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Pflichtpraktikum im Europäischen Parlament?

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Pflichtpraktikum im Europäischen Parlament?

Viele Wege führen nach Brüssel

#Ausland  #Praktikum
 

Als Student ein Praktikum bei internationalen Organisationen wie der UNO oder der EU zu ergattern erweist sich oftmals als nicht besonders einfach. Dies gilt auch und gerade für die Institutionen der EU, allen voran für die Kommission. Es kommen allerdings noch einige Aspekte speziell für Jurastudenten hinzu, die in Brüssel die Vertretungen der Bundesländer und vor allem das Europäische Parlament für ein studienbegleitendes Praktikum interessanter machen.

 

Praktikum bei einem Abgeordneten –  in den Semesterferien und ggf. als juristisches Pflichtpraktikum

Zunächst erfordern nämlich die offiziellen Praktikantenprogramme bei den Institutionen (Rat oder Kommission) ein langes und aufwendiges Bewerbungsprozedere. Doch es gibt noch einen gewichtigeren Grund für Jurastudenten, sich für ein Praktikum beim Europäischen Parlament zu entscheiden: Will man das Praktikum in den Semesterferien absolvieren, scheiden Rat und Kommission aus, denn die dortigen Programme sind auf eine längere Zeit ausgelegt, für die deutsche Semesterferien schlicht zu kurz sind.
Der Vorteil bei einem Abgeordneten des Europäischen Parlamentes: Die Dauer des Praktikums in seinem Büro ist grundsätzlich individuell verhandelbar. So ist es möglich eine kürzere Zeit zu vereinbaren und diese zudem in die Semesterferien zu legen. Daraus ergibt sich sogar ein weiterer Vorteil, wenn es sich bei dem Abgeordneten oder einem seiner wissenschaftlichen Mitarbeiter um einen (deutschen oder ausländischen) Volljuristen handelt, kann man das Praktikum sogar als Pflichtpraktikum im Sinne der Studienordnungen bzw. Juristenausbildungsgesetze anrechnen lassen.

 

Bewerbungen bei Abgeordneten

Zur Bewerbung sollte man sich „interessante“ Abgeordnete auf den Seiten des Europäischen Parlamentes anschauen. Da es nicht wenige Bewerbungen für diese Art von Praktika im Brüsseler Parlament gibt, kann und sollte man sich durchaus quer durch die Fraktionen bewerben, natürlich vorbehaltlich eigener parteipolitischer Präferenzen. Absagen oder keine Rückmeldungen sollten einen hierbei nicht enttäuschen. Allerdings gilt einschränkend: Die meisten Abgeordneten anderer Mitgliedstaaten sind mit den kurzen Praktika deutscher Studenten in den Ferien nicht vertraut. So schreiben französische Abgeordnete oftmals keine Praktikantenstellen auf ihren persönlichen Webseiten aus, wenn doch, so sind diese auf mehrere Monate ausgelegt.



 

Die inhaltliche Arbeit im Parlament – Recherchen und Protokolle, Protokolle, Protokolle

Um es vorweg zu nehmen: eine generalisierende Aussage bezüglich der Einbindung in die inhaltliche Ausschussarbeit kann bei 751 Abgeordneten nicht getroffen werden. Es gilt gleichwohl, dass die unzähligen Praktikanten in den Brüsseler Institutionen nicht zu unterschätzende Funktionen übernehmen. So recherchieren sie in der Regel zu relevanten Gesetzgebungsvorhaben oder erstellen Berichte zu implementierten Regelungen. Eine weitere Gemeinsamkeit der meisten Praktikanten im Europäischen Parlament und derer in den EU-Institutionen, bei Lobbyisten und anderen internationalen Organisationen ist indes, dass sie Ergebnisprotokolle zu den Ausschusssitzungen des Parlamentes für ihre Vorgesetzten erstellen müssen. Dies hat einen einfachen Grund: Anders als in nationalen Parlamenten fehlt es im Europäischen Parlament an einem effektiven und vor allem schnellen stenografischen Dienst, zumindest für die Ausschüsse. Daher füllen bei Ausschusssitzungen Dutzende von Praktikanten die Reihen hinter den Abgeordneten.

 

Leben in Brüssel, einer der wohl internationalsten Städte der Welt

Das Leben in Brüssel gehört zu den wohl internationalsten der Welt, da nicht nur die EU, sondern auch die NATO ihren Sitz in der (überdies belgischen Hauptstadt) Brüssel hat. Allseits bekannt sind die zahllosen Einladungen zu politischen Abenden von Lobbyisten, Botschaften und anderen Institutionen, die mit Vorträgen oder Podiumsdiskussionen verbunden sind. Diese sind nicht nur für Abgeordnete offen. Vielmehr trifft man hier vorwiegend junge Mitarbeiter, da es stets die Gelegenheit zum kostenlosen und oft schmackhaften Abendessen am Buffet gibt. So hat man die Gelegenheit, andere junge Menschen aus aller Herren Länder kennenzulernen. Mit diesen Kollegen kann man oftmals das Brüsseler Nachtleben, wie auch die Umgebung Brüssels am Wochenende gemeinsam erkunden.

 

Brüssel ist teuer – Finanzierung des Praktikums

Nicht unterschlagen werden sollen an dieser Stelle die Finanzierung eines Auslandaufenthalts. Die Mieten in Brüssel sind hoch, wenngleich sie weit etwa unter Londoner Verhältnissen liegen. Man muss mit mindestens 500 €/Monat für eine derart kurze Mietdauer rechnen. Zumindest das Mittagessen in der Kantine des Parlaments oder in den berühmten Brüsseler Pommesbuden ist erschwinglich und wie beschrieben gestaltet das Abendprogramm sich meist von selbst. Doch für Ausflüge in und um Belgien (Brügge sei hier empfohlen wie auch in die Niederlande) muss man natürlich noch ein paar Hundert Euro einkalkulieren. Leider werden, und das ist ein Nachteil eines dieser kurzen Praktika, bei den meisten Abgeordneten – wie auch bei den Landesvertretungen – keine oder geringe Vergütungen gezahlt. Eine generelle Ausnahme sind hier die deutschen Grünen im Parlament, die ein paar Hundert Euro im Monat als Unterstützung für Praktikanten gewähren. Und wegen der Kürze und des Zeitpunktes in den Ferien kommt eine Förderung über Erasmus oder BAföG leider auch nicht in Betracht.

 

Ein Praktikum in Brüssel lohnt sich für jeden Jurastudenten. Das Europarecht spielt in nahezu jedem Rechtsgebiet eine prägende Rolle. Deshalb sollte man sich auch mit den politischen Prozessen in der Union auseinandersetzen. Wenn sich dies noch mit einem Pflichtpraktikum im Jurastudium verbinden lässt und die Finanzierung steht, so ist dies auf jeden Fall alle Mühe und Anstrengung wert.


Auch interessant:

Tipps für ein Auslandspraktikum - Auch während des Jurastudiums machbar?

 

30. November 2016


Johannes Jäger - Autor bei TalentRocket

Autor:

Johannes Jäger

Johannes hat in Bonn, Lausanne und Würzburg Jura studiert. Nach dem ersten Staatsexamen promoviert er derzeit in Würzburg macht sein Rechtsreferendariat in Frankfurt.

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