Verfasst von Finn Holzky. 

Was kostet ein Jurastudium?

Das sind die größten Kostenfaktoren

Dass das Jurastudium weder leicht, noch in ein paar Semestern absolviert ist, sollte soweit bekannt sein. Dass dementsprechend die Kosten auch ein bisschen höher ausfallen müssen, liegt ebenfalls auf der Hand. Doch was genau ein Jurastudium kostet, welche Unterschiede es gibt und welche Kostenfallen man als Student umgehen sollte, ist nicht jedem klar. Um diese Fragen zu klären und zumindest eine grobe Planbarkeit eines Jurastudiums zu ermöglichen, haben wir einmal die Fakten zusammengetragen und Bilanz gezogen.

 

Der größte Kostenfaktor sind die Kosten für den täglichen Bedarf

"Das Leben ist teuer" hört man immer wieder und so richtig widersprechen kann man nicht. Das gilt trotz vieler Vergütungen auch für das Leben von Studenten und daher sollte zumindest ein grober Finanzplan existieren. Denn auch wenn die Kosten für den Lebensunterhalt sowohl von der eigenen Lebensführung als auch von dem Standort und ein wenig natürlich auch vom Glück, vor allem am Wohnungsmarkt, abhängen, können zumindest die Durchschnittskosten recht gut angegeben werden.

Man kann es sich natürlich einfach machen und einfach den Bafög-Höchstsatz annehmen und diesen mit der Anzahl der voraussichtlich benötigten Monate multiplizieren. Dieser Höchstsatz beträgt aktuell für Studenten, die nicht mehr zu Hause leben, 735,- Euro im Monat. Wirft man allerdings einen Blick in die Aufstellung dieses Bafög-Höchstsatzes, fällt schnell auf, dass zum Beispiel der Anteil für das Wohnen lediglich mit 250,- Euro im Monat berechnet wird. Das mag in einigen Teilen des Landes und vor allem in Wohnheimen ausreichend sein, ein Großteil der Studenten muss jedoch monatlich deutlich mehr fürs Wohnen ausgeben. Insbesondere in den Metropolen wie Hamburg, München oder Frankfurt am Main und in kleinen aber beliebten Universitätsstädten wie Heidelberg, Freiburg, Göttingen oder Münster ist das Wohnen deutlich teurer.

 

Der Bafög-Höchstsatz kann also zur Orientierung genutzt werden, sollte aber auch an den eigenen Lebensstandard und vor allem an den Wohnort angepasst werden.

 

Wer nicht mehr Geld zur Verfügung hat bzw. haben wird, sollte sich daher nach günstigeren Studienorten umsehen. Das mag zwar etwas störend sein, es ist jedoch positiv hervorzuheben, dass in Deutschland die Universität weniger wichtig ist, als zum Beispiel in Großbritannien oder den USA.

 


Wir haben nachgefragt:

Lohnt sich das Jurastudium in Zeiten der Digitalisierung überhaupt noch?


 

Die „Studiengebühren“

Mittlerweile haben alle Bundesländer die Studiengebühren wieder abgeschafft. Als letztes hat dies Niedersachsen getan, welches am längsten die 500,- Euro pro Semester eingezogen hat.

 

Doch auch ohne die Studiengebühren ist ein Semester nicht kostenlos, denn es werden das Studienticket, der Semesterbeitrag und viele weitere Kosten im Voraus eingezogen.

 

Mit durchschnittlich 250,- bis 300,- Euro müssen Studierende hierfür rechnen. Bei einer Durchschnittsstudienzeit von 10 bis 12 Semestern bedeutet dies Kosten zwischen 2.500,- und 3.600,- Euro.

 


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Kosten für das Studium, die Universität oder Lernmaterialien

Dieser Punkt ist unter Jurastudenten besonders umstritten, denn im Jurastudium kann man mitunter eine sehr kostspielige Materialschlacht veranstalten, aber auch genauso gut quasi zum Nulltarif studieren. Das hängt auch ein bisschen von der Bibliothek ab, in der Regel sind diese jedoch ausreichend ausgerüstet.

Jedenfalls vorhanden sind stets alle wichtigen Lehrbücher und Kommentare und mit diesen lässt sich grundsätzlich alles erlernen, was es braucht, um das Jurastudium erfolgreich zu absolvieren. Allerdings haben viele Studenten so ihre Probleme mit den Lehrbüchern oder wollen diese wenigstens ergänzen, sei es mit Skripten oder mit Karteikarten. Während letztere sehr günstig selbst hergestellt werden können, sind erstere häufig nur für vergleichsweise viel Geld zu haben. Einige Universitäten bieten ihren Studenten hingegen ebenfalls Zugang zu vielen verschiedenen Skripten an und selbst wenn keine Skripten vorhanden sind, lohnt sich oft der Blick auf Ebay und Co.

 

Dennoch zeigt sich bereits hier: Zwischen umsonst studieren und sehr viel Geld ausgeben liegen nur ein paar Skripten und der Weg zur Buchhandlung.

 

Zudem buchen immer wieder Studenten auch schon während des Studiums extra Kurse, um Gelerntes zu vertiefen. Über den Sinn oder Unsinn dieser Methode kann man streiten, Fakt ist aber, dass es in der Praxis keine Seltenheit ist. Im Schnitt werden in verschiedensten Studien monatliche Kosten zwischen 20 und 40 Euro angegeben. Viele Studierende bleiben sicher deutlich darunter, andere geben auch mehr aus. Wer in Geldnot ist, kann aber auch quasi „umsonst“ lernen.

 


Kann man auch ohne Voll-Abitur Jura studieren?

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Das Repetitorium: Kostenfalle oder notwendige Institution?

Nicht minder umstritten ist der Besuch eines Repetitorium.

 

Sie sind im traditionellen Jurastudium eine Institution und schon Goethe besuchte zum Bestehen seines juristischen Examens ein solches Repetitorium.

 

Die Universitäten verbessern die Uni Repetitorien mittlerweile und daher werden immer mehr Stimmen laut, die auf die zu teuren und kaum mehr besseren Repetitorien schimpfen. Dennoch zieht es bisher den Großteil der Studenten und Studentinnen nach wie vor in die privaten Repetitorien, die an allen Universitätsstandorten mit einer juristischen Fakultät bereitstehen.

Ein Repetitorium ist dabei alles andere als günstig und monatlich fallen in der Regel etwas mehr als 100,- Euro für den Besuch samt Unterlagen an und wer dazu noch einen Kurs für Klausuren buchen möchte, der wird noch einmal zur Kasse gebeten.

 

Durchschnittlich kann man für das Repetitorium und die damit verbundene Vorbereitung auf das Examen noch einmal rund 2.000,- Euro rechnen.

 

Gute Absolventen gibt es sowohl mit als auch ohne vorangegangenes Repetitorium und im Ergebnis kommt es wohl auf die eigenen subjektiven Ansprüche an. Gerade wenn viele Kommilitonen aber das Repetitorium besuchen, fällt es vielen Studenten schwer, einen anderen Weg zu gehen.

Allerdings hat auch hier die Digitalisierung zugeschlagen und immer mehr und vor allem immer bessere Onlineangebote kommen auf den Markt. Wer ein Online Repetitorium bucht, der spart oft bares Geld, verzichtet aber auf den direkten Kontakt mit Dozenten und anderen Studierenden.

 


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Die Abrechnung: So viel kostet ein Jurastudium

Unter der Annahme der durchschnittlichen Studienzeit von zehn bis zwölf Semestern kommt man auf folgende Kosten:

  • Monatliche Kosten in Höhe des Bafög-Höchstsatzes für Wohnen, Leben, Essen und Trinken, Versicherungen und Lernmaterialien sowie dem Grundbedarf an Kleidung, Hygiene etc.
  • Zehn bis zwölf Semesterbeiträge in Höhe von durchschnittlich 275,- Euro
  • Kosten für ein durchschnittliches Repetitorium mit Gruppenunterricht und Kurs zum Klausuren schreiben: 1.500,- bis 2.000,- Euro
  • Kosten für zwölf Semester Jurastudium bis zum Abschluss des 1. Staatsexamens:

12 Semester x 6 Monate à 735,- Euro = 52.920,- Euro  

+ 12 Semester x Semesterbeitrag von 275,- Euro = 3.300,- Euro

+ 1 Repetitorium = 2.000,- Euro =  58.220,- Euro

 

Selbstverständlich fällt nicht jedes Jurastudium so teuer aus. Wer zum Beispiel an einer Universität im Osten deutlich schneller studiert, der kann bis zu 4 Semester einsparen und dabei gleichzeitig monatlich noch deutlich geringere Kosten haben. Zumindest als grobe Orientierung kann diese Rechnung aber in jedem Fall herhalten und für ein durchschnittliches Jurastudium müssen daher knapp 60.000,- Euro finanziert werden.

 


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