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Abbruch Jurastudium - Was jetzt?

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Abbruch Jurastudium - Was jetzt?

Wo sich eine Tür schließt, öffnet sich eine andere...

 

Das Jurastudium ist lang und hart, die Durchfallquoten dementsprechend hoch. Insbesondere im ersten Staatsexamen erwischt es pro Durchgang rund 30 % der Kandidaten. Die Kombination aus weit vorangeschrittenem Studium, damit einhergehend ein höheres Alter und das Fehlen jeglichen Abschlusses bis zum endgültigen Bestehen des 1. Staatsexamens birgt für Jurastudenten ein besonders hohes Risiko bei Abbruch des Studiums oder endgültigem Nichtbestehen.
 

Während Juristen, die wenigstens das 1. Staatsexamen erfolgreich abgelegt haben, zumindest einen Abschluss haben und als Diplom-Juristen auf dem Arbeitsmarkt durchaus hoffnungsvoll agieren können, stehen Studenten, die vor dem 1. Examen scheitern oder abbrechen, erstmal mit nichts da.

 

Optionen sammeln und auswerten

Um die Lage bildlich zu beschreiben, könnte man sagen, das Schiff ist in Schräglage geraten, untergegangen ist es aber noch lange nicht.

Blickt man allein in der Prominentenwelt auf die Studienabbrecher, könnte man gar den Eindruck gewinnen, ein Studienabbruch ist ein must-have für späteren Erfolg. So ist die Geschichte von Bill Gates, dem zeitweilig reichsten Mannes der Welt, die eines Studienabbrechers.

Der erfolgreichste Moderator Deutschlands, Günther Jauch, tat es sogar gleich mehrmals und brach sowohl ein Jurastudium als auch ein Politikstudium ab und lehnte dazwischen die Fortsetzung seiner Ausbildung an der Journalistenschule ab. Auch der Gründer vom Autodienstleister Sixt, Erich Sixt, brach sein BWL Studium ab und wurde dennoch einer der erfolgreichsten Firmengründer des Landes.

Doch natürlich verharmlosen diese Beispiele die Lage. Ein Studienabbrecher – gerade älteren Jahrgangs – befindet sich vor allem gefühlt in einer sehr prekären Lage und bangt in gewisser Weise um seine Zukunft und damit Existenz.

Trotz dieser üblen Lage bedarf es gerade jetzt einer sachlichen Kühlheit und vor allem eines ungetrübten Blicks nach vorne: Es müssen Optionen gesammelt werden.

 

Bloß weg von Jura?

Wenn das der erste Gedanke ist, dann sollte man diesem auch folgen. Fehler gehören zum Leben dazu, wenn das Jurastudium ein solcher war, dann nichts wie weg davon. Ist dem nicht so, stellt sich dennoch die gleiche Frage: Ausbildung oder Studium?

Für denjenigen, der nichts mehr mit Jura zu tun haben möchte, steht nun alles offen, er hat daher aber auch die Qual der Wahl. Wer Unterstützung bei der Wahl benötigt, findet diese bei der Agentur für Arbeit, die extra auf Abiturienten und Hochschulabbrecher zugeschnittene Beratungen anbietet.

 

 

Der Traum von Jura soll weiterleben?

Wer aber lieber im juristischen Umfeld bleiben will und möglichst von seinem Studium in irgendeiner Weise profitieren möchte, der muss sich nun genau informieren und umschauen. Denn ein zweiter Schuss in den Ofen würde die Lage selbstverständlich weiter verkomplizieren.

Alternative Wege für Juristen

Wer sich für ein Studium interessiert, findet an vielen Hochschulen Bachelor- und Masterstudiengänge mit rechtlichen Bezügen wie den Bachelor of Law in Wirtschaftsrecht oder Kombinationen aus Jura und Psychologie oder Sprachwissenschaften.

Auch Steuerrecht kann eine Alternative darstellen. Je nach Ausbildungsstand im Studium können hier Scheine angerechnet werden oder man wird sogar in höhere Semester eingestuft.

Sieht sich der Abbrecher in Zukunft jedoch weniger als Student denn als Auszubildender, kommen für ihn ebenfalls verschiedene Ausbildungsberufe in Betracht. Notar-, Steuer- oder Rechtsanwaltsfachangestellte arbeiten in dem selben Umfeld und Vorkenntnisse aus dem Studium sind mit Sicherheit gewinnbringend einbringbar.

Unter bestimmten Umständen kann sogar die Ausbildungszeit verkürzt werden. Auch beim Staat gibt es Ausbildungen mit juristischem Bezug, wie beispielsweise die Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten. Auch hier können zum Beispiel Scheine aus dem Studium in Verwaltungsrecht angerechnet werden.

Alternativ kann auch umgeschwenkt werden und zum Beispiel eine Ausbildung bei der Polizei gestartet werden. Hier können zwar keine Leistungen direkt angerechnet werden, dennoch haben Abiturienten mit Hochschulerfahrung nicht selten einen Vorteil gegenüber anderen Bewerbern.

Darüber hinaus ist für diejenigen, die Strafrecht spannend fanden, aber beispielsweise nichts mit Zivilrecht anfangen konnten, dies vielleicht genau die richtige Alternative zum Volljuristen.

Der sogenannte „Abiturient mit Hochschulerfahrung“ ist also gar nicht so ungefragt, wie man auf den ersten Blick meinen könnte.

Er steigt zwar unter seinen ehemaligen Kommilitonen ein und hat in der Regel auch Einbußen beim Gehalt zu akzeptieren, ist er jedoch einmal im Unternehmen und hat eine Ausbildung absolviert oder berufsbegleitend sogar doch noch einen Abschluss gemacht, muss seine Karriere nicht unbedingt schlechter als die seiner Kollegen verlaufen. Der Arbeitsmarkt ist hinsichtlich dieser „Ausfälle“ des Studiensystems flexibler geworden und hat sich angepasst.


Die endgültige Exmatrikulation mag ein Schock sein, darf und muss aber nicht lähmen. Die Karrieretür ist noch lange nicht zu, es bedarf aber insbesondere in dieser Lage viel Eigeninitiative, Durchhaltevermögen und Motivation. Denn auch wenn die Situation wie erläutert nicht so schlimm ist wie gedacht, sind Personaler natürlich nicht ständig auf der Suche nach Abbrechern, die sie mit ihrem Unternehmen wieder auffangen können!
 


Tags: #Studium  #Universität  #Karriere


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21. April 2017


Finn Holzky

Autor:

Finn Holzky

Schreibt neben seinem Jurastudium seit 2 Jahren für TalentRocket und hat gerade sein 1. Staatsexamen in Göttingen hinter sich gebracht.

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