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Eine juristische Karriere beim Staat: Die Bedeutung von Notengrenzen

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Eine juristische Karriere beim Staat: Die Bedeutung von Notengrenzen

von Markus Raeder

#Karriere

Ist ein Jurist/in mit 8,9 Punkten schlechter als einer mit 9,1? Wohl kaum, aber eine Zehntelnote kann im staatlichen Bereich über (Beamten-)Sein oder Nichtsein, über Zusage oder Absage entscheiden. Um die Bedeutung der Staatsnote für die Karriere des Juristen/in ranken sich einige Missverständnisse. Räumen wir damit auf:

1. Entscheidend ist das Zweite Examen

Das Zweite Examen hat maßgebliche Bedeutung, ob der Staat einstellt oder nicht. Inwieweit das Erste Examen das Bild beeinflussen kann, ist von Ressort zu Ressort unterschiedlich. Die größere Bedeutung hat aber durchgehend das Zweite.

 

2. Es gibt keine Staatsnote

Es gibt keine festgelegte Staatsnote und schon gar nicht von 9 Punkten. Was es gibt, sind Mindestnoten, die man für eine Bewerbung erreichen muss. Unter dieser Notengrenze schickt die Personalabteilung die Bewerbung ungesehen zurück, schon weil sie formal nicht passt. Wer gerade einmal die Mindestnote erreicht, sollte sich für eine Einstellung nicht allzu große Hoffnungen machen.

Derzeit verlangt das Bayerische Justizministerium für eine Bewerbung als Notar eine Note im oberen Bereich von vollbefriedigend und für Richter und Staatsanwälte 8,0 Punkte. Strenger ist die Berliner Senatsverwaltung für Justiz: für Richter und Staatsanwälte mindestens 7,5 im Ersten Examen und 8,5 im Zweiten. Die Bayerische Steuerverwaltung, die jedes Jahr 30 – 40 Juristen einstellt, verlangt mindestens 7,5 Punkte im Zweiten. In Nordrhein-Westfalen hat man schon mit 7,0 Punkten Chancen.

Es lohnt sich auch ein Blick auf Kommunen, die eigenständig Personal einstellen und vergleichbare Arbeitsbedingungen wie der Staat bieten. Die Stadt München beispielsweise verlangt im Zweiten Examen mindestens 8 Punkte oder eine Platzziffer im ersten Drittel. Wenn es dafür nicht reicht, gibt es noch Spezialbereiche: z. B. eine Karriere im Justizvollzug in Richtung Leitung eines Gefängnisses. Dafür kommt es nicht in erster Linie auf Deine Fachkenntnisse an, sondern dass Du sozial kompetent und aufgeschlossen bist sowie Lust auf Führungsaufgaben hast.

 

3. Für eine Einstellung beim Staat braucht es keine 9 Punkte

Die Personalabteilungen der Ministerien hüllen sich in Schweigen, wenn es darum geht, konkrete Einstellungsnoten zu nennen. Tatsächlich stehen die Grenznoten, bis zu denen eine Einstellung möglich ist, immer erst nach einem Einstellungstermin fest. Das Verfahren läuft so ab: Alle Bewerber/innen, die das Vorstellungsgespräch, das Strukturierte Interview oder ein Assessment Center überstanden haben, werden der Reihe nach entsprechend der Abschlussnoten gelistet. Entsprechend den freien Stellen erhalten die besten Bewerber/innen Zusagen. Erfahrene Personaler wissen natürlich, dass unter den besten Bewerbern/innen viele sind, die sich an mehreren Stellen bewerben und wieder absagen. Es werden so viele Zusagen in der Reihenfolge der Liste vergeben bis alle Stellen besetzt sind. Erst dann ist klar, dass der schlechteste Bewerber, der gerade noch zum Zug gekommen ist, die Einstellungsnote für diesen Termin bildet.

Es gibt aber Erfahrungswerte, wie Dr. Leonhard Kathke zu berichten weiß. Er leitet das Personalreferat für die Steuerverwaltung am Bayerischen Finanzministerium: „Mit 8,5 Punkten geben wir Bewerbern in der Regel direkt eine Zusage, darunter erst, wenn sich der halbjährige Einstellungstermin dem Ende nähert.“ Das bedeutet, je schlechter die Note, umso mehr Geduld braucht der Bewerber oder die Bewerberin. Es hängt von den Absagen der Besserplatzierten ab, ob sie noch reinrutschen. Diejenigen, die es nicht schaffen, haben im nächsten Halbjahr über die Warteliste wieder eine Chance – zumindest in der Steuerverwaltung.

 

 

4. Es entscheidet nicht allein die Note

Das Examen ist das Wichtigste. Es bleibt aber ein Hintertürchen. So können beispielsweise anwaltliche Berufserfahrung oder eine Promotion einen Bonus zu der Note bringen. Einen anderen Ansatz wählt das Bayerische Finanzministerium: Bewerber müssen in einem Strukturierten Interview Situationen verstehen und analysieren, die auf Führungskräfte zukommen könnten. Diese Art von Assessment Center ist ein k.o.-Kriterium für die Einstellung. Wer es nicht übersteht, hat trotz bester Noten keine Chance. „Wir suchen Führungskräfte, die über das juristische Fachwissen hinaus, auch Leitungskompetenz mitbringen“, begründet Dr. Kathke den Filter.

 

Es bleibt ein Trost für Absolventen, die im Bereich von sieben bis acht Punkten liegen: Der Staat sucht händeringend Nachwuchs. Nicht erst in Zeiten von steigenden Asylverfahren sind die Personaler aufgewacht, sondern schon seit mehreren Jahren sind rückläufige Bewerberzahlen und ein steigender Bedarf erkennbar. Zumindest für die nächsten Jahre dürfte nicht mit steigenden Einstellungsnoten zu rechnen sein.

 

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30. Oktober 2015

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