Jura Promovierender mit Dissertation

Verfasst von Laura Hörner. Veröffentlicht am 27.06.2022.

Verlag für die Jura-Dissertation: Tipps für die Suche

Kosten, Kriterien und Alternativen zum Verlag

Wer eine Dissertation schreibt, der muss diese der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen – schließlich sollen ja auch andere von der Forschung profitieren. Das bedeutet, dass du deine Jura-Dissertation auf irgendeine Art zugänglich machen musst. Da die meisten sich natürlich eine möglichst professionelle Veröffentlichung wünschen, wählen sie den Weg über einen wissenschaftlichen Verlag. Doch welcher eignet sich am besten für die Dissertationen von Juristinnen und Juristen? Und was kostet eine Veröffentlichung? Wir beantworten alle Fragen zur juristischen Doktorarbeit.

Muss man die Jura-Dissertation über einen Verlag veröffentlichen?

Auf diese Frage gibt es eine ganz klare Antwort: Nein. Zwar muss eine Dissertation veröffentlicht werden, das muss aber nicht unbedingt über einen klassischen Verlag geschehen. Wenn du nicht in der Wissenschaft bleiben möchtest und deine Doktorarbeit faktisch das Ende deiner wissenschaftlichen Karriere darstellt, dann hast du auch viele einfachere und kostengünstigere Möglichkeiten. Zum Beispiel kannst du im Selbstverlag veröffentlichen, deine Arbeit als eBook zur Verfügung stellen oder sie einfach auf dem Hochschulserver hochladen. Wichtig ist, dass du dich vorher informierst, welche Arten der Veröffentlichung in der Promotionsordnung deiner Hochschule anerkannt werden. Hier kann es unterschiedliche Anforderungen geben – vereinzelt akzeptieren Unis zum Beispiel keine reine Onlineveröffentlichung oder einen Selbstverlag.

Möchtest du in der Wissenschaft bleiben oder legst zumindest Wert darauf, dass deine Arbeit in der Zukunft zitiert und im wissenschaftlichen Diskurs berücksichtigt wird, dann solltest du auf jeden Fall einen Verlag wählen.

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Welcher Verlag eignet sich für meine Jura-Dissertation?

Erst einmal vorweg: Die Suche nach einem passenden Verlag (wenn es denn überhaupt einer sein soll) ist nicht so einfach. Welcher Anbieter passt, hängt von individuellen Wünschen ab. Ist es dir besonders wichtig, bei einem renommierten Verlag zu veröffentlichen? Suchst du eher nach einem kostengünstigen Angebot? Soll deine Dissertation auch gedruckt oder nur online verfügbar sein? Zudem spielt die Abschlussnote eine wichtige Rolle: Renommierte Verlage legen Wert darauf, nur qualitativ hochwertige Dissertationen zu veröffentlichen und schauen deshalb auch auf deine Note. Hast du nicht so gut abgeschnitten, kannst du unter Umständen also schon den ein oder anderen Verlag von deiner Liste streichen. Nicht zuletzt behalten sich Fachverlage vor, deine Arbeit noch einmal individuell zu prüfen und dann zu entscheiden, ob sie deine Dissertation in ihrem Programm aufnehmen möchten.

All diese Aspekte musst du berücksichtigen, bevor du dich für einen Anbieter entscheidest. Damit dir die Wahl leichter fällt, haben wir dir eine kleine Übersicht über die bekanntesten Fachverlage für promovierende Juristinnen und Juristen erstellt. Die folgenden Verlage gelten als renommiert und als gute Wahl für die Dissertation. Aber: Du bezahlst hier auch für die Reputation mit, musst also tiefer in die Tasche greifen.

Mohr Siebeck

Der Mohr Siebeck Verlag ist einer der ersten, auf die man bei der Recherche nach einem Verlag für die Jura-Dissertation stößt. Möchtest du hier veröffentlichen, musst du deine gesamte Arbeit mit Kurzbeschreibung, einen akademischen Lebenslauf sowie Kopien der Gutachten deiner Dissertation einsenden. Deine Arbeit wird anschließend geprüft und – wenn sie angenommen wurde – in einer Schriftenreihe veröffentlicht, zu der sie thematisch passt. Du kannst sie dir hier ansehen. Bei einigen dieser Schriftenreihen (z.B. Öffentliches Recht, Strafrecht oder Privatrecht) wird angegeben, dass du nur aufgenommen werden kannst, wenn du in beiden Gutachten mit summa cum laude bewertet wurdest.

Nomos

Auch der Verlag Nomos gehört zur ersten Wahl für Juristinnen und Juristen, die ihre Dissertation auf traditionellem Wege veröffentlichen möchten. Möchtest du hier deine Arbeit unterbringen, dann musst du laut Verlag eine „sehr gute“ Note vorweisen können. Übertragen in das Bewertungssystem der Promotion entspricht das also einem summa cum laude oder mindestens einem magna cum laude. Bevor die Arbeit veröffentlicht wird, wird sie zusätzlich vom Verlag und dessen Lektor:innen sowie von externen Gutachter:innen noch einmal eingehend geprüft.

De Gruyter

De Gruyter ist ein Traditionsverlag, der bereits 1749 gegründet wurde. Unter juristischen Promovierenden genießt er einen guten Ruf für die Veröffentlichung der Dissertation. Über eine bestimmte Note, die für die Veröffentlichung erreicht werden muss, macht der Verlag auf seiner Webseite keine Angabe.

Duncker & Humblot

Auch der Verlag Duncker & Humblot gilt als gute Wahl für die Veröffentlichung der juristischen Dissertation und bietet einen Rundum-Service vom Layout über Lektorat, Druck und Marketing. Zu den Voraussetzungen für die Veröffentlichung gibt der Verlag an, dass mindestens ein magna cum laude von beiden Gutachter:innen vorliegen muss, um eine Aufnahme in das Programm zu ermöglichen.

Peter-Lang-Verlag & Dr. Kovac

Hast du keine Top-Note in deiner Dissertation, möchtest aber trotzdem über einen Verlag veröffentlichen, dann kannst du es einmal bei den Verlagen Dr. Kovac und beim Peter-Lang-Verlag versuchen. Hier sind die Kriterien nicht ganz so streng wie bei den obengenannten Fachverlagen und du hast eher eine Chance, veröffentlicht zu werden. Der Peter-Lang-Verlag gibt beispielsweise an, Dissertationen ab einer Bewertung mit cum laude zu berücksichtigen. Auch die Kosten sind bei den beiden Anbietern in der Regel geringer.

Dissertationsverlage: Alternative zu Fachverlagen

Neben Fachverlagen gibt es auch sogenannte Dissertationsverlage. Im Gegensatz zu ersteren, welche unterschiedliche wissenschaftliche Literatur veröffentlichen, haben sich Dissertationsverlage auf Promotionen spezialisiert und veröffentlichen fast ausschließlich Doktorarbeiten. Hier ist es dementsprechend einfach, veröffentlicht zu werden – und auch kostengünstiger. Dafür sind reine Dissertationsverlage natürlich weniger renommiert und können kaum Prestige vorweisen.

Was kostet die Veröffentlichung der Dissertation?

Wenn du deine Jura-Dissertation veröffentlichst, dann kann das sehr günstig, aber auch sehr teuer werden. Einerseits gibt es kostenlose Angebote – so kannst du zum Beispiel deine Arbeit auf der Webseite deiner Hochschule veröffentlichen und so deine Forschung der Öffentlichkeit zugänglich machen. Beachte aber dabei, dass du meist auch einige gedruckte Exemplare benötigst, die du auf eigene Kosten im Copyshop drucken lassen musst. Das kann je nach Umfang schon mehrere hundert Euro kosten. Für eine wissenschaftliche Karriere ist diese Option nur wenig förderlich, da deine Arbeit von Forschenden vermutlich nicht besonders ernst genommen oder gar nicht erst gefunden wird.

Um bei einem Fachverlag zu veröffentlichen, musst du einiges an Geld in die Hand nehmen. Das liegt daran, dass der Verlag mit dem Verkauf deiner Arbeit wahrscheinlich nur wenig oder vielleicht sogar gar nichts verdienen wird. Die Kosten für Formatierung, Druck, Marketing und Lektorat musst du also selbst decken. Am Gewinn durch den Verkauf deiner Arbeit wirst du nicht automatisch beteiligt. Jeder Verlag handhabt das anders: Manchmal gibt es eine Gewinnbeteiligung, manchmal nicht. Möglich ist auch eine Beteiligung ab der zweiten Auflage. In diese kommen aber nur die wenigsten Dissertationen.

Wie viel eine Veröffentlichung genau kostet, hängt vor allem vom Anbieter sowie vom Umfang deiner Arbeit ab. Die Anbieter geben auf ihren Websites keine Preise an, stattdessen bekommst du auf Nachfrage ein individuelles Angebot. Bei einem renommierten Verlag kann es gut sein, dass du mehrere tausend Euro (etwa 1.000 bis 5.000 €) für die Veröffentlichung bezahlst. Das ist ganz schön viel Geld für einen Promovierenden und lohnt sich deshalb wie oben schon erwähnt nur, wenn du dir eine Zukunft in der Wissenschaft vorstellen kannst. Am besten holst du dir mehrere Angebote zum Vergleich ein. Veröffentlichst du über einen Dissertationsverlag, kommt du günstiger weg und zahlst etwa zwischen 400 und 1.000 €. Individuell können natürlich auch niedrigere oder höhere Preise anfallen.

Tipp: Geld zurück über die VG Wort

Viele Promovierende wissen nicht, dass sie für ihre Dissertation bezahlt werden können – und zwar über die Verwertungsgesellschaft Wort, welche Tantiemen für veröffentlichte Werke ausschüttet. Das kann sich teilweise richtig lohnen. Dafür musst du lediglich einen Wahrnehmungsvertrag mit der VG Wort abschließen und deine Arbeit innerhalb einer festgesetzten Frist bei der Gesellschaft melden.

Die Verlagssuche ist für viele Promovierende kein schönes Thema: Kaum ist die Dissertation abgeschlossen, steht man schon von der nächsten Herausforderung. Und soll dann auch noch eine große Summe dafür bezahlen. Die hohen Kosten stehen schon länger in der Kritik, denn gerade für Promovierende mit geringem Einkommen, die von ihren Familien nicht unterstützt werden, bedeutet dies eine hohe finanzielle Belastung. Oftmals müssen diese dann auf günstigere und weniger anerkannte Alternativen zum Fachverlag zurückgreifen. Bist du dir bei der Wahl des Verlages unsicher, lohnt es sich übrigens, dir den Rat deines Doktorvaters oder deiner Doktormutter einzuholen. Diese haben viele Erfahrungswerte und können dir die Entscheidung erleichtern.