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9 Monate Anwaltsstation: Erwartungen – Realität = ?

Meine Erfahrungen als Referendarin bei WilmerHale


veröffentlicht am 03.02.2020

 

Oliver Fleischmann ist Special Counsel im Berliner Büro von WilmerHale. Er ist im Bereich Kartellrecht tätig und betreut seit einigen Jahren die Ausbildung von Referendaren und wissenschaftlichen Mitarbeitern im Berliner Büro, wo er 2003/2004 selbst Referendar war.

Hüveyda Asenger war Rechtsreferendarin in der Anwaltsstation bei WilmerHale in Berlin im Bereich Kartellrecht und Public Policy. Zuvor war sie in der Verwaltungsstation Referendarin im Auswärtigen Amt. Arbeitserfahrung in Kanzleien hat sie bereits im Rahmen einer Tätigkeit als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Bereich Litigation / Prozessführung gesammelt. 
 

Liebe Hüveyda, war WilmerHale deine erste Wahl oder hattest du auch Alternativen in Erwägung gezogen?

Hüveyda Asenger: WilmerHale war tatsächlich meine erste Wahl für die Anwaltsstation. Alternativen habe ich zu dem Zeitpunkt nicht in Erwägung gezogen, da ich mich sehr frühzeitig – bereits unmittelbar vor Beginn des Referendariats – für die Anwaltsstation beworben habe. WilmerHale war mir zuvor u.a. durch verschiedene Karrieremessen bekannt. Darüber hinaus arbeitet eine gute Freundin von mir, Miriam Boxberg, bei WilmerHale in London. Ihre Zufriedenheit dort und positiven Erfahrungen sowie Eindrücke haben mich schließlich darin bestärkt, mich zu bewerben.  


Du hast während deines Studiums als wissenschaftliche Mitarbeiterin sowohl am Lehrstuhl, als auch in einer Kanzlei gearbeitet.Was empfandest du ansprechender und weshalb? Hat dich die Arbeit in der Kanzlei auch auf das Referendariat vorbereitet?

Hüveyda Asenger: Die Tätigkeit an einem Lehrstuhl und die Arbeit in einer Kanzlei sind kaum vergleichbar. Im Hinblick auf die Arbeitsziele und die Herangehensweise an das Recht gibt es da sehr große Unterschiede. Für die Phase des Studiums war es natürlich von Vorteil, die wissenschaftliche Perspektive zu vertiefen, gerade bei einem geplanten Promotionsvorhaben. Bei der Lehrstuhlarbeit handelt es sich meist um langwierigere Aufgaben, die mit sehr viel Detailarbeit verbunden sind. In Kanzleien ist dies zwar ähnlich, jedoch sind die Aufgaben insgesamt unterschiedlicher und somit abwechslungsreicher. Für die jetzige Phase des Referendariats – und insbesondere für den späteren Berufseinstieg – ist die Arbeit in der Kanzlei besser geeignet. Vor allem durch die Arbeit an Schriftsätzen oder vertiefte Auseinandersetzung mit prozessualen Fragen habe ich ein Gefühl für die Praxis bekommen, was sich auch positiv auf die Vorbereitung auf das Referendariat ausgewirkt hat. 
 


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Welche Erwartungen hattest du an dein Referendariat und wurden diese bisher erfüllt?

Hüveyda Asenger: Das Referendariat wollte ich vor allem als Chance nutzen, um so viele Interessenbereiche wie möglich durch die jeweiligen Stationen abzudecken und Einblicke in Rechtsbereiche zu erhalten, die ohne das Referendariat erst mit einem direktem Berufseinstieg möglich wären. Erhofft habe ich mir insbesondere, durch die Eindrücke und Einblicke in die Praxis erste Präferenzen für den Berufseinstieg zu erhalten. Bisher haben sich diese Erwartungen erfüllt – auch wenn die Stationen teilweise zu kurz waren, um einen umfassenden Einblick zu erhalten. Neben den Stationen gibt es schließlich noch das reguläre Referendarprogramm mit AGs und Klausuren. Natürlich habe ich erwartet, dass das Referendariat sehr arbeitsintensiv sein wird. In diesem Punkt haben sich meine Ewartungen – gerade im zweiten Jahr des Referendariates – auch bestätigt. 
 

Geld regiert die Welt und erst recht den Alltag im Studium. Brachte das Referendariat eine entsprechende Erleichterung? Würdest du bereits aus finanziellen Erwägungen eine Großkanzlei wie WilmerHale den Kleineren vorziehen?

Hüveyda Asenger: Das Referendarsgehalt bringt im Gegensatz zur Studienfinanzierung schon gewisse Vorteile. Es unterscheidet sich jedoch auch nicht so sehr, dass sich im Referendariat große finanzielle Freiheiten ergeben würden. Auch wenn es zwischen Kanzleien Unterschiede bei der Vergütung von Referendaren gibt, haben finanzielle Erwägungen für mich bei der Wahl einer Kanzlei aber keine wichtige Rolle gespielt. Viel wichtiger sind mir andere Gesichtspunkte, wie etwa die inhaltliche Ausgestaltung der angebotenen Rechtsgebiete, Aufstiegsmöglichkeiten oder die individuelle Förderung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit verschiedenen Ausbildungsprogrammen. 
 


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Wie lief dein Bewerbungsprozess für die Anwaltsstation bei WilmerHale ab? Wie war deine Reaktion als du von der positiven Rückmeldung erfuhrst?

Hüveyda Asenger: Der Bewerbungsprozess war insgesamt unkompliziert. Ich habe mich mit einem Bewerbungsschreiben und entsprechenden Unterlagen wie üblich online beworben und daraufhin recht schnell eine Einladung zum Vorstellungsgespräch erhalten. Das Vorstellungsgespräch fand in angenehmer und entspannter Atmosphäre in den Kanzleiräumlichkeiten statt. Im Vorstellungsgespräch wurden unter anderem die  Schwerpunkte und Ausrichtung der Kanzlei, der Ablauf der Anwaltsstation und auch über persönliche Präferenzen und den fachlichen Werdegang gesprochen. Ich hatte einen positiven Eindruck und freute mich dementsprechend umso mehr, als ich bald darauf schriftlich die Zusage erhielt. 


Welpenschutz oder Kickstart – wie waren die ersten Tage in der Großkanzlei und welche Erfahrungen hast du in dieser Zeit gemacht? Hattest du immer einen Mentor zur Seite?

Hüveyda Asenger: Die ersten Tage waren sehr eindrucksvoll. Die Referendare wurden gleich nach einer umfassenden IT-Einführung allen in der Kanzlei vorgestellt und dann in die aktuellen Aufgaben und Mandate der Teams eingeführt. Dementsprechend waren die ersten Tage sehr aufregend und interessant. Es brauchte aber anfangs eine gewisse Zeit, sich in die verschiedenen Kanzleiabläufe im Ganzen einzuarbeiten und einzugewöhnen. "Welpenschutz" ist definitiv vorhanden.
 

Besonders angenehm ist, dass es immer feste Ansprechpartner gibt, falls sich Fragen oder Unklarheiten bezüglich der Aufgaben ergeben oder einfach allgemein Hilfe benötigt wird. Darüber hinaus herrscht eine sehr offene Atmosphäre, sodass man sich durchweg auch an andere Anwältinnen und Anwälte wenden kann.

 

Stolz und Vorurteil – man hört ja vieles über Großkanzleien heutzutage. Ist überhaupt etwas an dem Klischee von wenig Individualität und Leistungsdruck dran?

Hüveyda Asenger: Leistungsdruck spielt in den meisten juristischen Berufen naturgemäß eine große Rolle. Und das gilt gerade auch für Großkanzleien. Eine pauschale Aussage über gewisse Klischees, die sich im Zusammenhang mit Großkanzleien hartnäckig behaupten, kann man jedoch nicht treffen. Dafür unterscheiden sich die Großkanzleien untereinander zu sehr. Am besten ist es, sich einen eigenen Eindruck von der favorisierten Kanzlei zu verschaffen. Dies bietet sich vor allem in der Anwalts- oder Wahlstation an. Meine persönliche Erfahrung ist, dass sich die Klischees in der Anwaltsstation bei WilmerHale nicht bewahrheitet haben, worüber ich teilweise auch sehr überrascht war. 
 


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Wie empfindest du als Neuzugang bei WilmerHale den Umgang mit unterschiedlichen Generationen in Bezug auf Akzeptanz sowie auf die Einbindung in fordernde und komplexe Aufgaben und Abläufe?

Hüveyda Asenger: Ich habe bei WilmerHale mit verschiedenen "Generationen" von Anwälten gearbeitet – vom Associate über Counsel bis hin zu Special Counsel und Partner.  Die "generationsübergreifende" Arbeit in gemischten Teams habe ich dabei als angenehm und abwechslungsreich empfunden. Einerseits bestehen gewisse Unterschiede, andererseits ergeben sich durch die Unterschiede und den Austausch auch viele Lerneffekte und neue Eindrücke. Gerade wegen der langjährigen Praxiserfahrung der Arbeitserfahreneren bekommt man viel Input, den man umsetzen kann. Dies ist gerade für Anfänger wichtig. Positiv ist auch, dass Referendare in alle Aufgaben und Abläufe, wie Besprechungen oder internationale Calls, miteingebunden werden. 
 

The American way of work? WilmerHale ist bekanntlich eine Großkanzlei aus den USA. Woran merkst du im Arbeitsalltag den amerikanischen Einfluss und das Flair? Was gefällt dir daran besonders gut?

Hüveyda Asenger: Im Arbeitsalltag ist amerikanisches Flair oder Einfluss zunächst nicht unmittelbar präsent, sondern eher bei Kleinigkeiten bemerkbar. So ist der Umgangs- und Kleidungsstil sicher eher lockerer als bei manchen deutschen Kanzleien. Mit der Zeit wird der amerikanische Einfluss vor allem dann bemerkbar, wenn auf Mandaten zusammen mit amerikanischen Anwälten gearbeitet wird. Hier ergeben sich vor allem durch die Zeitverschiebung und bestimmte Arbeitsabläufe oder Herangehensweisen. Beispielsweise unterscheidet sich die amerikanische Arbeitsweise und Verhandlungsführung sehr von der deutschen. Mir hat das jedoch gut gefallen, da ich gezielt in einer internationalen (amerikanischen) Kanzlei arbeiten wollte, um die Unterschiede zu sehen und zu vergleichen.  


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Hand aufs Herz. Hast du schon das eine oder andere Fettnäpfchen mitgenommen oder warst du stets die Musterreferendarin? Wie haben deine Kollegen reagiert?

Hüveyda Asenger: Gerade bei großen, komplexen und internationalen Mandaten ist es zunächst schwierig, sich entsprechend schnell in diese einzuarbeiten und die umfangreichen Aufgaben und Zusammenhänge zu durchdringen. Auch wenn immer eine ausführliche Einführung in die Thematik und den Fall erfolgt, arbeitet das jeweilige Team meist schon länger an dem Fall und ist von Anfang an mit den Mandaten vertraut. Dementsprechend ist es normal, als Anfängerin Fehler zu machen oder bestimmte Zusammenhänge zu übersehen. Gerade wenn Aufgaben zum ersten Mal bearbeitet werden, passiert dies auch mal schneller. Das ist in anderen Bereichen und Stationen des Referendariats genauso. Dies habe ich aber nicht als Nachteil empfunden, was vor allem daran lag, dass die Arbeitsbesprechungen und Feedbackgespräche unmittelbar nach Abschluss der Aufgabe erfolgen. Hierdurch ist der Lerneffekt sehr groß.    
 

Von der Praktikantin zum Associate? Hier berichtet Julia Krämer von ihrem Start bei WilmerHale
 

Herr Dr. Fleischmann, Sie sind unter anderem im Bereich des Kartellrechts tätig und zugleich der Ausbilder von Referendaren/Referendarinnen, wie Frau Asenger. Würden Sie diese Kombination als außergewöhnlich oder herausfordernd ansehen?

Dr. Fleischmann: Im Alltag kann es durchaus herausfordernd sein, sich in der gebotenen Weise um die Ausbildung einer Referendarin/eines Referendars zu kümmern, wenn große Projekte "heiß laufen". Das ist aber genau der Grund, warum Referendare bei uns nicht nur für eine Anwältin/einen Anwalt arbeiten, sondern in das gesamte Team des Fachbereichs eingebunden sind und insoweit alle Anwältinnen/Anwälte ihren Teil zur Ausbildung beitragen.  
 

Kompromisslose Qualität ist für WilmerHale ein zentraler Wert und erfordert daher auch nachhaltiges Management. Was sind hierbei zentrale Kernpunkte nach welchen Sie potenziellen Nachwuchs wie Frau Asenger auswählen?

Dr. Fleischmann: Natürlich ist es elementar, dass Referendare die erforderliche sehr gute juristische Qualifikation haben – die sie in der Regel durch ihr Examen nachweisen – und über starke analytische Fähigkeiten verfügen. So können wir sie in sinnvoller Weise in die Bearbeitung unserer oft sehr komplexen Mandate einbinden. Ebenso unverzichtbar ist es, dass Referendare ohne Probleme in englischer Sprache arbeiten können.

Gerade in einer kleineren Einheit wie unserer ist es schließlich aber auch wichtig, dass man im Vorstellungsgespräch den Eindruck gewinnt, dass die Referendarin/der Referendar persönlich gut in das Team passt und es Spaß machen wird, mit ihr oder ihm zu arbeiten! Persönlichkeit lässt sich nicht in Noten messen.


Inwiefern wird der Grundstein für eine potenzielle Karriere bereits im Referendariat gelegt? Womit greifen Sie den Referendaren unter die Arme, um diesen später einen guten Berufsstart zu ermöglichen?

Dr. Fleischmann: Ich lege Referendaren immer ans Herz, das Referendariat dafür zu nutzen, verschiedene Kanzleitypen und ggf. auch Rechtsgebiete kennenzulernen. Der wichtigste Grundstein für den Berufseinstieg und eine persönlich zufriedenstellende Karriere ist nämlich aus meiner Sicht, im Referendariat zu ergründen, welche Inhalte einen wirklich interessieren und in welchem Arbeitsumfeld man sich wohlfühlt. Alles andere kann man später im Job lernen!   


Auch von außen eindrucksvoll: das Frankfurter (links) und Berliner (rechts) Büro von WilmerHale
 

Ist ein in der Anwaltsstation gewähltes Rechtsgebiet bindend, wenn man bei Ihnen eine Karriere nach dem 2. Staatsexamen im Blick hat oder wie geht es weiter?

Dr. Fleischmann: Nein, hier besteht keine Bindung. Erfahrungsgemäß ist es aber so, dass sich Referendare bereits sehr für einen bestimmten Rechtsbereich interessieren und sich dieses Interesse dann auch beim Berufseinstieg fortsetzt. Wir haben aber beispielsweise auch schon Associates im Kartellrecht eingestellt, die davor in ihrer Anwaltsstation bzw. als wissenschaftliche Mitarbeiter bei uns im Bereich Corporate tätig waren.  

Großkanzlei
Wilmer Cutler Pickering Hale and Dorr LLP

Wilmer Cutler Pickering Hale and Dorr LLP


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Wo überwiegen für Sie die Stärken ihrer Kanzlei in Bezug auf die Ausbildung von Referendaren/Referendarinnen und was möchten sie den Lesern/Leserinnen mit auf den Weg geben?

Dr. Fleischmann: Ein großer Vorteil bei WilmerHale ist es, dass wir in Berlin und auch in Frankfurt in nicht sehr großen Teams arbeiten, in denen alle Anwältinnen und Anwälte in die Ausbildung der Referendarin/des Referendars eingebunden sind. Das ermöglicht es, immer genügend interessante und referendargeeignete Arbeit vorzuhalten und erlaubt es der Referendarin/dem Referendar viele verschiedene Arbeitsstile und Aufgaben kennenzulernen. Gleichzeitig bekommen Referendare aber auch einen sehr tiefen Einblick in das "tatsächliche" Leben der Anwälte und können so besser beurteilen, ob der Beruf wirklich zu ihnen passt.  
 

Dein Fazit, Hüveyda?

Ich habe durch die Anwaltsstation bei WilmerHale einen umfassenden Einblick in die Arbeitspraxis einer amerikanischen Großkanzlei erhalten. Gerade weil ich ein großes Interesse an internationalen Zusammenhängen des Rechts und dessen Anwendung in der Kanzleipraxis habe, hat sich die Anwaltsstation auf jeden Fall gelohnt. Neben dem fachlichen Interesse und den Aufgaben finde ich jedoch gerade die Arbeitsatmosphäre und Referendarbetreuung sehr gut, sodass ich die Station weiterempfehlen würde.   

 

Vielen Dank, Hüveyda, vielen Dank Herr Dr. Fleischmann!

 

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