwalt" kann wieder entzogen werden

Die Zulassung zur Rechtsanwaltschaft erfolgt mit der Aushändigung der Urkunde. Damit ergeht jedoch keine lebenslange Garantie auf die Berufsbezeichnung ‚Rechtsanwalt‘. Mit der Zulassung zum Anwalt ergeben sich vielmehr verschiedene Pflichten, die bei Verletzung zu dem Entzug der Zulassung und somit dem Titel führen können.

Die wohl bekanntesten Pflichten sind dabei etwa die Verschwiegenheit und das Verbot der Vertretung der widerstreitenden Interessen. Unterbrechungen des Schutzes der Haftpflichtversicherung, etwa durch fehlende Zahlung der Beiträge, führen in der Regel zum Entzug der Zulassung. Gleiches gilt auch bei Vermögensverfall.

Demgegenüber wird ein Verstoß gegen die Pflicht zur Antwort auf Anfragen durch die Rechtsanwaltskammer mit einem Zwangsgeld sanktioniert.

 

Zu guter Letzt: Rechtsanwaltsversorgung

Mit erfolgter Zulassung zum Rechtsanwalt entsteht per Gesetz eine Pflichtmitgliedschaft im Versorgungswerk für Rechtsanwälte mit der gleichzeitigen Möglichkeit, sich von der für angestellte Anwälte gesetzlichen Pflicht zur Rentenversicherung befreien zu lassen. 

Die "frischgebackenen" Rechtsanwälte werden automatische von der Rechtsanwaltsversorgung ihres jeweiligen Bundeslandes kontaktiert und auch bei der Befreiung von der gesetzlichen Rentenversicherungspflicht und der Nachversicherung zum Versorgungswerk für die Zeit des Referendariats unterstützt.

Diese "Zwangsmitgliedschaft" wurde eingerichtet, um zu vermeiden, dass selbständige Rechtsanwälte mangels Alterversorgung gezwungen wären, bis ins hohe Alter noch ihren Beruf auszuüben.

Empfehlenswert in diesem Zusammenhang ist auch der DAV-Ratgeber für junge Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte, der vom Deutschen Anwaltverein und dem FORUM Junge Anwaltschaft im Deutschen Anwaltverein für eine „Schutzgebühr“ i.H.v. 5 Euro herausgegeben wird. 
 


Tags: #Karriere  #Staatsexamen


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27. März 2017


Sebastian M. Klingenberg

Autor:

Sebastian M. Klingenberg

hat an der JGU in Mainz Jura studiert, wo er derzeit auch promoviert (Jugend-/Strafrecht & Kriminologie). Nebenbei schreibt er freiberuflich diverse Artikel, die auch auf seinem Blog zu finden sind.

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