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Was macht eigentlich ein Inhouse-Jurist?

Karrierewege & Fachbereiche

Was macht eigentlich ein Inhouse-Jurist?

Eine kritische Betrachtung des Aufgabenspektrums dieser juristischen Berufsbezeichnung

 

Was ist ein Inhouse-Jurist?

Von Inhouse-Juristen spricht man dann, wenn ein Jurist nicht als externer Rechtsbeistand von einem Unternehmen hinzugerufen wird, sondern ausschließlich bzw. weit überwiegend für das Unternehmen tätig ist. Ob er dabei in einem gewöhnlichen Arbeitnehmerverhältnis angestellt ist oder als formell eigenständiger Syndikusanwalt fungiert, ist für die Bezeichnung Inhouse-Jurist zunächst einmal unwichtig.

 

Was sind seine Aufgaben?

Diese Frage kann nur differenziert beantwortet werden. Unterschieden werden muss zwischen Juristen in großen Konzernen und denen, die in kleineren Rechtsabteilungen von mittelständischen Betrieben tätig sind.

 

Im Großkonzern

Der Inhouse-Jurist von Großkonzernen ist sehr gut vergleichbar mit einem Anwalt einer größeren Kanzlei. Er betreut eben nur einen Mandanten, sein Unternehmen. In größeren Rechtsabteilungen gibt es ähnliche Strukturen, wie in Kanzleien. Folglich gibt es eine Aufteilung der verschiedenen Themengebiete. So kann ein Inhouse-Jurist in einem Großkonzern beispielsweise nur für arbeitsrechtliche Belange eingestellt sein, ein zweiter achtet auf die Einhaltung von Compliance Vorschriften und ein Dritter ist für die Vertragsgestaltung mit Handelspartnern zuständig.

 

Im kleineren Unternehmen

Anders sieht es hingegen in kleineren Unternehmen mit ebenfalls kleinen Rechtsabteilungen aus. Hier gibt es den Einzelkämpfer oder kleine Teams von zwei bis drei Juristen. Es kann also durchaus vorkommen, dass die drei oben genannten Rechtsgebiete auf einen Juristen fallen. Mitunter können auch noch Rechtsgebiete hinzukommen.

Vor eben dieser Problematik warnen Kritiker schon länger. Die Qualität der Arbeit muss natürlich unter dieser Last leiden. Darüber hinaus zieht beispielsweise Justiziar Michael Scheer, Mitglied im geschäftsführenden Ausschuss der Syndikusanwälte im Deutschen Anwaltverein Parallelen zum Fachanwalt. Ein als Anwalt tätiger Jurist darf nicht mehr als zwei Fachanwaltsprüfungen ablegen, damit die Qualität seiner Arbeit nicht in Mitleidenschaft gezogen wird. Eben dies fordert Scheer auch für den Tätigkeitsbereich von Inhouse-Juristen.

 

"auch einmal nein zu sagen und eigene Kernaufgaben nicht durch Zusatzaufgaben zu verwässern"

... Michael Scheer zu seinen Kollegen in überlasteten Rechtsabteilungen.

 

Doch diese Einwände beruhen nicht nur auf der potentiellen Überlastung der Syndici. Gefahr droht auch von Rechtens wegen. Das Haftungsrisiko, das einige Inhouse-Juristen auf sich nehmen durch die von ihnen verlangte allumfassende Rechtsberatung, ist völlig unüberschaubar. Daher raten Experten dazu, Kompetenzbereiche klar abzugrenzen und ausufernde Haftungsrisiken bereits in Verträgen auszuschließen.

 

 

Was verdienen Inhouse-Juristen?

Was für die Tätigkeiten gilt, muss auch für die Gehälter gelten. Leider ist es hier nicht so, dass der Jurist, der die meisten Fachgebiete abdecken muss, auch am meisten verdient. In der Regel wird je nach Größe des Unternehmens auch ein höheres Gehalt geboten. Ausnahmen gibt es wenige. Besonders gut verdienen Unternehmensjuristen in den klassisch gut bezahlten Branchen. Also im Finanzwesen, der Automobilindustrie sowie der Chemie- und Pharmabranche. Die Einstiegsgehälter liegen in der Regel leicht über denen im Staatsdienst, aber noch recht deutlich unter den Spitzengehältern von Großkanzleien. In den genannten Branchen sind Einstiegsgehälter zwischen 45.000 Euro und 60.000 Euro zu erwarten. In Verbänden oder anderen Geschäftsbereichen sind zwischen 35.000 und 45.000 Euro üblich. Deutlich über diesen Gehältern werden nur vereinzelte Stellen von großen börsennotierten Unternehmen mit sehr hoher Arbeitsbelastung und Verantwortung für Berufseinsteiger ausgeschrieben.

Bei der Arbeitsbelastung können Unternehmen in der Regel im Gegensatz zum Anwaltsgeschäft der Kanzleien punkten. Häufig sind die Arbeitszeiten an die Tarife der Produktion angeglichen. 60+ Stunden pro Woche sollten hier die absolute Ausnahme sein.

 

Der Job als Inhouse-Jurist kann also sehr vielseitig und spannend aber auch extrem fordernd sein. Die Gehälter und Aufgabengebiete variieren von Unternehmen zu Unternehmen sehr. Die Größe der Rechtsabteilung ist hierfür der maßgebliche Faktor. Interessierte sollten diese Alternative zu den klassischen juristischen Berufen nicht vernachlässigen!

 

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26. September 2016


Finn Holzky

Autor:

Finn Holzky

Schreibt neben seinem Jurastudium seit 2 Jahren für TalentRocket und hat gerade sein 1. Staatsexamen in Göttingen hinter sich gebracht.

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