Überbrückung Wartezeit bis zum Rechtsreferendariat Jura - Jobs

Verfasst von Maryam Kamil Abdulsalam. 

5 Wege die Wartezeit sinnvoll zu überbrücken!

Zwischen 1. Staatsexamen und Rechtsreferendariat

Die Zeit davor: Die Examensvorbereitung - durchgeplant bis aufs Letzte. Detaillierter Lernplan über mehr als 12 Monate, täglicher Lernrhythmus. Pausen und freie Tage finden nur statt, wenn der Plan sie vorsieht. Die Zeit danach: Das Referendariat  –  2 durchstrukturierte Jahre Ausbildung, aufgeteilt in 5 Stationen, und wieder ein umfangreicher Lernplan.

Die Zeit dazwischen: Für manche das erste Mal nach langen Jahren des Studiums mehrere Monate, über die sie frei verfügen können.

Denn in manchen Ausbildungsbezirken, wie beispielsweise Köln, Hamburg, Berlin und Bremen tun sich Wartezeiten von bis zu 20 Monaten auf. Geführt wird diese Statistik von Hamburg mit etwa 20 Monaten, knapp gefolgt von Berlin mit 18 Monaten.

Deutlich weniger Geduld fordern Ausbildungsbezirke wie  Niedersachsen und das OLG Hamm mit 2 bis 4 Monaten. Allerdings sind diese Angaben auch nur Richtwerte, da die Wartemonate immer von der aktuellen Anzahl der Bewerber abhängen. Die aktuellen Zahlen können beim jeweiligen Ausbildungsgericht erfragt werden.

Informiere dich hier über das Referendariat im jeweiligen Bundesland
 

Was also tun?

Gar nicht so ungewöhnlich ist es, wenn man aus so viel Durchstrukturiertheit im Studium und insbesondere in der Examensvorbereitung kommt und sich bei der Aussicht auf mehrere freie Monate erst einmal verloren und orientierungslos fühlt. Natürlich ist nun auch der richtige Moment gekommen, um die Welt zu bereisen, schonungslos nichts zu tun oder sich mit einfachen Jobs über Wasser zu halten, bis es endlich weitergeht.

Es ist aber auch der richtige Moment gekommen, um wertvolle Erfahrungen für das Referendariat, die berufliche Zukunft und die eigene Persönlichkeit zu sammeln. Im Folgenden stellen wir dir 5 Möglichkeiten vor, wie du die Wartezeit sinnvoll überbrücken kannst.

1. Praktika, Praktika, Praktika und zwar im Ausland!

Klar, wer sein erstes Staatsexamen in der Tasche hat, möchte kein banales Praktikum mehr machen. Das ist unter der Würde eines frisch gebackenen Diplomjuristen. Aber vielleicht lassen wir unsere Würde mal bei Seite und machen einfach. Zum Beispiel ein Praktikum in einer Kanzlei im Ausland.

Das ist nicht nur sinnvoll, um etwas Praxiserfahrung zu sammeln vor dem Referendariat, sondern erweitert den Lebenslauf um eine wertvolle Auslandserfahrung. Selbstverständlich ist es schwierig, geeignete Kanzleien im Ausland zu finden, die einem 1. auch etwas Sinnvolles für den deutschen Rechtsbereich beibringen können und 2. deutsche Absolventen überhaupt annehmen.

Für beides gibt es eine Lösung: Kanzleien, die auch das Absolvieren einer Wahlstationen anbieten. Denn diese müssen üblicherweise einen deutschen Volljuristen an Bord haben, sodass dieser einen auch ausbilden kann und gleichzeitig kann man sich gewiss sein, dass diese Erfahrungen mit deutschen Absolventen haben.

Zusätzlicher Vorteil für dich: Du bereitest dir bereits eine Stelle für deine Wahlstation im Ausland vor. Denn diese Stellen sind gar nicht so einfach zu kriegen. Viele Referendare suchen sich ihre Anwaltsstation bereits danach aus, ob die entsprechende Kanzlei auch ein Auslandsbüro hat und haben so bereits einen Fuß in der Tür für ihre Wahlstation. Mit einem vorgezogenen Praktikum, geht das also auch schon früher.

Für einzelne Länder stellt das Auswärtige Amt Listen inklusive Kontaktdaten und bearbeitenden Rechtsgebieten zur Verfügung, eine solche Liste gibt es beispielsweise für Tunesien. Ansonsten sind vor allem in Dubai und den Arabischen Emiraten größere deutsche Kanzleien stark vertreten oder ab und an lassen sich auf unterschiedlichen Jura-Blogs und Foren aktuelle Ausschreibungen ausländischer Kanzleien finden, die auf der Suche nach Referendaren sind.
 

2. Nebenjob und Teilzeit-Job

Wer schon einen realistischeren Einblick in die zukünftige Arbeitswelt werfen möchte, macht sich möglichst schnell auf die Suche nach einem Nebenjob. Auch hier sind die Möglichkeiten vielfältig: Großkanzleien, kleine Boutiquen oder auch Unternehmen aus der freien Wirtschaft sind händeringend auf der Suche nach wissenschaftlichen Mitarbeitern und vergeben gerne Teilzeit-Stellen mit 2-3 Tagen in der Woche, auch wenn diese Stellen letztendlich auf 4-6 Monate begrenzt sind.

Insbesondere die Deutsch Bahn AG, Porsche und Mercedes als große Vertreter der freien Wirtschaft, aber auch Unternehmen wie Vapiano beziehen junge Absolventen während ihrer Wartezeit in Ihre Rechtsabteilungen ein. Übliche Arbeitsfelder sind dabei Arbeitsrecht und Konzerndatenschutz, aber auch Vertrags-und Handelsrecht.   

Wer schon einen realistischeren Einblick in die zukünftige Arbeitswelt werfen möchte, macht sich möglichst schnell auf die Suche nach einem Nebenjob.

3. Bundestag

Wie bereits oben erwähnt, ist Berlin einer der Spitzenreiter in Sachen Wartezeiten. Darauf hat sich auch der Bundestag eingestellt: Gezielt sucht der Bundestag nach geprüften Rechtskandidaten (also Absolventen nach dem 1. Staatsexamen) als Aushilfen in der Sachbearbeitung, dem wissenschaftlichen Dienst und der parlamentarischen Arbeit.

Dabei fallen umfassende Rechercheaufgaben zur Beantwortung von Anfragen und Petitionen sowie Verwaltungsaufgaben an. Praktisch ist, dass diese Stellen ohnehin auf Zeit angelegt sind, sodass eine kurzfristige Beendigung kein Problem darstellt, sobald die erwartete Ausbildungsstelle verfügbar ist.

Weiteres Plus: Als 9b TVöD-Stelle kann netto bei einer Vollzeitstelle rund 1.700 Euro verdient werden. Und ganz nebenbei kann man das aktuelle Politikgeschehen verfolgen, und praxisnahe Erfahrungen im Bereich Staats- und Verwaltungsrecht machen.
 

4. Fehlanzeige: Internationale Organisationen

Wer nach kurzfristigen Mitarbeiterstellen oder auch nur Praktikantenstellen bei Internationalen Organisationen oder weltweiten NGOs sucht, wird leider enttäuscht. Grundsätzliche Voraussetzungen bei den UN, der EU, dem Europarat oder auch Weltbank ist, dass man aktuell noch als regulärer Student eingeschrieben ist. Diese Zeit ist nach dem 1. Examen dann nun leider doch wieder vorbei.

Aber auch hier gibt es eine gute Alternative: Die Industrie- und Handelskammer hat in mehr als 100 Ländern ihre Auslandshandelskammer, die auch Nicht-Studenten für mehrmonatige (teilweise bezahlte) Praktika annehmen. Et en plus: Auch hier kann sich eine Perspektive für eine Wahlstation im Ausland ergeben.

5. Nicht jede Reise muss weit sein: Uni Jobs!

Wer gar nicht so weit hinaus will in die Welt, kann während seiner Wartezeit auch an der Heimat Uni bleiben. All die Probeklausuren, die die zahlreichen Examenskandidaten in ihrer Examensvorbereitung geschrieben haben, müssen wohl von jemandem korrigiert worden sein.

Selbstverständlich macht das kein Professor und auch die regulären Wissenschaftlichen Mitarbeiter sind dafür nicht vorgesehen. Stattdessen werden Absolventen des 1.Examens als Klausurassistenten angeworben. Klausuren korrigieren ist langweilig? Kann sein, muss aber nicht.

Denn diese Nebentätigkeit hat etliche Vorteile: Wie viele Klausuren du wöchentlich oder monatlichen korrigieren willst, kann flexibel festgelegt werden und auch die Bezahlung ist nicht zu verachten. Außerdem bietet die Korrektur von aktuellen Klausuren eine gute Möglichkeit den Stoff des 1. Examens dauerhaft frisch zu halten und als Vorbereitung für das Referendariat zu wiederholen. Ähnliche Vorteile bietet auch ein Job als AG-Leiter für ein Semester, sowie die Möglichkeit Examenskandidaten in Ihrer Vorbereitung zu unterstützen und Nachhilfe zu geben.
 

Wer die Wahl hat, hat die Qual

Es wird deutlich: Möglichkeiten gibt es viele, nur eine Entscheidung muss her. Die Frage ist auch, wo die eigenen Prioritäten liegen. Möglichst Erfahrungen im Ausland machen? Geld verdienen? Das Referendariat inhaltlich als auch im Hinblick auf die einzelnen Stationen vorbereiten? Ganz gleich, wie die Entscheidung ausfallen mag, wichtig ist, dass diese begrenzte Wartezeit gut geplant und im Vorfeld organisiert sein will, sonst ist sie um, bevor die erste Praktikumszusage da ist.  

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