Juristin plant ihre Promotion

Verfasst von Laura Hörner. Veröffentlicht am 27.09.2021.

„Doktor der Rechte“: So planst du die Promotion

Bewerbung und Finanzierung für deinen Jura-Doktortitel

Wer zusätzlich zu seinem Jurastudium auch noch zum Dr. jur. werden möchte, der braucht viel Durchhaltevermögen. Denn die Promotion kostet Zeit – zusätzlich zum ersten und zweiten Staatsexamen musst du noch einmal mindestens ein, vermutlich aber gleich mehrere Jahre investieren. Anders als zum Beispiel in naturwissenschaftlichen Studiengängen ist die Promotion in Jura eher die Ausnahme als die Regel. Warum es sich dennoch oder vielleicht gerade deshalb lohnen kann, wie du deine Promotion am besten vorbereitest und wie du ein überzeugendes Exposé schreibst, erfährst du bei uns!

Ist der Doktor für Juristen noch relevant?

Zwei Staatsexamen sind doch eigentlich genug – warum dann noch an der Uni bleiben? Die Antwort darauf ist ganz individuell. Einerseits fühlen sich viele Doktoranden an der Uni wohl. Sie möchten noch nicht ins Berufsleben starten, sondern sehen in der Forschung eine Möglichkeit, ihr Wissen noch weiter zu vertiefen und vielleicht sogar eine wissenschaftliche Karriere zu beginnen. Andererseits ist der Doktor auch für Juristen nicht nur ein Statussymbol, sondern kann eine Eintrittskarte in heiß begehrte Jobs sein. Denn die formale Qualifikation hat in der juristischen Arbeitswelt noch immer einen hohen Stellenwert.

Auch in der steigenden Beliebtheit des LL.Ms spiegelt sich dies wider: Umso spezialisiert, desto besser. Nach wie vor genießt der Doktor in Deutschland einen guten Ruf und eignet sich als Alleinstellungsmerkmal, denn nicht viele Juristen schlagen diesen Weg ein. Wer eine Promotion vorweisen kann, der kann zudem mit einem höheren Gehalt rechnen: rund 14.000 € mehr pro Jahr verdienen promovierte Juristen im Schnitt im Vergleich zu Kollegen ohne Doktortitel. Nicht unerwähnt bleiben sollte jedoch, dass der Doktortitel in der juristischen Arbeitswelt nicht mehr über den Stellenwert verfügt, den er einmal hatte.

Promovieren nach dem ersten oder dem zweiten Examen: Wann ist der beste Zeitpunkt?

Um zum Doktor der Rechte zu werden, benötigst du zunächst einmal einen juristischen Abschluss. Ob du das zweite oder nur das erste Staatsexamen vorweisen kannst, ist dabei erst einmal irrelevant – allerdings solltest du dir bereits im Voraus Gedanken darüber machen, welcher Zeitpunkt für dich der richtige ist. Die Promotion nach dem ersten Staatsexamen bringt den Vorteil mit sich, dass du noch nicht in Versuchung bist, andere (und zugegebenermaßen deutlich besser bezahlte) Jobs anzunehmen. Andererseits bedeutet das auch, dass du zwischen dein erstes Staatsexamen und dein Referendariat mehrere Jahre einschieben musst und währenddessen unter Umständen viel Wissen für das zweite Examen verlierst. Möglicherweise ergeben sich aber dank deiner Promotion spannende Jobmöglichkeiten – und die Note deines zweiten Examens rückt darüber in den Hintergrund.

Umgekehrt verhält es sich mit einer Promotion nach dem zweiten Staatsexamen. Hier musst du dir keine Gedanken mehr über deinen Abschluss machen, den hast du ja bereits in der Tasche. Aber hast du wirklich das Durchhaltevermögen und auch die finanziellen Möglichkeiten, nach so vielen Jahren an der Uni noch weiterzumachen? Viele Absolventen entscheiden sich stattdessen dafür, einen gut bezahlten Job anzunehmen – und aus ist der Traum vom Doktortitel.

Viele Absolventen entscheiden sich stattdessen dafür, nach dem zweiten Examen lieber einen gut bezahlten Job anzunehmen – und aus ist der Traum vom Doktortitel.

Oder vielleicht nicht ganz, denn natürlich kannst du auch nebenberuflich promovieren oder zu einem späteren Zeitpunkt ganz aus der Berufswelt an die Uni zurückkehren. In der Praxis geschieht vor allem letzteres aber eher selten.

Der erste Schritt: Die Bewerbung auf deine Doktorandenstelle

Wer einen Doktor in Jura absolvieren möchte, der braucht zunächst einmal eines: gute Noten. Auch ohne ein Vollbefriedigend hast du Chancen auf die Stelle, zum Beispiel, wenn du in einem Schwerpunktbereich besonders gute Leistungen zeigst oder bereits Kontakte zu dem Lehrstuhl hast. Kennt der Professor dich persönlich (zum Beispiel aus einem Seminar), steigen deine Chancen.

Aber wie kommst du denn nun konkret an die Stelle? Zunächst einmal solltest du dich informieren, ob an es an deinem favorisierten Lehrstuhl überhaupt freie Stellen für eine Promotion gibt. Grenze dich dabei nicht allzu sehr ein: Auch an einer anderen Hochschule kannst du deinen Doktortitel erlangen. Oder du ziehst eine Promotion im Ausland in Betracht

Informiere dich im nächsten Schritt über die Anforderungen und die benötigten Dokumente für eine Bewerbung. Meist sind die Bewerbungsverfahren standardisiert. Reichst du nicht alle benötigten Dokumente ein, kann das dazu führen, dass du gar nicht erst berücksichtigt wirst. Wenn du die Möglichkeit hast, sprich auch persönlich mit Angestellten des Lehrstuhls, Doktoranden oder im besten Fall sogar mit dem Professor selbst. Das gibt dir eine Möglichkeit einzuschätzen, welche Themen relevant sein könnten (insofern sie nicht vorgegeben werden) und was im Bewerbungsprozess von dir erwartet wird.

So überzeugst du den Doktorvater mit deinem Exposé

Hast du alle notwendigen Informationen eingeholt, dann wird es Zeit, dass du dich auf die Stelle bewirbst. Das geschieht in der Regel nicht nur anhand einer klassischen Bewerbung mit Lebenslauf und Co, sondern vor allem mithilfe eines Exposés. Dieses erstellst du sowohl um deinen Doktorvater von deinem Thema zu überzeugen als auch, um dir selbst einen besseren Überblick über das zu verschaffen, was auf dich zukommt. Es sollte recht kurz gehalten sein und nicht mehr als zehn Seiten umfassen. Gehe bei der Erstellung gewissenhaft vor, denn das Exposé bildet die Basis für deine Arbeit in den nächsten Jahren! Bezüglich der Struktur kannst du dich an diesem Aufbau orientieren:

1. Zeige kurz dein Thema auf, was dich daran reizt und weshalb das Thema eine Relevanz hat.

2. Umreiße, wie der bisherige Forschungsstand zu dem Problem ist, welche Literatur es bereits gibt und wie dein Thema in diesen Kontext passt.

3. Formuliere deine Ziele und deine Fragestellungen und weise eventuell bereits auf mögliche Ergebnisse deiner Forschung hin.

4. Stelle einen ungefähren Zeitplan auf.

5. Mache dir Gedanken über die vorläufige Gliederung deiner Arbeit.

6. Unter Umständen kannst du eine Bibliografie anfügen.

 

Je nachdem, was dein Doktorvater von dir erwartet oder wie weit du in deiner Recherche bereits fortgeschritten bist, kannst du zusätzlich deine bisherige Vorarbeit zusammenfassen. Auch den von dir gewählten Methoden kannst du einen Abschnitt in deinem Exposé widmen.

Pro-Tipp: Frage aktuelle oder ehemalige Doktoranden deines Doktorvaters, worauf dieser Wert legt und wie sie es gemacht haben!

Hier warten mehr hilfreiche Tipps bezüglich deiner Themenwahl auf dich:

Und wer bezahlt das Ganze?

Bleibt noch die letzte Frage: die Finanzierung. Wirst du nicht gerade von deinen Eltern unterstützt, musst du dir eine Möglichkeit suchen, während deiner Promotion deinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Die beliebteste Option dafür ist ganz klar das Stipendium. Informiere dich darüber, welche Möglichkeiten du in diese Richtung hast, mache dir aber nicht zu große Hoffnungen. Stipendien für Doktoranden sind genauso rar wie sie beliebt sind. Einen Versuch ist es jedoch in jedem Fall wert! Weiterhelfen kann dir dabei zum Beispiel der Stipendienlotse des BMBF.

Die meisten Doktoranden werden neben ihrer Promotion als wissenschaftliche Mitarbeiter angestellt. So können sie sich etwas dazuverdienen und arbeiten gleichzeitig an der Uni, was Zeit sparen kann. Im besten Fall können sie sich sogar während der Arbeit mit ihrem Thema beschäftigen. Doch auch außeruniversitäre „Nebenjobs“ sind denkbar: So kannst du zum Beispiel in Teilzeit in einer Kanzlei oder in der Rechtsberatung eines Unternehmens arbeiten und dabei wertvolle Berufserfahrung sammeln.

Auch wenn er neben dem LL.M. zunehmend an Wert verliert, ist der Doktor noch immer eine gute Möglichkeit für Juristen, ihr Profil zu verbessern. Nur aus Karrieregründen die Promotion anzustreben, ist jedoch nicht unbedingt sinnvoll – du solltest auch Spaß am wissenschaftlichen Arbeiten haben. Kommt die Promotion für dich infrage, so ist eine gute Planung unverzichtbar: Mache dir sowohl über das Thema als auch über den richtigen Zeitpunkt und deine Herangehensweise viele Gedanken. Zum Doktor der Rechte wirst du nicht mal so nebenbei!