Das juristische Ausbildungsjahr 2016 in Zahlen!

Prädikatsquote, Notenstatistiken etc. - Der etwas verspätete Jahresrückblick...


verfasst von Finn Holzky und veröffentlicht am 05.01.2018

 

 

Traditionell werden die Zahlen der Juristenausbildung stets mit einem Jahr Verzögerung bekannt gegeben. Daher kommen wir zu Beginn des neuen Jahres zu den Zahlen der Ausbildung junger Juristen aus 2016.

 

Rechtsreferendare werden wieder mehr

Beginnen wir mit denen, die das erste Staatsexamen endgültig bestanden haben und in das Referendariat eingetreten sind. Denn diese Zahl ist nach exakt gleichbleibender Zahl in den Jahren 2014 und 2015 nun doch gestiegen. Waren es 2014 und 2015 noch jeweils 6.737 neue Rechtsreferendare, haben in 2016 nun 7.188 neue Rechtsreferendare ihre Ausbildung zum Volljuristen angetreten. Im Vergleich zur Jahrtausendwende, sind die Zahlen dennoch weiterhin gering. Im Jahr 2001 waren es beispielsweise noch 10.240 eingestellte Rechtsreferendare im Bundesgebiet!

Insgesamt ist damit im Jahr 2016 die Zahl der aktiven Referendare übrigens von 14.485 im Jahr 2015 auf 14.996 in 2016 gestiegen.

 

Wie haben die fertigen Rechtsreferendare im Jahr 2016 ihr zweites Staatsexamen abgelegt?

Auch 2016 mussten natürlich bundesweit Rechtsreferendare ihre zweites Staatsexamen meistern. Die traurige Nachricht zuerst: Seit 2014 bestehen kontinuierlich weniger Kandidaten das 2. Staatsexamen. Waren es 2014 noch 7.529 erfolgreiche Kandidaten, sank diese Zahl 2015 auf nur noch 7.462 Kandidaten, die mindestens ein „Ausreichend“ ergattern konnten. Im Jahr 2016 waren es dann sogar noch zwei Kandidaten weniger.

Von insgesamt 8.693 geprüften Kandidaten haben also 7.460 Prüflinge bestanden, was prozentual immer noch gute 85,8 Prozent sind!

Wer im zweiten Staatsexamen übrigens auf die Spitzenbewertung „sehr gut“ aus ist, der hätte zumindest statistisch gesehen im Jahr 2016 seine Prüfung in Hamburg ablegen sollen. Ganze 0,5 Prozent oder in absoluten Zahlen, zwei Kandidaten, konnten hier die höchsten juristischen Würden erlangen. Nur in Bayern und Nordrhein-Westfalen ist dieses Kunststück ebenfalls zwei Kandidaten gelungen, ansonsten wurde die Spitzennote 2016 im zweiten Examen gar nicht vergeben.

Die Note „Gut“ hingegen konnte man statistisch betrachtet am „einfachsten“ in Baden-Württemberg erlangen. Die zweitbeste Note wurde hier 35 Mal vergeben, was 4,2 Prozent der Kandidaten ausmacht. Das heiß umworbene Prädikat wurde 2016 in Nordrhein-Westfalen 332 Mal vergeben, was in absoluten Zahlen Spitze ist, prozentual gesehen hat wieder Hamburg die Nase vorne, mit 32,6 Prozent vergebenen „Vollbefriedigend“.

Besonders schwer war offensichtlich das zweite Examen 2016 in Mecklenburg-Vorpommern. Hier haben mit 40,7 Prozent die meisten Kandidaten ein „Ausreichend“ verliehen bekommen. Zudem sind mit 14,8 % dort noch leicht überdurchschnittlich viele Kandidaten durchgefallen. Der Durchschnitt lag bei 14,2 Prozent. Brandenburg zog diesen Schnitt dabei am stärksten nach oben. Ganze 24,7 Prozent der Kandidaten haben dort leider nicht bestanden, davon leider sogar 16 Kandidaten endgültig nicht.

Baden-Württemberg hingegen hatte mit nur 8,5 Prozent nicht bestehenden Kandidaten den diesbezüglich erfolgreichsten Jahrgang in 2016 überhaupt! Insgesamt schlossen 2016 die meisten Kandidaten zu 40,4 Prozent mit einem durchaus achtenswerten „Befriedigend“ ab.

 

Die erste Staatsprüfung 2016 auf dem Prüfstand

Im Jahr 2016 wurden insgesamt 14.011 Kandidaten der ersten staatlichen Prüfung unterzogen. Das sind 1.267 Kandidaten mehr als noch im Vorjahr. Im Vergleich zum Jahr 2001 handelt es sich dennoch weiterhin um niedrigere Zahlen, damals waren es noch 15.451 Prüflinge. Die Zahlen sind dennoch aktuell als steigend zu bewerten. Erfreulicherweise ist das auch für die Zahl der bestandenen Kandidaten festzustellen. 2016 haben 70,9 Prozent der Kandidaten bestanden, das sind trotz steigender Kandidatenanzahl immerhin 1,3 Prozent mehr als 2015.

Die Anzahl der „Sehr Gut“ - Bewertungen hat sich dabei glatt verdoppelt: Von 0,1 Prozent im Vorjahr ging es auf ganze 0,2 Prozent in 2016! Es wird schon gemunkelt ob das Examen nicht viel zu einfach wird...

Spaß beiseite, denn mit keinem Witz sollten die Leistungen derer geschmälert werden. Betrachtet man insgesamt die Ergebnisse, lässt sich erkennen, dass die Verteilung der Noten bis auf geringste Schwankungen konstant geblieben ist. Ein zu vernachlässigender Teil ergattert das „Sehr gut“, knapp drei Prozent erlangen ein „Gut“ und das „Vollbefriedigend“ steht bei rund 13 Prozent der Kandidaten auf dem Zeugnis. Rund ein Viertel der Kandidaten hat jeweils ein „Befriedigend“ oder ein „Ausreichend“ zu verzeichnen und knapp 30 Prozent fielen leider durch.


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Bessere Noten gibt es an der Universität...

Möchte man sich etwas schönere Noten ansehen, lohnt sich ein Blick in die Auswertung der Universitätsprüfungen. Der universitäre Anteil der Gesamtnote wird nach wie vor signifikant besser bewertet, als der staatliche Teil. Festzustellen ist zudem, dass die Prüfungen nach altem Recht langsam aber sicher verschwinden. Tatsächlich gab es 2016 nur noch eine einzige Prüfung, die nicht nach neuem Recht erfolgte.

Insgesamt wurden 9.669 Kandidaten geprüft, von denen erfreuliche 96 Prozent bestanden haben! Auch die Note „Ausreichend“ wurde nur in knapp elf Prozent der Fälle vergeben. „Befriedigend“ stand bei rund 27 Prozent der Kandidaten unter dem universitären Teil.

Sind also die Topnoten im staatlichen Teil Mangelware, sind sie an der Uni nicht mehr ganz so unerreichbar. Rund 30 Prozent erlangen ein Vollbefriedigend, knapp ein Fünftel aller Kandidaten sogar ein „Gut“. Selbst das „Sehr gut“ wurde durchschnittlich an 5 Prozent der Prüflinge ausgesprochen!

 

… und das wirkt sich auch auf die Gesamtnoten aus!

Durch die besseren Noten von der Universität, steigen natürlich auch die Gesamtnoten, die am Ende des Studiums auf dem Zeugnis stehen. Ein „Sehr gut“ erreichten nach wie vor deutlich unter einem Prozent aller Kandidaten und auch ein „Gut“ können nur rund sechs Prozent aller Kandidaten nachweisen. Beim Vollbefriedigend hingegen geht der Anteil bereits deutlich nach oben, denn in der Gesamtnote steht bei rund einem Viertel aller erfolgreichen Kandidaten am Ende ein „VB“ auf dem Zeugnis.

Den Großteil der Bestehenden macht die Gruppe derer aus, die ein „Befriedigend“ zu verzeichnen haben. Rund 40 Prozent des Jahrgangs 2016 hatten dies am Ende auf ihrem Diplom. Somit blieben in der Gesamtnote 2016 nur noch 20 Prozent der erfolgreichen Kandidaten auf einem „Ausreichend“ sitzen. Ein deutlich erfreulicheres Ergebnis!

 

Der Freiversuch: Selten genutzt, doch auch selten damit gescheitert

Traditionell umstritten ist der Freiversuch. Lohnt er sich, ist er ein unkalkulierbares Risiko oder nur etwas für Überflieger? Diese Fragen können wohl nicht pauschal beantwortet werden. Wohl aber kann ein Blick auf die Statistik zumindest Fakten liefern. 2016 haben nämlich lediglich 35 Prozent aller Examenskandidaten dabei auch ihren Freischuss wahrgenommen, also gerade einmal ein gutes Drittel aller Kandidaten.

Es sind von diesen Freischüsslern jedoch auch nur 21,6 Prozent durchgefallen. Eine deutlich geringere Quote als die des gesamten Kandidatenfelds, die bei rund 30 Prozent lag. Ob dies daran liegt, dass diejenigen die den Freischuss nutzen, tendenziell die klügeren, strebsameren oder intelligenteren sind oder aber daran, dass sie noch nicht so verbraucht sind und direkt aus dem Stoff kommen, kann diese Statistik natürlich nicht klären.

Zumindest aber sollte diese Statistik nicht vor dem Freiversuch abschrecken. Es haben nämlich auch 56,6 Prozent der Kandidaten im Freischuss mit besser als „Ausreichend“ bestanden!

 

Last but absolutely not Least: Die Frauen auf dem Vormarsch!

Wer meint die teils konservativen Rechtswissenschaften wären eine Männerdomäne, der irrt zum Glück gewaltig! 2016 waren nämlich fast 57 Prozent der Kandidaten für die erste Staatsprüfung weiblich. Diese Größenordnung gilt auch beim Bestehen des ersten Staatsexamens, denn mehr als 53 % der bestandenen Examen wurden von Frauen abgelegt.

Auch beim zweiten Staatsexamen sieht es nicht anders aus: Die Frauen sind und bleiben in der Überzahl! Sowohl im Verhältnis der Kandidaten, als auch der bestandenen Kandidaten, lag der Frauenanteil hier 2016 bei knapp über 55 Prozent.

 

Die Zahlen 2016 zeigen es einmal wieder: Examensergebnisse sind von Jahr zu Jahr sehr ähnlich. Die Mär von besonders einfachen und besonders schweren Jahren ist somit eigentlich widerlegt. Auf der anderen Seite zeigen die Statistiken aber auch, dass es zwar schwer ist, das Examen zu erlangen aber eben auch nicht unmöglich! Zudem sind die Gesamtnoten häufig doch deutlich besser, als es der Eindruck macht, wenn man über die Noten von uns Juristen liest.

*Quelle: Ausbildungsstatistik Bundesamt für Justiz

 

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Mehr zum Thema Referendariat findest du hier. 

 

Über den Autor

Finn Holzky

Finn Holzky

Schreibt neben seinem Jurastudium seit 2 Jahren für TalentRocket und hat gerade sein 1. Staatsexamen in Göttingen hinter sich gebracht.

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