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Was ist eigentlich ... Bankrecht?

Arbeitgeber im Gespräch  |  Karrierewege & Fachbereiche

Was ist eigentlich ... Bankrecht?

 

Um unsere Artikelreihe „Was ist eigentlich ...?“ fortzusetzen, haben wir Dr. Stefan Schramm zum Thema Bankrecht befragt. Der Simmons & Simmons-Partner klärt uns unter anderem über die Vorzüge seines Fachbereichs auf und wie die tägliche Arbeit in der Praxis aussieht. 

 

1.      Wie sind Sie zum Bankrecht gekommen?

Das war reiner Zufall. Im Studium schwankte ich noch zwischen Medien- und Gesellschaftsrecht. In der Anwaltsstation im Bereich M&A wurde ich dann wegen meines medienrechtlichen Hintergrundes gefragt, ob ich bei einer Filmfinanzierung aushelfen wolle. Darauf folgte die Wahlstation im Bereich Flugzeugfinanzierung im Londoner Büro derselben Kanzlei, eine Dissertation zu gesellschaftsrechtlichen Fragen bei Finanzierungstransaktionen und schließlich der Start als Rechtsanwalt im Bankrecht.  

 

2.      Betreuen sie ausschließlich Banken?

In gut zwei Dritteln meiner Mandate betreue ich Fremdkapitalgeber. Neben klassischen Banken sind dies aber auch z.B. Fremdkapital vergebende Fonds (sog. Debt Fonds) sowie Betreuer besicherter Kreditportfolios in Verbriefungsstrukturen (sog. Special Servicer). In den restlichen Mandaten betreue ich die Eigenkapitalseite. Ein im Transaktionsgeschäft tätiger Bankrechtsanwalt sollte überwiegend Banken beraten, die Bedürfnisse und Gestaltungsmöglichkeiten der Darlehensnehmer sollte man aber ebenso gut kennen.

 

3.      Wie sieht die Arbeit in diesem Bereich aus?

Man berät in der Regel bei der Strukturierung, Vergabe und Restrukturierung von großvolumigen Fremdkapitaltransaktionen. Dabei lassen sich ganz grob die Bereiche Corporate Finance (die Finanzierung operativ tätiger Unternehmen einschließlich der Akquisitionsfinanzierung, also der Finanzierung von Unternehmenskäufen), Real Estate Finance (Immobilienfinanzierung), Project Finance (die Finanzierung von großen Infrastrukturmaßnahmen (z.B. Autobahnen, Brücken und Tunnel) und Industrieobjekten (z.B. Fabriken und Kraftwerke)) sowie Asset Finance (die Finanzierung von z.B. Flugzeugen und Schiffen) unterscheiden. Vor diesem stets wechselnden wirtschaftlichen Hintergrund geht es vereinfacht gesagt immer um das Ausleihen und Zurückbekommen von Geld. Sehr oft arbeitet man bei diesen Transaktionen auch eng mit den Kolleginnen und Kollegen aus anderen Bereichen wie z.B. Unternehmens-, Immobilien-, Steuer- und/oder Bankaufsichtsrecht zusammen.

4.      Welche Herausforderungen bringt der Arbeitsalltag mit sich?

Im Transaktionsgeschäft ist man an den Rhythmus der jeweils betreuten Transaktionen gebunden, so dass der Arbeitsalltag oft schwer planbar ist. Inhaltlich muss man über die unabdingbaren juristischen Fähigkeiten hinaus ein ausgeprägtes wirtschaftliches Verständnis sowie Verhandlungsgeschick und Fähigkeiten im Transaktionsmanagement mitbringen, um die Transaktionen verstehen und die Mandanten gut beraten zu können.

 

5.      Was gefällt Ihnen besonders an ihrer Arbeit?

Die genannten Herausforderungen, also die Mischung aus dem Arbeiten am „juristischen Hochreck“ und dem Verhandeln von wirtschaftlich ebenso spannenden wie anspruchsvollen Sachverhalten oftmals unter besonderem Zeitdruck macht die Arbeit interessant.

 

6.      Welcher Fall ist Ihnen in Erinnerung geblieben?

Besonders spannend waren für mich vor allem die ersten Transaktionen, die ich vom Anfang bis zum Ende eigenverantwortlich begleiten durfte, ohne bereits Partner zu sein. Da spürst du den Druck, aber auch das enorme Vertrauen, das Mandanten und Kollegen dir entgegenbringen.

 

7.      Welche Anforderungen sollten für eine Spezialisierung ins Bankrecht erfüllt werden?

Gute juristische Fähigkeiten sind ein Muss. Daneben sind es dann aber das wirtschaftliche Verständnis, Verhandlungsgeschick und die Fähigkeit, eine komplexe Transaktion zu managen, die über den Erfolg entscheiden. Die juristischen Fähigkeiten sollten aufgrund der Ausbildung bereits zu Beginn der Tätigkeit als Bankrechtsanwalt nahezu vollständig vorhanden sein, die übrigen Fähigkeiten lassen sich jedoch erst im Arbeitsalltag vollständig entwickeln.

 

8.      Würden Sie jungen Nachwuchsjuristen das Bankrecht empfehlen, und wenn ja, warum?

Absolut, wer die genannten Herausforderungen schätzt und das entsprechende Potential hat, ist im Bankrecht sehr gut aufgehoben.

 

Vielen herzlichen Dank für das Interview!

 

16. September 2015

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