Vorbereitung auf die mündliche Prüfung in Jura

Verfasst von Thomas Kahn. 

Angst vor der mündlichen Prüfung? Nicht mit diesen Tipps!

So bereiten sich Juristen richtig vor

Die größte Hürde deines Studiums hast du hinter dich gebracht: Die Examensklausuren sind geschrieben und du hast dich von den Strapazen schon ein bisschen erholt. Was kannst du jetzt tun, um dich optimal auf die letzte Prüfung deines Studiums vorzubereiten? In diesem Beitrag erfährst du es!
 

Erhol dich gut, aber leg sofort fest, wann du wieder mit dem Lernen anfängst

Ganz klar: Niemand von uns hat Lust, sich nach der langen Vorbereitungszeit und den anstrengenden Examensklausuren noch einmal aufzuraffen und mit der Lernerei von vorne zu beginnen. Das ist auch erst einmal nicht nötig. Stattdessen ist jetzt Erholung angesagt!

Wichtig ist nur, dass du dir von Anfang an einen festen Termin setzt, an dem du den Kampf wieder aufnimmst. Das hat den großen Vorteil, dass du vorher nicht ständig darüber nachdenken musst, ob du nicht gerade eigentlich schon wieder am Schreibtisch sitzen solltest. So ein schlechtes Gewissen trägt ja schließlich nicht gerade zur Erholung bei!

Den Verbesserungsversuch wagen!

Mache den Termin verbindlich 

Wenn du dich erst einmal dazu entschieden hast, wann du wieder lernen möchtest, empfiehlt es sich, dieses Datum auch verbindlich zu machen. Markier es dir also auf jeden Fall fett im Kalender. Falls das allein nicht ausreicht, kannst du zusätzlich überlegen, es auf deinen Social Media-Accounts zu posten. Oder du bittest einen zuverlässigen Freund, dich an deinem Versprechen festzuhalten. Und falls auch das noch nicht genug ist, gib ihm doch 50 € (oder noch mehr) als Pfand!

Diejenigen unter euch, die mit Anki lernen und schon jetzt unter Albträumen leiden, in denen sie von tausend fälligen Karteikarten verfolgt werden, kann ich übrigens beruhigen: Zwar stimmt es, dass nach eurer Pause in Anki einige Wiederholungen auf euch warten werden. Mit der richtigen Wiederholungsstrategie ist das aber gut in den Griff zu kriegen: Denn weil ihr in eurer Erholungsphase nicht mehr jeden Tag neue Karteikarten gelernt habt, kommen in der Zeit danach auch nicht mehr jeden Tag viele Wiederholungen hinzu.

Das bedeutet: Wenn ihr euch auf einen Stapel konzentriert und konsequent daran arbeitet, alle fälligen Karten in diesem einen Stapel zu wiederholen, werdet ihr schnell Erfolge sehen und fast jeden Tag ein weiteres Rechtsgebiet zurückerobern. Das kann überaus motivierend sein!
 

Reden üben, üben, üben!

Um in der Mündlichen gut abzuschneiden, reicht es nicht aus, dass du den Stoff beherrschst, du musst diesen auch sicher und kompetent präsentieren können. Es gibt keinen besseren Weg, um diese Fähigkeit zu trainieren, als dich mit deiner Lerngruppe zu treffen und die Prüfungssituation zu simulieren.

Achtet dabei darauf, die spätere Situation so realistisch wie möglich abzubilden, idealerweise sogar in der Sitzordnung. Wir haben uns damals zweimal pro Woche getroffen und pro Sitzung zwei Rechtsbereiche geprüft, wobei wir uns mit der Rolle des Prüfers jeweils abgewechselt haben. Ich bin überzeugt, dass ich von diesem Training stark profitiert habe. Wenn du also nur einen einzigen Tipp aus dieser Sammlung befolgst, würde ich dir diesen hier ans Herz legen.

Inhaltlich sollten die Prüfer kurze Fälle stellen und sich eher auf die Basics konzentrieren als auf exotische Sonderprobleme. Falls ihr nach passenden Fragen sucht: Meine Basiskarten eignen sich sehr gut zu diesem Zweck, weil sie genau diese Art von Wissen beinhalten. Zusätzlich könnt ihr euch überlegen, ein paar Fragen aus dem Bereich „juristische Allgemeinbildung“ einzustreuen. Zu diesem Zweck habe ich einen kleinen Gratis-Stapel mit 64 leicht lernbaren Karten erstellt, den ihr hier kostenlos herunterladen könnt.

Um in der Mündlichen gut abzuschneiden, reicht es nicht aus, dass du den Stoff beherrschst, du musst diesen auch sicher und kompetent präsentieren können.

Body language

Körpersprache ist in der Mündlichen äußerst wichtig. Achte deshalb schon in der Simulation mit deiner Lerngruppe darauf, dich korrekt hinzusetzen. Bewährt haben sich für mich insofern folgende Tipps:

  • Aufrecht hinsetzen, Schultern ebenfalls gerade.
  • Auf keinen Fall die Beine um die Stuhlbeine schlingen, das wirkt unsicher. Stattdessen kannst du die Füße einfach flach auf den Boden stellen.
  • Die Unterarme legst du locker auf den Tisch, damit du frei gestikulieren kannst, um deinen Redebeitrag zu unterstreichen. Wenn du das gerade nicht tust, kannst du deine Hände locker ineinander oder übereinander legen. Das wirkt einerseits entspannt, andererseits aber eben auch offen und aufmerksam.
  • Wichtig: Wenn du den Raum betrittst und deine Prüfer begrüßt, schenk ihnen ein Lächeln – und achte auf Augenkontakt, wenn du mit ihnen sprichst!

 

Studiere die Protokolle deiner Prüfer genau!

Klar, jeder besorgt sich die Protokolle seiner Prüfer und liest sie sich durch, aber es macht einen Unterschied, ob du sie nur überfliegst oder sie auch wirklich aufmerksam durcharbeitest.

Der Impuls, die Protokolle nur oberflächlich zu lesen, um diesen Punkt endlich abhaken zu können, ist nachvollziehbar, denn die Auseinandersetzung mit Fragen, die man vielleicht selbst bald gestellt bekommt, ist unangenehm und stets mit einer gewissen Anspannung verbunden. Um dieses Gefühl etwas zu reduzieren, ist es vielleicht hilfreich, zunächst folgenden Hinweis zu lesen, den ich damals meinen eigenen Protokollen vorangestellt habe:

Hinweis: Beim Durchlesen der Protokolle entsteht oft der Eindruck, dass man selbst jeden erwähnten Punkt sofort aus dem Kopf heraus wissen müsste, um eine anständige Note zu erzielen. Das entspricht nicht der Realität der Prüfungssituation. Tatsächlich handelt es sich eher um ein Gespräch. Die Prüfer fangen mit allgemeinen Fragen an und stellen dann Folgefragen zu problematischen Punkten oder verwandten Themengebieten.

Falls du dich also beim Lesen der Protokolle darüber wunderst, wie jemand dieses ganze Wissen auf Anhieb parat haben kann, dann denk daran, dass der Stoff aller Wahrscheinlichkeit nach nicht von einer einzigen Person und oft auch nur auf Nachfrage wiedergegeben wurde.

Um sodann sicherzugehen, dass du die Protokolle nicht einfach nur überfliegst, rate ich dir, für jeden Prüfer eine Zusammenfassung zu erstellen, in der du in einheitlichem Layout festhältst, was wie oft gefragt wurde, und dir überlegst, wie man darauf idealerweise antworten würde. Jetzt hast du schließlich noch Zeit, um das zu recherchieren! Diese Art der Beschäftigung mit den Protokollen kann sehr aufwändig sein, ist aber gut investierte Zeit.

Ein Beispiel zum Vergleich: Mein persönlicher Highscore für eine solche Zusammenfassung liegt bei 31 Seiten. Mein Strafrechtsprüfer im ersten Staatsexamen hatte ca. 12 Jahre Prüfungen auf dem Buckel, bevor meine Prüfungsgruppe an der Reihe war.

Angst vor den Prüfungen?


→ 5 Tipps für deine Klausuren
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Nimm an Vorlesungen und Seminaren deiner Prüfer teil

Dein Prüfer ist Dozent und hält gerade eine Vorlesung oder ein Seminar? Hervorragend, da gehörst du hin! Falls du dich in dem Thema auskennst und mitarbeitest, hast du dadurch die Chance, schon einen positiven Eindruck zu hinterlassen, noch bevor die Prüfung überhaupt begonnen hat.

Wenn das bei deinen Prüfern hingegen keine Option ist, weil sie andere Berufe ausüben, kann es sich lohnen, darüber nachzudenken, womit sie sich im Augenblick in ihrem Berufsalltag wohl beschäftigen mögen, und zu diesen Themen ein wenig zu recherchieren.
 

Besuche die Prüfungen anderer!

Es ist nicht ratsam, vorherige Prüfungen deiner eigenen Prüfer zu besuchen, da das leicht als Versuch gewertet werden kann, dir einen unfairen Vorteil zu verschaffen. Deine Prüfer werden sich dadurch auch eher dazu genötigt fühlen werden, andere Fragen zu stellen als bei ihrem ersten Durchgang. Das ist folglich keine gute Idee.

Es spricht aber einiges dafür, an den Prüfungen anderer als Zuschauer teilzunehmen. So kannst du dich nämlich schon einmal an die Prüfungssituation gewöhnen und hast die Möglichkeit, die verschiedenen Fragen selbst im Kopf zu beantworten. Oft wirst du dabei feststellen: Die anderen kochen auch nur mit Wasser.

 

Mit diesen Tipps solltest du für die letzte Herausforderung deines Studiums optimal gerüstet sein. Ich wünsche dir, dass es dir gelingt, dich darin noch einmal zu verbessern, und du vielleicht sogar den Sprung zur nächsten Notenstufe schaffst. Wie es auch kommt, vergiss am Ende nicht, den Abschluss deines Studiums gebührend zu feiern!

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Simmons & Simmons LLP

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