Numerus Clausus in Jura - Schreckgespenst - Ja oder Nein

Jura NC – wo gilt welcher Jura Numerus Clausus?

An diesen Universitäten kannst du mit deiner Abi-Note Jura studieren

Am Anfang einer jeden juristischen Karriere steht die Bewerbung und Einschreibung an einer juristischen Fakultät. Gerade die Zeit nach dem Abschicken der Bewerbungsunterlagen bis zum Erhalt des Zulassungsbescheides können dabei quälend lang werden. Wie ist das aber überhaupt mit dem Jura-NC – Wie hoch ist er an welcher Universität? Und wie entwickelt er sich?

Numerus Clausus Jura: Kein zentraler NC wie bei Medizin, Pharmazie oder Tiermedizin

Beginnen wir mit den guten Nachrichten: Es gibt im Gegensatz zu den genannten Fächern weder einen zentralen Numerus Clausus in Jura, noch bedarf es einer Bewerbung über ein zentralisiertes System wie hochschulstart.de.

Das bedeutet zum einen, dass man den Nachteilen, wie dem sehr strengen Numerus Clausus oder der eingeschränkten Studienortwahl aus dem Weg geht. Es bedeutet aber zum anderen auch, dass man sich selbst die Mühe machen sollte, sich über die jeweiligen Studienvoraussetzungen der verschiedenen Universitäten zu informieren. In der Regel muss man deshalb auch mehrere Bewerbungen abschicken.

Ausnahme: Jura-NC an Law Schools

Ausgenommen von irgendeinem Jura NC Verfahren sind natürlich die privaten Anbieter für das Jurastudium, wie zum Beispiel die Bucerius Law School in Hamburg oder die EBS Law School in Wiesbaden. Diese haben ganz eigene Zulassungsvoraussetzungen. Wie diese aussehen und ob es einen Jura Numerus Clausus gibt, erfährst du auf den jeweiligen Internetseiten.

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Gewichtung der Abinote beim Numerus Clausus in Jura

Der Numerus Clausus Jura in Deutschland richtet sich also nach der entsprechenden Universität. Dabei ist anzumerken, dass NC nicht gleich Jura-NC ist. Das bedeutet, wer auf seinem Abiturzeugnis eine 2,0 stehen hat, der bewirbt sich nicht unbedingt auch mit 2,0 bei der Universität seiner Wahl. Regelmäßig findet im Bewerbungsvorgang nämlich eine Bewertung der Noten statt. So haben Noten in den Fächern Deutsch, Politik, Mathematik häufig etwas mehr Gewicht als beispielsweise die Naturwissenschaften. Große Abweichungen sind jedoch eher unüblich.

Ob sich ein Zulassungsbescheid auf dem Weg befindet, hängt also von den Abiturnoten, deren Gewichtung und dem entsprechend vorhandenen oder nicht-vorhandenen Numerus Clausus an der Universität ab. Dieser variiert dabei extrem je nach Größe und Attraktivität einer Universität sowie der Stadt.

Welche Jura-NCs in welchen Städten?

So sind zuletzt in Berlin, der Stadt mit dem höchsten Numerus Clausus, nur Bewerber mit einem NC von 1,5 und besser oder nach drei Wartesemestern angenommen worden. Ebenfalls deutlich unter 2,0 blieb der Numerus Clausus Jura in Düsseldorf und Münster. Im Mittelfeld zwischen 2,0 und 3,0 befinden sich die meisten Universitäten wie beispielsweise die Goethe Universität in Frankfurt am Main, Hamburg, Bochum, Göttingen oder Mainz. 

Aber auch für diejenigen, die sich gerade so durch das Abitur quälen konnten, gibt es Studienplätze. So gab es zuletzt an der Universität Augsburg einen Rechtswissenschaften NC von 3,2. An diesen Unis ist Jura sogar ohne NC: Bielefeld, Frankfurt an der Oder, Passau, der Saarland Universität, Universität Greifswald, Halle, Jena, Leipzig und noch vielen weiteren.

Die aktuellen NC-Werte für Jura an den Universitäten
 

Universität NC Wintersemester 2021/2022
Universität Augsburg Keiner (Stand WiSe 2021/22; Abhängig v. Anzahl Bewerber*innen)
Universität Bayreuth Keiner
Freie Universität Berlin 1,5
Humboldt Universität Berlin 1,7
Universität Bielefeld 3
Ruhr-Universität Bochum 2,4
Universität Bonn 1,4
Universität Bremen 3,3
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf 1,9
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg Keiner
Goethe-Universität Frankfurt/Main 2,4
Europa-Universität Viadrina Frankfurt/Oder Keiner
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg Keiner (Stand Wise 2021/22; Abhängig von Anzahl Bewerber*innen)
Justus-Liebeig-Universität Gießen Keiner (Stand WiSe 2021/22; Abhängig v. Anzahl Bewerber*innen)
Georg-August-Universität Göttingen Keiner (Stand SoSe 2021; Abhängig von Anzahl Bewerber*innen)
Universität Greifswald Keiner
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg Keiner
Bucerius Law School Hamburg (privat) Keiner
Universität Hamburg 1,9
Leibniz-Universität Hannover 3,02
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg zuletzt: WiSe: 1,7-1,9 / SoSe: 2,2
Friedrich-Schiller-Universität Jena Keiner
Christian-Albrechts-Universität zu Kiel Keiner (Stand WiSe 2021/22; Abhängig v. Anzahl Bewerber*innen)
Universität zu Köln 1,8
Universität Konstanz 2,1
Universität Leipzig Keiner (Stand WiSe 2021/22; Abhängig v. Anzahl Bewerber*innen)
Johannes Gutenberg-Universität Mainz Keiner (Stand WiSe 2021/22; Abhängig v. Anzahl Bewerber*innen)
Universität Mannheim Auswahlverfahren (kein fester NC)
Philipps-Universität Marburg Keiner (Stand WiSe 2020/21; Abhängig v. Anzahl Bewerber*innen)
Ludwig-Maximilians-Universität München  Keiner (Stand WiSe 2021/22; Abhängig von Anzahl Bewerber*innen)
Westfälische Wilhelms-Universität Münster 1,6
Universität Osnabrück Keiner (Stand WiSe 2021/22; Abhängig v. Anzahl Bewerber*innen)
Universität Passau Keiner
Universität Potsdam 2,1 (Stand WiSe 2020/21)
Universität Regensburg Keiner
Universität Saarbrücken Keiner (Stand WiSe 2021/22; Abhängig v. Anzahl Bewerber*innen)
Universität Trier Keiner
Eberhard Karls Universität Tübingen 2,6
European Business School (EBS) Wiesbaden (privat) Keiner
Julius-Maximilians-Universität Würzburg Keiner

Der Numerus Clausus ist in Jura kein Hindernis für das Studium

Wer in Deutschland Jura studieren möchte und eine Hochschulzulassung hat, der kann ein entsprechendes Studium durchaus in Erwägung ziehen! Ein Satz, um den uns einige Abiturienten, insbesondere Wunschmediziner, beneiden werden. Denn für eine sofortige Zulassung zum Medizinstudium braucht man im Gegensatz zum Jurastudium aktuell einen Abi-Schnitt von höchstens 1,1. Der Jura-NC ist hingegen recht leicht zu erreichen.

Wo ist das Jurastudium am leichtesten?

 

Wie schön wäre es, wenn es auf diese Frage eine eindeutige Antwort geben würde. So leicht ist es allerdings nicht, denn es gibt verschiedene Faktoren, die die Examensnote letztlich beeinflussen:

  1. Stoffmenge. Die Anforderungen an die Kandidaten schwanken beträchtlich zwischen den jeweiligen Universitäten und Bundesländern. Ist zum Beispiel im zweiten juristischen Staatsexamen Steuerrecht und Wasserrecht Pflicht, müssen diese Rechtsgebiete zusätzlich zu dem anderen Stoff vor den Prüfungsterminen wiederholt werden.
  2. Prüfungsart. Ebenfalls spielt die Art, das erste und zweite Staatsexamen in Jura zu schreiben, eine große Rolle. Handelt es sich dabei um Hausarbeiten oder Blockexamen? Gibt es freie Tage zwischen den Prüfungen? Ist bekannt, welche Fachgebiete abgeprüft werden oder nicht? Diese verschiedenen Examensformen stellen unterschiedliche Anforderungen an die Jurastudenten, die sich je nach persönlichen Präferenzen positiv oder negativ auf die Examensnote auswirken.
  3. Notenverteilung. Seitens der Universitäten und Bundesländer wird oftmals darauf geachtet, einen einigermaßen konstanten Notenschnitt über die Jahre zu halten. So bemühen sich die Prüfungsverantwortlichen einen gewissen Prozentsatz eines Jahrgangs über 9,0 / 6,5 Punkten zu benoten. Obwohl diese Praktik innerhalb einer Prüfungsregion die Chancengleichheit der Juraabsolventen erhöht, erschwert sie die Vergleichbarkeit von Bewerbern aus unterschiedlichen Bundesländern erheblich.

Diese markanten Unterschiede zwischen den einzelnen Universitäten und Bundesländern führen bei den Jurastudenten oft zu der Annahme, dass die Wahrscheinlichkeit positive oder gute Noten beim ersten juristischen Staatsexamen zu schreiben nicht unbedeutend von dem jeweiligen Bundesland abhängt. Ein Blick auf die Notenstatistiken der ersten juristischen Staatsexamen der letzten 10 Jahre zeigt, dass dies jedoch nicht zwingend der Fall sein muss. Während in Bayern die Durchfallquoten und Prädikatsexamen über die Jahre relativ konstant geblieben sind, zeigt sich unter anderem in Baden-Württemberg, Berlin und Brandenburg ein positiver Trend zu sowohl mehr positiv bestandenen ersten juristischen Staatsexamen als auch zu einem höheren Prozentsatz an Prädikatsexamen. Im Bundesland Hessen ist genau das Gegenteil der Fall und die Anzahl an positiv abgelegten Prüfungen sowie Prädikatsexamen ist im Zeitverlauf stark gesunken. Interessant ist auch die Notenstatistik in Nordrhein-Westfalen. Während die positiv bestandenen Staatsexamen im Zeitverlauf gesunken sind, ist jedoch der Prozentsatz an Prädikatsexamen über den gleichen Zeitraum gestiegen. In Sachsen-Anhalt zeigt die Statistik ein regelrechtes Auf und Ab in beiden Kriterien. Konstant positiv hat sich nur Hamburg entwickelt. Hier scheint es den Jurastudenten am leichtesten zu fallen, positive oder sehr gute Prüfungsergebnisse im ersten juristischen Staatsexamen zu erzielen. Das liegt nicht zuletzt an der dortigen Privat-Uni Bucerius Law School, die in der Vergangenheit regelmäßig sehr gute Absolventen hervorgebracht hat.

Was lässt sich aus der Analyse der Notenverteilung des ersten juristischen Staatsexamens schließen? Es gibt keine Garantie, dass Jurastudenten eines bestimmten Bundeslandes die erste Staatsprüfung besser bestehen oder gar mit Prädikat meistern. Genauso wenig lässt sich vorhersehen, in welchem deutschen Bundesland die erste juristische Staatsprüfung besonders schwer ausfallen wird. Letztlich liegt es an den persönlichen Präferenzen und Stärken, ob eine Prüfungsregion tendenziell besser zum eigenen Lern- und Prüfungsstil passt. Ohne viel Fleiß und harte Arbeit wird aber in keinem Bundesland eine Prädikatsnote beim ersten juristischen Staatsexamen zu erreichen sein.

Mit einer Verzögerung von ca. 2 Jahren veröffentlicht das Justizministerium die Prüfungsergebnisse des Ersten und Zweiten Staatsexamens. Hier findest du die durchschnittlichen Jura-Prüfungsergebnisse 2019.