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Der öffentliche Sektor als juristischer Arbeitgeber

Karrierewege & Fachbereiche

Der öffentliche Sektor als juristischer Arbeitgeber

Eine Vielfalt an Möglichkeiten als Jurist im öffentlichen Dienst zu arbeiten...

 

Der aktuelle Trend zeigt, dass der öffentliche Sektor als Arbeitgeber für Nachwuchsjuristen immer interessanter wird. Welche Möglichkeiten unter anderem bestehen und welche Einsatzfelder Euch dort erwarten, erfahrt Ihr hier:

 

Auswärtiges Amt

Derzeit ist der beliebteste öffentliche Arbeitgeber das Auswärtige Amt. Für viele sind insbesondere die Vielseitigkeit und die Breite der möglichen Aufgaben interessant und anziehend. Die Einsatzfelder reichen vom Rechts- und Konsularwesen über Politik, Wirtschaft und Kultur bis hin zur Presse und Protokoll. Darüber hinaus bietet das Auswärtige Amt mit seinem Rotationsprinzip eine anhaltende Abwechslung.

Die Beschäftigten wechseln nämlich alle drei bis vier Jahre den Arbeitsplatz, nämlich zwischen dem Auswärtigen Amt in Berlin und Bonn und den über 230 deutschen Botschaften und Generalkonsulaten im Ausland – selbstverständlich gemeinsam mit der Familie. Dabei ist dem Auswärtigen Amt bewusst, dass es sich bei dieser hohen Mobilität um eine besondere Herausforderung handelt. Deshalb bestehen Bemühungen, den dienstlichen Neigungen und persönlichen Wünschen sowie den beruflichen und schulischen Belangen der Familienangehörigen entgegenzukommen.

 

Europäische Kommission

Die Europäische Kommission bietet nicht nur viele politische Möglichkeiten, sondern auch den sog. Juristischen Dienst. Die zwei Hauptaufgaben sind zum einen die rechtliche Beratung der Kommission und zum anderen die Vertretung der Kommission vor Gericht:

Der Juristische Dienst hat damit also zur Aufgabe, die Rechtmäßigkeit der Beschlüsse und Entscheidungen der Kommission zu garantieren, wodurch letztlich Rechtsstreitigkeiten vermieden werden. Andernfalls ist der Juristische Dienst der Prozessbevollmächtigte, der die Kommission vor dem Europäischen Gerichtshof [EuGH] in Luxemburg vertritt.

Der Juristische Dienst hat somit eine große Bedeutung für die Kommission. Deshalb untersteht er auch unmittelbar dem Präsidenten der Kommission.

 

Europäische Zentralbank

Die Europäische Zentralbank [EZB] bietet aktuell rund 80 Juristen eine Arbeitsstelle, in den Unterabteilungen Institutional Law, Financial Law, Legislation und Aufsichtsrecht. Die EZB wartet also mit einem großen Spektrum an Einsatzfeldern auf. Dafür werden allerdings maßgeblich Juristen mit Berufserfahrung gesucht oder zumindest solche, die sich nachweislich intensiv mit diesen Einsatzfeldern beschäftigten.

Unerlässlich ist außerdem eine gute Beherrschung der englischen Sprache. Im Gegenzug bietet die EZB eine sehr hohe Flexibilität bei Arbeitszeiten, Teilzeitmodelle und Betreuungsangebote. Die Europäische Zentralbank kann außerdem einen hohen Frauenanteil in der Rechtsabteilung ausweisen.

 

Bundeskartellamt

Das Bundeskartellamt ist eine selbstständige Bundesoberbehörde im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie, mit der Aufgabe der Sicherung des Wettbewerbs. Dazu arbeitet das Bundeskartellamt eng mit der Europäischen Kommission, den Landeskartellbehörden und ausländischen Kartellbehörden zusammen.

Das Bundeskartellamt verfügt über zwölf Beschlussabteilungen, bei denen Juristen beschäftigt sind. Die Einsatzfelder reichen dabei von großen Unternehmensverschmelzungen bis hin zu illegalen Preisabsprachen.

Das Bundeskartellamt bietet außerdem einen familienkompatiblen Arbeitsplatz mit Gleitzeit, flexible Teilzeitmodellen, Telearbeitsplätze sowie ein Eltern-Kind-Büro. Deshalb kann auch das Bundeskartellamt einen hohen Frauenanteil unter den Juristen ausweisen. Darüber hinaus steht hier Work-Life-Balance an oberster Stelle.

Demgegenüber sind das vergleichsweise geringe Gehalt sowie der Standort Bonn für einige Juristen ein Minuspunkt. Außerdem bestehen wenige Aufstiegschancen, dafür aber vielfältige Fortbildungsangebote.

 

 

Bundeskriminalamt

Das Bundeskriminalamt [BKA] bietet für Juristen zwei Berufsfelder an:

  • Volljurist/in in der Vollzugslaufbahn

  • Volljurist/in in der Verwaltungslaufbahn

Bei der Vollzugslaufbahn werden die Juristen in allen BKA-Bereichen eingesetzt, d.h. vom Ermittlungsreferat bis hin zur Verwendung im Justiziariat. Dabei übernehmen auch die Jungjuristen als Stellvertreter/in der Referatsleitung früh Führungsverantwortung, nach einigen Jahren stets mit der Aussicht sich auf eine freie Referatsleiterstelle zu bewerben.

In der Verwaltungslaufbahn werden die Juristen in den „klassischen“ juristischen Bereichen eingesetzt, d.h. etwa im Justiziariat, im Haushalt, bei der Personalbetreuung oder beim Datenschutz. In aller Regel wird auch in diesem Bereich als Regierungsrätin bzw. Regierungsrat frühzeitig Führungsverantwortung übernommen, ebenso nach einigen Jahren mit der Möglichkeit, sich auf eine freie Referatsleiterstelle zu bewerben.

 

Bundeswehr

Wie das BKA bietet auch die Bundeswehr zwei Berufsfelder für Juristen an:

  • Volljurist/in

  • Stabsoffizier/in Recht

Als Volljurist/in bei der Bundeswehr wird man verbeamtet im höheren nichttechnischen Verwaltungsdienst. Zum Aufgabenfeld gehören das Lösen von Rechtsfragen, das Erörtern von Grundsatzfragen sowie die Beratung von militärischen Vorgesetzten in Stäben und Ämtern sowie vor Ort im Einsatzgebiet.

Als Stabsoffizier/in Recht berät man hingegen vielmehr die Dienststellen, etwa bei personalrechtlichen Angelegenheit oder laufbahnrechtlichen Fragestellungen. Hierbei wird also truppendienstliche Praxis mit juristischer Arbeit vereint. Aufstiegschancen bestehen in diesem Berufsfeld bis in die Führungsstäbe und Kommandobehörden.

 

Öffentlich-rechtliches Fernsehen: ARD und ZDF

Das öffentlich-rechtliche Fernsehen bietet Volljuristen die Möglichkeit zur selbstständigen Wahrnehmung von Vertragsbearbeitungsaufgaben, wobei der Tätigkeitsschwerpunkt auf die Erstellung und Abstimmung von Lizenzverträgen sowie dem Erwerb von Fernsehrechten  mit nationalen und internationalen Partnern liegt.

 

Der öffentliche Sektor bietet nicht nur eine Vielzahl an potentiellen Arbeitgebern, sondern auch Mannigfaltigkeit von Aufgaben. In vielen Fällen sind die Arbeitsbedingungen familienkompatibel und es bestehen gute Aufstiegschancen. Aspekte, die bei der Arbeitgeberwahl oftmals ebenso eine wesentliche Rolle spielen. Die meisten oben genannten Arbeitgeber bieten außerdem die Möglichkeit an, eine Referendarstation dort abzuleisten, um einen entsprechenden Einblick in das Arbeitsfeld zu ermöglichen.

 


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16. Juni 2017


Sebastian M. Klingenberg

Autor:

Sebastian M. Klingenberg

hat an der JGU in Mainz Jura studiert, wo er derzeit auch promoviert (Jugend-/Strafrecht & Kriminologie). Nebenbei schreibt er freiberuflich diverse Artikel, die auch auf seinem Blog zu finden sind.

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