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Kriminologe - Ein Beruf made in Hollywood?

Mit Jurastudium zum Kriminologen werden?


verfasst von Finn Holzky und veröffentlicht am 15.05.2019

Nach wie vor erfreuen sich zur Primetime jeden Abend die verschiedensten Kriminalserien großer Beliebtheit. Doch neben dem klassischen Tatort und anderen Fernsehkrimis konnten sich vor allem US-Amerikanische Serien wie Criminal Minds und Co. mit einem Schwerpunkt auf die Psychologie von Tätern, Profiling und der Verhaltensanalyse etablieren. Nicht überraschend also, dass sich immer mehr Juristen für diese Themen interessieren und gerade Jurastudenten darüber nachdenken, sich in Richtung Kriminologie zu spezialisieren.

 

Kriminologie: Was ist das eigentlich?

Kriminologie bedeutet übersetzt erst einmal nicht mehr als „Die Lehre vom Verbrechen“. Es handelt sich dabei um eine Wissenschaft, die sich aus mehreren verschiedenen Disziplinen zusammensetzt. So spielen Rechtswissenschaften und Psychologie aber auch Soziologie, Pädagogik oder Anthropologie eine wichtige Rolle im Rahmen der Kriminologie.

 

Immer relevanter wird in den letzten Jahren ein wirtschaftswissenschaftlicher Blickwinkel auf Verbrechen und Verbrecher.

 

Einerseits wird die wirtschaftliche Komponente von Verbrechen untersucht, beispielhaft wäre hier der Einfluss von Drogenschmuggel auf ganze Volkswirtschaften, zum anderen bekommen auch Wirtschaftsverbrechen und der Umgang mit diesen eine immer weiter wachsende Aufmerksamkeit.

Die Kriminologie ist also vielseitig und kann daher schwer verortet werden. In Deutschland ist es akademisch betrachtet üblich, die Kriminologie zu den Rechtswissenschaften zu zählen. In vielen anderen Ländern und vor allem den USA ist es hingegen üblich, Kriminologie eigenständig oder aber als Teil der Sozialwissenschaften zu betrachten. Was Kriminologie hingegen definitiv nicht ist, ist die Kriminalistik. Bei Kriminalistik sprechen wir von Mitteln der Verbrechensbekämpfung bzw. von Ermittlungstechniken in Form von wissenschaftlicher Beweisführung. Dieser Bereich wird von den Ermittlungsbehörden und einem nicht unbeachtlichen Teil von Naturwissenschaftlern abgedeckt. Die Juristerei spielt dabei eine eher untergeordnete Rolle.

 

Was macht ein Kriminologe?

Aufgrund der vielen Aspekte, welche in die Kriminologie mit einfließen, gibt es auch nicht „den“ Kriminologen. Im Grunde ist die Ausrichtung jeder einzelnen Spezialisierung unter Kriminologen die gleiche.

 

Es sollen Verbrechen erforscht werden, Hinter- und Beweggründe ans Licht gebracht und wissenschaftlich fundierte Regeln sowie Erkenntnisse aufgestellt werden.

 

Bereits an dieser Aufzählung lässt sich erkennen, dass gerade die Aufdeckung von Straftaten oder die Ermittlung eines Täters nicht zur Kernaufgabe von Kriminologen gehört. Kriminologen sind häufig empirisch tätig und stellen Statistiken zusammen oder setzen diese untereinander in einen Zusammenhang. So waren es zum Beispiel auch Kriminologen, die darauf hingewiesen haben, dass der vermehrte Zuzug von Flüchtlingen nicht automatisch zu einer steigenden Kriminalitätsrate führt oder dass diese Gruppe mehr Straftaten begeht, sondern lediglich die Altersgruppe für die strafrechtliche Aktivität ausschlaggebend ist. Das Verbinden bzw. Erklären von Ursachen und Wirkung ist damit ein großer Teil ihrer Arbeit.

 

Der Spezialist: Beispiel „Organisiertes Verbrechen“

Natürlich gibt es unter Kriminologen verschiedene Spezialisierungen und dementsprechend verändert sich auch der tägliche Aufgabenbereich. Ein Spezialist für organisiertes Verbrechen analysiert beispielsweise die verschiedenen Aspekte von kriminellen Organisationen, Familienclans oder deren internationalen Netzwerken. So werden bestimmte Muster derart aufbereitet, dass in Zukunft entsprechende Taten schneller und sicherer zugeordnet werden können.

 

Wer das organisierte Verbrechen verstehen möchte, der muss sowohl die Struktur der Organisation, ihre Finanzierung und die Ausrichtung aus krimineller Hinsicht verstehen.

 

Es müssen also meistens viele verschieden Experten, häufig auch Kulturforscher, hinzugezogen werden. Ein Kriminologe arbeitet eng an einem Fall oder einer ganzen Fallgruppe, aber auch als übergeordnete Figur, die verschiedene Professuren miteinander in Kontakt bringt bzw. deren Erkenntnisse miteinander in Verbindung setzt.

Wird ein Kriminologe auf ein bestimmtes Netzwerk oder eine Organisation angesetzt, durchleuchtet dieser die Strukturen, die personellen Vernetzungen und die Finanzflüsse der Organisation. Er analysiert aber auch die mit dieser Organisation in Verbindung stehenden Straftaten und mögliche kulturelle Hintergründe. Kriminologen sind entweder im Nachgang analytisch und empirisch tätig oder begleitend zur Ermittlung als Berater. Dass in Deutschland Kriminologen wie Profiler in US-Amerikanischen Serien agieren, ist hingegen die absolute Ausnahme.

 


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Gibt es in Deutschland keine Analysten?

Natürlich gibt es die verschiedensten Analysten und Berufsgruppen, die analytisch tätig sind, auch in Deutschland und auch im Bereich der Kriminologie. Der klassische Profiler ist jedoch die absolute Ausnahme.

Trotz vergleichsweise geringer Mordzahlen und noch deutlich weniger Serienmördern als zum Beispiel in den USA, gibt es immer wieder Fälle, bei denen eine entsprechende Sondereinheit benötigt wird.

 

Es gibt in Deutschland die Dienststelle „Operative Fallanalyse“, die sich auch mit der Verhaltensanalyse nach US-Amerikanischen Vorbild auseinandersetzt.

 

Besonders bekannt ist deren ehemaliger Leiter, der Analyst Axel Petermann, der wohl Deutschlands bekanntester Profiler ist. Der Autor, Kriminalist und Profiler ist mittlerweile auch aus den Medien bekannt und hat in seiner Dienstzeit bei der Kriminalpolizei mehr als 1000 Fälle des unnatürlichen Todes einer oder mehrerer Personen begleitet. Seine Tätigkeiten gelten als wegführend in der deutschen Fall- und Verhaltensanalyse. Er war der Gründer der bereits genannten Sondereinheit zur operativen Fallanalyse.

 

Doch der Werdegang des Axel Petermann zeigt auch, dass es nicht den geradlinigen Weg zum Profiler gibt, denn anders als in anderen Ländern ist diese Tätigkeit in Deutschland eben deutlich weniger nachgefragt und somit auch weniger verbreitet. Petermann war während seiner gesamten Karriere in irgendeiner Form bei der Kriminalpolizei tätig und hat somit kein Jura studiert. Er hat sich hingegen an der Verwaltungs- und Polizeihochschule immer weiter fortgebildet und sich später im akademischen Selbststudium mit den Erkenntnissen aus den USA kritisch auseinandergesetzt. Zudem hat er viele Publikationen wissenschaftlicher Art herausgegeben und ist heute auch als Buchautor und Berater beim Tatort tätig.

 

Als Jurist Profiler werden?

 

Wie wird man Kriminologe?

Wege in die Kriminologie gibt es viele, doch genau das macht es gar nicht so einfach, sich für einen Weg zu entscheiden. Wie bereits zuvor erwähnt, ist die Kriminologie in Deutschland in erster Linie an die Rechtswissenschaften angegliedert, sodass ein Jurastudium grundsätzlich ein gutes Fundament für den Schritt in die Kriminologie darstellt. Andererseits muss jedem angehenden Studenten auch bewusst sein, dass er trotz seiner Begeisterung für die Kriminologie auch lange Jahre damit verbringen wird, Zivilrecht und Öffentliches Recht zu lernen. Wählt man diesen Weg dennoch, macht es Sinn, sich während der Praktika bereits in diese Richtung auszurichten, bei der Kriminalpolizei erste Erfahrungen zu sammeln oder aber eine Universität zu wählen, die einen hervorragenden Schwerpunkt für Kriminologie anbietet.

 


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Entscheidet man sich hingegen gegen den Weg über das Studium der Rechtswissenschaften, kann man sich entweder in Form eines Studiums auf die Tätigkeit als Kriminologe vorbereiten oder aber man geht direkt zur Polizei, ordnet sich dort entsprechend ein und forciert einen solchen Werdegang. Natürlich kann auch im Rahmen der Polizei ein solches Studium absolviert oder interne Fortbildungen gemacht werden. Studiengänge, die sich mit der Kriminologie befassen, werden von der Universität Hamburg als Master in Internationaler Kriminologie angeboten. Weitere Masterstudiengänge gibt es an der Universität Regensburg oder der School CIFos Berlin.

 

Die Kriminologie ist ein unglaublich breites und spannendes Berufsfeld. Die Wege dorthin könnten verschiedener nicht sein und sind vor allem von Eigeninitiative geprägt. Nach wie vor ist vor allem das Profiling in Deutschland eher ein Randphänomen und wenn man sich unbedingt in diese Richtung entwickeln möchte, dann benötigt es viel Arbeit und Eigeninitiative, um in eine entsprechende Position zu kommen. In jedem Fall sollte für eine solche Karriere bereits früh der Grundstein gelegt werden und Praktika bzw. Nebentätigkeiten in diesem Umfeld gesucht werden.

 


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Über den Autor

Finn Holzky

Schreibt neben seinem Jurastudium seit 2 Jahren für TalentRocket und hat gerade sein 1. Staatsexamen in Göttingen hinter sich gebracht.

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