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Alternative Wirtschaftsprüfung?

Einstiegsmöglichkeiten, Aufgaben und die "Big Four" für Juristen...


verfasst von Finn Holzky und veröffentlicht am 04.04.2018

 

Die Ausbildung zum Volljuristen ist komplex. Demgegenüber steht ein weites Spektrum an Arbeitsfeldern. Eines ist das der Wirtschaftsprüfung. Wie sieht diese alternative Jobtätigkeit für Juristen aus?

 

Wirtschaftsprüfung... Was ist das eigentlich?

Wirtschaftsprüfungen sind grundsätzlich genau das, was ihr Name schon aussagt. Sie überprüfen die Wirtschaft. Genauer gesagt überprüfen sie die Buchhaltung von Wirtschaftsunternehmen, in erster Linie von Aktiengesellschaften und Kommanditgesellschaften auf Aktien. Diese sind dazu verpflichtet, gesetzliche Auflagen bezüglich Buchhaltung und finanzieller Transparenz zu gewährleisten. Das bekannteste Beispiel ist hierbei wohl der Jahresabschluss.

Während also die Unternehmen selbst die eigene Buchhaltung machen, die Jahres- und Zwischenabschlüsse anfertigen sowie Kosten- und Leistungsrechnungen betreiben, überprüfen Wirtschaftsprüfungen als externe Unternehmen eben diese Abrechnungen auf deren Richtigkeit, sowohl für das Unternehmen selbst, als auch für Anleger und Gläubiger der Unternehmen. Man spricht hierbei auf Unternehmensseite von der Innenrevision und auf Seite der Prüfungsgesellschaften eben von den Wirtschaftsprüfungen.

 

Welche Wirtschaftsprüfungsgesellschaften gibt es in Deutschland?

Die Wirtschaftsprüfungsbranche ist nicht sehr groß und es gibt viel weniger Wirtschaftsprüfungsgesellschaften als zum Beispiel Kanzleien. Dominiert wird die Branche in Deutschland von den sogenannten Big Four, die in Deutschland für mehr als die Hälfte des Umsatzes durch Wirtschaftsprüfungen verantwortlich sind. Die Big Four setzen sich aus den Wirtschaftsprüfungsgesellschaften PricewaterhouseCoopers (PwC), Ernst & Young, Deloitte und der KPMG AG zusammen.

Doch natürlich gibt es auch viele andere große Wirtschaftsprüfungsgesellschaften, wie beispielsweise die Baker Tilly Roelfs Gruppe. Außerdem bieten viele Kanzleien und Steuerberatungsgesellschaften neben ihrem Kerngeschäft die Wirtschaftsprüfung für kleinere und mittelständische Unternehmen an.

 

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Wirtschaftsprüfungen suchen Juristen?

Die grundsätzliche Antwort ist erst einmal: Ja! Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaften haben einen großen Bedarf an analytisch denkenden Mitarbeitern, die den Unternehmen genau auf die Finger schauen, ob diese sich an die gesetzlichen Regeln halten. Für den reinen Umgang mit Zahlen drängen sich Juristen zwar nicht auf, wohl aber über das Auslegen von Gesetzen und Regelungen oder für die abschließenden Gutachten.

Dennoch reicht es nicht, einfach „nur“ ein Staatsexamen zu haben, um am Ende des Tages Wirtschaftsprüfer sein zu können. Die Wirtschaftsprüfungsordnung (WPO) sieht ein Wirtschaftsprüferexamen vor. Dieses können selbst Volljuristen nicht verkürzen. Geprüft werden Wirtschaftsrecht, Steuerrecht, angewandte Betriebs- und Volkswirtschaftslehre, wirtschaftliches Prüfungswesen, Unternehmensbewertung und Berufsrecht. Lediglich Steuerberater, die das Steuerberaterexamen abgelegt haben, können die Ausbildung um den Punkt „Steuerrecht“ verkürzen. Für Betriebs- und Volkswirte gibt es ebenso wenig eine solche Möglichkeit wie für Juristen.

Doch sogar ohne ein solches Wirtschaftsprüferexamen, das wohl gemerkt auch berufsbegleitend abgelegt werden kann, sind Juristen gefragte Mitarbeiter für Wirtschaftsprüfungsgesellschaften.

 

Die Notwendigkeit dessen ist nämlich abhängig von den Aufgaben als Jurist in einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft.

Für die reine Wirtschaftsprüfung, also die Kontrolle der Buchhaltung, ist das Wirtschaftsprüferexamen unumgänglich. Allerdings stellen viele Unternehmen in der Branche auch Juristen ohne ein solches Examen ein und setzen sie in der Unternehmensberatung, der Steuerberatung, der klassischen Rechtsberatung oder in der eigenen internen Rechtsabteilung ein.

Juristen haben in Wirtschaftsprüfungen also teilweise Aufgabenfelder zu bearbeiten, die ihnen mehr abverlangen, aber auch mehr bieten können als eine rein juristische Arbeit. Es werden daher Juristen gesucht, die neben dem juristischen Handwerk unternehmerisch denken können, teamfähig sind, betriebswirtschaftliches Verständnis aufweisen und Problemen jeglicher Natur auf den Grund gehen wollen. Die Arbeit in Wirtschaftsprüfungsgesellschaften erinnert deswegen häufig, nicht nur namentlich, an die Arbeit in Unternehmensberatungen. Beides passiert so auch nicht zufällig häufig im selben Unternehmen unter dem selben Dach.

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Prinzipiell gilt dabei: Je größer die Prüfungsgesellschaft, desto größer sind auch die Aufträge und Mandanten. Vor allem die zu Anfang genannten “Big Four” prüfen und beraten große Konzerne, Dax-Unternehmen und Branchengrößen. Dementsprechend liegt der Fokus vieler Prüfungsgesellschaften auch auf der Arbeit an internationalen Mandaten global agierender Unternehmen. Von Bewerbern werden daher oft Auslandserfahrung oder zumindest gute Fremdsprachenkenntnisse erwartet, da die Karriere in diesen Unternehmen häufig Auslandsaufenthalte vorsieht. Vor allem die großen Beratungen sind dabei sehr international aufgestellt und haben Dependancen in fast allen Wirtschaftsmetropolen weltweit.

 

Wie findet man am besten den Einstieg in diese Branche?

Die entsprechenden Unternehmen suchen aufgrund ihrer Größe und der immer weiter wachsenden Wirtschaft ständig nach qualifiziertem Nachwuchs. Daher bieten sich Praktika und die Referendarstation besonders für ein tête-à-tête mit dieser Branche an. Andererseits bieten diese Unternehmen auch spezielle Traineeprogramme an und auch Werkstudenten werden immer gern gesehen.

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Was verdienen Wirtschaftsprüfer und Juristen bei Wirtschaftsprüfungen?

Das Gehalt hängt ähnlich wie bei Anwälten zunächst von der Unternehmensgröße, der Qualifikation des Mitarbeiters und dessen Stellung im Unternehmen ab. Traditionell verdienen Wirtschaftsprüfer zwar recht gut, vergleichbar mit den Gehältern aus Großkanzleien sind die Einkommensmöglichkeiten hier jedoch zunächst kaum. Je nach Größe der Prüfungsgesellschaft und der eigenen Qualifikation schwanken die Einstiegsgehälter zwischen rund 35.000 Euro brutto und 50.000 Euro brutto. Mit steigender Erfahrung und vor allem dem erfolgreich abgelegten Wirtschaftsprüferexamen steigt diese Summe jedoch schnell und deutlich. Auch Gehälter knapp unterhalb der 100.000 Euro brutto können somit erreicht werden.

Die ganz großen Sprünge im Gehalt gibt es aber vor allem dann, wenn ein Mitarbeiter in Personalverantwortung tritt oder aber der Schritt in die Selbstständigkeit gewagt wird. Die Gehälter von Mitarbeitern auf höchster Stufe, die sich meist Manager oder Partner nennen und die Einkommen von Selbstständigen von sehr gut laufenden Unternehmen können dabei exorbitant hoch werden und machen auch im hohen sechsstelligen Bereich noch keinen Halt.

 

Bedeutet weniger Gehalt auch gleichzeitig mehr Freizeit?

Die allseits beliebte Work-Life-Balance ist bei Wirtschaftsprüfung ein besonders haariger Punkt. Zumindest könnte man das meinen, wenn man den Klischees der Branche lauscht. Tatsächlich ist es Fakt, dass der Job des Wirtschaftsprüfers nur selten der klassische nine–to–five–Job ist. Doch wie viele dieser Jobs gibt es überhaupt noch? Andererseits stimmt die Gleichung „Wirtschaftsprüfer = viel Arbeit“ auch nicht so pauschal. Das Geschäft der Wirtschaftsprüfer ist deutlich stärkeren Schwankungen unterworfen als viele andere ähnliche Branchen. Beispielsweise ist die Zeit, zu der traditionell die Jahresabschlüsse fällig werden, naturgemäß eine absolute Stoßzeit. Hier fällt extrem viel Arbeit an und die Mitarbeiter lernen ihr Büro auch bei Nacht kennen.

Dadurch ergibt sich aber auch eine Phase der Abkühlung nach dieser Stoßzeit, in der es viele Gesellschaften auch mal etwas lockerer angehen lassen. Darüber hinaus bieten viele der großen Prüfungen bereits flexible Arbeitsmodelle und Homeoffice-Varianten an. Den Wünschen der Mitarbeiter wird also auch hier Sorge getragen. Dennoch ist die Wirtschaftsprüfungsbranche dafür bekannt, besonders arbeitsintensiv zu sein. Im Vergleich zu vielen Großkanzleien ist die Arbeitszeit aufs Jahr gerechnet trotzdem immer noch geringer.

 

Wer also keinen klassischen Juristenberuf ergreifen möchte und sich nicht zu schade ist, auch noch ganz andere Dinge lernen zu müssen, dem sei die Welt der Wirtschaftsprüfer wärmstens empfohlen. Mitgebracht werden sollte: Interesse an wirtschaftlichen Zusammenhängen und großen Unternehmen, der Mitarbeit in einem interdisziplinär arbeitenden Team und natürlich die Lust auf Neues!

 


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Über den Autor

Finn Holzky

Schreibt neben seinem Jurastudium seit 2 Jahren für TalentRocket und hat gerade sein 1. Staatsexamen in Göttingen hinter sich gebracht.

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