Wie lange dauert ein Jurastudium?

Verfasst von Luisa Woth|Veröffentlicht am 28.08.2026

Wie lange dauert ein Jurastudium?

Staatsexamen, LL.B. und LL.M

Der Weg zur Anwält:in ist eine anspruchsvolle, aber äußerst lohnende Erfahrung. Er erfordert nicht nur Engagement und Durchhaltevermögen, sondern auch eine Menge harter Arbeit. Vom ersten Tag an der Universität bis zum Abschluss der Ersten Juristischen Prüfung und der Zweiten Juristischen Staatsprüfung legen Jurastudierende und Rechtsreferendar:innen einen bemerkenswerten Weg zurück. Daneben bieten juristische Bachelor- und Masterstudiengänge alternative Studienwege, die allerdings nicht unmittelbar zur klassischen Anwaltszulassung führen. Obwohl das Studium eine Herausforderung ist und nicht alle es bis zum Ende durchhalten, zeigen die Prüfungsergebnisse: 72,6 Prozent der Kandidat:innen, die 2024 am staatlichen Pflichtfachteil der Ersten Juristischen Prüfung teilnahmen, haben diesen bestanden (Quelle: Bundesamt für Justiz). Wie lange du für die verschiedenen Ausbildungs- und Studienwege einplanen musst, liest du hier!

2024 haben 9.255 Studierende nach durchschnittlich 10,4 Semestern erfolgreich die Erste Juristische Prüfung absolviert.
Bundesamt für Justiz - Pressemitteilung vom 30.06.2026

Das klassische Jurastudium – so lange dauert es bis zum Zweiten Staatsexamen

Trotz eines wachsenden Angebots an Bachelor- und Masterstudiengängen wird das klassische Jurastudium noch immer mit der Ersten Juristischen Prüfung abgeschlossen. Bis du dich als Volljuristin oder Volljurist bezeichnen kannst, musst du anschließend außerdem den juristischen Vorbereitungsdienst absolvieren und die Zweite Juristische Staatsprüfung bestehen.

1. Grundlagen- und Zwischenprüfungsphase

Zu Beginn des Jurastudiums stehen vor allem die Grundlagen des Bürgerlichen Rechts, des Strafrechts und des Öffentlichen Rechts auf dem Stundenplan. Zum Pflichtfachstoff gehören darüber hinaus unter anderem die jeweiligen Verfahrensrechte, europarechtliche Bezüge, rechtswissenschaftliche Methoden und die Grundlagen des Rechts.

An vielen Universitäten ist die erste Studienphase auf ungefähr vier Semester ausgelegt. Das ist jedoch keine bundesweit einheitliche Vorgabe. Auch die Anforderungen der Zwischenprüfung, die Zahl der Klausuren und Hausarbeiten sowie die Wiederholungsmöglichkeiten unterscheiden sich je nach Universität und Bundesland.

Wer einzelne Prüfungsleistungen nicht besteht, muss das Studium außerdem nicht automatisch beenden. Entscheidend ist, ob noch Wiederholungsmöglichkeiten bestehen oder die Zwischenprüfung endgültig nicht bestanden wurde.

2. Fortgeschrittenenübungen und weitere Vertiefung

Nach der Grundlagen- und Zwischenprüfungsphase werden die Kenntnisse im Bürgerlichen Recht, Strafrecht und Öffentlichen Recht weiter vertieft. An vielen Universitäten finden in dieser Phase sogenannte Übungen für Fortgeschrittene statt, die häufig auch als „Große Übungen“ bezeichnet werden. Sie werden typischerweise in den drei großen Rechtsgebieten angeboten und dienen dazu, anspruchsvollere juristische Fälle selbstständig zu bearbeiten.

Je nach Universität müssen dabei Klausuren und umfangreichere Hausarbeiten bestanden werden. In den Hausarbeiten bearbeiten Studierende einen komplexen Sachverhalt über mehrere Wochen, recherchieren Rechtsprechung und Fachliteratur und setzen sich ausführlich mit juristischen Streitfragen auseinander. Dadurch erlernen sie insbesondere das wissenschaftliche Arbeiten und die vertiefte schriftliche Falllösung.

Wann die Fortgeschrittenenübungen absolviert werden, richtet sich nach dem jeweiligen Studienverlaufsplan. 

3. Das Schwerpunktbereichsstudium

Neben der weiteren Vertiefung der Pflichtfächer wählen Studierende einen Schwerpunktbereich, in dem sie sich intensiver mit einem bestimmten Rechtsgebiet beschäftigen können. An manchen Universitäten beginnt das Schwerpunktbereichsstudium erst nach den Fortgeschrittenenübungen, an anderen überschneiden sich beide Studienabschnitte oder werden in einer anderen Reihenfolge absolviert. Auch Dauer, Prüfungsleistungen und empfohlener Studienbeginn unterscheiden sich nach Universität und Studienordnung.

4. Examensvorbereitung und Repetitorium

Nach Abschluss der wesentlichen Studienleistungen beginnt für viele Studierende die intensive Vorbereitung auf den staatlichen Pflichtfachteil der Ersten Juristischen Prüfung. Dafür besuchen sie häufig ein sogenanntes Repetitorium. Dabei wird der examensrelevante Stoff aus dem Bürgerlichen Recht, Strafrecht und Öffentlichen Recht wiederholt, vertieft und anhand umfangreicher Fälle angewendet.

Studierende können zwischen kommerziellen Repetitorien und den meist kostenfreien Examensvorbereitungsprogrammen der Universitäten wählen oder ihre Vorbereitung selbst organisieren. Ergänzend werden häufig Klausurenkurse besucht, in denen Examensklausuren unter möglichst realistischen Bedingungen geschrieben und anschließend korrigiert werden. Wie lange die Examensvorbereitung dauert, ist individuell und hängt unter anderem vom eigenen Wissensstand und der gewählten Lernmethode ab. Viele Studierende planen dafür ungefähr ein bis eineinhalb Jahre ein. Eine bundesweit vorgegebene Dauer gibt es jedoch nicht.

5. Die Erste Juristische Prüfung

Das umgangssprachlich häufig als „Erstes Staatsexamen“ bezeichnete Examen heißt offiziell Erste Juristische Prüfung. Es besteht aus der staatlichen Pflichtfachprüfung und der universitären Schwerpunktbereichsprüfung. Erst beide Teile bilden gemeinsam die Erste Juristische Prüfung.

Im staatlichen Pflichtfachteil werden die Kenntnisse im Bürgerlichen Recht, Strafrecht und Öffentlichen Recht geprüft. Die genaue Zahl und Ausgestaltung der Klausuren sowie der Ablauf der mündlichen Prüfung richten sich nach dem jeweiligen Landesrecht.

Nach erfolgreichem Abschluss verleihen viele Universitäten auf Antrag einen akademischen Grad wie „Diplom-Jurist:in“. Du kannst nun bereits in verschiedenen juristischen Tätigkeitsfeldern arbeiten. Die Befähigung zum Richteramt und damit den Zugang zu den klassischen reglementierten Berufen erhalten sie jedoch erst nach dem Referendariat und der Zweiten Juristischen Staatsprüfung.

6. Das Referendariat und die Zweite Juristische Staatsprüfung – grundsätzlich zwei Jahre

Raus aus der Universität, rein in die juristische Praxis: Nach der Ersten Juristischen Prüfung folgt für angehende Volljurist:innen der juristische Vorbereitungsdienst, der auch als Referendariat bezeichnet wird.

Der Vorbereitungsdienst dauert in Vollzeit grundsätzlich zwei Jahre. Rechtsreferendar:innen absolvieren dabei Pflichtstationen bei einem ordentlichen Gericht in Zivilsachen, einer Staatsanwaltschaft oder einem Strafgericht, einer Verwaltungsbehörde und einer Rechtsanwältin oder einem Rechtsanwalt. Hinzu kommt mindestens eine Wahlstation, die entsprechend den eigenen beruflichen Interessen gestaltet werden kann. Die konkrete Reihenfolge und Ausgestaltung der Stationen richtet sich nach dem jeweiligen Bundesland.

Während des Referendariats sammelst du praktische Erfahrungen, lernst unterschiedliche juristische Berufsfelder kennen und kannst erste berufliche Kontakte knüpfen. Gleichzeitig bereitest du dich auf die Zweite Juristische Staatsprüfung vor.

Die schriftlichen Prüfungen finden je nach Bundesland bereits während der letzten Ausbildungsstationen statt. Mit dem erfolgreichen Abschluss der Zweiten Juristischen Staatsprüfung erwirbst du die Befähigung zum Richteramt und kannst dich als Volljurist:in bezeichnen.

 

Studienabschnitt Ungefähre Dauer
Grundlagen- und Zwischenprüfungsphase ca. 4 Semester*
Fortgeschrittenenübungen und weitere Vertiefung ca. 2 Semester*
Schwerpunktbereichsstudium ca. 2 Semester*
Examensvorbereitung und Repetitorium ca. 12 bis 18 Monate*
Erste Juristische Prüfung nach durchschnittlich 10,4 Semestern insgesamt
Referendariat und Zweite Juristische Staatsprüfung grundsätzlich 2 Jahre

* Orientierungswerte: Dauer und Ablauf unterscheiden sich je nach Bundesland, Universität und individueller Studienplanung. Mehrere Studienabschnitte können sich zeitlich überschneiden.

Anwält:in nach sieben Jahren? Möglich, aber nicht garantiert

Bis du dich Volljurist nennen kannst, solltest du für das Studium, die beiden Prüfungen und das Referendariat häufig ungefähr sieben Jahre oder mehr einplanen. In Stein gemeißelt ist diese Dauer aber nicht: Manche kommen schneller ans Ziel, andere brauchen etwas länger.

Wie lange die gesamte Ausbildung tatsächlich dauert, hängt unter anderem davon ab,

  • wie das Studium an deiner Universität aufgebaut ist,
  • wann du deinen Schwerpunkt absolvierst,
  • wie viel Zeit du für die Examensvorbereitung benötigst,
  • ob du eine Prüfung wiederholen musst,
  • ob du ein Auslandssemester oder eine Unterbrechung einplanst und
  • ob du nach dem Studium direkt einen Referendariatsplatz bekommst.

Dass sieben Jahre eher eine grobe Orientierung als ein fester Zeitplan sind, zeigt auch die Statistik des Bundesamts für Justiz: Die erfolgreichen Absolvent:innen des Prüfungsjahres 2024 benötigten bis zur Ersten Juristischen Prüfung durchschnittlich 10,4 Semester. 39,2 Prozent schlossen sie in weniger als zehn Semestern ab, 8,7 Prozent nach genau zehn Semestern. Etwas mehr als die Hälfte – 52 Prozent – brauchte länger.

Auch der Studienort kann einen Unterschied machen – allerdings nicht unbedingt so eindeutig, wie es auf den ersten Blick erscheint. In Nordrhein-Westfalen weist die Statistik eine durchschnittliche Studiendauer von 7,9 Semestern aus, im Saarland sind es 14,8 Semester. Das bedeutet aber nicht automatisch, dass du in Nordrhein-Westfalen schneller oder leichter durch das Jurastudium kommst. Auch unterschiedliche Studienmodelle, Prüfungsabläufe und landesrechtliche Regelungen können sich in diesen Zahlen bemerkbar machen.

Am besten betrachtest du die sieben Jahre deshalb nicht als Deadline, sondern als Orientierung. Plane ausreichend Zeit für deine Examensvorbereitung ein und mach dich nicht verrückt, wenn dein persönlicher Weg ein oder zwei Semester länger dauert. Entscheidend ist schließlich nicht, dass du möglichst schnell ans Ziel kommst, sondern dass du gut vorbereitet in die Prüfungen gehst.


Bachelor und Master: So lange dauern LL.B und LL.M

Das klassische Staatsexamen ist längst nicht der einzige Weg, Jura zu studieren. Vielleicht möchtest du früher einen ersten Abschluss in der Hand haben, dich gezielt auf ein bestimmtes Rechtsgebiet spezialisieren oder juristische Inhalte mit wirtschaftlichen beziehungsweise internationalen Themen verbinden. Dann kann ein Bachelor of Laws (LL.B.) oder Master of Laws (LL.M.) eine interessante Alternative oder Ergänzung sein. An einigen Universitäten lässt sich ein Bachelorabschluss inzwischen sogar in das klassische Jurastudium integrieren.

Wichtig für deine Entscheidung: Mit einem LL.B. oder LL.M. allein kannst du grundsätzlich nicht als Richter:in, Staatsanwält:in, Notar:in oder klassisch zugelassene Rechtsanwält:in arbeiten. Dafür benötigst du die Befähigung zum Richteramt, die du erst mit der Zweiten Juristischen Staatsprüfung erwirbst. Dafür stehen dir mit einem juristischen Bachelor- oder Masterabschluss viele andere Karrierewege offen – zum Beispiel in Unternehmen, Kanzleien, Verbänden, der Beratung oder Verwaltung. Welcher Abschluss zu dir passt und wie viel Zeit du dafür einplanen solltest, erfährst du hier.

Die Dauer des LL.B – sechs bis acht Semester

Ein Bachelor of Laws dauert häufig sechs Semester in Regelstudienzeit, also drei Jahre. Einzelne Studiengänge sind auf sieben oder acht Semester ausgelegt. Bei einem LL.B-Studium paukst du nicht nur reines Jura, sondern hast (je nach Studiengang) auch andere Schwerpunkte, zum Beispiel mit wirtschaftlichem oder internationalem Bezug. 

Die Dauer des LL.M – zwei bis vier Semester

Ein Master of Laws setzt in der Regel einen ersten Hochschulabschluss voraus. Das kann ein LL.B. sein, je nach Programm aber auch ein anderer juristischer Abschluss wie die Erste Juristische Prüfung oder ein ausländischer Studienabschluss.

Viele Jurastudierende und Volljurist entscheiden sich für einen LL.M., um ihr Profil zu stärken, sich zu spezialisieren oder internationale Erfahrungen zu sammeln.
Je nach Hochschule und Studienmodell dauert ein LL.M. häufig zwei bis vier Semester. Das gilt sowohl für deutsche als auch für ausländische Programme; einjährige Studiengänge sind insbesondere im Ausland verbreitet. 

Ein LL.M. kann außerdem mit erheblichen Kosten verbunden sein. Wie hoch diese ausfallen, hängt stark von Hochschule, Studienland und Programm ab. Neben den Studiengebühren müssen gegebenenfalls Reise-, Versicherungs- und Lebenshaltungskosten berücksichtigt werden. Besonders bei bestimmten Programmen in den USA oder im Vereinigten Königreich können insgesamt hohe fünfstellige Beträge entstehen.

Jurastudium abgeschlossen, und dann?

Wenn du dein Jurastudium in der Tasche hast, stehen dir viele Berufswege offen. Neben den klassischen Laufbahnen als Anwält:in/Syndikus, Richter:in und Notar:in, gibt es auch viele Jurist:innen, die einen anderen Weg für sich entdeckt haben. Zum Beispiel:

Und diese Liste ist nicht abschließend. Wir haben viele Juristen mit spannenden alternativen Karrierewegen interviewt. Hör doch gerne in unseren New Lawyers Podcast rein!


Wie lange dauert nun das Jurastudium?

Wie lange dein Jurastudium dauert, hängt von vielen Faktoren ab. Entscheidest du dich für den klassischen Weg über die Erste Juristische Prüfung, das Referendariat und die Zweite Juristische Staatsprüfung oder für einen Bachelor- beziehungsweise Masterstudiengang? Wie ist das Studium an deiner Universität aufgebaut und wie viel Zeit möchtest du dir für die Prüfungsvorbereitung nehmen?

Bis zur Ersten Juristischen Prüfung benötigten erfolgreiche Absolvent:innen im Prüfungsjahr 2024 durchschnittlich 10,4 Semester. Für den vollständigen Ausbildungsweg bis zur Volljuristin beziehungsweise zum Volljuristen solltest du häufig ungefähr sieben Jahre oder mehr einplanen. Dabei handelt es sich jedoch nur um eine Orientierung: Dein persönlicher Weg kann kürzer oder länger ausfallen.

Plane vor allem ausreichend Zeit für die Examensvorbereitung ein und mach dich nicht verrückt, wenn du ein oder zwei Semester länger benötigst. Neben der Studiendauer können im späteren Bewerbungsprozess schließlich auch deine Prüfungsergebnisse, praktischen Erfahrungen, Zusatzqualifikationen und deine persönliche Eignung eine wichtige Rolle spielen.

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Luisa Woth
Content Managerin

Als Content Managerin bei Talent Rocket verbindet Luisa ihr juristisches Fachwissen aus dem Bachelor of Laws an der Universität Potsdam mit ihrer Leidenschaft für die Rechtsbranche, um fundierte und praxisnahe Einblicke in die juristische Arbeitswelt zu liefern.