Mentale Roadmap Examen!

Wie du die Kraft der Gedanken schon heute für ein erfolgreiches Staatsexamen nutzen kannst...


verfasst von Dr. Sonja Detlefsen und veröffentlicht am 09.04.2018

Gerade das Jura-Examen erfordert es, sich ein breit gefächertes Wissen zu erarbeiten, dass dann in einem kurzen Zeitraum während der Klausuren im Ganzen präsent und abrufbar sein muss. Das erfordert gute Organisation beim Lernen. Doch wie soll man dabei vorgehen?

 

Anleitungen dazu findet man überall. Trotzdem kann es manchmal überwältigend sein, wenn man vor dem Berg an Stoff steht, den es zu verinnerlichen gilt. Es bedarf nicht nur guter Organisation, sondern es bedarf auch stabiler Nerven. Bei dem einen oder anderen führt es immer wieder zu Mutlosigkeit oder Panik und ein paar verfallen angesichts der Flut von Lernstoff in eine Art Schock-Lethargie.

Viele machen den Fehler und schreiben sich nur einen Plan darüber, wann sie was durcharbeiten und bis wann sie einen Bereich gelernt haben müssen. Sie planen nicht ihr übriges Leben ein, die nötigen Pausen, an denen sie die Energie tanken können, um anschließend weiterzumachen. Bei so einer langen Vorbereitungsphase reicht es nicht aus, einfach nur eine „Pause“ einzuplanen. Diese Pausen solltest du mit konkreten Inhalten füllen, denn oft genug bist du im Lernen so überlastet, dass du einfach nur in ein „leeres Loch“ fällst, sobald du eine Pause einlegst, anstatt wirklich deine Reserven aufzufüllen.

Da kann es helfen, einmal anders an die Sache heranzugehen.

Nicht vom Startpunkt aus seine Pläne schreiben, sondern sich das Ganze einmal vom Ziel aus anschauen.

Auf diese Weise bekommst du ein Gefühl dafür, was diese Pläne tatsächlich bedeuten und ob sie für dich stimmig sind.

 

Die Zielgerade von hinten aufräumen

Nimm dir ein wenig Platz für diese Übung. Such dir einen Punkt am Boden für den Start und markiere ihn mit einem Zettel, auf den du zum Beispiel „Jetzt“ schreibst. Dann bestimmst du einen weiteren Punkt, das Ziel. Achtung: das Ziel ist nicht das Examen im Sinne der Prüfungszeit, sondern der Zeitpunkt dahinter, wenn du die Nachricht von deinem „Bestanden“ in Händen hältst. Unter „Bestanden“ schreibst du noch die Punktezahl, die du erreichen möchtest.

Nimm dir noch einen kleinen Stapel Karteikarten und einen Stift. Als nächstes stellst du dich auf dein „Jetzt“. Den Blick aufs Ziel gerichtet, gehst du nun Schritt für Schritt darauf zu. Platziere eine Karteikarte an jedem Punkt auf deinem Weg, wo du das Gefühl hast, dass dort ein Meilenstein liegt. Das heißt, du bleibst stehen, schreibst ein entsprechendes Schlagwort auf die Karte, legst sie ab und dann gehst du weiter. Wenn du dich auf dem Weg plötzlich frustriert fühlst und überwältigt, halte dich nicht lange dort auf, aber lege auch hier eine entsprechende Karteikarte ab. Beschrifte sie genau so, wie du dich gerade fühlst: „Angst“, „Frust“, „Panik“ „Lustlos“ etc.

Richte den Blick wieder auf das Ziel und gehe weiter.

Kurz vor dem Ziel hältst du inne.

Sage dir: „Egal, wie ich mich hier fühle oder wie ich an diesem Punkt, wo ich stehe, mein Ergebnis einschätze, wenn ich die letzten Schritte dorthin gehe, habe ich auf dem Zielpunkt mein Examen so bestanden, wie ich es mir vorstelle.“

Dann erst gehst du die letzten Schritte und steigst bewusst in den Zielzustand ein. Stell dir hier vor, wie du die Benachrichtigung in Händen hältst und es steht genau das Ergebnis darauf, das du für dich erreichen willst. Wie fühlst du dich hier? Bist du stolz? Erleichtert? Fühlst du dich frei? Genieß dieses Gefühl, intensiviere es noch, wir wollen hier keine kraftlosen Emotionen.

Es muss richtig Knallen, wie Champagnerkorken.

Wenn es dir so richtig gut geht, und du dir dein „Bestanden“ im Detail ausgemalt hast, dann dreh dich nun um. Schaue von diesem erfolgreichen, sicheren Punkt auf den Weg der hinter dir liegt.

 

Den Pfad optimieren 

Jetzt stelle dir folgende Fragen. Wie bist du hierher gekommen? Passt der Weg, den du dir gelegt hast, dazu? Liegen die Meilensteine an der richtigen Stelle? Vielleicht hast du dir für manche nicht die richtige Zeitspanne eingeräumt. Fehlen Meilensteine oder "Lernkarten" an die du auf deinem Weg nicht gedacht hast? Wenn Karten fehlen, gehe außen an deinem Weg entlang (nicht auf dem Weg) bis zu der Stelle, die dir richtig erschien und lege dort eine entsprechende Karte auf deinem Weg ab. Danach gehst du immer wieder zurück auf deinen Zielpunkt. Du triffst die nächste Entscheidung erst wieder, nachdem du voll und ganz in deinem zufriedenen Zielzustand bist.

Der nächste Punkt ist, dein Leben ganzheitlich mit einzubeziehen. Wenn du vom Ziel aus zurückschaust, wie kannst du diesen Lernplan am besten in dein Leben integrieren? Wo sind die Pausen? Hier verfährst du ebenso und legst die Karten ab.

Jetzt schaust du dir die Karten an, auf deren Plätzen du dich schlecht gefühlt hast. Von deinem Punkt aus betrachtet, an dem du alles erfolgreich gemeistert hast, was könnte dir an diesen Plätzen helfen, um dich besser zu fühlen, dich zu ermutigen, oder dem schlechten Zustand schon vorzubeugen? Welche Aussagen würden dich dort motivieren? Welche Tätigkeiten entspannen? Vielleicht benötigst du eine eingeplante längere Auszeit, um nicht in ein psychisches Loch zu geraten. Auch diese Lösungen, ermutigende Botschaften und Ausgleichshandlungen schreibst du auf Karten und legst eine davon auf, und die anderen direkt um diese „Problem“-Karten herum.

Verfahre so weiter, bis du von deinem Ziel aus mit dem Weg zufrieden bist. Sei sehr genau bei deiner Arbeit. Natürlich kannst du auch um deine Meilensteine Karten legen, die dich unterstützen. Vielleicht kannst du dir an diesen Stellen, eine Belohnung gönnen. Oder dir fällt etwas ein, was dich auf den Lernstrecken am Ball hält. Solche Karten legst du am besten direkt in die Strecke hinein.

 

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Die Zielgerade von vorn überprüfen - Vom "Jetzt-Platz"

Wenn dir alles richtig erscheint, verlässt du deinen Zielplatz und gehst wieder außen an deinem Weg entlang zurück bis zum „Jetzt“. Tritt wieder in den „Jetzt“-Platz hinein. Sieh dir von hier aus den vor dir liegenden Weg an. Was hat sich von hier aus gesehen verändert? Vielleicht erscheint es dir insgesamt „machbarer“. Den Blick wieder auf dein Ziel gerichtet, von dem du mittlerweile genau weißt, wie toll du dich dort angekommen fühlst, gehst du jetzt erneut auf deinem Lernweg entlang. Aber dieses Mal nimmst du dir für jeden Schritt Zeit. Spüre genau hinein, was sich alles verändert hat. Auf jeder Karte bleibst du einen Moment stehen und lässt sie auf dich wirken. Mal dir aus, wie du dein Lernen umsetzt. Genieße die Meilensteine. Lass die Motivationskarten auf deinem Weg ihren Dienst tun und spüre, wie du neue Kraft schöpfst.

Wenn dir hier neue Ideen kommen, die du an diesem Platz gerade benötigst, schreib sie auf eine Karte und lege sie dazu. Sei Achtsam, wenn du an die Stellen kommst, die vorher noch herausfordernd waren, die also eine Krise beinhalteten. Wenn du jetzt auf die dort obenauf liegende Karte trittst, und die Karten mit einbeziehst, die eventuell darum herumliegen, was passiert hier mit deinem Zustand? Wie fühlst du dich dieses Mal? Kannst du noch etwas hinzufügen, was dir noch mehr hilft, oder stimmt alles so, wie es ist?

So gehst du deinen Weg bis zum Ziel.

Dieses Mal brauchst du keine Pause, sondern trittst direkt ohne Zögern in dein bestandenes Examen hinein. Gönne dir das großartige Gefühl am Ziel zu sein.

Auch hier achte darauf, was sich vielleicht noch verändert hat. Nachdem du nämlich bewusst deinen neuen Vorbereitungsweg durchschritten hast, kann sich dein „Bestanden“ noch einmal anders anfühlen. Vielleicht bist du sehr stolz auf das, was du alles dafür geleistet hast. Oder, nachdem du nun die einzelnen Schritte durchlebt hast, fühlt sich es sich noch einmal realer an.

 

Repeat, Repeat & Repeat!

Du kannst übrigens auch noch einen Durchgang machen, wenn dir am Ziel auffällt, dass du weitere Änderungen vornehmen möchtest. Überprüfe den Weg von deinem Zielpunkt aus und gehe ihn immer wieder im Anschluss bewusst vom „Jetzt“ bis zum „Ziel“.

Wenn du zufrieden bist, dann gehe den Weg noch zweimal ohne Unterbrechungen durch. Spüre, wie sich dein Wissen aufbaut, deine Zuversicht wächst und du dir dein Fundament für deine Examensnote im Zusammenspiel mit entsprechenden Auszeiten, Abwechslungen und „Energie-Tank“-Punkten schaffst.

Abschließend gehst du noch einmal auf dein „Jetzt“. Es ist wichtig, dass du deinem Unterbewusstsein klar machst, dass hier dein Gegenwartspunkt, der momentane Status ist. Das Ziel hast du bereits in deinem Körpersystem eingespeichert, aber es liegt derzeit vor dir.

 

Do it!

Nun machst du den ersten Schritt. Dies ist das „Jetzt geht’s los“. Visualisiere dabei eine konkrete erste Handlung deines Lernplans, die du anschließend in die Tat umsetzen wirst.

Dann trittst du aus deinem Lernpfad heraus. 

Eine gute Idee ist, wenn du dir deinen Weg jetzt fotografierst.

Die Fotos können dir später helfen, dich immer wieder zu erinnern, wie sich dein Vorbereitungsweg anfühlen soll.

Natürlich kannst du nach einiger Zeit diese Übung wiederholen, wenn du das Gefühl hast, du willst deinen Plan nachjustieren. Meist ist dies jedoch unnötig.

Die Übung ist nicht dazu da, dass du dich strikt an die einzelnen Karten hältst und sie exakt an der Stelle erreichst, an der du sie ausgelegt hast. Die Übung dient dazu, dir ein Gefühl zu geben, wie du dein Lernpensum bewältigen kannst, was alles nötig ist, um dein Ergebnis zu erreichen und dir klar zu machen, was du bereit bist, dafür zu investieren, beziehungsweise wie du dich unterstützen kannst, am Ball zu bleiben.

Deine angestrebte Examensnote bleibt auf diese Weise nicht eine abstrakte Zahl, mit der du deine tatsächliche Vorbereitung gar nicht verknüpft hast. Viele wünschen sich zwar eine bestimmte Note, ziehen sie aber nicht real in Betracht und lernen deshalb von Anfang an nicht in dem Umfang und mit der Einstellung, dass sie diese Note erreichen könnten. Dann bleibt das Lernen ziellos. Du kannst dein Ziel ruhig hoch stecken. Aber überprüfe anhand dieser Übung, ob du bereit bist, den dafür erforderlichen Einsatz zu bringen. Wenn dies nicht der Fall ist, probiere mit dieser Übung, wie du deine Motivation entsprechend steigerst und ausrichtest. Wenn das nicht reicht, frage dich ehrlich, welche Note du tatsächlich erreichen willst. Nicht, welche du dir zutraust, denn hier kannst du durch falsche Glaubenssätze blockiert sein. Wenn diese sich nicht während dieser Übung lösen, lohnt es sich, sich Hilfe zu holen.

Wenn du „deine“ Examensnote für dich gefunden und erarbeitet hast, dann präge sie dir ganz bewusst ein und rufe sie dir immer wieder ins Gedächtnis. Hänge sie dir mental oder tatsächlich aufgeschrieben über deinen Arbeitsplatz, so dass du dein Ziel nie aus den Augen verlierst. Und das Wichtigste - Glaube fest daran!

Viel Erfolg!

 


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Über den Autor

Dr. Sonja Detlefsen

promovierte nach dem 2. Staatsexamen im Strafrecht und arbeitete einige Zeit als Rechtsanwältin. Ihr zunehmendes Interesse an Psychologie und unterschiedlichen Coaching Methoden führte zu ihrer eigenen Praxis in München: Detlefsen Coaching & Kinesiology

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